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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 91

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 91 (sequence 95)
Language
German
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1930 sank aber der Wert des Bolivar, konnte jedoch wieder gehoben und stabilisiert werden. Sein offizieller Kurs beträgt zur Zeit 3,18 Bolivares je 1 USA-S, eine RM. gleich 1,29 Bolivars, also 1 Bolivar 0,78 RM. Es besteht eine Staatsbank in Caracas. 1935 wurde eine Novelle zum Staatsbankgesetz erlassen, nach deren Durchführung die Banknoten der Staatsbank z u 65.57 o/o durch Gold gedeckt sein werden. Außer der Staatsbank bestehen noch mehrere inländische Banken sowie Niederlassungen großer Ausländerbanken. Erst gegen Ende des Jahres 1936 ist eine Art Devisenbewirtschaftung eingeführt worden. Ihr Grundzug ist, daß nur diejenigen Exporteure in den Genuß der Subventionen für die Ausfuhr bestimmter Waren (Kaffee u. a.) kommen, die den Devisenerlös zu einem bestimmten Kurs an die regierungsseitig bestimmten Stellen abliefern. — Mit Deutschland wickelt sich der Verkehr über ASKI-Konto ab, wobei 1 Aski-Mark gleich 1 Bolivar gesetzt wird. 2. Land- und Waldwirtschaft Feldbau. Die Hauptprodukte der venezolanischen Landwirtschaft sind Kaffee, Zucker, Baumwolle, Kakao, Tabak und Tonkabohnen. Kaffee und Kakao allein machen ungefähr drei Viertel des gesamten Exportes von Agrarprodukten aus. Wissenschaftliche Ackerbaumethoden werden in den neuen landwirtschaftlichen Stationen gelehrt, die in der Hauptstadt jedes der 20 Einzelstaaten errichtet worden sind. Kaffee ist das wichtigste Agrarprodukt des Landes. Der Kaffeebaum wächst in der gemäßigten Zone in einer Höhe zwischen 500 und 1400 m über dem Meeresspiegel. Ungefähr 220 000 ha sind mit Kaffee bebaut. Die wichtigsten Exporthäfen sind Maracaibo, Puerto Cabello und La Guaira. Die Kaffeernte betrug im Jahre 1936/37 71 600 t, die Ausfuhr 1936 61560 t im Werte von 39,7 Millionen Bolivares. Der vorzügliche Kakao, der in Venezuela wächst, wird hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten exportiert. 1935 wurden 13100 t geerntet, die zum weitaus größten Teil exportiert wurden. Der Wert der Kakaoausfuhr betrug im Jahre 1936 11,5 Millionen Bolivares. Rohrzucker wird hauptsächlich für den eigenen Bedarf gebaut und könnte in noch viel größerem Maße erzeugt werden. Recht bedeutend ist auch die Tabak ernte, die vollständig im Lande zu Zigarren und Zigaretten verarbeitet wird. Es gibt Fabriken in Caracas, Puerto Cahello und anderen Orten. Zum Baumwoll anbau eignen sich große Strecken Landes. Es wird teilweise eine erstklassige Baumwolle erzeugt. Nahezu die ganze Produktion wird auch im Lande verarbeitet und verbraucht. Im westlichen Teil des Landes werden Weizen, Mais, Reis usw. nur für den eigenen Bedarf gewonnen. Für den Export war früher die Tonkabohne von erheblicher Bedeutung, doch hat in letzter Zeit die Erzeugung sehr nachgelassen, da es an Absatz fehlte. Waldwirtschaft. Gewaltig ist der Holzreichtum des Landes; zählt man doch etwa 600 verschiedene Holzarten. Wirtschaftliche Bedeutung besitzen besonders folgende Erzeugnisse der Waldwirtschaft: Farbstoffe, verschiedene Gerbrinden, wertvolle Bauhölzer, Medizinalpflanzen, Gespinstpflanzen, sowie Kautschuk und Gummi. Freilich besitzt dieser letztere heute, im Zeitalter der Kautschukplantagen, nicht mehr im entferntesten die Bedeutung wie früher, als nur der wildwachsende Kautschuk durch Raubbau gewonnen wurde. Zum großen Teil ist der Reichtum der venezolanischen Wälder noch ungenutzt; riesige Urwälder harren der Erschließung. Viehzucht. Ungefähr ein Drittel des Landes eignet sich zur Viehzucht. Die ungeheuren tropischen Tiefebenen der Llanos, die vom ■ Orinoko und seinen Nebenflüssen bewässert werden, sind zwar als Weideflächen nicht mit der argentinischen Pampa zu vergleichen, tragen aber auch gewaltige Viehherden. Der Mangel an Transportmitteln hat bisher allerdings die Entwicklung der Viehzucht stark behindert. Neuerdings versucht besonders ein großer englischer Konzern durch Einfuhr erstklassiger Zuchttiere die einheimischen Rinder- und Schafrassen zu verbessern. — Der Rindviehbestand soll etwa 2 Millionen Stück betragen; etwa eben so groß soll die Zahl der Ziegen und Schafe sein. Die Häute und Felle dieser Tiere bilden wichtige Exportartikel; der Wert der Ausfuhr machte 1936 3,4 Millionen Bolivares aus. Die Regierung ist bestrebt, die Entwicklung von Landwirtschaft, Viehzucht und Forstwirtschaft in jeder Weise zu fördern. 3. Bergbau und Industrie Venezuela ist reich an Bodenschätzen. Das Erdöl, das in der modernen Technik und Wirtschaft eine so einzigartige Rolle spielt, besitzt eine überragende Bedeutung für den Wohlstand des Landes. Es wird hauptsächlich in der Lagunengegend von M a r a c a i b o gewonnen, aber auch im Orinokogebiet hat man wichtige Petroleumvorkommen festgestellt. Venezuela war in den letzten Jahren der drittgrößte Petroleumproduzent der Welt und vermehrt noch fortgesetzt seinen Anteil an der Weltproduktion. 1936 wurden 22,8 Millionen Tonnen (etwa 9,5 v. H. der Welterzeugung) gefördert. Dieses wichtigste Ausfuhrprodukt des Landes —■ das allein ungefähr 90 v. H. des Gesamtexportes ausmacht — bringt Venezuela jährlich eine halbe Milliarde Bolivares ein. Es wird hauptsächlich in rohem Zustande mit flachen Tankdampfern nach den nahen holländischen Kolonien exportiert, wo es raffiniert und weiter verkauft wird. Nach einer nichtamtlichen Statistik wird das in Venezuela investierte britische Kapital auf annähernd 18,2 Millionen £, das nordamerikanische auf 234 Millionen $ geschätzt. Diese Summen stecken hauptsächlich in der Erdöl- Industrie; die vorwiegend englische Shell und die amerikanische Standard Oil Co. sind beide in Venezuela stark vertreten. Hinter dem Petroleum treten alle anderen Bodenschätze an Bedeutung weit zurück. Es gibt eine ganze Reihe von Asphaltvorkommen, von denen aber nur eins, bei Guanoco, durch eine amerikanische Gesellschaft ausgebeutet wird. Für die Ausfuhr ist Asphalt zur Zeit kaum von Bedeutung. Gold, das hauptsächlich in der Gegend von Ciudad Bolivar gewonnen wird, bildet schon seit längerer Zeit einen erheblichen Exportartikel Venezuelas. Allmählich verschiebt sich das Zentrum der Produktion ostwärts an die Grenze von Britisch - Guayana. An der Goldgewinnung sind vor allem drei große ausländische Gesellschaften beteiligt. Das Gold wird per Flugzeug aus der Minengegend nach Maracay gebracht. Die Produktion betrug 1936 3435 kg. Kohle von nicht sehr guter Qualität wird bei Naricual in staatlichen Bergwerken gewonnen und zu Briketts verarbeitet. Es gibt auch einige Vorkommen an anderen, für die Verschiffung günstig gelegenen Orten. Kupfer wird bei Aroa von der Südamerikanischen Kupfergesellschaft gewonnen. Früher wurden noch andere Vorkommen ausgebeutet, doch hat dort die Produktion aufgehört. Es sind ferner Lager von Magnesit, Eisenerz, Zinnerz, Glimmer u. a. bekannt und zum Teil ausgebeutet. Industrie. Gegenüber der Ausbeutung der reichen Bodenschätze, die auch einen großen Teil der verfügbaren Arbeitskräfte des Landes beansprucht, tritt die verarbeitende Industrie des Landes an Bedeutung zurück. Im großen und ganzen beschränkt sich die Industrie auf die Herstellung billiger Verbrauchsgüter des täglichen Bedarfs. Am wichtigsten ist hier, wie in den meisten neu industrialisierten Ländern, die Textil-Industrie, die bezeichnenderweise mit der Herstellung billiger, für die Kaufkraft der armen Masse erreichbarer Artikel begann. Venezuela hat zehn Baumwöll-Textilfabriken. Ferner bestehen im Lande Schuh - und Lederfabriken, deren Produktion von guter Qualität ist. Die größten Gerbereien befinden sich in Caracas, Valencia und La Guaira. Eine Papierfabrik deckt fast den ganzen Inlandsbedarf. Auch Zement, Glas, Möbel, Seife u. a. werden im Lande hergestellt. 5 Bierbrauereien arbeiten größtenteils für den eiimeimischen Markt» Nicht unerheblich ist ferner die Lebensmittelindustrie, die Schokolade, Nudeln, Mineralwasser usw. produziert. Verhältnismäßig bedeutend ist die Fabrikation von Strohhüten. Endlich betreibt Venezuela seit 1930 auch die Seidenraupenzucht; die Zahl der angepflanzten Maulbeerbäume wird auf 150 000 angegeben. Die Schwierigkeit des Ausbaus der Industrie besteht zu einem Teil darin, daß die meisten Rohstoffe eingeführt werden müssen. 4. Außenhandel Bei einer Einfuhr in der Größenklasse um 200 Millionen Bolivars (1933: 211,6) und einer Ausfuhr um 700 Millionen Bolivars (1936: 768,5) hat Venezuela stets bedeu- 91

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