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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 58

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 58 (sequence 62)
Language
German
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die Stadt Cali, und schließlich sind noch Barranquilla und Medellin mit kleinen jüdischen Gemeinschaften zu erwähnen. Auch die wichtigsten Provinzstädte haben jüdische Einwohner. Trotz ihrer geringen Zahl sind leider die Juden Columbiens unter sich nicht einig; es gibt mannigfache Gegensätze sowohl zwischen den Aschkenasim und den Sefardim, wie innerhalb der erstgenannten Gruppe zwischen den verschiedenen Parteirichtungen. Eine Reihe jüdischer Organisationen, die bis vor kurzem völlig unabhängig voneinander arbeiteten, sind jetzt in einer „Jüdischen Föderation von Columbien" als umfassender Dachorganisation vereinigt. Diese Föderation bemüht sich, die. jüdische Gesamtheit in der Republik zu vertreten, was um so notwendiger ist, als sich in letzter Zeit erhebliche antisemitische Strömungen im Lande bemerkbar gemacht haben. Die Föderation wird von allen jüdischen Gemeinden unterstützt und verfügt über Vertrauensleute und Korrespondenten auch an den. Orten, wo es keine Gemeinden gibt. Im übrigen sind aber die Gemeinden und sonstigen Organisationen selbständig. Von der Föderation direkt wird eine Anzahl Einrichtungen unterhalten, so ein sozialer Verein in Bogota, eine Synagoge, eine Wohltätigkeitsanstalt, ein Friedhof usw. Die Föderation beschäftigt sich auch mit zionistischen und sonstigen Dingen von allgemein-jüdischem Interesse; in der letzten Zeit hat sich die Föderation auch der Unterbringung neu Eingewanderter gewidmet, und zwar mit gutem Erfolg. Die jüdische Bevölkerung in Bogota ist mit wenigen Ausnahmen erst im Laufe der letzten zehn Jahre eingewandert. Beruflich setzt sie sich aus ungefähr 50 v. H. Kaufleuten und Kleinindustriellen (die Schuh- und Kleiderfabriken, Webereien, Lederwarenfabriken usw. besitzen) und zu 50 v. H. aus Hausierern zusammen. Ueber die wirtschaftliche Lage der Juden von Bogota heißt es in einem ungemein wertvollen Bericht der „H i c e m" vom April 1936, dem wir auch eine Reihe anderer Angaben über Columbien mit gütiger Erlaubnis entnehmen, folgendermaßen: „Niemand beklagt sich über seine materielle Lage; alle verdienen genug, um ihre Ausgaben zu decken; vielen ist es sogar gelungen, mäßige Ersparnisse zu machen." Unter den jüdischen Einwohnern von Bogota sind ungefähr 15 v. H. Sefardim. In Cali leben etwa 1400 Juden, wovon etwa 700 Juden aus Deutschland, 400 Ostjuden und der Rest Sefardim sind. Hier herrscht unter allen Eintracht. Jede Gruppe (Ostjuden und Juden aus Deutschland als eine Gruppe zusammen gerechnet) hat ihr wohlorganisiertes Zentrum, besitzt einen Friedhof und befaßt sich mit Wohltätigkeit, Unterricht usw. In Cali besteht auch eine Synagoge und ein Hilfsverein. In wirtschaftlicher Hinsicht besteht die Judenheit in Cali zu etwa 75 v. H. aus Kaufleuten und kleinen Gewerbetreibenden und zu etwa 25 v. H. aus Hausierern. Die Aschkenasim von Cali befassen sich augenblicklich damit, ihren Religionsunterricht zu organisieren; zu diesem Zweck hat man einen guten Lehrer verpflichtet. In Barranquilla mit etwa 150 Juden gibt es ein jüdisches Zentrum, welches sogar juristische Person ist, ferner eine jüdische Schule und einen Friedhof. Die Lage all dieser Juden ist recht gut, sie befassen sich auch hier mit Handel und Kleinindustrie, und wie überall gibt es auch hier Hausierer. Die Sefardim besitzen die wichtigsten Handels- und Industriefirmen; einer von ihnen hat eine Seiden- und Wollstoff-Fabrik gegründet, die ein erhebliches Kapital aufweist. Barranquilla ist eine Hafenstadt in starkem Aufschwung, und die jüdische Bevölkerung wird sicherlich zunehmen, wie sie denn auch in den letzten Jahren schnell gewachsen ist. — Ein anderes wichtiges Zentrum ist Medellin. Auch hier gibt es ungefähr 150 Juden, deren Lage in allen Punkten der der Juden von Barranquilla stark ähnelt. Die Juden, die über die übrigen kleinen Städte des Landes verstreut leben, sind in der Mehrzahl Hausierer; nur eine kleine Zahl von ihnen ist fest niedergelassen. Im allgemeinen kann man aber damit rechnen, daß aus den Hausierern bald Kaufleute werden, die sich in den wichtigsten Zentren niederlassen, sobald sie durch den Hausierhandel das nötige Anfangskapital zusammengebracht haben. Man gibt nach Möglichkeit den Hausierhandel auf, weil ihm die Behörden, ebenso wie die Bevölkerung, höchst unfreundlich gegenüberstehen. Hierdurch, ebenso wie durch die kulturelle Anziehungskraft der Städte auf den jüdischen Einwanderer, entsteht eine starke Tendenz zur Zusammenballung in den wichtigsten Städten. VI. Lebenshaltung und Lebenshaltungskosten Für den Einwanderer aus Europa, der nicht wie die einheimischen Columbianer gewohnt ist, nur von Volksnahrungsmitteln wie Reis und Bananen zu leben, ist die Lebenshaltung in Columbien keineswegs billig. Der mehrfach erwähnte Bericht der Hicem enthält in dieser Hinsicht folgende Angaben: Kosten für eine ledige Person monatlich: Miete für 1 Zimmer für 2 Personen (die Hälfte) 10 Pesos Pension mit Verpflegung 25 Pesos Kleidung, verschiedene Unkosten 10 Pesos 4köpfige Familie: Miete Nahrung (von der Hausfrau zubereitet) Verschiedene Unkosten 45 Pesos 25 Pesos 60 Pesos 15 Pesos zusammen: 100 Pesos Wie wir von anderer sehr urteilsfähiger Seite hören, dürften diese Angaben sehr niedrig gegriffen sein. Man könne in Bogota in einer bescheidenen, aber für Europäer noch möglichen Pension Zimmer und Verpflegung für bereits 35—40 Pesos bekommen, in einem erstklassigen Hotel zahle man aber etwa 75 Pesos. Möblierte Zimmer kosten nach dieser Quelle ohne Verpflegung 15—20 Pesos, Mahlzeiten in einem guten Restaurant 0,50—0,70 Pesos. Für Getränke muß man pro Mahlzeit 10—20 Cent rechnen. (Trinkgelder sind in Columbien nicht üblich, außer im Hotel.) Bei eigenem Haushalt ist für ein Häuschen oder eine Wohnung von 5 Zimmern oder mehr (kleinere Wohnungen sind in Bogota schwer zu haben) je nach Lage und Komfort 50—80 Pesos monatlich zu rechnen, für den Haushalt bei kleiner Familie 60—75 Pesos monatlich, für ein Dienstmädchen 8—10 Pesos. Dies alles ist auf eine gutbürgerliche Lebensführung berechnet. Das Preisniveau für Bekleidung ist folgendermaßen: Anständige Herrenkonfektion (Anzüge oder Mäntel) unterste Preisklassen 25—35 Pesos, Trench-coats 15 Pesos, billige Damenkleider ab 15 Pesos, gute Damenschuhe 5—8 Pesos, gute Herrenschuhe 8—10 Pesos. Billige Damenstrümpfe 0.80—1.40 Pesos, gute etwa 2 Pesos. Herrensocken etwa 80 Cent., Herrenhemden etwa 2 Pesos. Teuer ist das Schulgeld, für das etwa 25 Pesos monatlich zu rechnen sind. Aerzte erhalten für eine Konsultation 2—3 Pesos. — Ein Wochenendausflug in die wärmeren Gegenden, der aus gesundheitlichen Gründen von Zeit zu Zeit erforderlich ist, kostet pro Person mit allen Nebenkosten etwa 5—10 Pesos, je nach dem Wohnort. Zusammenfassend kann man sagen, daß als Existenzminimum einschließlich Kleidung und unvermeidlichen Nebenausgaben bei bescheidenem europäischem Lebensstandard für eine einzelstehende Person 700, für ein kinderloses Ehepaar 1200 Pesos im Jahr zu rechnen sind. Bei behaglicher gut bürgerlicher Lebensführung wird eine kleine Familie im ganzen mindestens 2500 bis 3000 Pesos jährlich brauchen. Dies alles gilt für Bogota und für den Preisstand von Mitte 1936; im großen und ganzen geben diese Angaben jedoch heut noch einen brauchbaren Anhalt, da der Preisstand sich seitdem nur um etwa 5 v. H. erhöht hat. In den übrigen Städten des Landes lebt man zum großen Teil billiger. Mieten sind in den meisten anderen Städten niedriger als in Bogota; in Cali z. B. ist eine große Wohnung bereits für 35 Pesos erhältlich. Die Lebensmittel kosten in Barranquilla etwa %, in Medellin etwa 3/5, in Cali, Cartagena und Manizales etwas mehr als die Hälfte der Preise von Bogota. In Medellin fällt vor allem auch die Notwendigkeit des Klimawechsels mit seinen Kosten fort. In Barranquilla und Cartagena sind allerdings wieder gewisse Nebenkosten unvermeidlich, die mit der Lebenshaltung im heißen Tropenklima zusammenhängen. Was die Kosten einer Wohnungseinrichtung angeht, so sind Möbel relativ billig, ein Küchentisch ist für 2 Pesos, ein größerer besserer Tisch für 4—6 Pesos erhältlich; einfache mahagonifarben gebeizte Stühle gibt es von 2.50 Pesos an. Für einen Kleiderschrank sind 35—40 Pesos anzusetzen; ein Eisengestell mit Sprungfedermatratze bekommt man bereits für 10 Pesos, eine Wolldecke kostet 4.50—7 Pesos. Auch wenn 58

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