Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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von der Regierung in jeder Weise gefördert; im Dezember 1937 wurden 2 Millionen Pesos zum Ausbau der Industrie bereitgestellt. 5. Außenhandel Der Gesamtwert der columbianisehen Ausfuhr betrug 1937 182,9 Mill. Pesos, im Vorjahre 157,9 MM. Die Gesamteinfuhr hatte 1937 den Wert von 167,8 Mill. Pesos gegenüber nur 134,1 Mill. Pesos im Jahre 1936. Somit ergab sich für 1937 ein Ausfuhrüberschuß in Höhe von 15,1 Mill. Pesos. Doch ist hierbei zu berücksichtigen, daß ein großer Teil des Ausfuhrertrages nicht in Columbien verbleibt, sondern denjenigen Ländern zufließt, deren Kapital in columbianisehen Unternehmungen angelegt ist. Besonders stark ist die ausländische Kapitalbeteiligung in der Petroleum - Produktion, der Platingewinnung und dem Bananenexport. Die weitaus wichtigsten Abnehmer des columbianisehen Exports sind die Vereinigten Staaten, während in der Einfuhr neben diesen auch Deutschland und zeitweilig Großbritannien eine sehr bedeutende Rolle spielen; seit 1935 macht Deutschland sogar den Vereinigten Staaten den ersten Platz als Lieferant Columbiens streitig. Die columbianisehen Exporte wurden schon oben geschildert. Die Einfuhr bestand hauptsächlich aus Verbrauchsgütern oder Halbfertigwaren; an Investitionsgütern ist die Einfuhr noch relativ gering. Die deutsche Einfuhr aus Columbien betrug im Jahre 1937 44 951 000 RM. (vornehmlich Kaffee); die Ausfuhr 33 103 000 RM. Die wichtigsten Waren und Warengruppen der Ausfuhr Deutschlands 1937 gehen aus der folgenden Uebersicht hervor. 1000 RM Gewebe aller Art 2355 Papier, Pappe, Papierwaren 1263 Farben usw. 1780 Eisenguß und Walzerzeugnisse 1990 Fertige Kleidungsstücke 1080 Keramische Erzeugnisse 1544 Werkzeuge und Eisenwaren 4553 Waren aus unedlen Metallen 940 Maschinen aller Art 3495 Elektrot. Erzeugnisse 1183 Pharmazeut, u. kosmet. Erzeugnisse 5615 Zwischen Deutschland und Columbien ist im Mai 1937 ein Abkommen für 18 Monate abgeschlossen worden, das beiden Ländern devisentechnisch gewisse Vorteile zusichert und geeignet ist, den Handelsverkehr zwischen ihnen zu verstärken. — Gemäß Angaben der Deutsch-Südamerikanischen Bank besteht für folgende deutsche Erzeugnisse Interesse: Rohstoffe und Maschinen für die Landesindustrie, Baumaterial, optische und photographische Erzeugnisse, Glas und Glaswaren, Leder, Chemikalien und pharmazeutische Erzeugnisse, Papier und Papierwaren. 6. Wirtschaftsentwicklung Die allgemeine Wirtschaftslage in Columbien hängt gänzlich von der Preisgestaltung für sein wichtiges Ausfuhrerzeugnis, den Kaffee, ab. Wenn auch die Nachfrage für columbianisehen Kaffee in den letzten Jahren durchaus günstig war, — die Ausfuhr konnte von 133 0001 im Jahre 1924 auf 244 000 t im Jahre 1937 gesteigert, also mengenmäßig nahezu verdoppelt werden — so hängt der wirtschaftliche Erfolg der Ausfuhr doch stark vom Kaffeepreise ab. Die Preisgestaltung auf dem Kaffeemarkte war die letzten Jahre hindurch infolge der brasilianischen Stützungspolitik verhältnismäßig günstig gewesen, so daß der Wert der Kaffee-Ausfuhr aus Columbien sich von 1932 (dem Tiefpunkt der letzten 10 Jahre) bis 1937 mehr als verdoppelt hat. Die Aufhebung der brasilianischen Stützungspolitik gegen Ende 1937 bewirkte einen bedeutenden Sturz auch der Preise für columbianisehen Kaffee. Sie hat dadurch eine starke Krise in der Wirtschaft Columbiens hervorgerufen, deren Auswirkungen, wie wir aus Berichten von Einwanderern wissen, sich in aUen Gebieten und allen Gewerben gezeigt haben. Verschärft wurde diese Krise noch dadurch, daß eine Zeitlang die Einfuhr nach Columbien seine Ausfuhr überstieg, so daß also die zur Bezahlung der Einfuhr notwendigen Devisen nicht mehr zur Verfügung standen. Aus diesem Grunde hat die Regierung Einfuhr- und Devisenbewilligungen kurze Zeit überhaupt nicht mehr erteilt und erteilt sie z. Z. nur im allernotwendigsten Maße. Nach den letzten Nachrichten soll die Krise fast wieder überwunden sein (September 1938). Die Wirtschaftspolitik der columbianisehen Regierung beschränkt sich jedoch nicht auf die Regelung der Einfuhr und des Devisenverkehrs; vielmehr versucht sie die gefährliche Abhängigkeit der Wirtschaftslage vom Kaffeepreis aufzuheben. Die Umstellung der Landwirtschaft auf andere Nutzpflanzen, wie etwa Baumwolle, ist kaum möglich, da das Klima der Kaffeeplantagengebiete dies nicht zuläßt. Um so mehr fördert die Regierung die Industrialisierung in jeder Weise, vor allem durch Schutzzölle. Ein neuer Zolltarif ist in Vorbereitung. Besondere Bevorzugung sollen Industriezweige genießen, welche einheimische Rohprodukte verarbeiten. Dies bezieht sich besonders auf die Tabakbranche, Brauereien, Baumwollfabriken, Zuckerfabriken, Zementfabriken, Getreidemühlen, Kaffeeröstereien usw. Die Baumwollindustrie wird noch besonders durch Einschränkung der Einfuhr von Baumwollwaren gefördert. Infolge dieser Entwicklung ist für die Gründung neuer Unternehmungen durch Personen mit industriellen Fachkenntnissen die Aussicht nicht ungünstig. IV. Kulturelles Wie in ganz Südamerika ist auch in Columbien die vorherrschende Religion der Katholizismus. Doch ist man anderen Bekenntnissen gegenüber ausgesprochen tolerant. Die Staatsschulen sind sämtlich katholisch, aber Privatschulen anderer Bekenntnisse sind gestattet. Das Niveau der allgemeinen Bildung ist in Columbien wesentlich höher als in den Nachbarrepubliken Venezuela und Ecuador. Der Volksschulbesuch ist zwar unentgeltlich, aber es besteht kein Schulzwang; trotzdem ist der Teil der Bevölkerung, der tatsächlich die Schule besucht, mit 5 v. H. für südamerikanische Verhältnisse ziemlich groß. Im Jahre 1936 bestanden 8314 Volksschulen mit rund 552 000 Schülern, 406 höhere Bildungsanstalten und Lehrerseminare mit zusammen über 29 000 Schülern; ferner 200 Gewerbe- und Fortbildungsschulen mit fast 12 000 Schülern. Trotz dieses ausgebreiteten Bildungswesens besteht immer noch ein nicht unerhebliches Analphabetentum; 1928 waren noch 23 v. H. der männlichen und 25 v. H. der weiblichen Bevölkerung über 10 Jahre Analphabeten; seitdem hat sich aber der Prozentsatz noch weiter gesenkt. Wie ernst es der Regierung um die Hebung des Bildungsniveaus ist, geht mit besonderer Deutlichkeit aus einem im Dezember 1934 unterzeichneten Gesetz hervor, wonach mindestens 10 v. H. der Staatseinnahmen (der Zentralregierung) für Bildungszwecke verwendet werden müssen. Nach dem Urteil einiger Auswanderer sollen die Schulen in Columbien gut sein. Die älteste Universität des Landes ist die vor über 400 Jahren begründete Universität von Bogota, die ebenso wie die Bergakademie von Medellin dem Staat gehört; dagegen werden die drei Universitäten in Cartagena, Popayan und Pasto von den Departements unterhalten. Im ganzen zählten die Universitäten fast 3000 Studenten. Die Literatur und das Pressewesen stehen in Columbien verhältnismäßig sehr hoch. Es hängt wohl mit dem gebirgigen Charakter des Landes zusammen, daß die einzelnen, voneinander durch die Natur getrennten Landesteile ein starkes kulturelles Eigenleben entwickelt haben. Auch scheint die Weltabgeschiedenheit vieler Orte und die damit verbundene Spärlichkeit der Nachrichten die Fähigkeit zur kritischen Verarbeitung gestärkt zu haben. — Die Hauptstadt Bogota wird manchmal das „Athen Südamerikas" genannt; an dieser euphemistischen Bezeichnung ist jedenfalls soviel richtig, daß eine zahlenmäßig kleine Oberschicht schon seit Generationen bestimmte Literaturzweige, wie die Kunst des leichten Essays, besonders kultiviert hat. In Bogota selbst erscheinen neun Tageszeitungen. Im übrigen Lande sollen nicht weniger als 300 verschiedene Zeitschriften, Magazine und dergleichen erscheinen. Ein spanisch-jüdisches Blatt „Nuestra Tribuna" erscheint in der Hauptstadt. V. Jüdisches Leben Die Zahl der Juden in Columbien mag jetzt etwa 3000 betragen. Davon dürften die meisten in Bogota ansässig sein; eine größere jüdische Bevölkerung hat auch 57