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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 54

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 54 (sequence 58)
Language
German
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Einwohnern je Quadratkilometer etwa ein Zwanzigstel der deutschen. Im Vergleich zu anderen südamerikanischen Staaten ist das Land aber dicht bevölkert. In geographischer Hinsicht wird Columbien vor allem durch zwei Faktoren charakterisiert: durch seine Lage an zwei Meeren und durch die Höhenzüge der Cord i 11 e r e n, die den westlichen Teil des Landes in seiner ganzen Längsausdehnung nordsüdlich durchziehen. Als Zwei-Meer-Land hat Columbien seit der Lostrennung Panamas als selbständige Republik an Bedeutung verloren; doch bietet auch jetzt noch die Lage am Pazifischen und am Atlantischen Ozean dem columbianischen Exporteur große Erleichterungen, deren Bedeutung für den Außenhandel des Landes mit zunehmender Entwicklung des Binnenverkehrs wachsen wird. Die Gebirgszüge erschweren außerordentlich die inneren Verkehrs- und Transportverhältnisse; wie Barrieren riegeln sie gerade die fruchtbarsten und industriell günstigsten Gebiete von den Wasserstraßen und Küstenhäfen ab. Frachten erreichen deshalb die Hauptstadt Bogota erst nach einem Zeitraum von zwei Wochen bis zwei Monaten. — Im einzelnen weisen die wichtigsten Landesteile folgende Hauptkennzeichen auf: Der östliche Teil des Landes ist als Tiefland mit ungesundem Tropenklima nur dünn besiedelt, ebenso die westlichen Küstengebiete. Diese Gebiete, die etwa zwei Drittel des Landes ausmachen, sind mit weiten Urwaldflächen bedeckt. Die eigentlichen Siedlungszentren liegen in der gemäßigten Zone längs der Cordillerenzüge. Zwischen den Kämmen der Ost-Cordilleren dehnen sich mineralogisch und landwirtschaftlich begünstigte Gebiete aus. Bergbau (Platin, Gold, Edelsteine, Kohle, Eisen, Salz), Viehzucht und Ackerbau (Weizen, Gerste, Kartoffeln, Obst und Gemüse in den höheren Lagen; Reis, Kakao, Zuckerrohr, Bananen und Mais in den niedriger gelegenen Zonen) sind hier vereint. Inmitten dieses begünstigten Beckens liegt — in einer Höhe von 2660 m — die Landeshauptstadt Bogota, die sich in wahrhaft amerikanischem Tempo entwickelt. Diese moderne Großstadt von 420 000 Einwohnern besitzt prächtige Regierungsbauten wie die Universität und den Justizpalast, und über 50 große Gesehäftsgebäude, die zwischen den alten, meist einstöckigen Häusern emporschießen. Es herrscht reger Auto- und Straßenbahn-Verkehr. Die Vororte bestehen z. T. aus schönen Villenvierteln. Das Klima Bogotas, das als „regnerisches Frühlingswetter" charakterisiert wird, ist für Europäer im allgemeinen günstig. Infolge seiner Höhenlage ist aber Bogota nur für Menschen mit gesundem Herzen zu empfehlen. Das Tal des Magdalena-Stromes trennt diesen Teil der Cordilleren, in dem Bogota liegt, von der Zentral- und West-Cordillere. In seinem Ober- und Mittellauf zunächst durch unbesiedelte Gebiete fließend, wird der über 1700 km schiffbare Strom zur Hauptverkehrsader Columbiens, die zirka 70% des Außenhandels trägt. Stromschnellen müssen durch Bahnen umgangen werden. Das Mündungsgebiet des Flusses ist trotz der dort herrschenden tropischen Hitze wieder dicht besiedelt. Dort liegt vor allem Barranquilla, das mit 180 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes ist. Durch die Ausbaggerung der Magdalena-Mündung ist Barranquilla sowohl Flußwie Seehafen-Stadt geworden. Bald werden Frachten, die bisher in dem Hafen Puerto Colombia entladen wurden, um per Bahn oder Auto zunächst nach Barranquilla befördert und dort wieder auf das Schiff umgeladen zu werden, die Magdalena-Mündung geradenwegs passieren können. Barranquilla ist als Umschlagshafen und Zentrum des columbianischen Kaffeehandels eine wichtige Handelsstadt mit ausgedehntem Geschäftsviertel und Industrieanlagen. Der zweitwichtigste atlantische Hafen ist Cartag e n a, das 130 000 Einwohner zählt, und durch seine alten Forts und seine romantische Bauweise im spanischen Stil eine der interessantesten Städte Südamerikas ist. In den Tälern der Zentral- und West-Cordillere n, die sich parallel zum Magdalena-Tal und der Ost-Cordillere hinziehen, liegen von der ecuadorianischen Grenze ab zahlreiche Siedlungen. Zu einer reichen Kulturlandschaft wird aber ihr Gebiet erst im Distrikt Antioquia. der nächst dem Bogotas der volkreichste des 54 ganzen Landes ist und über eine Million Einwohner zählt. Seine Hauptstadt ist M e d e 11 i n, das „Manchester Südamerikas", das von einer überaus rührigen und tüchtigen Bevölkerung von etwa 150 000 Seelen bewohnt wird. Medellin ist eine moderne, als Bergbau- und Kaffeezentrum bedeutende Stadt, deren Klima tropischer ist als das Bogotas. Von der Gegend um Medellin sagt ein hervorragender Kenner Südamerikas, hier habe sich „eine Kolonistenrasse von besonderer, in ganz Amerika nur selten erreichter Tüchtigkeit" gebildet, die sich schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts in kolonisatorischer Ausweitung befinde. „Diese Kolonisation war und ist eine Kolonisation nicht des Kapitals, . . . sie ist eine Kolonisation des schwierig zu bearbeitenden, aber reichen Ertrag gebenden Bergurwaldes durch den Bauern selbst. ... Die kolonisatorische Rasse von Medellin verkörpert den Fortschritt. Diese Rasse, an deren Aufbau das jüdische Element wesentlich beteiligt ist, arbeitet, und sie arbeitet hart. Sie hat den Willen der Eroberung, wie ihn die Spanier hatten; aber sie verstand und versteht Eroberung nicht mit Waffengewalt, sondern mit Pflug und Axt, die sie selbst in die Hand nimmt." (Aus: Hermann Lufft, „Latein-Amerika".) Von den anderen Städten des Landes ist noch C a 1 i mit 120 000 Einwohnern zu nennen, der wichtigste Handelsplatz West-Columbiens, der durch den Caucafluß mit dem bedeutendsten pazifischen Hafen Columbiens Buenaventura verbunden ist. Das Gebiet der pazifischen Küste, speziell der Chocodistrikt, trägt ungesunden Tropencharakter und ist sehr dünn, teilweise gar nicht besiedelt. Infolge der gebirgigen Natur des Landes erwies sich der Eisenbahnbau in Columbien als überaus kostspielig und schwierig. Die Eisenbahnen sind häufig nur Stichbahnen auf kurzen Strecken oder Umgehungslinien für die nicht schiffbaren Teile der Ströme, welche die Hauptverkehrsadern des Landes bilden. Die weitaus wichtigste Wasserverkehrsstraße Columbiens ist der Magdalenenstrom, der das Innere des Landes mit dem Caribischen Meer verbindet und etwa 1700 km weit schiffbar ist. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Entsprechend der geographischen Struktur des Landes ist das Klima Columbiens sehr uneinheitlich. Während die Küstengebiete ein für Europäer kaum erträgliches Tropenklima aufweisen, haben die Gebirgsgegenden gemäßigte, ja kühle, und gesunde Temperaturen. Die Hauptstadt Bogota, die 2660 m hoch liegt, weist eine jährliche Durchschnittstemperatur von 14° C auf. C a 1 i, eine der Städte mit starker Einwanderung während der letzten Zeit, hat Schwankungen von 15° bis 30° C, eine Durchschnittstemperatur von 23° C und gilt als gesund. Medellin, eine der größten und geschäftigsten Städte des Landes, hat eine Durchschnittstemperatur von 21° C bei einer Höhe von 1509 m, der bedeutende Innenhafen Puerto B e r r i o 26° C bei 165 m Höhe. Als besonders heiß gelten die Flußtäler des Patia und Magdalena, das Departement Choco an der pazifischen Küste und die an Ecuador angrenzenden Tiefebenen im Süden des Landes. Es gibt keine einheitlichen Jahreszeiten für das ganze Land: die Trockenzeit wird Sommer, die Regenzeit Winter genannt; Trocken- und Regenzeit lösen einander in etwa dreimonatigem Wechsel ab. Die Temperatur bleibt das ganze Jahr hindurch ungefähr die gleiche, was auf den an den Rhythmus der Jahreszeiten gewöhnten Körper des Europäers ermüdend wirkt. In den heißen Gegenden des Landes sind Malaria, Dysenterie (rote Ruhr) und Hakenwurmleiden häufig, in der gemäßigten Zone Hakenwurmleiden; in den kalten Regionen treten öfter Typhus, Tuberkulose, durch Parasiten hervorgerufene Darmkrankheiten und harmlose Erkältungen auf. In verschiedenen Gegenden und sogar in manchen Städten findet man Lepra, doch wird diese mit modernen Methoden unter Leitung eines jüdischen Arztes bekämpft. Die Niederlassung in den hohen Regionen über 1500 m ist nur für Menschen mit ganz gesunden Organen (Herz, Lunge, Nieren usw.) zu empfehlen. Europäer pflegen zeit-

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