Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Das brasilianische Obst ist von guter Qualität und bildet ein Exportprodukt von ständig wachsender Bedeutung. Der Orangenanbau wird besonders ausgedehnt, seit man sich durch Einteilung der Früchte in Größenklassen, durch moderne Verpackungsmethoden und Transport in Kühlschiffen europäische Märkte eroberte. Als Orangen produzent wird Brasilien nur noch von U. S. A. übertroffen. Die brasilianischen Orangen sind sehr süß und von großem Wohlgeschmack, aber häufig unansehnlich, ein Fehler, der jetzt durch geeignete Zuchtwahl behoben wird. Etwa 3/4 der brasilianischen Orangenausfuhr ging nach Großbritannien. Neben Orangen und anderen Zitrusfrüchten (vor allem Mandarinen und Grapefruits) werden Bananen, Ananas und Nüsse exportiert, und andere Obstsorten, darunter Wein und einige in Europa unbekannte Fruchtarten, für den heimischen Bedarf gezogen. Zu den an Exportbedeutung zunehmenden Agrarprodukten zählen auch Oelfrüchte, unter ihnen vor allem Rizinussaat. Die Ausfuhrmenge der Oelfrüchte stieg von 1934 auf 1936 um mehr als das Doppelte auf rund 240 000 t. — Eine ausgesprochene industriepflanze ist die Carnaüba- Palme, deren Blätter einen wachsartigen Stoff ausscheiden. Das Carnaubawachs wird zur Produktion von Schreibmaschinen- Farbbändern, Kohlepapier, Schuhputzmitteln, Bohnerwachs, Schallplatten u. a. verwandt. Vorwiegend für den heimischen Bedarf wird Reis angebaut (Ernte etwa 1,2 Mill. Tonnen jährlich). Ein kleiner Ueberschuß wird exportiert. — Fast ausschließlich für den heimischen Konsum werden schwarze Bohnen geerntet (durchschnittlich 12 Mill. Sack zu 60 kg jährlieh), die neben Mandiokam e h 1 und Reis zu den Hauptnahrungsmitteln des brasilianischen Volkes gehören. — Die gesamte Ernte an Mais (durchschnittlich um 5,5 Mill. t) und an Weizen (nur etwa 140 000 t) wird vom heimischen Verbrauch aufgenommen. Die Weizenproduktion ist noch unzureichend; große Mengen von Weizen und Weizenmehl werden eingeführt. Diese Einfuhr macht etwa ein Achtel des gesamten Werts der brasilianischen Einfuhr aus. Schon um die Devisen dafür zu sparen, wird die weitere Ausdehnung des Weizenanbaus staatlich gefördert. Das brasilianische ebenso wie das argentinische Nationalgetränk ist der Mate-Tee, der aus den Blättern der Herva Mate (der spanische Name ist: Yerba Mate) zubereitet wird. Die Matebäume wachsen wild auf den großen Hochebenen des Südens und Südostens des Landes. Brasilien, das etwa 75 °/o der ganzen südamerikanischen Mateproduktion erzeugt, exportiert diesen Tee nach Argentinien und Uruguay und ist bereits auf dem europäischen Markte gut eingeführt. 1936 betrug die Erzeugung 42 500 t, die Ausfuhr 68 600 t. (Näheres über die Yerba Mate im Kapitel „Paraguay".) Brasilien ist außerordentlich reich an Drogen- und Medizinalpflanzen. Es sind gegenwärtig Bestrebungen im Gange, diese Pflanzen durch systematische Kultivierung auszunutzen. Die brasilianische Gummi gewinnung, der Wildkautschuk, im Gegensatz zum Plantagenkautschuk, der anderen gummierzeugenden Ländern zur Verfügung steht, war in den letzten Jahren einer schweren Absatzkrise ausgesetzt. Erstens war der Plantagenkautschuk billiger als der Wildkautschuk geworden, und zweitens war, trotz der großen Steigerung des Gummibedarfs der Industrie, die Produktion der Plantagen größer geworden als der Bedarf des Marktes. — Gegenwärtig wird die brasilianische Gummierzeugung mit Hilfe staatlicher Mittel und nordamerikanischen Kapitals neu gestützt. Henry Ford verwirklicht einen großen Plan zur industriellen Verwertung des Rohgummis im Staate Parä. Man hofft, durch Förderung der nationalen Gummi-Industrie die Kautschukkrise weiter zu beheben. Die Kaffeeplantagen im Staate Säo Paulo betreiben als eine Nebenerzeugung neuerdings die Seidenraupenzucht. Das Klima ist für Maulbeerbäume günstig, und mit der Seidenraupenzucht sind viele italienische Immigranten vertraut. Einen guten Absatzmarkt bilden die brasilianischen Textilfabriken. Schon im Jahre 1934 betrug die Rohseidenproduktion allein im Staate Säo Paulo 55 000 kg, im Jahre 1936 in ganz Brasilien 700 000 kg. Die gewaltigen Wälder des brasilianischen Binnenlandes stellen ein unerschöpftes und, wegen der Verkehrsverhältnisse, zum Teil auch kaum erschöpfbares Reservoir von Hölzern dar. Die brasilianischen Holzsorten sind von so verschiedener Art, daß man Holz für nahezu sämtliche Verwendungszwecke findet. Zwei große Gruppen lassen sich unterscheiden, die B a u - und die Farbhölzer. Die Bauhölzer werden zum großen Teit in Brasilien selbst im Hoch- und Möbelbau verwandt. Von den Farbhölzern ist das berühmteste das sogenannte Brasilholz zum Rotfärben; daneben gibt es sogenanntes Blau- und Gelbholz. Zur Schwarzfärbung wird das Holz des Herva-Mate- Baumes verwandt. Ein Teil der brasilianischen Holzproduktion wird von Parä aus exportiert. Während die Viehzucht in Argentinien, dem größten Weideland der Welt, dem Ackerbau an Bedeutung mindestens gleichkommt, tritt sie in Brasilien hinter diesem weit zurück. Dies heißt aber nicht etwa, daß die brasilianische Viehzucht unerheblich sei. Das Gegenteil ist der Fall. Die Hochebenen des Innern und des Südens bieten ein vorzügliches Gelände für Viehzucht. Nach einer Zählung des Jahres 1937 gab es in Brasilien 40,9 Mill. Stück Rindvieh, 24,8 Mill. Schweine, 13,0 Mill. Schafe, 6,2 Mill. Ziegen, 6,1 Mill. Pferde und 3,3 Mill. Esel und Maultiere. Die Ausfuhr von Viehprodukten ist im Zunehmen begriffen. Vor allem werden Schmalz, Talg, Gefrier-, Kühl-, Dörr- und Konservenfleisch, Häute und Felle exportiert. Der gesamte Wert der landwirtschaftlichen Erzeugung wird für 1936 auf 10,2 Millionen Contos geschätzt. Der Menge nach kamen rund 15 v. H. zur Ausfuhr. 2. Bodenschätze und Montanindustrie Brasilien ist reich an Bodenschätzen, die, wie Eisen- und Manganerze, die Grundlage einer weitgehenden Industrialisierung bilden können. Zugleich aber besteht in diesem Lande ein Mangel an den zur Verarbeitung nötigen Kraftquellen, vor allem an Kohle, und ein unglückliches Lageverhältnis der vorhandenen Kohlenfelder zu den Erzvorkommen. Die wichtigsten Kohlenabbaugebiete sind die Staaten Rio Grande do Sul und Santa Catharina; die wichtigsten Eisenfundstätten befinden sich in Minas Geraes, und das Zentrum der industriellen Verarbeitung ist Säo Paulo. Infolge der Transportkosten ist der Kohlenpreis in den Verkaufsgebieten rund dreimal so hoch wie in den Abbaugebieten. Bis zum Krisenausbruch betrug die Einfuhr von Kohle rund das Vierfache der heimischen Produktion. Aber die Wirtschaftskrise, vor allem die Entwertung des Milreis, zwang Brasilien zur stärkeren Ausnutzung seiner auf 5 Milliarden Tonnen geschätzten Kohlenlager, die allerdings eine Kohle von schlechter Qualität (mit großen Verbrennungsrückständen) liefern. Die Kohlenförderung wurde von jährlich durchschnittlich 350 000 Tonnen in den 20er Jahren auf 757 000 Tonnen im Jahre S I LBER5TEI NitCO Inhaber BERLIN S036 REICHENBER GER STRASSE 15?