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Jüdische Auswanderung · 1939-01-01 · Januar 1939 · p. Seite 30

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1939. Bestand LBI
Issue
Januar 1939
Date
1939-01-01
Page
Seite 30 (sequence 34)
Language
German
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diese nicht für europäische Besiedlung in Betracht kommen ließen. Als Beispiel der Temperaturverhältnisse seien hier die von Beiern (Parä), 1,27° südlich des Aequators, genannt. Kältester Monat ist dort der Februar, wärmster der November; die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt ca. 26° C. Um diese Temperatur variieren die Monatsdurchschnitte nur um etwa 1°, so daß man von temperaturbedingten Jahreszeiten kaum reden kann. Aehnlich sind die Temperaturverhältnisse von Recife (Pernambuco), nur daß hier der verhältnismäßig kälteste Monat der Juli und der wärmste der Februar ist. B. An die ausgesprochen tropische Zone schließt sich die subtropische Zone mit mittleren Temperaturen von 20—25° C an. Sie umfaßt die Staaten Bahia, Sergipe, Espirito Santo, Rio de Janeiro, Minas Geraes, Säo Paulo, den Süden von Matto Grosso und Goyaz, sowie den Norden von Parana. Die Jahresdurchschnittstemperatur von Rio de Janeiro beträgt 22,5° C. Rios kältester Monat ist der Juli (20°), sein wärmster Monat der Februar (26°). Rio ist eine der gesündesten Tropenstädte; kühle Winde machen die Hitze zumeist erträglich. Die Regenzeit Rios dauert von November bis Mai. Säo Paulos Klima ist für den Mitteleuropäer noch angenehmer als das Rios. Seine Höhenlage von 760 m mindert die Temperaturen, die in diesen Breitengraden sonst herrschen. Zudem ist Säo Paulo niemals ganz windstill. Es hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von 18°; kältester Monat ist der Juli (14°), wärmster der Januar (22°). In Säo Paulo sind also die Temperaturunterschiede zwischen der Sommer- und Winterzeit deutlicher ausgeprägt als in den meisten anderen Städten Brasiliens, was ebenfalls dazu beiträgt, daß europäische Einwanderer sich in Säo Paulo wohlfühlen. S a n t o s liegt zwar nicht weit von Säo Paulo entfernt, hat aber als tiefgelegene Küstenstadt erheblich höhere Temperaturen. Hier beträgt der Jahresdurchschnitt 22°, die Temperatur des kältesten Monats (Juli) 18,5°, die des wärmsten Monats (Dezember) 25°. Noch vor nicht allzu langer Zeit war der Hafen Santos berüchtigt wegen des dort herrschenden Gelbfiebers, von dem einlaufende Schiffe häufig hart betroffen wurden. Heute ist diese Krankheit, in Santos wie im ganzen Küstengebiet, vöUig ausgerottet. C. In der dritten, der gemäßigten Zone, in welcher Parana, Rio Grande do Sul und Santa Catharina liegen, schwanken die Durchschnittstemperaturen zwischen 15 und 21°. In den sogenannten Wintermonaten fällt in diesen Staaten manchmal die Temperatur bedeutend und nähert sich nachts sogar dem Nullpunkt. Curityba, die Hauptstadt des Paranägebietes, ist 908 m hoch gelegen. Ihre Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 16,5°. Kältester Monat ist der Juni (12°) und wärmster der Januar (20,5°). Das südlicher und nur 30 m hoch gelegene Städtchen Blumenau im Staate Santa Catharina weist eine Jahrestemperatur von 21° auf. Die Temperaturen der extremen Monate Juni und Januar betragen 16 bzw. 25°. Auch hier sind also die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen ziemlich gut ausgeprägt; daher wurde diese Gegend als landwirtschaftliches Siedlungsgebiet mitteleuropäischer (deutscher) Einwanderer bevorzugt. Die schlimmste Krankheitsgeißel Brasiliens, das Gelbfieber, ist heute in den Gebieten, denen sich die europäische Einwanderung zuwendet, verschwunden. Dies ist tatkräftigen Regierungsmaßnahmen zu verdanken. Lediglieh einige Gebiete im Landesinnern, nach denen sich die Immigration nicht richtet, sind noch malariaverseucht. Die Moskitos bilden dort eine große Plage. Schädigungen durch diese und andere Insekten, sowie durch Giftschlangen auf dem Lande werden ebenfalls durch wirksame Gegenmaßnahmen bekämpft (Herstellung von Schlangenserum durch das weltberühmte Instituto Butantan in Säo Paulo). In den Großstädten ist die Sterblichkeitsziffer gering (in Rio sterben von 1000 der Bevölkerung nur 20 im Jahre). 3. Bevölkerung und Einwanderung Die Bevölkerung Brasiliens stellt ein wohl einzigartiges Rassengemisch dar. Außer den drei Grundrassen, nämlich den Indianern, den Portugiesen und den durch den Sklavenhandel in das Land gekommenen Negern, die sich nach Aufhebung der Sklaverei im Jahre 1888 stark mit der übrigen Bevölkerung vermischten, sind noch die „Mulattos" (Mulatten), hervorgegangen aus der Verbindung von Weißen mit Schwarzen, die „Caboclos" oder „Mamelucos", aus einer Verbindung von Weißen mit Indianern, und die „Zambos", aus einer Vermischung von Schwarzen mit Indianern, zur brasilianischen Rasse zu rechnen. In den letzten Jahren macht sich auch ein starker mongolischer Einfluß bemerkbar, der auf die Verbindung mit einwandernden Chinesen und Japanern zurückzuführen ist. Die Rassenvermischung geht soweit, daß es nicht nur schwer fällt, den Anteil der Rassen an der Gesamtbevölkerung zu schätzen, sondern daß auch Rassengegensätze kaum entstehen können, da ja fast jeder Brasilianer mehr oder weniger Neger- oder Indianerblut in sich trägt. Das ganz andersartige Empfinden des Brasilianers in Rassenfragen ist für den Europäer oder Nordamerikaner eine der erstaunlichsten soziologischen Erscheinungen. Der Brasilianer nennt die Neger nicht „Schwarze", sondern aus Gründen des Takts „dunklere" Brasilianer. Doch würde er es als eine Beleidigung auffassen, wenn man Brasilien „verniggert" nennen würde, denn das würde bedeuten, daß die schwarze Rasse teilweise die anderen verdrängt hätte, während der Brasilianer annimmt, daß in Wirklichkeit der Weiße das schwarze Element aufsaugt und sich assimiliert. Der tropische Norden des Landes ist stärker von schwarzem Blute durchsetzt als die gemäßigten Staaten des Südens. Während bis in die höchsten Schichten, einige •Beamten- und Offiziersfamilien vielleicht ausgenommen, gewisse Spuren von Negerblut nachzuweisen sind, steht der reinrassige Neger sozial auf niedrigster Stufe. Der Anteil der Zugewanderten an der Gesamtbevölkerung ist hoch; er dürfte etwa ein Zehntel betragen. Von diesen Zugewanderten ist ein großer Teil bereits naturalisiert. Ueber den Anteil der Ausländer liegen die letzten zuverlässigen Angaben aus dem Jahre 1920 vor. Damals befanden sich unter 30,6 Mill. Einwohnern 29,1 Mill. Brasilianer und 1,5 Mill. Fremde. Unter diesen Ausländern standen die Italiener mit 0,56 Millionen an erster Stelle. Ihnen folgten die Portugiesen (0,43 Millionen), die Spanier (0,22 Millionen) und, in großem Abstand, an vierter Stelle die Deutschen (0,05 Millionen). (Ueber die jüdische Bevölkerung siehe den Abschnitt „Jüdisches Leben".) Die jährliche Einwanderung verteüte sich auf die Herkunftsländer etwa in gleichem Verhältnis wie die oben wiedergegebenen Fremdenziffern. Erst in jüngster Zeit hat sich hier eine (vielleicht vorübergehende) Wandlung vollzogen. Abgesehen davon, daß die Gesamtzahl der Einwanderer von durchschnittlich 96 000 während der Jahre 1920 bis 1930 auf 50 000 im Jahre 1934 und gar 13 000 im Jahre 1937 fiel, und die Zahl der Auswanderer anstieg (im Jahre 1936 auf fast 24 000!), traten jetzt auch die Herkunftsländer in anderer Reihenfolge auf. 1937 wanderten 4600 Personen aus Portugal, 3300 aus Japan, 1700 aus Polen, 1200 aus Deutschland, 500 aus Spanien und 400 aus Italien ein; der Rest von 1100 verteilt sich auf verschiedene Länder. Die brasilianische Verfassung vom Jahre 1934 unterwarf die Einwanderung einem der nordamerikanischen Gesetzgebung nachgebildeten Quotensystem; und zwar soll die Zahl der jährlichen Einwanderer eines Landes nicht 2 % der Gesamtzahl der Einwanderer, die während der letzten 50 Jahre aus dem betreffenden Lande nach Brasilien kamen, überschreiten. Die Verfassung von 1937 erhält diese Bestimmungen aufrecht; die Quoten sind für 1937 insgesamt aul 85 400 Einwanderer festgesetzt worden. Die Quote für Deutschland beträgt 4772, wovon 3818 auf Landwirte entfallen. 1936 haben nur Japan und Polen die ihnen zukommenden Quoten nahezu erreicht. Die Einwandererzahlen aus allen anderen Ländern blieben weit unter der Zulässigkeitsgrenze. Es sind Bestrebungen im Gange, die Einwanderimg landwirtschaftlicher Arbeiter zu fördern. Der größte Teü der Einwanderung richtet sich nach Säo Paulo; auch innerhalb Brasiliens setzte seit Ueberwindung des Krisentiefstandes in der letzten Zeit eine starke Binnenwanderung nach dieser Stadt ein. Von August bis Dezember 1935 kamen allein 28 000 brasilianische Arbeiter nach Säo Paulo. Die brasilianische Bevölkerung vermehrt sich sehr stark; sie stieg von 30,6 Millionen im Jahre 1920 auf schätzungsweise 42,4 Mill. im Jahre 1936. Die Vermehrung ist nur zu geringem Teil auf Einwanderung zurückzuführen; vorwiegend beruht sie auf dem großen natürlichen Geburtenüberschuß. .70

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