Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Wirtschaftslebens, das auch zum Mittelpunkt der Immigration geworden ist. Der Staat Säo Paulo besitzt das vollständigste und modernste Verkehrssystem der Republik. Etwa 50 o/o der industriellen Produktion Brasiliens entstammen den 6000 Fabriken des Staates Säo Paulo. Einen Begriff von der Bedeutung Säo Paulos vermittelt die Tatsache, daß im Jahre 1934 über 30 o/o des gesamten Steuerertrages der Bundesstaaten aus diesem Staate kamen. Die Stadt Säo Paulo ist die zweitgrößte des Landes. Sie liegt etwa 60 km landeinwärts von Santos entfernt, und zählt 1,7 Millionen Einwohner. Da Säo Paulo etwa 800 m hoch liegt, hat es ein gemäßigtes Klima, im Gegensatz zu dem tiefgelegenen Santos, wo es außerordentlich heiß ist. Gegenüber Säo Paulo zeigt Rio mehr vornehme Zurückhaltung; Säo Paulo hat dagegen einen durchaus betriebsamen, kommerziellen Charakter. Das Bild dieser wohlhabenden Stadt wird durch große Bürohäuser bestimmt, unter ihnen das größte Betongebäude der Welt, ein 25 Stockwerke hoher Wolkenkratzer. Säo Paulo vereinigt einen nordamerikanischen Stadttypus mit südlicher Betriebsamkeit und ist dabei eine typische junge Einwandererstadt. Nur etwa ein Drittel ihrer Einwohner dürfte Brasilianer sein. Italiener, Spanier, Portugiesen, Deutsche, Syrer haben ihre Stadtteile innerhalb der Großstadt. Die nächstgrößte Stadt Brasiliens ist R e c i f e mit 491000 Einwohnern, auch nach dem Staat, dessen Hauptstadt sie ist, Pernambuco genannt. Recife ist die bedeutendste Stadt Nordbräsiliens und liegt im östlichsten Bezirk des Kontinents. Sie besteht aus drei Teilen: einer Halbinsel (das eigentliche Recife „Riff"), einer Insel zwischen Halbinsel und Festland (Säo Antonio) und einem festländischen Stadtteil (Boa Vista), die durch Brücken miteinander verbunden sind. Die Stadt wird von zahlreichen Kanälen durchschnitten, was ihr den Namen „brasilianisches Venedig" eintrug. Das enggassige Stadtzentrum wurde vor einigen Jahren niedergerissen und durch großzügig angelegte moderne Straßen ersetzt. Recife ist der erste transatlantische Landeplatz des Zeppelins. Südlich von Recife liegt in 650 km Entfernung die Hauptstadt des gleichnamigen Staates B a h i a, deren eigentlicher Name Säo Salvador da Bahia ist. Säo Salvador ist eine traditionsreiche Stadt mit vielen antiken Kirchen und Regierungsgebäuden, die lange mit dem aufstrebenden Säo Paulo um den Rang der zweiten Stadt Brasiliens kämpfte, schließlich aber ins Hintertreffen geriet. Heute hat sie etwa 370 000 Einwohner. Säo Salvador zerfällt in eine Unter- und Oberstadt; der durchschnittlich 60 m betragende Höhenunterschied wird durch mehrere große Personen- und Lastenaufzüge und steile Autostraßen überwunden. In der gesünderen Oberstadt befinden sich die Wohnviertel und die Regierungsgebäude, während sich in der Unterstadt das Geschäftsleben abspielt. Die Bucht, an der Säo Salvador liegt, bildet einen vorzüglichen Naturhafen. Säo Salvador ist der Hauptverschiffungsplatz für Tabak und Kakao. Porto Alegre („Fröhlicher Hafen"), die Hauptstadt des südlichsten der brasilianischen Bundesstaaten, Rio Grande do Sul, mit 336 000 Einwohnern, gilt als bedeutendstes Wirtschaftszentrum südlich von Säo Paulo und ist eine moderne und fortschrittliche Stadt mit guten Autostraßen, wolkenkratzerhohen Geschäftshäusern und schönen Gartenanlagen. Sie liegt am Nordufer der Lagöa dos Patos, eines in 300 km Länge sich parallel zur Küste streckenden, haffartigen Binnensees. Das deutsche Element ist in der Stadt und in den Siedlungen ihrer Umgebung besonders stark vertreten. Beiern, auch nach dem Staat, deren Hauptstadt es ist, P a r ä genannt, liegt 145 km landeinwärts an der meerartig sich erweiternden Mündung des Amazonas. Die Stadt zählt etwa 300 000 Einwohner. Beiems moderner Hafen, der Ozeanschiffen zugänglich ist, ist der Umschlagsplatz für einen großen Teil der Produkte des Amazonasgebietes. Gegen ihre Umgebung, die reines Urwaldgebiet ist, sticht diese Stadt mit ihrem fast orientalisch regen Leben und Treiben stark ab. Das Stadtbild ist höchst malerisch. Viele Bauten aus der Kolonialzeit sind in schönen schattigen Straßen und auf weiten Plätzen erhalten, und auf den Märkten handelt das bunteste Bevölkerungsgemisch. Der berühmte Botanische Garten der Stadt ist eigentlich ein Stück Urwald, das durch Wege zugänglich gemacht ist. Die Hauptstadt des Staates Minas Geraes, Bello Horizonte, eine Stadt von 180 000 Einwohnern, liegt etwa 1000 m hoch inmitten eines reichen Bergbau- und Landwirtschaftsdistrikts. Infolge der Höhenlage ist das Klima erfrischend und gesund. Fortaleza auch nach ihrem Staate C e a r ä genannt, ist mit 146 000 Einwohnern die nächstgrößte Stadt. Sie liegt an der Nordküste Brasiliens und ist der Exporthafen für die Tropenprodukte ihres Hinterlandes. M a c e i 6, zwischen Recife (Pernambuco) und Säo Salvador (Bahia), an der Ostküste gelegen, hat etwa 134 000 Einwohner, und ist der Sitz verschiedener Industrien, die Artikel des Massenverbrauchs herstellen. Die Produkte des Staates A 1 a g ö a s werden hier verschifft. Curityba, die Hauptstadt des südlichen Staates Paranä, hat rund 120 000 Einwohner. Sie erfreut sich durch ihre Höhenlage von etwa 1000 m eines gemäßigten Klimas und ist von blühenden Kolonien umgeben, die dort den Absatz und Verladeplatz ihrer unter den günstigsten Klimaverhältnissen und auf fruchtbarem Boden gewachsenen Produkte finden. Mit dem 104 km entfernt liegenden Hafen Paranagua ist Curityba durch Eisenbahn, mit Säo Paulo durch Bahn und Autostraße verbunden. Die größte Siedlung des riesigen inneren Amazonasgebietes ist Manäos (90 000 Einwohner), am Rio Negro, 20 km vor seiner Mündung in den Amazonas, gelegen. Hier konzentriert sich der Handel der Tropen- und Urwaldprodukte, die nicht nur dem brasilianischen Bundesstaat Amazonas entstammen, sondern auch aus den benachbarten Gebieten Columbiens, Perus und Boliviens kommen. Obgleich Manaos 1700 km von der Amazonasmündung entfernt liegt, gelangen Ozeandampfer bis in seinen Hafen. Neben den hier genannten größeren Städten gibt es eine Fülle von Provinzstädten, besonders in den gemäßigten Gebieten Südbrasiliens. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Entsprechend seiner Ausdehnung kann man nicht von einem einheitlichen Klima Brasiliens sprechen. Es ist jedoch möglich, im großen ganzen drei Zonen zu unterscheiden : die tropische Aequatorzone, die subtropische Zone und die gemäßigte Zone. A. Die Aequatorzone, deren mittlere Temperatur über 25° C liegt, erstreckt sich über den Norden des Landes hin, vom Amazonengebiet bis zum südlichen Pernambuco, über den Norden von Goyaz und über den Staat Matto Grosso bis zu dessen Hauptstadt Cuyabä. Hier herrscht eine für Europäer ungesunde W ä r m e, die besonders im Amazonasgebiet mit kaum erträglicher Feuchtigkeit der Luft verbunden ist. Weiter nach Nordosten zu, im Staate Cearä, ist eine unfruchtbare Trockenheit festzustellen. Beides, feuchte Wärme wie übergroße Trockenheit, sind Faktoren, die die wirtschaftliche Entwicklung der Gegend hemmten und Inh. Julie Sara Peyser WILHELM GRASSOW INTERN AT I O N ALE SPEDITION £&ilut-&e44Üc^dorf -Jiwikstr. 10-11 ■&üfA90917 2il