Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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große Mengen von Werkzeug, Werkstätten-Einrichtungen und ähnliches muß verzollt werden. Der Zoll ist sehr hoch. Es empfiehlt sich, sich von der zuständigen heimischen Polizeibehörde eine Bescheinigung darüber ausstellen zu lassen, daß die mitgeführten Gegenstände seit längeren Jahren im Besitz des Wanderers gewesen sind. Diese Bescheinigung soll durch die zuständige Brasilianische Vertretung beglaubigt werden. 3. Ausstattungs- und Heiratsgut Ausstattungs- und Heiratsgut ist zollpflichtig. II. Das Land 1. Natur und Haupteinteilung des Landes A. Allgemeine geographische Uebersicht Brasilien übertrifft an Größe bei weitem alle anderen Länder Südamerikas; fast so groß wie ganz Europa, ist es mit seinen 8511000 qkm etwa 15mal so groß wie Deutschland. Da seine Bevölkerung etwa 42 395 000 zählt (Ende 1936), beträgt seine durchschnittliche Bevölkerungsdichte nur 5,0 pro qkm. Es ist noch ein „Land ohne Volk". Seiner Ausdehnung und seiner natürlichen Struktur nach ist es eher einem Kontinent als einem Staat vergleichbar. Es verfügt über Gebiete tropischen, subtropischen und gemäßigten Charakters. „Einige der 21 Einzelstaaten haben einen größeren Gebietsumfang als bedeutende Weltstaaten. So ist Matto Grosso doppelt so groß wie Frankreich, Amazonas hat das fünffache Areal von Groß-Britannien und Minas Geraes ist größer als Deutschland." (Heinrich Jonen, „Die Wirtschafts- und Verkehrs Probleme im modernen Brasilien".) Diese gewaltige Fläche birgt Urwälder, die noch der Erschließung harren; große Flüsse mit gigantischen Wasserfällen, die zukünftige Industrien mit elektrischer Kraft versehen können; riesige Weideflächen, die Nahrung genug böten für den Viehbestand der ganzen Welt; fruchtbare Küstengebiete und Hochebenen; Mineral vorkommen, die nach den bisherigen Schätzungen Brasilien in die Reihe der erzreichsten Länder stellen. Mit der Verschiedenheit des Klimas wechseln die Produktionen; im kühleren Süden des Landes wächst Weizen; dort erntet man Lupinen, Flachs und Weintrauben; im tropisch heißen Norden gedeiht der Gummibaum, die Kakaobohne und das Zuckerrohr; im ganzen Lande wachsen Bananen, Ananas und andere Tropenfrüchte. Der Kaffee, die reichste Einnahmequelle des Landes, gedeiht von Santa Catharina im Süden bis zur Amazonenmündung im Norden. Auch die Landschaft Brasiliens weist eine große Mannigfaltigkeit auf; folgende ganz charakteristische Landschaftstypen lassen sich feststellen. Das Amazonas-Tiefland — das Gebiet der großen Ströme — ist die eigentliche Urwaldzone. Der Urwald wirkt durch seine überwältigende Vegetation hemmend auf die Besiedlung und Kultivierung dieses Landstrichs, so daß im riesigen Amazonasgebiet nur wenige hundert qkm bebaut sind. Das ganze Amazonasgebiet ist als eine geographische und wirtschaftliche Einheit aufzufassen, die durch den Europäer nur schwer erschließbar ist. — Das Innere Brasiliens ist ein Bergland von 300 bis 800 m Höhe, das sich stufenweise von den hohen Küstengebirgsketten und den teilweise dahinter liegenden Gebirgszügen nach dem Innern des Kontinents abdacht. Die Küste ist durch große Buchten und Lagunen stark gegliedert und besitzt wundervolle Seen. Ihr sind zahlreiche Inseln vorgelagert. Das Küstengebirge, das sich an einen schmalen Tieflandsaum anschließt, erreicht Höhen bis zu 2200 m; es trägt die Bezeichnung Cordilheira Maritima oder Serra do Mar, Gebirge des Meeres. Die dahinter liegende Serra Geral (Hauptgebirge) erreicht eine Höhe von fast 3000 m. Jenseits der Berge senkt sich das Land terrassenartig bis zur Niederung der Binnenlandströme und gliedert sich dabei in Hochebenen auf. Das Verkehrsproblem ist für Brasilien eine Lebensfrage. Die ungeheure Größe des Landes und der verschiedenartige klimatische und wirtschaftliche Charakter seiner Teile bieten dem Binnenverkehr solche Schwierigkeiten, daß man schwerlich von einer einheitlichen brasilianischen Volkswirtschaft sprechen kann. So hat sich auch weniger ein gesamtbrasilianisches Verkehrsnetz herausgebildet als gewisse, räumlich getrennt liegende Verkehrslandschaften. Die Verkehrspolitik des modernen Brasilien geht darauf aus, diese Verkehrslandschaften unter einem einheitlichen Gesichtspunkt miteinander zu verbinden und so ein Verkehrssystem für das ganze Land zu schaffen. Die Tatsache, daß Brasilien der Wassermenge nach die gewaltigsten Ströme der Erde besitzt, ist wirtschaftlich bisher nur wenig ausgenutzt worden, wird aber in Zukunft für die industrielle Entwicklung des Landes von größter Bedeutung werden, da hierin große Kraftreserven liegen. Der Amazonas, der an einigen Stellen eine Breite von 110 km aufweist, mißt eine Strecke von 5400 km, der Parana im Süden 4390 km, der Madeira im Amazonas-Gebiet 3240 km und der Purus, ebenfalls im Amazonas-Tiefland, 3000 km. Bei diesem gewaltigen und weitverzweigten Flußsystem Brasiliens scheint es auf den ersten Blick, als ob hierdurch die Möglichkeit gegeben wäre, den Verkehr tief in das Innere des Landes zu tragen, doch stellt die Natur dieser Verkehrsentwicklung so große Schwierigkeiten entgegen, daß die brasilianische Binnenschiffahrt stark zurückgeblieben ist. Zahlreiche mächtige Wasserfälle bewirken nämlich Schiffahrtsunterbrechungen, und auf den Küstenflüssen behindern Sandbänke und Riffe den regulären Verkehr. Dagegen ist die Küstenschiffahrt gut entwickelt. (Nach: G. Sinner, ,,Brasilien".) B. Der Bundesdistrikt und die wichtigsten Städte Brasiliens Hauptstadt, Rio de Janeiro, bildet einen eigenen Bundesdistrikt, der in den Staat Rio de Janeiro eingebettet liegt. Sie steht damit gleichberechtigt neben den Bundesstaaten. Diese Weltstadt von 1,8 Millionen Einwohnern bildet eine einzigartige Verbindung von Stadt und Natur; sowohl die Schönheit ihrer Lage, wie die ihres Stadtbildes läßt den Ehrentitel, den Humboldt ihr gab, wohl auch heute zu Recht bestehen: „Die schönste Stadt der Erde". Die Ueberseedampfer legen teilweise direkt an den großen, bis ans Meer gehenden Prachtstraßen an; doch darf nur der Reisende 1. und 2. Klasse hier das Schiff verlassen. Die Reisenden der übrigen Klassen werden zunächst nach der „Ilha das Flores", der „Blumeninsel", übergesetzt. Das Stadtgebiet schmiegt sich in einer Länge von etwa 25 km den Windungen der Küstenlinie an und erstreckt sich an den 7 Buchten 3 bis 11 km weit ins Binnenland hinein. Rio selbst ist vom Meer in den Urwald hineingewachsen. Mitten in der Stadt blieben Urwaldflecken stehen, und die Stadt wuchs um sie herum. Auch städtebaulich ist Rio von großer Schönheit. An der See entlang läuft eine 8 km lange Promenadenstraße, die aus weißem Marmor gebaut ist. Die Stadt durchziehen breite „Avenidas", die sich an weiten Plätzen mit schönen Gartenanlagen kreuzen; teilweise sind die Prachtstraßen von hohen Königspalmen eingefaßt. Das gesellschaftliche wie das geschäftliche Leben spielen sich zum großen Teil im Freien ab; auf den Straßen pulsiert ein reger Fußgänger- und Fahrzeugverkehr. Das Stadtzentrum vereinigt eine Fülle von eindrucksvollen Kirchenbauten, imposanten, häufig wolkenkratzerartigen Regierungs- und Geschäftsgebäuden, sowie von Hotels und Museen. Die Verkehrsverbindungen, insbesondere das Straßenbahnnetz, sind ausgezeichnet. In den Außenbezirken freilich herrscht gegenüber der Pracht der Innenstadt oft genug ein trostloses, armseliges Bild. An der Ostseite der Bucht von Rio liegt Nictheroy, die Hauptstadt des den Bundesdistrikt umgebenden Staates Rio de Janeiro, eine provinzielle Stadt von 122 000 Einwohnern, in deren Umgebung sich elegante Erholungs- und Badeplätze befinden. S a n t o s, rund 320 km südlich von Rio gelegen, ist Brasiliens zweitwichtigster Hafen, und gleichzeitig der bedeutendste Kaffee-Exporthafen der Welt. Es besitzt modernste Lagerhäuser und Kaffeetransportanlagen. Die Umgebung Santos' ist wegen ihrer schönen Badeplätze und Erholungsorte berühmt. Das Hinterland von Santos bilden Stadt und Staat Säo Paulo — der wichtigste Teil ganz Brasiliens. Hier liegt das Zentrum des brasilianischen 26" II