Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1939. Bestand LBI
- Issue
- Januar 1939
- Date
- 1939-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Gute Beherrschung der spanischen Sprache in Wort und Schrift ist unerläßliche Bedingung jeder Betätigung. Die Beherrschung der englischen Sprache ist eine wertvolle Hilfe. Die Schulverhältnisse sind ausreichend, jedoch schicken viele Bolivianer, die es sich leisten können, ihre Kinder in Buenos Aires oder Chile zur Schule. Jüdische Gemeinden bestehen hier nicht. In La Paz besteht ein von der dortigen ostjüdischen Gruppe unterhaltener Betsaal, jedoch ist es auch dort noch nicht zur Bildung einer jüdischen Gemeinde gekommen." Der Schreiber der folgenden Zeilen stellt sich die landwirtschaftliche Siedlung sicher einfacher vor, als sie wirklich ist. Dennoch geben wir einen Teil seiner Ausführungen wieder, weil sie doch ein recht plastisches Bild vom bolivianischen Landwirtschaftsbetrieb vermitteln: „Ich habe nun von einigen Grundbesitzern in Erfahrung gebracht, daß sie großes Interesse hätten, die Besitztümer zu verpachten; das geht hier auf halb und halb der Ernte. Die Wohnungsverhältnisse sind sehr primitiv, und auch die Verkehrsmittel oft sehr dürftig. Man muß also hier mit dem Allereinfachsten rechnen. Die Existenzmöglichkeit auf einer solchen „Finka" ist gesichert, und wenn man auf einer gearbeitet hat und etwas Erfolg hat, dann kann man auch anderswo sich vergrößern. Man kann sich auch etwas Geld sparen und kann dann selbst anfangen. Aussichten und Möglichkeiten sind immer vorhanden — nicht zum Millionär, aber zum guten Auskommen, — und die Finka, in der Sie am Anfang arbeiteten, würde Ihnen sicher Ihren Lebensunterhalt sichern, nur die Lebensverhältnisse sind die primitivsten, die Sie sich vorstellen können. Vielleicht finden Sie es auch besser; — man kann sich einrichten, aber alle europäischen Hilfsmittel muß man sich wegdenken. Absatzschwierigkeiten hat man nicht; es besteht hier die größte Nachfrage nach landwirtschaftlichen Artikeln, denn das Hochland produziert nichts, und auf den Minen wird viel gebraucht. Arbeitskräfte findet man; auf der Finka sind immer genug vorhanden. Sie sind ungebildet, aber wenn man sie gut behandelt, hat man mit ihnen ein gutes Auskommen. Sie sind keineswegs böswillig. Die Pflüge sind hier aus Holz; nur ganz vereinzelt findet man andere, — und jede landwirtschaftliche Maschine, die Sie mitbringen könnten, wäre von großem Wert für Sie, seien es Pflug, Dreschmaschine, Buttermaschine, Mühle, Sägemaschinen usw. Alle Maschinen zum Betrieb für Automotor. Aber von den Maschinen hängt nichts ab, nur Ihr Einkommen würde sich erhöhen." Einzelheiten über Berufschancen gibt der folgende Brief vom März 1938: „Nun zu den wirtschaftlichen Möglichkeiten hier im Lande. Obwohl hier eine ziemliche Krisis seit einigen Monaten herrscht, braucht niemand zu hungern. Es gibt genug Verdienstmöglichkeiten, wenn man tüchtig zugreift und dabei Schwierigkeiten auf sich nimmt, die drüben vor cirka 100 Jahren noch gekannt worden sind. Für einen Handwerker ist hier kein Feld. Die einheimischen Handwerker können, weil sie gegen den Europäer wenig gebrauchen und das Klima ihnen nichts ausmacht, immer noch sehr billig arbeiten. Zum Beispiel kostet in Oruro ein einfacher Haarschnitt beim Friseur, der eine gute amerikanische Einrichtung hat, immer nur noch Bs. 1, das sind nicht einmal 15 Pf. und ein Ei kostet hier jetzt auch schon Bs. 1. Daher muß er von morgens früh bis abends spät in die Nacht hinein arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. — Gute Aussicht hier hat dagegen ein wirklich guter Schneider. Er muß jedoch etwas verstehen und Schick haben im Zuschneiden usw. Im Laufe eines Jahres hat er bestimmt gute Kundschaft, die immer wieder zu ihm kommen wird, wenn er sie gut bedient. — Außer diesem Beruf kann ein Schlosser, besonders mit guten Erfahrungen in Autos, Dieselmotoren und sonstigen Maschinen, sein gutes Auskommen finden. Aber zu diesen Berufen gehören auch große Erfahrungen. Landwirtschaft zu betreiben ist jetzt ein gutes Geschäft hier, aber dazu gehört etwas Geld, weil die Landwirtschaftsbetriebe — genannt Fincas — sehr teuer geworden sind, sofern sie in Gebieten liegen, die eine gute Verwertung der Produkte garantieren. Die billigen Objekte liegen meistens so weit von guten Straßen entfernt, daß die Ernte gar nicht verwertet werden kann, und dazu kommt noch ein gefahrdrohendes Klima. Die Kolonisation in solchen Gegenden wird von der Regierung unterstützt, aber kein- Europäer, obwohl er selbst auf dem Acker nicht zu arbeiten braucht, hält es dort aus. Außerdem darf man nicht vergessen, für einen Landwirtschaftsbetrieb hier in Bolivien gehört mehr Erfahrung als irgendwo anders, weil das Klima überall verschieden ist und es keine Schulen gibt, die Anleitung gewähren können. Und die Hauptsache darf ich nicht vergessen. Bolivien ist immer noch, abgesehen von einigen Städten, ein ganz primitives Land, das Menschen erfordert, die sich vor nichts scheuen und hart und kräftig sind. So z. B. Höhenunterschiede von 1000 bis 2000 m in wenigen Stunden zu überwinden, ist, wenn man unterwegs ist, nichts Außergewöhnliches." Brasilien Fast so groß wie ganz Europa, etwa fünfzehnmal so groß wie Deutschland, umschließt Brasilien Landesteile, die klimatisch, wirtschaftlich und kulturell voneinander sehr verschieden sind. Während weite Teile schon wegen ihres tropischen Klimas für weiße Einwanderer kaum in Frage kommen, bilden andere Gebiete, wie vor allem der Staat Säo Paulo mit seinem gesunden Klima und seiner aufblühenden Industrie, mächtige Anziehungspunkte für Einwanderer städtischer Herkunft; und viele Hunderte von Juden aus Deutschland haben hier, wie auch in Rio de Janeiro, zum Teil rasch Fuß gefaßt. Andere Gebiete Südbrasiliens sind vorzüglich zur landwirtschaftlichen Siedlung geeignet und ziehen in steigendem Maße jüdische Einwanderer an. In Zukunft kommt Brasilien, das heute noch kaum mehr Menschen zählt als das so viel kleinere Italien, vor allem für drei Arten von Einwanderern in Frage: Für gewerbliche Unternehmer mit einem wenn auch nur bescheidenen Kapital, für Handwerker und qualifizierte Arbeiter und endlich für nicht ganz unbemittelte Landwirte. Dagegen bietet das Land kaufmännischen Angestellten, mittellosen Kaufleuten und den meisten Akademikern kaum Aussichten. Brasilien ist das einzige Land Südamerikas mit portugiesischer Umgangssprache, ihre Erlernung bildet für den Einwanderer die wichtigste Voraussetzung zum Erfolg. J. Einwanderungsbedingungen A. Einreisebestimmungen Das Einwanderungsgesetz vom Mai 1938 begrenzt die Einwanderung nach Brasilien durch Quoten, die für jedes Land 2 <y0 der durchschnittlichen Einwanderung der letzten 50 Jahre vor 1934 betragen. Die Jahresquote der Einwanderung aus Deutschland ist auf 4772 festgelegt1).!) Es betragen die Quoten für: Polen 1230; Rumänien 760; die Tschechoslowakei 140; Ungarn 324. 26 Nicht unter die Einwanderungsquote fallen K i n - der im Alter von unter einem Jahr, — Ehefrauen und Witwen von Brasilianern, — der Ehemann einer Brasilianerin, die noch brasilianische Nationalität besitzt, — Eltern in Brasilien geborener Kinder. Ehepaare verschiedener Staatsangehörigkeit werden nötigenfalls derjenigen Quote zugezählt, die noch nicht erschöpft ist. 80 v. H. der quotenmäßig zugelassenen Einwanderer müssen Landwirte, landwirtschaftliche Arbeiter oder Techn sebait i diese ren 20 v. 1 1 anden Di I sehe I migu X: 1! (Nove in Brt ] a) A w de br ■ß I b)Dt ei) A fo so an c) D M Hi den z das V brasil: len ur 1. eii fü 2. dr W( 3. po fü 4. Be z« P( de ti< sc 5. G de 6. Be fi oc T.Nj eii D< ■re di re 8. Ni b Ki de ZV 9. Ni st dt gf , Si Aufent nur ei kundei] jeder; 1 Ä