Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1938. Bestand LBI
- Issue
- Juli 1938
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 73 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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gedient, daß sie hier sind. Sie benötigen unbedingt eine Stütze. Ferner Sprache und wieder Sprache. Einige Wörter genügen nicht, man muß eine wirklieh gute Grundlage mitbringen." Als gewisses Gegenstück ein Brief, der zum gleichen Zeitpunkt aus New York geschrieben ist — freilich mit der gleichen Fehlererkenntnis —•, der die größeren geschäftlichen Schwierigkeiten dort deutlich zeigt. New York, 15. Dezember 1937 „Ich bin zu einem Zeitpunkt nach New York gekommen, der außergewöhnlich ungünstig war: 1. war das Herbstgeschäft in der Damenkonfektionsbranche sehr flau und die Saison beinahe vorüber, als ich ankam; 2. herrscht hier zur Zeit eine Wirtschaftsdepression, wie sie seit 1929 nicht mehr zu verzeichnen war. Unter diesen Umständen nahm ich eine Beschäftigung in einem Fabrikationsbetrieb an, wo ich als Zuschneider (Wachstuch, Baumwollstoffartikel usw.) arbeite und wöchentlich $ 12 verdiene. Dieser Verdienst ist trotz der schlechten Verhältnisse außerordentlich niedrig; gewöhnlich werden für den Anfang $ 14—15 gezahlt, aber ich betrachte diese Beschäftigung als Uebergang und Lehrzeit, denn im Frühjahr hoffe ich, eine passende Stellung in meiner Branche zu finden. Wer eine kaufmännische Tätigkeit sucht, wird sicher stets ganz unten anfangen müssen, und dies um so mehr, je weniger er die englische Sprache beherrscht. Das Committee for German Refugees konnte mir bisher noch keine Stellung vermitteln, doch dies ist, wie gesagt, den gegenwärtigen Verhältnissen in meiner Branche zuzuschreiben. Ich glaube, daß es für denjenigen, der nicht aus besonderen Gründen zuerst in New York bleiben will, empfehlenswert ist, weiter ins Land hineinzugehen; in New York ist der Wettbewerb sehr schwer und manche Branchen überfüllt. Ich habe mich gut hier eingewöhnt, und es gefällt mir ausgezeichnet. Mit der Sprache geht es täglich merklich besser, zweimal wöchentlich gehe ich in die Abendschule für Englisch (eine der vielen hervorragenden öffentlichen Schulen, welche von jedermann unentgeltlich besucht werden können)." Natürlich gelingt es auch in New York einem großen Teil der Einwanderer — wenn auch längst nicht allen — über kurz oder lang, sich einzuordnen. Allerdings ist dies nur in sehr bescheidenen Stellungen möglich. Recht gut ist es dem Schreiber folgender Zeilen gelungen. New York, den 25. Januar 1938 „Ich hatte hier ein ziemlich unverschämtes Glück. Genau 3 Wochen nach meiner Ankunft habe ich zu arbeiten angefangen, Reparieren von allerhand Maschinen für Buchdruckereien und Buchbindereien, was mir zuerst $ 20, später $ 22 pro Woche einbrachte. Da auch meine Frau Stellung hat, geht es uns unberufen gut. Nächste Woche werde ich Stellung wechseln und wieder in den Verkauf gehen. Hoffentlich kann ich damit bald etwas mehr verdienen, so daß meine Frau nur noch halbtags zu arbeiten braucht." Nachstehend noch aufschlußreiche Mitteilungen beruflicher Art aus Fragebogen von Auswanderern, die in New York geblieben sind. Ein früherer Einkäufer im Warenhaus, 1890 geboren, kinderlos verheiratet, ebenfalls seit August 1936 in New York, hat nach vierwöchigem Warten durch eigene Bemühungen eine Stelle als Lagerist in einem Warenhaus gefunden. Die Branche sei allerdings sehr überfüllt. Sein Einkommen beträgt $ 14 wöchentlich, für ein möbliertes Zimmer zahlt er $ 4. Sein Englisch war damals „noch nicht besonders". Die Arbeitszeit ist von 9 bis 6,15 Uhr, Sonnabends bis 10 Uhr abends. Ein Kaufmann aus der Zuckerwaren-Indus t r i e, seit Mai 1937 in New York, damals 34 Jahre alt, kinderlos verheiratet, hat auf Grund seiner theoretischen Kenntnisse Stellung als Facharbeiter in einer Candyf abrik (Konfektherstellung) gefunden, obwohl er angab, daß seine technischen und manuellen Kenntnisse nicht groß seien. Er hat die Stellung selbst gefunden, nachdem er sich schriftlich und persönlich an fast alle Fabriken gewandt hatte. Schon vorher hatte er eine entsprechende Arbeit, die er aber nach 4 Wochen wegen allzu geringen Lohnes aufgab. Er gibt an, daß die Industrie zu sehr gedrückten Preisen und mit sehr niedrigen Löhnen arbeitet. Bei der gegenwärtigen Firma, die nur erstklassige Ware herstellt, arbeitet er 40 Stunden wöchentlich zu einem Stundenlohn von 45 c. Für ein Zimmer mit Bad und Kochnische, das er mit einem Freunde teilt, zahlt er $ 4,25 die Woche, für Essen rechnet er $ 10. Englisch: „Ich kann mich in Wort und Schrift gut ausdrücken, muß das aber noch wesentlich verbessern." Einem anderen Kaufmann, früheren Handelsvertreter, der seit Juni 1937 in New York ist, gelang es nach vierwöchigem Warten, eine Beschäftigung in einer Fabrik künstlicher Blumen zu finden. Er verdient dort nur $ 12 wöchentlich (für sich und seine Frau), doch ist er auch bereits 61 Jahre alt und sprach nur sehr wenig englisch. Er hat die Stellung durch Vermittlung eines Bekannten gefunden und gibt an, daß die Firma gern Einwanderer aus Deutschland einstelle, soweit Arbeit vorhanden sei. In seinem Beruf bleiben konnte ein Chemiker, der, 32 Jahre alt, kinderlos verheiratet, im Februar 1937 eingewandert ist. Bereits zum 1. März 1937 hatte er eine Stellung in Newark, New Jersey, durch Vermittlung des German Jewish Club gefunden. Sein Wocheneinkommen beträgt $ 25. Englisch beherrscht er fließend, auch schriftlich. Die Berufslage sieht er für Inhaber des Doktortitels und bei guter Berufserfahrung als nicht ungünstig für Einwanderer an, die nicht zu alt sind. Ein früherer Pferdehändler, der im Alter von 38 Jahren im April 1936 nach New York gekommen ist, verheiratet ist und zwei Kinder hat, hat nur 8 Tage zu warten brauchen, bis er, durch eine persönliche Vermittlung, Stellung in einem Betrieb fand, in dem Schweinedärme verarbeitet werden. Die Lage im Beruf sei gut; er habe „bereits diese Woche einen Einwanderer in Arbeit gebracht". Er verdient im Monat $ 60, von denen er $ 20 für Ernährung, $ 20 für Wohnung (in Untermiete) und $ 10 für Sonstiges verbraucht, so daß er noch $ 10 zurücklegen kann. Seine Angaben klingen sehr frisch: Man solle sich keine Illusionen machen, aber man könne dort alles arbeiten, „und es ist keine Schande, was man arbeitet". Die vorstehend wiedergegebenen Berichte stammen, wie erwähnt, alle aus New York. Besonderes Interesse verdienen noch drei weitere von Auswanderern, die ins Land gegangen sind. Zwei stammen von Akademikern. Ein Arzt, ledig, mit 25 Jahren im August 1935 eingewandert, die englische Sprache fließend, auch schriftlich beherrschend, konnte sich in Bicknell (Utah) niederlassen. Er verdient in seiner Praxis etwa $ 150—200 im Monat. Nur ein Drittel davon verbraucht er für Nahrung und Wohnung (2 Zimmer in Untermiete), hat aber doch keine Möglichkeit, zu sparen. Sein Beruf ist dort überfüllt. Für Neueinwanderer bestünden kaum noch Arbeitsmöglichkeiten, da der Staat beabsichtige, nur amerikanische Bürger praktizieren zu lassen. Als Fehler, vor dem er warnen will, bezeichnet er: „Zu denken, daß Amerika das Paradies ist. Da die Arbeitslosigkeit auch hier sehr groß ist, kommen die Staaten immer mehr dazu, nur Bürger arbeiten zu lassen ... Es ist schwer für einen mittellosen Mann, hier seinen Lebensunterhalt zu verdienen." Immerhin hat dieser Arzt in seinem Beruf bleiben können. Einem Zahnarzt dagegen, der noch 2 Jahre jünger ist, ebenfalls ledig, der ebenfalls englisch fließend spricht und schreibt, ist das nicht gelungen. Er verkauft Bürsten (in Kommission) für eine Bürstenfabrik in Omaha (Nebraska), verdient allerdings damit $ 120 monatlich. Da er nur $ 14 wöchentlich für seinen Lebensunterhalt verbraucht, kann er sparen. „Man kann (in diesem Beruf) sich ernähren und hat Chancen zum Weiterkommen." Für Einwanderer sieht er darin Möglichkeiten, wenn sie englisch sprechen können. Im allgemeinen bemerkt er: „Jeder, der arbeiten will, kann sich ernähren." (Er urteilt also weit optimistischer als der vorher erwähnte Arzt.) Schließlich noch aus dem Fragebogen eines Metzgers, der ebenfalls in seinem Beruf Stellung finden konnte] und zwar nach siebenwöchigem Warten in Los Angeles (Calif ornien) durch Vermittlung des dortigen jüdischen Arbeitsnachweises: Er war bei seiner Einwanderung IjPmPJL GjPjP Auswanderer finden fachkundige Beratung |/^XrV^H^^^V^ für die gesamten Ausrüstungsgegenstände. - Verlangen Sie meine besonderen Große Erfahrung nach allen Vorschläge. - Spezialität: Elektrische Artikel, Kühlschränke und Siedlungsbedarf. Auswanderungsländern. y\. A ~) f I DUISBURG, PRSNZ-ALBRECHT-STR. 2 Beste Referenzen. Ul}(\>\, J Ylty. CArYlVb UWC4\> DUSSELDORF, KARLSTRASSE 98 a 73