Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Lande produziert, trotzdem ist der Import von Düngemitteln, insbesondere von künstlichem Stickstoff, bedeutend. Fast der gesamte Kalkbedarf Süd-Rhodesiens wird jetzt im Lande produziert. Die größten Kalkwerke liegen in den Midlands. Eine der bestrentierenden Firmen des Landes ist das Zementwerk bei Bulawayo, das direkt an der Bahnlinie liegt. Dieses Werk versorgt den größten Teil der Nachfrage Süd- und Nord-Rhodesiens. Während der letzten Jahre hat sich die Tabakindustrie stark entwickelt. Neben der Bereitstellung von Tabak für den Export trat hauptsächlich die Zigarettenfabrikation für den inneren Bedarf und den Export nach Nord-Rhodesien in den Vordergrund. Teezucht und -Verpackung wird im östlichen Distrikt betrieben. Auch Kaffee wird dort neuerdings angebaut. In der gleichen Gegend wurde eine Marmeladenfabrik eröffnet, da jedoch Marmelade noch in großen Mengen importiert wird, ist genug Raum für Marmeladenfabrikation im Lande. Die allerjüngste der verarbeitenden Industrien Süd - Rhodesiens, die auf der Landwirtschaft basiert, ist die Zuckerraffinerie, die voraussichtlich einmal den gesamten heimischen Markt versorgen wird. Einheimische Hölzer spielen seit einigen Jahren eine bedeutende Rolle in der industriellen Entwicklung Rhodesiens. Erwähnt sei die Herstellung von Schwellen für den Bahnbau in der Südafrikanischen Union und Rhodesien. Möbel von guter Qualität werden aus einheimischem Holz hergestellt. Einige Holzarten werden jetzt von der Bauindustrie verwendet, insbesondere zur Herstellung von dauerhaften Fußböden. Es bestehen in Süd-Rhodesien verschiedene gutinvestierte Ziegeleien, die Ziegel jeder Art, teilweise von sehr hoher Qualität produzieren. Auch Dachziegel und ähnliche Artikel werden hergestellt. Im Kohlenbezirk von Wankie werden hitzebeständige Ziegel für den Bau von Schmelzöfen in beiden Rhodesien und Kenya hergestellt, in Wankie wird Koks in größeren Mengen produziert, der ein großes Absatzgebiet findet. Im Zuge der Verkehrsentwicklung sind Eisenbahnwerkstätten bei Bulawayo und ausgedehnte Lagerhäuser bei Umtali entstanden. Während Automobile bis jetzt in Rhodesien nicht hergestellt werden, bestehen Autowerkstätten, wo Wagen zusammengesetzt und repariert werden. Die Nachfrage sowohl der Minen als auch der Farmen hat die Blechbearbeitungsindustrie gefördert. Von der Marmeladenbüchse bis zum Benzintank, vom Maschinen-Abdichtblech bis zur Windmühle wird alles im Lande hergestellt. Cakes und Süßwaren werden in nicht geringem Maße erzeugt. Seit mehreren Jahren wird Bier gebraut, das einen Teil der heimischen Nachfrage befriedigt. In jüngster Zeit ist die Fabrikation von Fruchtsäften in Angriff genommen. Die Fabrikation von Desinfektionsmitteln, Insektenstiften u. ä. entwickelt sich zu einem nicht unbedeutenden Produktionszweig. Die Bekleidungsindustrie, die die wachsenden Bedürfnisse der Eingeborenen berücksichtigt, macht Fortschritte und beginnt, die weiße Bevölkerung zu erobern. Das Druckwesen steht auf bedeutender Höhe. Es erscheinen in jeder größeren Stadt größere Tagesblätter. Der Verbrauch von Reklamedrucksachen, Geschäftsbüchern u. ä. ist nicht gering. Buchbindereien sind gut beschäftigt. Die Papier- und Kartonagenindustrie ist in der Entwicklung begriffen. Die Heimindustrien der Eingeborenen erzeugen Matten, Körbe, Fell-, Leder-, Schmuck- und keramische Waren. Die Regierung schützt die einheimischen Industrien. Die Stadtverwaltungen wetteifern in der Herabsetzung der Tarife für Kraft, Licht und Wasser zu industriellen Zwecken. V. Löhne und Lebenshaltungskosten Motormechaniker, Elektrotechniker usw. erhalten einen Wochenlohn von £ 6, Zimmerleute, Maurer und Stuckateure £ 9—10. Lehrlinge erhalten £ 5 Monatslohn bis £ 2 Wochenlohn, dem Alter und den Kenntnissen entsprechend. Die genannten Arbeitslöhne sind durch die Gewerkschaften festgesetzt. Verkäufer und Büroangestellte. Gehälter für junge Männer etwa im Alter von 18—23 Jahren betragen durchschnittlich £ 20 pro Monat, für ältere und erfahrenere Kräfte £ 25 bis £ 40 pro Monat; das gilt für die Städte. In den country-stores, die zumeist im Besitz von Juden sind, erhalten Verkäufer und Büroangestellte durchschnittlich £ 12.10.0 bis £ 25, sowie Unterkunft, Verpflegung, Zigaretten und Wäsche. Eisenbahnangestellte werden sehr gut bezahlt. Ein Eisenbahnschaffner bekommt beispielsweise £ 35 Monatslohn, ein Rangierer £ 27 bis 30. Die Lebenshaltungskosten entsprechen ungefähr den englischen. Der Lebensstandard ist hoch. Ein Arbeiter^ ein kleiner Ladenverkäufer lebt mit Frau und Kind auskömmlich von £ 25 den Monat. Eine drei- bis vierköpfige bürgerliche Familie braucht £ 35 bis £ 40. Die Mieten sind der teuerste Posten im Budget. Ein Häuschen mit 3—4 Zimmern in den billigeren Stadtvierteln kostet £ 7 bis £ 8 monatlich Miete. Eine Etagenwohnung mit 1—2 Zimmern kostet in einer billigen Gegend £ 8 bis £ 9 im Monat. Eingeborene Hausangestellte sind sehr billig. Hausdiener erhalten 15—35 sh im Monat, Verpflegung und Unterkunft. Der Brotpreis ist höher als in Europa. Ein Laib Brot (2 engl. Pfunde) kostet 6 d (1 engl. Pfund 454 Gramm). Fleisch kostet 4 d bis 8 d pro engl. Pfund. Hammelfleisch ist teurer. Zucker ist ziemlich billig, etwa 3 d pro engl. Pfund im Einzelhandel. Mehl kostet zirka 3 d pro Pfund, Milch 3 d pro Pint (1 Pint 0,57 Liter). Kleidung ist teuer, da sie importiert wird. Ein Mann muß mit mindestens £ 15 im Jahr rechnen, um anständig angezogen zu sein, eine Frau mit mindestens £ 20. VI. Die jüdische Niederlassung in Süd-Rhodesien Ihre Anfänge führen in die 90er Jahre zurück. Bulawayo beherbergt die älteste Gemeinde. Sie wurde 1894 gegründet. 1895 entstand die Gemeinde in Salisbury. Beide sind heute im jüdischen öffentlichen Leben führend. Kleinere jüdische Bevölkerungsgruppen sind in Gwelo, Selukwe, Umtali, Queque, Gatooma zu finden. Jüdische Farmer, Minenbesitzer, Ladeninhaber sind übers Land verstreut. Süd-Rhodesien dürfte etwa 2500 Juden aufweisen. Wichtig für Auswanderer nach U.S.A. Den Transport und die Verzollung „ ... . .„. von Gepäck, Umzugsgut, Nachsendegut besorg} schnell, zuverlässig, billig r ' « von der allen Wohnung in Deutschland bis ins neue Heim in U.S.A. S. STERN, STINER & CO. inc. ÄS HAMBURG, Ferdinandstr. 34-36 Agenten in allen Städten Deutschlands Internationale Spediteure und Zollmakler seit 50 Jahren ÜBERNAHME ALLER TRANSPORTE VON UND NACH U. S. A. 80