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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 74

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 74 (sequence 80)
Language
German
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Kenya Zu den Ländern, die bisher nur wenige jüdische Auswanderer aufgenommen haben, aber in Zukunft vielleicht eine gewisse Bedeutung als Zielland unserer Auswanderer erlangen können, gehört auch die englische Kolonie Kenya in Ostafrika, die an Flächenumfang das Deutsche Reich übertrifft. Wir veröffentlichen in diesem Sinne mit unwesentlichen Aenderungen den einschlägigen Teil des Berichtes, den der Vorsitzende des Vorstandes des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Dr. Mark Wischnitzer, nach seiner Rückkehr von einer mehrmonatigen Informationsreise durch Süd- und Ostafrika erstattet hat. Der Bericht gibt eine allgemeine Uebersicht über das Land, sein Klima und seine Bevölkerung, sowie vor allem über die Möglichkeiten landwirtschaftlicher Siedlung, die freilich nur für Auswanderer mit nicht unerheblichem Kapital in Frage kommen. I. Das Land und seine Bevölkerung 1. Lage und Gestalt des Landes............ 74 2. Das Klima..................... 74 3. Die Bevölkerung.................. 74 II. Die Wirtschaft 1. Allgemeines ....................74 2. Die Landwirtschaft A. Der Ackerbau..................75 B. Viehzucht....................75 C. Besitz- und Betriebsverhältnisse a) Landerwerb ................. 75 b) Betriebskapital und Wirtschaftsform..... 75 c) Arbeiterfragen ................ 76 III. Brief aus Kenya................... 76 I. Das Land und seine Bevölkerung 1. Lage und Gestalt des Landes Kenya (583 000 qkm) liegt zwischen dem 4° nördlicher und 40 südlicher Breite, ist aber trotz seiner Lage am Aequator infolge seiner geographischen und klimatischen Verhältnisse für Siedlungszwecke wohl geeignet. Das Hochland, das für Absiedlung nur in Frage kommt, liegt 1500 bis 3000 m über dem Meeresspiegel. Das tropische Küstenland und das trockene an die Somaligrenze stoßende Gebiet kommt für Siedlung nicht in Betracht. Einige große Gebirgsketten, die Höhen zwischen 4—5000 m erreichen, überragen das Hochland, unter ihnen auch der 5200 m hohe Kenya, nach dem die Kolonie ihren Namen hat. Dieser Berg ist auf seinem Gipfel ständig mit Eis und Schnee bedeckt und hat für die Umgebung, ebenso wie die anderen Berge des Landes, die Funktion eines Regenbringers. 2. Das Klima Das Klima im Hochland von Kenya ist gut und hat Regen, Wind und Sonnenschein, abweichend von dem anderer tropischer Länder. Im allgemeinen ist die Luft gesund und trocken. Die heißeste Jahreszeit herrscht von Dezember bis März. Der Februar ist der heißeste Monat im Jahr. Er hat eine durchschnittliche maximale Temperatur von ca. 28° C und durchschnittliche minimale Temperatur von 8° C. Eine Besonderheit bilden im Februar und März, den heißesten Monaten im Jahre, um die Mittagszeit 1—2 Stunden andauernde leichte Winde. Die Regenzeit dauert in den meisten Gebieten des Hochlandes von März bis Mai, in welcher Zeit Regenfälle von 30" (= 760 mm) bis 70" (= 1700 mm) zu verzeichnen sind. Im Hochland herrscht bis August die kalte Jahreszeit, mit ausgesprochenen kalten Nächten. Der September stellt ungefähr den Frühlingsbeginn dar, während von Oktober bis Januar wilde tropische Regen herrschen. Auch in der heißesten Jahreszeit kommen Regenfälle vor. — Das Land hat somit ausreichende Niederschläge, die sich auf das ganze Jahr verteilen. Infolge der guten klimatischen Verhältnisse ist das Hochland von Kenya ganz besonders als Siedlungsgebiet für Europäer geeignet. Die sonst in Afrika häufigen gesundheitlichen Schwierigkeiten treten hier nicht auf, was besonders das gute Gedeihen der heranwachsenden Jugend fördert. Tropenkrankheiten, wie Dysenterie und Typhus kommen kaum vor, Malaria nur vereinzelt und in ganz leichter Form. Das Land ist frei von Tuberkulose. Auch für ältere Leute ist das Klima günstig. 3. Die Bevölkerung Kenya hat etwa 3 Millionen Eingeborene und etwa 17 000 Europäer. Erwähnenswert ist aber noch das indische und arabische Element mit 33 000 und 12 000 Köpfen, die besonders im Küstengebiet ansässig sind. Die Eingeborenen leben größtenteils in Eingeborenen-Reservaten und beschäftigen sich in der Hauptsache mit Viehzucht und neuerdings auch mit Ackerbau. Sie nehmen zwar Dienst bei den Farmern an, doch tritt zuweilen während der Erntezeit Arbeitermangel auf. Es sind gute brauchbare Arbeiter. Die eingeborene Bevölkerung ist größtenteils heidnisch; in den Küstengebieten ist der mohammedanische Glaube vorherrschend. Die Hauptsprache der Eingeborenen ist Suaheli. Die Gesamtzahl der Juden in Kenya dürfte 250 nicht übersteigen. Die Gemeinde in Nairobi, 1904 gegründet, zählt etwa 200 Seelen. Einzelne Juden leben in Mombassa, Eldoret und Nakuru, ferner auf dem Lande verstreut als Farmer. II. Die Wirtschaft 1. Allgemeines Die Entwicklung der Kolonie Kenya datiert erst 30 Jahre zurück. Sie begann mit dem Bau der Ugandabahn, und zwar in solchem Umfange, daß gesagt werden könnte, Kenya sei durch den Bau der Bahn nicht nur erschlossen, sondern überhaupt erst geschaffen worden. Heute ist das Eisenbahnnetz Kenyas sehr gut ausgebaut. Sämtliche Eisenbahnlinien Kenyas und Ugandas werden ausschließlich von der Verwaltung der Kenya and Uganda Railways and Harbours betrieben, die außerdem die Dampferlinien auf dem Victoria-See und dem Kioga- See aufrecht erhält, sowie auf dem Albert-See. Das ganze Land ist von zahlreichen Autostraßen durchzogen, die in der trockenen Jahreszeit überallhin befahrbar sind. In der Regenzeit kommen freilich nur die Kunststraßen für den Autoverkehr in Betracht, deren Zahl im Augenblick noch gering ist, die aber im Aufbau begriffen sind. Mombassa mit Kilindini ist der Haupthafen und hat einen beachtlichen Schiffsverkehr. Die Schiffe fast aller seefahrenden Nationen legen dort an. Die wirtschaftliche Entwicklung während der letzten Jahre wird dadurch gekennzeichnet, daß 1931 noch ein Defizit von £ 150 000 vorhanden war, das 1932 auf £ 110 000 gesenkt werden konnte, während im darauffolgenden Etatsjahr nicht nur ein Ausgleich erfolgen, sondern sogar ein Ueberschuß von £ 11 000 erreicht werden konnte. Auch der Etat der Eisenbahn, der 1932 ein Defizit von £ 551000 aufwies, konnte im Jahre 1935 bereits eine Reserve von £ 346 000 aufweisen. Die Zahlen über die Ausfuhr der beiden letzten Jahre weisen eine ungewöhnlich hohe Steigerung auf, aber auch die Einfuhr ist gewachsen. Der Warenumschlag ist bereits im Jahre 1936, für das noch keine abschließenden Zahlen vorliegen, wiederum um ungefähr 20 o/o gegen das Vorjahr gestiegen. 74

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