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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 75

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 75 (sequence 81)
Language
German
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2. Die Landwirtschaft A. Der Ackerbau Die klimatischen Bedingungen sind im Hochland die denkbar besten für die Entwicklung guter Ernten, insbesondere auch deshalb, weil die Regenmenge, auf das Jahr gerechnet, gut verteilt ist. Die Hauptpflanzungszeit ist der September und der Oktober, kurz vor Beginn der kleinen Regenperiode. Die Hauptprodukte sind die folgenden : Mais spielt in Kenya eine große Rolle und wird allgemein im Zusammenhang mit Viehwirtschaft angebaut. Die Preise zeigen in letzterer Zeit günstige Entwicklung. Weizen ist eine der ältesten Kulturen, leidet aber unter der zeitweiligen Trockenheit, da er längere regenlose Zeit nicht verträgt. Die Produktion reicht für den örtlichen Bedarf nicht aus. Kaffee ist eines der wichtigsten Produkte der Kolonie und ist unter dem Namen Nairobi- oder Kenya- Kaffee als gute Qualität im Welthandel bekannt. In der Hauptsache gedeiht er in der Höhenlage zwischen 1600 und 2000 m. Da der Kaffeestrauch erst vom dritten Jahr ab nennenswerte Erträge liefert, ist für Kaffeeplantagen oder Farmen mit erheblichen Kaffeekulturen größeres Anlaufskapital notwendig. Die letzte Kaffee-Ernte war eine Rekordernte. Es wurden 20 000 Tonnen Kaffee für die Ausfuhr im Jahre 1936 bereitgestellt. Tee: Der Anbau hat in den letzten Jahren stark zugenommen und deckt zur Zeit nicht nur den örtlichen Bedarf, sondern wird bereits exportiert. In der Tee-Saison 1930 wurde für £ 8192 Tee ausgeführt, während 1936 bereits für £ 200 000 ausgeführt wurde. Die Anpflanzung von Sisal ist nur auf großkapitalistischer Grundlage möglich. Die Pflanzen tragen vom dritten oder vierten Jahre ab und liefern dann einen Faserertrag von 3Vo Tonnen pro Acre. Plantagenbetrieb ist notwendig, weil die Sisalblätter unmittelbar nach der Ernte wegen der bestehenden Fäulnisgefahr verwandt werden müssen. Zur Aufarbeitung ist eine kostspielige Maschinenanlage Voraussetzung. Die Sisalausfuhr ist bedeutend. Rohrzucker spielt in der Landwirtschaft eine große Rolle. Kokosnüsse, Erdnüsse, tropische Früchte, Pyrethrum (ein Vertilgungsmittel gegen schädliche Insekten), Baumwolle, Kopra, Sesam werden seit Jahren vorzugsweise von den Eingeborenen angebaut, neuerdings auch von Europäern. Pyrethrum ist besonders lohnend, da es einen höheren Gehalt des Giftstoffs aufweist als das japanische Pyrethrum und mit wenig Mühe angebaut wird. Europäisches Obst: Die neuesten Versuche des Anbaues sind aussichtsreich. Wattle-Akazien: Die Rinde wird zur Gewinnung von Gerbstoffen verwendet. Einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige des Landes, der im Export eine wichtige Rolle spielt. Bohnen wachsen in den verschiedensten Sorten, ebenso auch Erbsen. Kartoffeln werden in erheblichem Umfange angebaut und ergeben große Ernten. Bemerkenswert ist noch der große Waldreichtum des Landes. Das gesamte Waldgebiet wird auf rund 2,6 Millionen Acres angegeben, wovon 1,2 Millionen nutzbares Holz enthalten. Eine schwere Schädigung der Landwirtschaft bildet die Ungezieferplage. Von Zeit zu Zeit treten große Heuschreckenschwärme auf. Im Jahre 1929 ist ihnen ein großer Teil der Ernte zum Opfer gefallen. B. Viehzucht Nach der letzten Zählung waren im Besitz von Europäern 256 000 Stück Rindvieh, die Eingeborenen besaßen dagegen 5 Millionen Stück. Das einheimische Vieh ist durch Kreuzung mit importiertem wesentlich verbessert. Das Vieh wird hauptsächlich für Milch- und Butterproduktion gehalten. Die besten Bedingungen für derartige Viehwirtschaften sind in einer Höhenlage von 1800 bis 3000 m über dem Meeresspiegel. Butter wird exportiert und hat sich weitgehend eingeführt. Einige größere Molkereien sind in den letzten Jahren neu errichtet. In der kurzen trockenen Jahreszeit wird das Vieh mit Rauh- und Kraftfutter ernährt. Kühe kosten £ 5—15, während Bullen £ 25—50 kosten. Importierte Bullen werden mit £ 100—150 bezahlt. Schweine: Die verbreitetsten Rassen sind schwarze und weiße Yorkshire oder Kreuzungen von diesen. Die Schweine werden meistens zur Baconfabrikation gezogen. Eine Fleischkonserven-Industrie ist im Aufblühen und hat guten Absatz. Die Schafzucht hat mäßigen Umfang. Nach letzterer Zählung sind im Besitz von Europäern 228 000 Merinoschafe. Der Export von Wolle ist mäßig. Schafe kosten pro Stück zirka £ 10—12. Pferdezucht: In einigen Distrikten werden durch importierte Vollblüter gute Rassen gezüchtet. Die Geflügelzucht nimmt einen immer größeren Umfang an. Am verbreitetsten sind die weißen Leghorn, die ausschließlich der Eierproduktion wegen gehalten werden. Zu erwähnen wäre noch ein nicht unerheblicher Export an Schaf - und Rinder häuten und -feilen. C. Besitz- und Betriebsverhältnisse a) Landerwerb: Für den Kauf von landwirtschaftlich zu nutzendem Gelände bieten sich zwei Möglichkeiten, entweder Erwerb von Kronland oder aus Privatbesitz. Bei Kronland sind recht verwickelte Bestimmungen in Kraft. Das Wesentliche hierbei ist, daß das Besitzrecht an Grund und Boden nach 99 Jahren erlischt. Von Kronland stehen etwa 73A Millionen Acres für Ansiedlung zur Verfügung. Der Preis beträgt £ 2/10 bis 7/— pro Acre, je nach Qualität, Lage und Wasserverhältnissen. Die Abgaben für Kronland sind sehr erheblich, und zwar: Von kleineren Besitzern, die über Land bis zu 300 Acres verfügen, wird verlangt, daß sie in den ersten drei Jahren 20 Schilling für jeden Acre, mindestens aber 600 Schilling für Verbesserungen und Anschaffungen aufwenden und außerdem noch während der ersten fünf Jahre mindestens einen Betrag ausgeben, der 50 o/o der vorstehenden Summe entspricht. Die Aufwendungen müssen für dauernde Anlagen gemacht werden. Totes und lebendes Inventar wird nur auf den Zusatzbetrag angerechnet, der für den über 300 Acres betragenden Grundbesitz zu zahlen ist. Jeder europäische Farmbesitz muß von Europäern geleitet werden. Eine Farmteilung ist erst nach Zahlung des ganzen Kaufpreises möglich und bedarf der Genehmigung. Alle Wasserrechte, außer denen für die Zwecke der Wirtschaft, stehen dem Staate zu, ebenso auch das Recht auf alle Bodenschätze. Der Kauf aus Privathand ist einfacher und zweckmäßiger. Die Preise sind hier nicht wesentlich höher. Zölle: Landwirtschaftliche Maschinen können zollfrei für den Siedler importiert werden. (Ferner sind Passagiergut, Krimstecher, Schreibmaschinen, Photoapparate, die für den eigenen Gebrauch bestimmt sind, zollfrei.) b) Betriebskapital und Wirtschaftsform Bisher waren in Kenya nur große Farmen und Plantagen sowie Viehwirtschaften üblich, die extensiv bewirtschaftet wurden. Hierzu gehörte ein sehr großes Kapital. Erst in letzter Zeit sind mit Erfolg kleinere intensive Milchwirtschaften betrieben worden. Als 3,ieA' cum, sutk' du - mM ^M-vvi^tut! 75

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