Mannheim
Compact Memory

Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 44 (sequence 48)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6492429-9991065-9587945--416-9587993
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Selbst in den abgelegensten Siedlungen bestehen, sofern nur sechs schulpflichtige Kinder vorhanden sind, staatliche Volksschulen; ist die Anzahl der Kinder auf den „Stationen" geringer, so werden diese in regelmäßigem Turnus von Bezirkslehrern besucht oder durch die Methode der „Correspondence School" unterrichtet. Die Volksschulen werden zumeist vom Staate eingerichtet und finanziert. Neben den Volksschulen gibt es eine große Anzahl höherer Schulen und Gymnasien, in denen die Naturwissenschaften besonders gepflegt werden. Etwa 980 000 Schüler besuchten 1935 staatliche Schulen, deren man 10 400 zählte; an ihnen waren 32 000 Lehrer angestellt. Außer den Staatsschulen gibt es noch eine ganze Reihe von Volks- und höheren Privatschulen, die meist von katholischen Kirchenkreisen unterhalten werden. Solche Privatschulen, von denen es 1850 gab, wurden von rund 225000 Schülern besucht. 10 300 Lehrer waren an ihnen angestellt. Schulpflicht besteht für alle Kinder vom 7. (in einigen Staaten vom 6.) bis zum 14. Lebensjahre. Bis zum Alter von 14 Jahren ist der Unterricht völlig kostenlos. Wird danach noch weiter die Schule besucht, so müssen die Eltern ein nach der Einkommenshöhe gestaffeltes Schulgeld zahlen. Nach Absolvierung der Schulen können die Zöglinge Prüfungen ablegen, die zum Besuch eines College oder einer Universität berechtigen. Die Colleges bereiten den jungen Menschen zumeist auf ausgesprochen praktische Berufe vor; sie sind mit Fachschulen in unserem Sinne oder mit technischen Lehranstalten zu vergleichen. Die Universitäten sind nach englischem Vorbild organisiert. Auch bei ihnen stehen die Realwissenschaften im Vordergrund; besonders in den Einzelfächern der Naturwissenschaften, wie Chemie, Physik, Geologie, Meteorologie und Biologie, wird Vorzügliches geleistet. Auch die medizinischen und staatswissenschaftlichen Fakultäten genießen einen sehr guten Ruf. Die größte Universität des Kontinents ist die von Sydney. 1935 waren an ihr 3029 Studenten immatrikuliert; ihr Dozentenstab bestand aus 312 Professoren, Lektoren und Assistenten. Daneben weist Sydney noch eine technische Hochschule auf, deren Kurse im gleichen Jahre von 19 959 Studenten gehört wurden. Auch Melbourne hat eine große Universität mit (1933) 2890 Studenten und 177 Dozenten. Die Universitäten Adelaide und Brisbane sind dagegen wesentlich geringer besucht, während die Universitäten von Perth und Hobart noch im Aufbau begriffen sind. In der letztgenannten Universität waren 1933 nur 218 Studenten immatrikuliert, die von 27 Dozenten unterrichtet wurden. Zur Zeit bemüht man sich, das Staatscollege in Canberra zu einer Universität umzuwandeln. Auf religiösem Gebiet liegen die Verhältnisse so, daß zwar ein sehr großer Teil der städtischen Arbeiterschaft der Religion gleichgültig oder ablehnend gegenübersteht, daß aber die Kirchen, besonders auf dem Lande, eine sehr große Rolle spielen — auch als Vermittler geistiger Werte. Der größte Teil der Australier, deren religiöses Bekenntnis statistisch registriert wird, gehört der angli- ***************** *********************************♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Die richtige Doppel-Couch ohne Mechanismus; das zweite Bett kann getrennt aufgestellt werden; ist in Form, Länge, Hohe und Breite gleich wie das Original. Im Polsterrücken wird des Bettzeug aulbewahrt. Wird auch als Gestell in Holz oder verchromt geliefert. Fertige ferner 1 Tisch für 6 Zwecke am Tage als Wohnzimmer - Tisch, am Abend als zwei Nachttische, am Morgen als zwei Frisiertische, sowie als Auszugtisch verwendbar Günstig für Wiederverkauf er. Auswanderer ltönnen Lizens erwerben BERNH. LOEB / LÖRRACH 2 *********** ********************************* kanischen Hochkirche an. "Nach der Volkszählung von 1933 bekannten sich über 2V2 Millionen Menschen zu ihr. Die zweitwichtigste kirchliche Gemeinschaft ist die römisch-katholische Kirche; sie zählte damals 1 160 000 Mitglieder. Neben diesen beiden wichtigsten religiösen Gruppen gibt es noch eine Fülle von anderen christlichen Religionsgemeinschaften und Sekten, die zum Teil hunderttausende Mitglieder zählen. So gab es 1936 713 000 Presbyterianer, 684 000 Methodisten und 105 000 Baptisten. Von Lutherischen Protestanten wurden nur 61 000 gezählt. Die nicht-christlichen Gemeinschaften spielen gegenüber diesen Ziffern nur eine geringe Rolle. Die einzige größere nicht-christliche Religionsgemeinschaft ist die jüdische, die damals 23 553 Angehörige zählte, und von der an anderer Stelle die Rede ist. Bezeichnend für die australische Religionsstatistik ist, daß es neben 11600 Personen, die angaben, keiner Religion anzugehören, rund 850000 Menschen gab, die die Frage nach der Religion überhaupt unbeantwortet ließen. VI. Jüdisches Leben Die Stellung der Juden in Australien ist ähnlich ihrer Stellung in den übrigen englischen Dominions. Sie werden als loyale Staatsbürger empfunden, aber man tritt ihnen mit einem gewissen Gefühl der Fremdheit entgegen, was sich nicht in ihrer Stellung im öffentlichen Leben, wohl aber in ihrem gesellschaftlichen Ansehen und im sozialen Verhältnis zur Umwelt auswirkt. Für die willige und weitgehende staatsbürgerliche Einordnung der Juden ist der hohe Prozentsatz der jüdischen Frontkämpfer Australiens ebenso bezeichnend, wie die Tatsache, daß der Höchstkommandierende der australischen Wehrmacht im Weltkriege, Sir John Monash, Jude war und sich dessen ungeachtet einer außerordentlichen Popularität erfreute. Sir John Monash war übrigens der Sohn eines Einwanderers aus Deutschland. Hierher gehört auch, daß Sir Isaac Isaacs, der als Generalgouverneur den König von England im australischen Bundesstaat von 1931 bis 1936 vertrat und der erste in einem Dominion selbst gebürtige britische Generalgouverneur war, sich stets stolz zum Judentum bekannte. Auch noch in allerletzter Zeit ist eine Reihe australischer Juden mit Orden und anderen Ehrungen bedacht worden. Andererseits darf man aber nicht vergessen, daß die gesellschaftliche Distanzierung von Juden — seien sie auch in noch so hohen Stellungen — sehr weit geht. Die vornehmen Klubs, insbesondere die Golfklubs, schließen Juden stillschweigend von der Aufnahme aus. Hinzu kommt, wie schon an anderer Stelle angedeutet, noch eine gewisse Empfindlichkeit der standesbewußten und organisierten australischen Arbeiterschaft gegen alle Einwanderer aus Osteuropa, also auch gegen Juden, die das Lohnniveau drücken könnten. Die Juden in Australien bekennen sich im allgemeinen selbstbewußt zu ihrer Gemeinschaft. Ihre Geschichte reicht wenig mehr als 100 Jahre zurück. Um 1817 kamen die ersten jüdischen Einwanderer nach Sydney, und 1832 entstand dort die erste Gemeinde. Posener Juden hatten, neben englischen, einen großen Anteil an der Entwicklung des Gemeindelebens. Von dieser ersten Einwanderungswelle, die um 1850 mit der Entdeckung der Goldfelder ihren Höhepunkt fand, ist heute nur wenig übriggeblieben. Viele einst blühende Gemeinden sind inzwischen eingegangen. Die zweite Einwanderungswelle setzte kurz vor dem Kriege ein, als zahlreiche Juden, hauptsächlich aus Rußland, sich in Australien, vor allem in Brisbane, niederließen. Die dritte Einwanderungswelle begann erst nach dem Kriege und hielt solange an, bis die australische Regierung die finanziellen Bedingungen zur Einwanderung erschwerte. Aus Deutschland endlich sind Juden nach 1933 bisher nur in ganz geringer Anzahl nach Australien gelangt. Die Volkszählung des Jahres 1933 ergab, daß 2 3 5 5 0 Einwohner Australiens sich zum Judentum bekannten, wenig mehr als °/o d e r G e s a m t b e v ö 1 k e r u n g. Von diesen Juden leben über 85 °/o in den Hauptstädten des Landes. Die Gemeinden in den Landstädten gehen allmählich ein. Die größten Gemeinden sind die von Sydney und Melbourne. Sydney, die Hauptstadt von New-Südwales, hat etwa 8700 jüdische Einwohner; der ganze Staat Neu-Südwales hatte 1930 10 305 jüdische Einwohner, umfaßte also fast die Hälfte aller in Australien lebenden Juden. In Sydney bestehen vier Synagogen, deren älteste bereits 1832 gegründet wurde. Die jüdische Gemeinschaft 44

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.