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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 45

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 45 (sequence 49)
Language
German
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unterhält dort zwei jüdische Schulen und eine Fülle von Wohltätigkeitsvereinigungen. Die zweitgrößte Gemeinde befindet sich in Melbourne, der Hauptstadt des Staates Victoria und der zweitgrößten Stadt des Kontinents. Etwa 7000 Juden dürften dort wohnen. Die Gemeinde von Melbourne unterhält drei Synagogen, darunter eine mit liberalem Ritus. Diese liberale Gemeinde wird jetzt von einem jungen, aus Deutschland eingewanderten Rabbiner geleitet. Von den einzelnen Synagogengemeinden werden Religionsschulen unterhalten. Der Wohltätigkeit sind eine ganze Anzahl von Organisationen gewidmet, und auch die Jugend findet sich zu Bünden zusammen. Wenn auch die beiden eben genannten Gemeinden den Großteil der australischen Juden umfassen, so sind doch gerade die Gemeinden in den übrigen, kleineren Städten wegen ihrer Aktivität auf religiösem und charitativem Gebiet besonders hervorzuheben. Die Gemeinde von Adelaide, die etwa 700 Seelen umfaßt, unterhält eine Synagoge, die (1848 errichtet) das Zweitälteste jüdische Gotteshaus des Kontinents ist. Die Gemeinde von Brisbane, der Hauptstadt von Queensland, umfaßt etwa 750 Seelen, und die Gemeinde in P e r t h im Staate Westaustralien, die mit 1600 Angehörigen die drittgrößte Gemeinde Australiens ist, zeichnet sich durch die Vielfalt ihrer Organisationen und die damit verbundene Lebendigkeit des jüdischen Lebens besonders aus. „Gemeinden" im Sinne etwa der jüdischen Gemeinden im Deutschen Reich gibt es in Australien nicht; d. h. die Juden sind nicht in einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zusammengeschlossen und verfügen auch über keine zentrale zusammenfassende Organisation. Es handelt sich vielmehr um freiwillige Zusammenschlüsse; diese entsenden einige Vertreter zu den Tagungen des Board of Deputies in London. Zur Zeit sind allerdings Bestrebungen im Gange, die bestehenden Einzelgemeinden in einer Gesamtvertretung zu vereinigen. In sozialer Hinsicht gehören die Juden Australiens hauptsächlich dem Mittelstand an. Der Prozentsatz der Nichtselbständigen ist, hier wie in anderen Ländern, bei den Juden niedriger als bei ihrer Umwelt. Die Berufe der selbständigen Kaufleute sind bei den Juden bedeutend stärker vertreten. Sie haben vielfach führende Stellungen im Handel, in der Industrie, im Bank- und Versicherungswesen inne. Die Zahl der jüdischen Aerzte ist groß, und den höchsten Stellen der Justiz gehören zahlreiche Juden an. Auch im Kulturleben spielen Juden eine bedeutende Rolle. So wurde z. B. das Theaterwesen Australiens von einem Londoner Juden gegründet. Die Juden Australiens pflegen aber auch ihr eigenes kulturelles Leben, wovon eine Anzahl von Organisationen und regelmäßig erscheinenden jüdischen Zeitschriften zeugen. Für die künftige Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in Australien ist von Bedeutung, daß die Geburtenrate der Juden Australiens sehr niedrig ist und daß die gegenwärtige Einwanderungsgesetzgebung Australiens in Zukunft höchstens eine ganz allmähliche Vergrößerung der jüdischen Gemeinschaften gestatten wird. VII. Aussichten für Einwanderer Die vorstehenden Ausführungen sollten ein möglichst anschauliches Bild der allgemeinen klimatischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse Australiens geben. Darüber hinaus Näheres über die Aussichten zu sagen, welche sich dort für Einwanderer der verschiedenen Berufe eröffnen, ist mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Denn Australien zeigt, trotz seiner ungeheuren räumlichen Ausdehnung, in wirtschaftlicher Hinsicht infolge seiner geringen Bevölkerung eine gewisse Enge der Verhältnisse, die sich darin äußert, daß selbst in den Berufen, die an sich noch Möglichkeiten bieten, doch immer nur ein sehr beschränkter Bedarf vorliegt, der durch den Zuzug einiger oder höchstens einiger Dutzend Personen schnell gedeckt sein kann. Sobald aber dies geschehen ist, verringert sich für den Einwanderer nicht nur die Aussicht, bald in seinem Fach Arbeit zu finden, sondern bei der Eigenart der australischen Einwanderungspolitik, die durchaus jede Gefährdung des Lebensstandards der Arbeitnehmer verhindern will, schwindet auch meistens die Bereitwilligkeit der Regierung, einem Angehörigen dieses Berufes das Einreisepermit zu geben. Aus diesen Gründen sind die folgenden Angaben absichtlich ziemlich allgemein gehalten; denn sie sollen nur dazu dienen, ungefähre Anhaltspunkte zu geben; in jedem Fall liegt es durchaus im Interesse des Einwanderungswilligen, sich durch den Hilfsverein vorher genau zu erkundigen, wie die Aussichten für Angehörige seines Berufes im Moment in Australien beurteilt werden, und ob es sich daher für ihn empfiehlt, sich um die Erlangung des Einwanderungs-Permits zu bemühen. Der Hilfsverein bearbeitet jeden Fall individuell im Einvernehmen mit den Londoner und australischen jüdischen Stellen, wodurch die beste Gewähr für genaue Erkundigungen an Ort und Stelle und Förderung aller aussichtsreichen Fälle gegeben ist. Unter den gegebenen Umständen ist die von den jüdischen Organisationen eingeschlagene Methode die einzige, die sowohl im Interesse der jüdischen Gesamtheit, wie in dem unmittelbaren Interesse des einzelnen liegt. Bevor wir nun auf die Chancen der einzelnen Berufe eingehen, ist noch nachdrücklich auf zwei allgemeine Punkte hinzuweisen. Ist in jedem Einwanderungsland die Kenntnis der Landessprache von großer Bedeutung — wie in dem einleitenden Aufsatz dieses Heftes dargelegt wird — so gilt dies in ganz besonderem Maße von Australien. Die Beherrschung des Englischen ist hier nicht nur eine unentbehrliche Voraussetzung des beruflichen Fortkommens, sondern schon bei der Erteilung der Einwanderungserlaubnis, ja noch vorher bei der Auswahl, welche die Londoner und australischen jüdischen Stellen unter den Einwanderungswilligen vornehmen, ehe sie sich zur Förderung ihres Falles entschließen, spielt die Kenntnis des Englischen eine oft geradezu entscheidende Rolle. Neben der Sprachbeherrschung ist aber noch ein anderer Faktor von großer Bedeutung. Nahezu in sämtlichen Briefen, die der Hilfsverein aus Australien erhält, kehrt die Mahnung wieder: Schickt nur vollkommen einwandfreie erstklassige Menschen in das Land. Die Frage der rechten Haltung — im innern wie im äußern Sinne — ist gerade in angelsächsischen Ländern, und besonders in Australien, von weit größerer Bedeutung als etwa in manchen südamerikanischen Ländern, wo die Gesellschaft erst im Werden ist und sich noch nicht so feste moralische Maßstäbe gebildet haben wie in einem gesellschaftlich im Grunde so konservativen Lande wie Australien. Bescheidenes zurückhaltendes Benehmen, sportliches Wesen, der unbedingte Wille, sich dem Lande anzupassen und es zu einer zweiten Heimat zu machen, vor allem strikte „fairness" im beruflichen wie im gesellschaftlichen Verhalten ist in Australien absolut notwendig; niemand soll glauben, in diesem Lande mit Skrupellosigkeit schneller zum Erfolg zu kommen! Ist der Einwanderer einmal als unfair erkannt, so ist er gesellschaftlich ein toter Mann; dagegen wird immer wieder betont, mit welcher oft rührenden Freundlichkeit die Australier dem Einwanderer entgegenkommen, den sie als einen wünschenswerten und tadellosen Typ empfinden. Gehen wir nun zur Betrachtung der einzelnen Berufe über, so ist zunächst festzustellen, daß Australien Baut llaufynowiH, M d j G. Ubernimmt für Sie alle Privat- UlDZÜge (Wohnungen, Kunstsammlungen, Arzt-Einrichtungen) Obersee - In-, Ausland Ausführung durch allererste Firma mit 40 jähr. Praxis Seriöse, persönliche Beratung. Erledigung sämtl. Formalitäten. Durchführung und Kostenanschlag durch mich unverbindlich und kostenlos für Sie. Beste Empfehlungen Ruf: 973624 . Zeit: 9-1S Uhr Berlin-Halensee, Kurfürstendamm 144 Pxud llaufynOHH 45

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