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Jüdische Auswanderung · 1937-01-01 · Herbst 1937 · p. Seite 13

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1937. Bestand LBI
Issue
Herbst 1937
Date
1937-01-01
Page
Seite 13 (sequence 17)
Language
German
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Haushaltsführung und häusliche Hygiene in den Tropen „Lebens- Der jüdische Auswanderer, den der Wunsch zum Aufbau eines neuen Lebens in die Länder der wärmeren Zone führt, hat neben dem Ringen um die Existenz den oft noch schwereren Kampf um die Anpassung an Klima und ungewohnte Lebensverhältnisse zu bestehen. Die moderne Hygiene hat diesen Kampf durch Aufklärung über die gesundheitlichen Gefahren und ihre Verhütung wesentlich erleichtert. Aber wer in der jüdischen sozialen Arbeit steht, der weiß, daß noch immer viele unserer Menschen, insbesondere wenig bemittelte Auswanderer aus Kleingemeinden, nach dem Abbrechen der letzten Brücke in der alten Heimat völlig ahnungslos in die unbekannte Ferne ziehen. Hier ist ergänzende Aufklärung notwendig, vor allem für die Frau, von deren Einsicht, Tatkraft und Anpassungsfälligkeit an die neuen Verhältnisse der Erfolg des physischen und psychischen Akklimatisationsprozesses wesentlich abhängt. I. Die wichtigste Voraussetzung des Gelingens ist allerdings, daß nur völlig gesunde und tropenfeste Menschen in die heißen Länder gehen. Deshalb darf bei den für die Betreuung unserer Auswanderer verantwortlichen Organisationen der Wunsch, einzelnen oder Familien, die unter ungünstigen Verhältnissen leben, zu besseren Lebenschancen zu verhelfen, unter keinen Umständen dazu führen, vom Prinzip der strengen Auslese abzuweichen. Darüber hinaus sollte allen Auswanderern, über die ein günstiges Urteil des Vertrauensarztes des Konsulates — das ja in der Regel die Voraussetzung für die Bewilligung des Visums bildet — bereits vorliegt, geraten werden, sich von einem tropenerfahrenen Arzt beraten und Verhaltungsmaßregeln geben zu lassen; dies gilt insbesondere für Frauen und Kinder. Die Frau, die in die Tropen geht, soll nicht nur gut kochen können, sie soll sich schon hier in der Heimat mit den besonderen Bedingungen der Ernährung in den Tropen bekannt zu machen suchen, soll Kranken- und Diätkost zubereiten können und in erster Hilfe bei Krankheits- und Unglücksfällen erfahren sein. Die Empfindlichkeit der Nerven und des Magens wird in den Tropen erhöht: Verdauungsstörungen können den Beginn ernster Erkrankung bedeuten; Krankheitserreger schleichen sich häufig im Wege über die Nahrungsmittel ein. Eine gesunde, abwechslungsreiche Kost ist daher einer der wichtigsten Faktoren für die Erhaltung der Widerstandskraft und — für die gute Stimmung. Erfahrene Sozialhygieniker warnen davor, eine völlige Veränderung der Ernährung vorzunehmen. Sie raten, die gewohnte Kost weitgehend beizubehalten, jedoch durch reichlichen Früchtegenuß zu ergänzen. Die Hausfrau wird sich allerdings in mancher Beziehung umstellen müssen, vor allem in folgenden Dingen: 1. Verwendung der Erzeugnisse der neuen Heimat, 2. größte Wachsamkeit bei Auswahl und Zubereitung der Speisen, 3. Berücksichtigung der sehr viel schnelleren Verderblichkeit der Lebensmittel. Der Körper, der sich dem Tropenklima anpassen muß, regelt seine Temperatur vornehmlich durch Wasserverdunstung. Da nachgewiesen ist, daß das Wasserbedürfnis bei reiner Fleischnahrung doppelt so groß ist, wie bei vegetarischer, wird man dieser allmählich den Vorzug geben. Allerdings muß ein Mindestbedarf an eiweißhaltiger Nahrung befriedigt werden, schon um die Spannkraft zu erhalten. Das Fleisch der Schlachttiere ist in den Tropen im allgemeinen in bezug auf Zartheit und Saft nicht mit dem europäischen zu vergleichen und außerhalb der Städte schwer zu beschaffen. Fliegenplage, Hitze und Feuchtigkeitsgehalt der Luft gestatten nicht, es hängen zu lassen — dadurch wird aber die Selbstgärung gehemmt. Durch das Zusammenkochen mit Papayafrüchten, die ein dem Pepsinsaft ähnliches Ferment enthalten, kann jedoch mehr Zartheit erreicht werden. — Man ist oft nur auf Hammelfleisch oder Geflügel (Hühner) angewiesen. Geflügel ist erst kurz vor der Zubereitung zu schlachten; Fische sollen gleichfalls gleich nach dem Fang gegessen werden. Vor dem Genuß von Krebsen, Muscheln und anderen Krustentieren ist zu warnen, wenn nicht die einwandfreie Herkunft festgestellt werden kann. Für manche Entbehrung in den Tropen entschädigt die Fülle an frischen Gemüsen und saftreichen, köstlichen Früchten. Obst ist auch in den Städten billig, und Neueingewanderte, vor allem Kinder, essen denn auch gleich tüchtig darauflos. Man muß sich aber erst langsam an den Genuß größerer Obstmengen gewöhnen, um den Darm nicht zu reizen. Sonst kommt es leicht zu Durchfall oder Colitis (Darmentzündung). Gemüsekost ist die bekömmlichste. Spinat und grüne Bohnen, sowie Mango sind fast überall zu haben. Man kann vielerlei Gemüse auch auf europäische Art kochen. Papaya lassen sich beispielsweise wie Mohrrüben zubereiten. Um die Nährsäfte zu erhalten, wird man das Gemüse mit Butter oder Fett im eigenen Saft dünsten. Salate und Früchte, die ohne Entfernung der Schale gegessen werden, sind vor dem Anrichten einigemal in kochendes Wasser zu tauchen (zur Abtötung von Wurmeiern usw.); Wasser, das 5 Minuten gesiedet hat, ist keimfrei. Alle Gemüse und Früchte sind vorher mit abgekochtem Wasser abzuspülen; Dörrobst ist sorgfältig auf Maden hin abzusuchen. Der Genuß frischer Kräuter, die Würzstoffe enthalten, wie Sellerie, Petersilie, Vanille usw., ist sehr wichtig, weil diese der Neigung zur Appetitlosigkeit und zu Verdauungsstörungen entgegenwirken. Vielfach verwendungsfähig ist der Reis, der zu den beliebtesten tropischen Nahrungsmitteln gehört. Aufwärmen ist jedoch zu vermeiden (gesundheitsschädliche Pilzbildung!). Zu bevorzugen ist „cured rice" (indischer Reis), der auch am nährhaltigsten ist. (Einseitige Ernährung mit uneured rice ruft Krankheiten hervor [Beriberi usw.], da diesem wichtige Vitamine fehlen.) Als Ersatz für die oft nur schwer erhältlichen und teueren Kartoffeln kommen Bataten, Yam oder Taro (Knollengewächse) in Frage. Wenn frische Butter nicht zu erhalten ist — was in vielen tropischen Ländern bei dem relativ geringen Vorkommen von Kühen und Ziegen häufig der Fall ist —, muß man sich mit Dosenbutter behelfen, die durch Zusatz von Natron bei sorgfältiger Behandlung wohlschmeckend und ansehnlich wird. Frischmilch muß meist durch Konserven- oder kondensierte Milch ersetzt werden. Abwechslung kann durch Räucherwaren, die sich am besten in luftdichten Umhüllungen von Gelatine, Gips oder Kalk halten, oder durch Fleischkonserven erreicht werden, jedoch soll bei ihrer Beschaffung nach Möglichkeit Herkunft und Herstellungsdatum festgestellt und geprüft werden. Nur gute Qualitäten sind zu verwenden. Da die Lebensmittelkontrolle in weiten Bezirken von Süd- und Mittel-Amerika nur lückenhaft geübt wird oder überhaupt nicht stattfindet, stehen dem Mißbrauch Tor und Tür offen. Für die Qualität der Konserven gibt meist nur der Preis einen Anhaltspunkt. Um Fleisch- und Fischvergiftungen zu vermeiden, achte man besonders auf die Beschaffenheit der Dosen. Ausgebeulte Dosen sind zurückzuweisen. Beim Oeffnen J. Kalten / Berlin SW68 Wilhelmstraße 113 . Ruf: 19 22 74 Die Herstellung modischer Strickwaren auf modernsten ^fjlnrnrtnt •■««<.* ■■...„ ^g^1^*^^* * m •"' überall Existenz Flachstrsckmaschinen Aniemung 13

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