Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1937. Bestand LBI
- Issue
- Herbst 1937
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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verdorbener Konserven kommen die Gärungsgase mit Zischen hervor; solche Dosen sind unbrauchbar. Stets ist der Geruch der Konserven zu prüfen. Die Resteverwertung erfordert große Vorsicht. Reis-, Nudel- und Käsegerichte usw. sind — selbst wenn sie kühl stehen und am gleichen Tag Verwendung finden sollen — oft nicht mehr brauchbar. Geschärfter Blick und immer wache Aufmerksamkeit tun hier not. Gute Dienste leistet ein Weck-Apparat, mit dessen Hilfe man Fleisch, Brühe usw. einkochen und konservieren kann. Das Einmachen von Früchten wird im allgemeinen nicht erforderlich sein. Eine große Erleichterung bedeutet ein elektrischer Kühlschrank; wo die elektrische Kraft fehlt, muß man versuchen, sich mit Fliegenschränken, die dem Luftzug auszusetzen sind, zu behelfen. Eisbeschaff u n g oder -bereitung ist zumeist recht schwierig. Abwechslung in den Gerichten und appetitliches Aussehen der Speisen hilft den Mangel an Eßlust bekämpfen, der Kinder und Erwachsene unter der gleichbleibenden Temperatur der Tropen leicht befällt. Die Hauptmahlzeit findet zweckmäßig am Spätnachmittag nach Schluß der Arbeit und Eintritt der Abkühlung statt. Die Einnahme einer leichten warmen Mahlzeit auch am Mittag wird empfohlen. Von einem zu reichlichen Morgenimbiß wird jedoch abgeraten; alle salzhaltigen Speisen (Fischkonserven usw.), die Durst verursachen können, sind zu vermeiden. In der heißen Zeit wird der Neueingewanderte oft von einem starken Durstgefühl befallen, das zu reichlichem Trinken verleitet. Hieraus können erhebliche Schäden für Magen, Nieren und Herz entstehen. Als Getränke kommen Kaffee, Tee, auch Kakao und Hafergrütze in Frage, die erstgenannten jedoch in leichterer Zubereitung als in Europa. Warme Getränke löschen den Durst am besten. Dieser kann auch durch Kompott oder durch Spülen mit kaltem Mentholwasser gestillt werden. Kalten Aufgüssen von Kaffee, Tee usw. kann man Fruchtsaft von Zitronen, Orangen oder unreifen Mangos zusetzen. Diese Getränke sind auch bei Wanderungen geeignet. Wasser darf nie ungekocht getrunken werden und ist am besten vor dem Kochen zu filtern, doch erweisen sich kleine Filterapparate im allgemeinen als untauglich. Das Wasser soll mindestens 5 Minuten sieden, ehe es zum Trinken oder Abwaschen Verwendung findet. Auch das Leitungswasser in den Großstädten ist selten einwandfrei; so wird z. B. von Buenos Aires berichtet, daß das Wasser häufig nicht genießbar ist, weil die Filtrierwerke versagen. Die Leitungsrohre sind teilweise aus Blei; das Wasser ist dann braun und mißfarbig und höchst unappetitlich. Der fade Geschmack des abgekochten Wassers kann durch einen leichten Zusatz von Zitronensaft behoben werden. Kühlung der Getränke ist auch möglich, wenn man sie in Flaschen gießt und diese in einen groben dichten Leinwandsack legt, den man mit Wasser füllt und der Zugluft aussetzt. — Auch die Unschädlichkeit der in den Tropen hergestellten Tafelwässer ist nicht immer erwiesen, deshalb ist es besser, sie mit Apparaten selbst herzustellen (empfohlen werden sogenannte Sodorapparate, die dem Wasser die Kohlensäure durch Patronen zusetzen). Zuviel kohlensaures Wasser ist schädlich, ebenso der übermäßige Genuß eiskalter Speisen und Getränke, die Stauungen in den Schleimhäuten des Magen- und Darmkanals und demzufolge auch chronische Katarrhe herbeiführen können. Der Alkoholgenuß ist zu beschränken und am Tage, vor allem im Tiefland, ganz zu vermeiden (wegen des schädlichen Einflusses auf Herz und Nervensystem). Als Medizin, z. B. bei starker Durchnässung oder plötzlich auftretender Magenverstimmung, ist Alkoholgenuß dagegen nützlich. Unerläßlich für die Hausfrau ist ein gutes Tropenkochbuch. Bestempfohlen ist das auf langjährigen Erfahrungen in den Tropen aufgebaute Kochbuch von Antonie Brandeis, 3. Auflage, Verlag Reimann, Berlin 1930, das nicht nur mehrere hundert Rezepte unter Berücksichtigung der Krankenkost und der besonderen Verwendung tropischer Erzeugnisse enthält, sondern auch wertvolle Winke für den Tropenhaushalt gibt. Die obigen Ausführungen stützen sich zum Teil auf dieses Buch. Allgemein verwendbar ist auch das Kochbuch für Afrika: A. C. Hewett, „Cape Cookery"', das, in englischer Sprache, eine Auswahl landesüblicher Rezepte nach englischem und holländischem Geschmack bietet (vgl. hierzu den Literaturanhang am Schluß des Heftes). II. Die Haushaltsführung in den Tropen bedeutet einen unausgesetzten Kleinkrieg, nicht nur mit schadenbringenden Witterungseinflüssen, sondern auch mit dem Heer von Nagetieren, Insekten, Fäulniserregern und mit der Gleichgültigkeit und Unwissenheit der Eingeborenen. Nur peinlichste Sauberkeit und Akkuratesse verhelfen hier zum Sieg über die gesundheitsgefährdenden Einflüsse. Wichtig ist vor allem die Hygiene im Küchenraum. Dieser soll möglichst schattig liegen, genügenden Luftzug haben und möglichst große, durch Läden nach der Wetterseite hin verschließbare Fenster. Türen und Fenster sind wie alle übrigen Oeffnungen des Hauses (Schornsteine,, Ausgüsse usw.) durch Fliegendraht zu schützen. Mit Rücksicht auf die hohe Feuchtigkeit der Luft wird am besten Messingdraht verwandt, da sonst schnell Rost eintritt. Eine drahtgeschützte Veranda ist eine große Annehmlichkeit für das Haus und auch für die Küche. Küchentisch und Vorratssehränke stehen zweckmäßig in Behältern, die mit Petroleum gefüllt sind, zum Schutz gegen Ameisen. Auch die Schranktüren sind mit Fliegendraht zu versehen. Aus Sauberkeitsgründen empfiehlt sich weißer Anstrich der Küche. Die Vorratsräume sind zweckmäßig von der Küche entfernt einzurichten, da die von der Kochgelegenheit eindringende Hitze sonst leicht die Vorräte verdirbt. Die Kücheneinrichtung soll aus gutem Material bestehen. Für Gefäße wird beste Emaille empfohlen. In Mexiko und anderen mittelamerikanischen Ländern kann man für viele Zwecke tönerne Gefäße verwenden, die dort in reicher Auswahl und sehr billig vorhanden sind. — Aller Abfall nicht verwendbarer Reste, Papier usw., ist sofort zu entfernen, zu verbrennen oder zu vergraben, um Ungeziefer und Nagetiere fernzuhalten. Die heiße Temperatur, die die Leistungsfähigkeit herabsetzt, macht auch die Besorgung der Küche zu einer schweren Arbeit. Wenn die Hausfrau keine Hilfe hat, soll sie möglichst alle Arbeit in die frühen Morgenstunden verlegen, so daß nur das Notwendigste am Tage zu tun bleibt und vor allem nur einmal am Tage gekocht zu werden braucht. Es wird geraten, möglichst statt des Herdes einen Petroleumofen und auch die Kochkiste zu verwenden. — Wo farbiges Personal beschäftigt wird, muß dessen Tätigkeit, vor allem das Kochen, streng kontrolliert werden. Auch der Gesundheitszustand und die Körperpflege des Personals sind ständig zu beobachten. Man sorge für reinliche Kleidung (helle Küchenkittel oder Schürzen), Handtücher, Seife usw. (Gefahr der Uebertragung von Krankheiten und Verunreinigung der Speisen!). In allen Wohnräumen sorge man für gute Lüftung und Durchzug. Die Räume sollen hell, luftig und freundlich gehalten sein; an alle Oeffnungen gehört Fliegendraht. Häufiges Aufwischen mit Desinfektionsmitteln, Reinigen der Wände und aller Gegenstände ist erforderlich. Bilder und Wandschmuck werden leicht zum Schlupfwinkel für Ungeziefer. Die Aborte sind peinlich sauber zu halten. Die Schlafräume müssen vor dem Zubettgehen nach Mücken abgesucht werden. Der Auswanderer, der in das Tiefland geht, versehe sich in jedem Fall mit einem Moskitonetz, mit lang herabfallenden Vorder- und Seitenenden, die unter die Matratze zu stopfen sind. für Auswanderer in jedem gewünschten Stil Schleiflack- und Aufbaumöbel Große Auswahl in Polstermöbeln usw. JOSEPH DREYFUSS Berlin-Charlottenburg 2 . Grolmanstraße 36 14