Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand LBI
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 106 (sequence 112)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Haupterzeugnisse der Fleischindustrie sind Gefrierfleisch, Kühlfleisch, Konservenfleisch, Rinderschmalz und - talg und in kleineren Mengen gesalzenes und gedörrtes Fleisch und Fleischextrakt. 1935 wurden 119 213 t dieser Fleischprodukte im Werte von 21 412 000 Pesos exportiert, 15,8 °/o mehr als im Vorjahre. Infolge seiner Viehzucht verfügt Uruguay auch über einen großen Häuteexport. 1935 wurden 32 273 t im Werte von 12 692 000 Pesos exportiert, wertmäßig 40 o/o mehr als 1934. Mit einem Anteil von 40 °/o steht Uruguays W o 11 - Produktion unter seinen Exportprodukten an erster Stelle. Die Wollerzeugung Uruguays hat einen ständigen Aufschwung genommen; der Wollexport betrug 1935: 50 385 t im Werte von 38 484 000 Pesos. Die Ziffern zeigen, daß der Wollexport Uruguays wertmäßig um 113,3 o/o gegenüber dem Vorjahre zugenommen hat. Erster Abnehmer von Uruguays Wolle war Deutschland. — Die Bedeutung der Viehzucht für dieses Land wird durch den Anteil der Viehprodukte am Gesamtexport beleuchtet. Er betrug 1935 zirka 86,2 o/0. 3. Bodenschätze Uruguays mineralische Produktion ist unbedeutend. Gefunden werden geringe Mengen von Gold, Manganerzen und Kohle. In fast allen wichtigen Mineralprodukten, insbesondere Kohle und Petroleum, ist Uruguay stark abhängig von der Einfuhr. Es sind jedoch Pläne ausgearbeitet worden, den ungehobenen mineralischen Reichtum des Landes (insbesondere Kupfer und Blei) auszunutzen. Die Initiative zur Ausbeutung haben die staatlichen Elektrizitätswerke übernommen. Alle Mineralien wurden als Nationaleigentum erklärt und gelten als unübertragbar und unveräußerlich. Doch wird freies Schürfrecht verliehen. Dem Ergebnis der Ausbeute sieht man zuversichtlich entgegen; man hofft, mit der neuen Kupfer- und Bleiproduktion die Kohlenimporte bezahlen zu können. 4. Industrie „Das künstliche Anregungsmittel eines Schutzzolles hat viel kleine Firmen hochgezüchtet, die eigentlich unrentabel wirtschaften. Die Rationalisierung ist noch nicht nach Uruguay vorgedrungen, und diese kleinen Firmen mit ihren hohen fixen Kosten erhöhen die Produktionskosten im Lande und sind das Objekt einer ständig besorgten Gesetzgebung." (Aus dem South American Handbook 1936.) Fabrikanten von Produkten, die ausschließlich aus einheimischen Rohstoffen hergestellt sind, ziehen daraus Nutzen, daß sie Exportdevisen zu Vorzugskursen (über der behördlichen Notierung) anbieten dürfen. Die durch Schutzzölle begünstigte Uebersetzung einzelner Industriezweige bei mangelnder Zusammenarbeit der Fabrikanten und Exporteure hat vorübergehend zu ernsten Zusammenbrüchen geführt. Man hat deshalb zeitweilig die Schutzzölle gemildert, um eine Einigung zu erzwingen. Man beabsichtigt, die Anzahl der industriellen Unternehmungen jeder Branche gemäß den Bedürfnissen und der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes zu beschränken. Konzerne, die aus einer so bewirkten künstlichen Monopolstellung Gewinne ziehen, müssen sich Beschränkungen der Dividenden und Unternehmergewinne zugunsten von Reservefonds, Lohn- und Gehalts-Erhöhungen gefallen lassen. Weitere Ueberschüsse der Konzerne sollen zu gleichen Teilen den Volksschulen und der Förderung der industriellen Entwicklung zugute kommen. — Fabriken, die in Uruguay neu errichtet werden oder ihre Einrichtungen erneuern, können Maschinen und deren Zubehörteile, Apparate usw. zollfrei einführen, soweit diese Maschinen usw. nicht in Uruguay hergestellt werden. Industrielle Unternehmungen Als nationale Industrien bestehen in Uruguay: a) für Artikel unter Verwendung importierter Rohstoffe (mit Zollschutz) : Aluminiumwaren, Emaillewaren, Kartonnagen, Metallbettstellen, Bürsten, Besen, Filzhüte, Strohhüte, Hosenträger, Sockenhalter, Schirme, Seifen, Parfüms (billige), Gläser, Flaschen (ordinäre), Bakelitwaren, Elektrische Kabel und Schnüre, Stahlrohre für elektrische Leitungen, Möbel (bessere), Trikotagen aus Baumwolle und Kunstseide, Strumpfwaren, Konfektion (bessere und feine), Eisen- und Stahlmöbel, Elastics für Bettstellen, Packpapier, Zigaretten; b) für Artikel unter Verwendung eigener Rohstoffe: Schuhwaren (einfache), Wolltrikotagen, Konfektion (billige), wollene Kleiderstoffe (einfache), Möbel (billige), Wollstoffmützen, Lederwaren (Damenhandtaschen usw.), Teppiche, Läuferstoffe (billige) aus Wolle, Zement, grau (erstklassig, wie alle im Lande hergestellten Baumaterialien); c) für Artikel unter Verwendung von importierten Rohstoffen, jedoch in einer wenig vervollkommneten Güte, so daß der ausländische Artikel noch den Vorzug genießt: Anstreichfarben, Druckfarben, gestanzte Eisenwaren, Lederhandschuhe, Gummiartikel (Wärmbeutel usw.); d) Reparatur-Werkstätten jeder Art. Nach neueren Schätzungen ist in den vorstehenden Privatindustrien ein Gesamtkapital von zirka 120 bis 130 Millionen Pesos angelegt. (Nach Angaben eines Wirtschaftsberichtes des Deutschen Wirtschaftsverbandes für Süd- und Mittelamerika e. V., vom 9. März 1936.) Unter den projektierten, teilweise auch schon arbeitenden neuen Industrien befinden sich folgende: Autoreifen, Asbest-Zementplatten, elektrische Lampenbirnen, Briketts, verschiedene Chemikalien und pharmazeutische Präparate. 5. Verkehr Die Verkehrsverhältnisse Uruguays liegen ziemlich günstig. Die Grenzen des Landes werden zum großen Teil vom Meer und von Strömen gebildet, die bis weit in das Binnenland hinein auch für größere Dampfer schiffbar sind. Ein verhältnismäßig weit verzweigtes Eisenbahn-System von 2786 km Betriebslänge (1934) hat in Montevideo sein Zentrum. Die Bahnen sind teilweise in Staatseigentum, teilweise in englischem Privatbesitz. Uruguays Straßen gehören zu den besten Südamerikas, das Netz guter gepflasterter Straßen umfaßt zirka 1300 km. Neue Autostraßen sind ständig im Bau. Ein großer neuer Zentralflughafen für die zivile und militärische Luftfahrt wird jetzt errichtet. 6. Außenhandel Die Gesamteinfuhr Uruguays hatte 1935 einen Wert (Tarifwert) von 59 960 000 Pesos (1934: 62 712 000 Pesos), die Ausfuhr den Wert von 95 357 000 Pesos (1934: 69 773 000 Pesos), so daß sich ein Ausfuhrüberschuß von 35 397 000 Pesos (1934: 7 061000 Pesos) ergab. Die starke Ausfuhrerhöhung ist hauptsächlich auf die Steigerung des Wollexportes zurückzuführen. Uruguays Ausfuhr und Einfuhr nach Bestimmungs- und Herkunftsländern i. J. 1935 (in 1000 urug. Goldpesos) Bestimmungs- . . c r i bzw. Herkunftsland Ausfuhr Lintuhr Deutschland..... 13 338 14 % 5 198 8,7% England ...... 23 704 24,9% 9 969 16,6% U. S.A........ 10 869 11,4% 9 791 16,3% Alle anderen Länder . 47 446 49,7 % 35 002 58,4 % Insgesamt...... 95 357 100 % 59 960 100 % (Jahresbericht der Deutschen lieber seeischen Bank für 1935, nach amtlichen Angaben.) Haupteinfuhrwaren waren 1933 (in der Reihenfolge des Importwertes): Rohöl, Zucker, Kohle Textilien, Yerba Mate, Kartoffeln, Olivenöl, Automobile. (Ueber Yerba Mate siehe die Angaben über Paraguay.) Uruguays Handelspolitik entspricht zumeist dem Prinzip der Gegenseitigkeit; doch wird dieses System nicht streng gehandhabt. So sind die Importe aus Japan und der Sowjet-Union bei weitem stärker gestiegen als die Exporte dorthin. Die Einfuhrdrosselung Uruguays seit 1934 hat sich auch auf den Handelsverkehr mit Deutschland ausgewirkt. Das neue Verrechnungsabkommen versucht, Ex- 106