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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 105

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 105 (sequence 111)
Language
German
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Negro kurz vor seiner Mündung in den Uruguay gelegen, ist ebenfalls ein Handelszentrum für agrar- und viehwirtsehaftliche Produkte, zugleich aber auch ein gern aufgesuchter Erholungsort. 2. Klima und Gesundheitsverhältnisse Uruguays Klima ist angenehm und gesund; es entspricht etwa dem Klima der nördlichen Mittelmeerländer. Die Sommertemperaturen, die bis zu 32° C ansteigen, werden durch Ozeanbrisen gemildert. — Die Jahresdurchschnittstemperatur für Montevideo beträgt 16° C. Die Frühlingsmonate sind Oktober und November; die Sommerzeit dauert von Dezember bis März. Wärmster Monat ist der Januar mit 22° C Durchschnittstemperatur in Montevideo. Herbst: April und Mai. Winter: Juni (kältester Monat mit 10° C Durchschnittstemperatur in Montevideo) bis September. Das Klima und Wetter von Montevideo gilt als besonders schön. Durchschnittlich werden 225 Sonnentage im Jahre gezählt. Epidemische Krankheiten sind in Uruguay selten. 3. Bevölkerung Die Bevölkerung Uruguays wurde am 31. Dezember 1934 auf 2 020 040 Einwohner geschätzt. Etwa 90 o/o der Bevölkerung dürften Weiße sein, 10 °/o Mestizen; Indianer gibt es in Uruguay nicht. — 18,1 °/o der Bevölkerung sind Ausländer, davon 6,2 o/0 Italiener und 5,5 o/o Spanier. 1932 wurde die Zahl der Juden in Montevideo auf 17 000 geschätzt; seitdem dürfte ihre Zahl sich sehr bedeutend vermehrt haben; von manchen Seiten wird die Zahl 30 000 genannt. Montevideos Bevölkerung betrug am 31. August 1935 666 130 Seelen. Andere größere Städte in Uruguay (1930): Salto 30 000 Einwohner Paysandu 26 000 Einwohner Mercedes 23 000 Einwohner. Mit 11 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Uruguay der dichtest besiedelte Staat Südamerikas. Der jährliche Geburtenüberschuß von 10,7 auf das Tausend der Bevölkerung ist recht hoch. 4. Regierung und Innenpolitik Uruguays neue Verfassung wurde am 19. April 1934 durch Volksabstimmung angenommen. Die Exekutive liegt jetzt allein in den Händen des Präsidenten, der auch das Kabinett von neun Ministern aus Mitgliedern der politisch führenden Parteien ernennt. Die Parteien Uruguays werden seit altersher in zwei Gruppen zusammengefaßt: die „Weißen" (Blancos) und die „Roten" (Colorados). Der jetzige Präsident Dr. Gabriel Terra, der einer Gruppe der „Roten" angehört, hält die Regierung des Landes fest in seiner Hand; die von ihm geschaffene neue Verfassung gibt ihm die nötigen Vollmachten. — Weitere verfassungsmäßige Körperschaften sind: der Senat, dessen Mitglieder sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der beiden führenden Parteien zusammensetzen, und eine Abgeordnetenkammer, bestehend aus Abgeordneten der Departements (entsprechend dem Anteil ihrer Bevölkerung) und aus Abgeordneten der politischen Parteien (entsprechend der Anzahl der Wählerstimmen jeder Partei). Für Männer und Frauen besteht Wahlpflicht; Wahlenthaltung ist strafbar. Die Verfassung trägt stark sozialen Charakter. Die teilweise schon bestehende, sehr fortgeschrittene Sozialgesetzgebung wurde in der Verfassung kodifiziert. So sieht die Verfassung vor: Altersrenten, Kinderfürsorge, Mutterschutz, freie medizinische Behandlung für Bedürftige, Arbeiter-Unfallversicherung, Bau billiger Wohnungen für Arbeiter, Achtstundentag und Sechstagewoche, auch für häusliche Angestellte, Mindestlöhne und spezielle Schutzvorschriften für Frauen und Minderjährige. Ein neues Pressegesetz wird streng gehandhabt. III. Wirtschaft 1. Finanzen und W ä h r u n g Die Staatsfinanzen Uruguays haben sich im letzten Haushaltjahr recht günstig gestaltet. Die Staatseinnahmen ergaben mit 90,69 Millionen Pesos einen Ueberschuß von 10,22 Millionen Pesos über die Staatsausgaben, die 80,47 Millionen Pesos betrugen. Der Voranschlag für 1936 sieht für Ausgaben und Einnahmen je 80 Millionen Pesos vor. Die innere Schuld konnte bis 31. 12. 1935 um 10,91 Millionen Pesos auf 302,69 Millionen Pesos gesenkt werden. Die Währungseinheit Uruguays ist der Gold- Peso (abgekürzt: u$o.), der in 100 Centesimos unterteilt ist. Die Goldparität zur Reichsmark betrug u-So 1 4,34 Reichsmark. Bis 1930 hielt sich der Peso auf dieser Parität stabil, um dann stark abzusinken. Am 14. 8. 1935 entschloß sich die Regierung, durch eine gesetzliche Neubewertung der Edelmetallbasis eine neue Goldparität des Peso einzuführen, die der durch die Entwertung geschaffenen Lage entsprach. Der neuen Parität entsprechend, beträgt der offizielle Kurs des Peso ffs 12,06 1,98 RM. Durch das gleiche Gesetz wurde das Recht zur Notenausgabe einer neubegründeten Emissions-Abteilung der Bank der Republik Uruguay übertragen. Aus der Neubewertung ergab sich ein Gewinn von etwa 49 Millionen Pesos, der verschiedenen Zwecken — Verringerung der konsolidierten Staatsschulden, Finanzierung öffentlicher Arbeiten, Zinsermäßigung der landwirtschaftlichen Hypotheken, usw. — zugeführt wurde. Im Mai 1936 schwankte der Freikurs des Peso an der Berliner Börse zwischen 1,175 RM und 1,21 RM bei einem Durchschnittskurs von 1,189 RM. 2. Landwirtschaft Obgleich Uruguays Boden vorzüglich für Agrikultur geeignet ist, sind nur 7J 2 °/o der Fläche des Landes landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Weizen wird in erster Linie für heimischen Bedarf angebaut, doch wird in guten Erntejahren auch eine gewisse Menge exportiert. (So 1934: 43 600 t von 399 353 t Gesamternte.) Die Weizenproduktion betrug im Erntejahr 1934/35: 290 434 t. Die Aussaatfläche für die Ernte 1935 36 ist um ca. 12 0/0 gegenüber dem Vorjahre erweitert worden. Leinsaat nimmt die zweite Stelle unter Uruguays Agrarproduktion ein. Die Produktion betrug 1934 35: 86 405 t, exportiert wurden 1935: 70 597 t im Werte von 4 620 000 Pesos, was etwa 4,8 °/o des Gesamtexports Uruguays ausmacht. — In größeren Mengen wird für den inländischen Bedarf auch Mais, Hafer, Luzerne und Tabak angebaut. Der Reis ertrag reicht gerade aus, um den inländischen Bedarf zu decken und eine kleine Ausfuhr sicherzustellen; die Regierung erließ Ende 1935 deshalb ein Einfuhrverbot für zu Verbrauchszwecken bestimmten ungeschälten Reis. Von großer Bedeutung ist Uruguays Viehwirtschaft. Die Größe und Qualität des Viehs ist dem Argentiniens nicht vergleichbar, was auf mangelnde Umsicht der Treiber und Züchter zurückgeführt wird. Seit einigen Jahren wird aus England und Argentinien hochwertiges Vieh zur Aufzucht importiert, aber der Einfluß auf die Qualität des uruguayanischen Gesamt-Tierbestandes soll bisher minimal gewesen sein. Der Rindviehbestand wurde 1932 auf 7 372 381 Stück geschätzt, der Schafbestand auf 15 405 607 Stück. Zu Schlachtzwecken für die Ausfuhr wurden 1934 616 000 Stück Rindvieh und 830 000 Schafe verkauft. Vermögensverwaltungen Liquidationen Wirtschaftsberatungen Hypothekenvermittlung Finanzierungen PAUL KORATKOWSKI Berlin W8, Friedrichstr. 166 A2 0897 105

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