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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 85

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 85 (sequence 91)
Language
German
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zum Obst- und Weinbau. Eine Anzahl von Spinnereien, Getreidemühlen und Gerbereien befinden sich in Ambato, das an der Bahnlinie Quito—Guayaquil liegt. Riobamba, die Hauptstadt der Provinz Chimborazo, deren Bevölkerung ca. 22 000 Seelen umfaßt, liegt an der gleichen Bahnstrecke. Die Reise von Guayaquil nach Quito wird hier gewöhnlich für die Nacht unterbrochen. Rings um Riobamba erstreckt sich fruchtbares, zum Teil künstlich bewässertes Acker- und Gartenland, dessen Produkte in Riobamba teils verarbeitet, teils für Exportzwecke umgesetzt werden. Unter den industriellen Unternehmen der Stadt befinden sich Woll- und Baumwollwaren-, Teppich- und Schuhfabriken und Destillerien alkoholischer Getränke. Die Entwicklung von Cuenza, mit etwa 40 000 Einwohnern Ecuadors drittgrößter Stadt, leidet unter den Schwierigkeiten der Verkehrsverbindung; eine Bahnlinie nach den Hauptstädten ist zwar im Bau, vorläufig ist aber nur ein Streckenteil fertig, der Rest muß per Auto und Maultier zurückgelegt werden. Häute, Cinchona (eine Rinde, aus der Chinin gewonnen wird) und verschiedene Erzeugnisse der Tropen werden in Cuenca verarbeitet und gehandelt. Die südlichste der größeren Städte Ecuadors, Loja (rund 17 000 Einwohner), ebenfalls das Zentrum eines landwirtschaftlich bedeutsamen Gebirgstales, ist gleichfalls in seiner Entwicklung durch ungünstige Verkehrslage gehemmt. Ueber den fruchtbaren Becken und Tälern zieht sich die steppenartige P a r a m o - Landschaft hin. Ein widriges, stürmisches Klima macht die menschliche Siedlung kaum möglich. Wirtschaftlich betrachtet, ist dieses Gebiet höchstens als Weideland geeignet. Gegen Osten fallen die Anden steiler ab als nach der Küste. Das im Osten sich anschließende Tiefland ist wenig bewohnte Urwald- W i 1 d n i s. Große Ströme fließen dem Amazonas und seinen Nebenflüssen zu. Feste Siedlungen gibt es in diesem teilweise überhaupt unerforschten Gebiet kaum. 2. Klima und Gesundheits Verhältnisse Das Klima Ecuadors ist überaus uneinheitlich, zum großen Teil aber für Europäer ungünstig. Dem Europäer fehlt es vor allem an Widerstandskraft, das feuchtschwüle Klima der tiefer gelegenen Landstriche zu ertragen. Allgemein wird Ecuador in drei klimatisch verschiedene Zonen eingeteilt. A. Das Tiefland, das sich zwischen den Anden und der Küste und über den Osten des Landes hin erstreckt. Die Jahresdurchschnittstemperaturen bewegen sich zwischen 23 und 29° C. Während der Osten nur sehr schwach besiedelt ist, befinden sich im Küstengebiet größere Siedlungen. Guayaquil hat heißes Tropenklima, besitzt aber heute, im Gegensatz zu früheren Zeiten, ziemlich befriedigende Gesundheitsverhältnisse. Im Vergleich zu der dort herrschenden hohen Temperatur ist die Regenmenge gering. Von Mai bis Dezember herrscht absolute Trockenheit. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind zwar groß, aber die Hitze setzt schon in den frühen Morgenstunden ein. Die Malaria konnte in Guayaquil selbst ausgerottet werden, doch gilt das ganze übrige Tiefland noch als verseucht. B. Die gemäßigte Zone, die sich über die Andenabhänge und zentralen Täler bis zu einer Höhe von etwa 3000 m erstreckt, hat Jahresdurchschnittstemperaturen zwischen 11 und 23° C, je nach der Höhenlage. Die Temperaturen wechseln schnell von kalten Nachtfrösten zu glühender Tageshitze, wenn auch die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede nicht allzu groß sind. Die Regenfälle sind sehr stark; es regnet fast während des ganzen Jahres. Die Feuchtigkeit nimmt nach Osten hin noch zu. Quito hat ein echtes „Aprilwetter"; seine Temperaturen entsprechen allerdings mehr dem mitteleuropäischen Mai. Als Folge des Wetters sind Erkältungskrankheiten sehr häufig, die, im Zusammenhang mit Atmungs- und Herzbeschwerden in den höheren Lagen dem Europäer viel zu schaffen machen. Besonders die schwüle Luft nach den Regenfällen wird als außerordentliches Arbeitshindernis empfunden. C. In der nur wenig bewohnten kalten Zone, dem Paramo-Gebiet, die in Höhen über 3000 m gelegen ist, sinken die Durchschnittstemperaturen bis auf 6° G ab. Die Witterungsumschläge sind noch häufiger; Hagel-, Schnee- und Regenfälle lösen einander unter schweren Stürmen ab, von kurzen Zeiten heißen Sonnenscheins unterbrochen. Es herrscht hier die sogenannte Paramokrankheit, eine Erkältungserscheinung; die kalten Stürme durchdringen jede Bekleidung und führen zu ungewöhnlicher Wärmeentziehung des Körpers, so daß häufig der Erfrierungstod eintritt. Zusammenfassend ist über Ecuadors Gesundheitsverhältnisse zu sagen: das Tiefland ist, von gewissen Landstrichen, insbesondere der größten Stadt des Landes, Guayaquil, abgesehen, fieberverseucht. Insekten, insbesondere die Moskitos, bilden eine Plage und sollen Infektionskrankheiten auch in solche Gebiete übertragen, die bisher von Krankheiten frei waren und der Kolonisation erst unterzogen werden. Deshalb empfiehlt es sich auch, keinesfalls ohne engmaschige Moskitonetze bzw. Drahtgeflechte an Türen und Fenstern zu schlafen. Die mittleren Landstriche sind für Menschen ohne Neigung zu Erkältungskrankheiten und mit absolut gesunder Lunge und kräftigem Herzen erträglich. Die Niederlassung in den Höhenlagen des Paramogebietes dürfte für Europäer gesundheitlich kaum möglich sein. Uebersieht über die Klim a Verhältnisse der w i c h t i gsten Städte Ecuadors Höhe über dem Durchschnitts¬ Regen¬ Ort Meeresspiegel temperatur menge m C mm 4 095 5,0 1 684,4 Quito....... 2 817 12,6 1 264,0 (Wärmste tMonate Februar und September mit 12,8°, kältester Monat Oktober mit 12,4° im Durchschnitt) 2 555 14,0 488,0 2100 16,2 776,2 5 24,0 1 203,4 Zum Vergleich: 36 8,6 570,0 3. Bevölkerung Die Be völkerungszahl Ecuadors wurde am 31. Dezember 1934 auf 2 646 641 geschätzt. Diese Zahl dürfte sich nach Rassen folgendermaßen gliedern: Reine Weiße 8 °/o Reine Indianer 48 °,o Indianer-Mischlinge 30 °/o Neger u. Mulatten 14 o/0 Die Indianer-Mischlinge setzen sich aus sogenannten Mestizen (Weiße und Indianer), Cholos (Weiße und Mestizen) und Zambos (Schwarze und Indianer) zusammen; Mulatten sind Mischlinge zwischen Negern und Weißen. Der ecuadorianische Indianertyp steht auf niedrigster Kulturstufe. Seit Jahrhunderten von einer Oberschicht — erst den Inkas, dann den Spaniern — ausgebeutet, ist er heute mißtrauisch, furchtsam und ohne Streben, seine Lage selbst zu verbessern. Es ist bisher wenig getan worden, durch Erziehung und soziale Gesetzgebung die indianische Schicht kulturell und wirtschaftlich zu heben. Die Neger leben hauptsächlich im westlichen Küstengebiet; sie können dem Malariaklima viel eher trotzen als die Weißen, übertragen aber angeblich die Malaria in andere Zonen, sobald sie sich dort niederlassen. Die Anzahl der in Ecuador lebenden Ausländer beträgt etwa 12 000. Unter diesen stehen Chinesen an erster Stelle, obwohl ihnen seit 1889 die Einwanderung verboten ist. Es folgen als größte Europäergruppe die Italiener. Die offizielle Umgangssprache ist spanisch. Unter den Eingeborenen werden auch indianische Sprachen oder ein spanisch-indianischer Mischdialekt gesprochen. 4. Regierung und Innenpolitik Die Republik Ecuador wurde 1830, nach dem Unabhängigkeitskrieg der spanischen Kolonien gegen ihr Mutterland, gegründet. Die Verfassung Ecuadors wurde 8$

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