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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 52

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 52 (sequence 54)
Language
German
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zen Diamanten (Carbonados). Der Wert der Diamantenausfuhr betrug 1935 etwa 22 000 Contos. — An anderen Edelsteinen werden gefunden: Smaragde, Granate, Amethyste, Jaspis, Achate, Rubine, Topase, Opale usw. Der Gesamtwert des Edelsteinexports war vor der Weltwirtschaftskrise nicht gering, ist aber dann auf einen kleinen Bruchteil zusammengeschrumpft (3000 £ [Gold] i. J. 1934, gegen 384 000 £ i. J. 1928). 3. Eertigwarenindustrie Die Anfänge der Industrialisierung Brasiliens reichen schon in die Vorkriegszeit zurück. Den ersten Anstoß zur Ausdehnung der industriellen Produktion brachte dann die durch den Weltkrieg bedingte Abschließung von den wichtigsten europäischen Märkten. Zum wichtigsten Industriestaat Südamerikas aber wurde Brasilien in den 20er Jahren; dieser Prozeß erreichte seinen Höhepunkt um 1925 und sein Ende etwa 1927, als zahlreiche Unternehmungen — hauptsächlich als Folge von Ueberproduktionsstörungen — zusammenbrachen. Die Weltkrise bewirkte dann einen neuen Aufschwung der brasilianischen Fertigwarenproduktion. — Die Ursachen der Industrialisierung sind mannigfacher Art. Zunächst mußte Brasilien, dessen Ausfuhr sich fast ausschließlich auf das .Monokultur-Produkt Kaffee aufbaute, eine Sicherung seines Fertigwarenbedarfs für Zeiten des Ausfuhrrückganges, die stets zu einer Erschwerung der Einfuhr führen, erstreben. Hinzu kam, daß die Schutzzollbestrebungen der Industrie mit den fiskalischen Interessen der Bundesregierung zusammenfielen, deren Einnahmen sich fast ausschließlich auf die Zölle beschränken, während das Steueraufkommen den Regierungen der Einzelstaaten zufließt. Vor allem aber zwang die fortgesetzte Entwertung des Mi 1 reis Brasilien dazu, sich von der Einfuhr gewisser in Goldwert zu bezahlender und daher immer teurer werdender ausländischer Fertigwaren zu befreien. Schließlich ist die Industrialisierung im weiteren Sinne auch als eine Abwehrmaßnahme sowohl gegenüber den Reagrarisierungstendenzen europäischer Länder, welche den brasilianischen Agrarexport schwer treffen, als auch gegenüber der Ausdehnung des Kaffeeanbaus anderer kaffeerzeugender Länder aufzufassen; denn die brasilianische Landwirtschaft ist nicht mehr in der Lage, die steigende Bevölkerungszahl zu ernähren. Dieser müssen neue Arbeitsplätze eröffnet werden, und solche bietet eben die Industrialisierung, für die die rohstoffmäßigen Voraussetzungen bei einer Reihe von Industriezweigen, z. B. für Baumwolltextilien und Schuhwaren, in Brasilien recht günstig sind. Zuletzt, aber nicht am wenigsten, treibt der wirtschaftliche Nationalismus hier wie überall zur möglichst weitgehenden Unabhängigkeit von ausländischen Erzeugnissen, wenigstens soweit sie lebenswichtiger Art sind. Die brasilianische Industrie wurde von Seiten der Bundesregierung in jeder Weise gefördert; man stellte ihr bereitwilligst Kredite zur Verfügung und machte — schon aus Eigeninteresse reichlich vom Mittel des Schutzzolles Gebrauch. Die Zollmauern verfehlten allerdings häufig ihren Zweck, „erziehend" zu wirken, da die heimischen Produkte von schlechterer Qualität als die vorher eingeführten ausländischen blieben. Man zwang sogar zeitweilig die Importeure, die Zölle in Goldmilreis zu zahlen, was auf manche Einfuhrzweige vollends prohibitiv wirkte. Dieser vielseitige Protektionismus führte einzelne Industriezweige an die Grenze der Ueberproduktion. Die Regierung mußte deshalb zeitweilig vom protektionistischen Weg abweichen; sie wendete zwar nicht das Mittel des Investitionsverbotes an, aber verbot die Einfuhr von Maschinen für gewisse gefährdete Industriezweige (so für Baumwollspinnerei und -Weberei, Jute-, Woll- und Seidenweberei, ferner für Zweige der Schuh-, Hut-, Papier- und Streichholzindustrie und für die Zuckerindustrie). Dieses Maschinen- Einfuhrverbot besteht bis zum 31. März 1937. Daneben hat sich die Regierung vorbehalten, die Zölle herabzusetzen, wenn eine Tendenz zur Kartellierung oder Vertrustung besteht oder wenn die Preise der Waren, den Zoll eingerechnet, höher sind als die entsprechender ausländischer Waren. Bevor wir zur Besprechung der wichtigsten Zweige der Fertigwarenindustrie übergehen, müssen einige Worte zum Verständnis der dort wiedergegebenen Zahlen gesagt werden. Die Industrieschätzungen des Bundesstaates Brasilien beruhen zumeist auf Statistiken des Staates Säo Paulo, die nach einem bestimmten Schlüssel multipliziert werden. Der Begriff des Industriebetriebes ist in diesen Statistiken weiter gefaßt, als in Deutschland. Er umfaßt sowohl Fabriken wie größere Handwerks- und Reparaturbetriebe, auch Gewerbe, die auf der Landwirtschaft beruhen, unabhängig von der Größe des Betriebes, des investierten Kapitals und der Zahl der beschäl t igten Personen. Betriebe, die wir ihrer Kapitalsanlage und ihrer Kapazität nach durchaus als Kleinbetriebe auffassen würden, gelten in Brasilien schon als Mittelbetriebe, und entsprechend Mittelbetriebe als Großbetriebe. Bezeichnend ist, daß etwa die Hälfte der paulistaner (d.h. der in Säo Paulo gelegenen) Industriebetriebe mit weniger als 6 Arbeitern arbeitet; sie umfaßt auch nur einen geringen Teil der gesamten Arbeiterschaft. Großbetriebe mit 1000 und mehr Arbeitern sind nur in der Textil- und in der Montanindustrie vorhanden. Es ist jedoch unter den Neugründungen die Tendenz zum Großbetrieb festzustellen. Nach der letzten Betriebszählung im Jahre 1934 gab es in Brasilien 55 926 Industriebetriebe (1920 waren es nur 3305!), darunter folgende Branchen: Betriebsart Zahl der Betriebe Tabakverarbeitung 902 Getränke 13 487 Alkohol 173 Streichhölzer 18 Salz 1 012 Schuhwaren 7 993 Parfümerien 1 101 Pharmazeutika 1 266 Konserven 1 666 Essig und Oel 184 Kerzen 510 Fell- und Stoffartikel 3 135 Papier und Papierwaren 251 Spielkarten 11 Hüte und Stöcke 1 265 Glas und Steingut 69 Wandplatten 549 Kinoapparate usw. 23 Eisenwaren 347 Kaffee und Tee 3 404 Butter und Ersatzstolle 2 263 Möbel 4 791 Waffen usw. 94 Käse 5 343 Farben und Lacke 492 Fächer 32 Gummiwaren 65 Rasiermesser und -pinsel 27 Spielwaren 114 Kämme, Bürsten usw. 187 Lederwaren 3 347 Schmuckwaren 120 Mineralölverarbeitung 4 Sanitäre Apparate 43 Musikinstrument e 62 Oefen usw. 234 Nähgarne 26 (Nach einem Bericht des Deutsch-Brasilianischen Handelsverbandes e. V. vom Mai 1936.) Der Produktionswert dieser Betriebe, deren Zahl sich inzwischen auf zirka 60 000 erhöht hat, dürfte jetzt 8 Mill. Contos betragen. Der Produktionswert der etwa 7000 Betriebe umfassenden paulistaner Industrie wurde 1934 auf 2,35 Mill. Contos geschätzt. 1933 waren in der paulistaner Industrie 171 000 Arbeiter beschäftigt. Ueber die Verteilung des Gesamtproduktionswertes der brasilianischen Industrie auf die einzelnen Produktionszweige im letzten Jahre gibt eine Zusammenstellung des Berliner Tageblatts vom August 1936 Auskunft: Wert der industriellen Produktion nach G e w e r b e z w e i g e n Gewebe aller Art Sehuherzeugung Textilien Tabakwaren Pharmazeutische Industrie Hüte Möbel Contos 1 121 267 522 903 453 652 223 419 184 556 171 213 134 273 52

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