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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 53

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 53 (sequence 55)
Language
German
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Contos Konserven 97 384 Papier, Papierwaren 88 384 Parfümerien 61 691 Lederwaren 58 782 Eisen, Aluminium 45 113 Kacheln und Fliesen 17 915 Herde 13 959 Farbenindustrie 12 695 Glaswaren 12 324 Kämme, Bürsten 11 514 Sanitäre Apparate 8 160 Waffen 3 821 Leder 3 082 Handschuhe 1 593 Spielwaren 1 095 Rasierklingen 868 Dazu kommen noch folgende Industriezweige, für die aber keine Zahlen vorlagen: Fetterzeugung, Seifenfabrikation, Zuckerraffinerien, Kunstdüngerindustrie, Wagenbau, Baustofferzeugung, Gerbereiindustrie, Steinkohlenbergbau, Manganerzeugung, Zementindustrie. Derjenige Wirtschaftszweig, der sich gegenwärtig am auffälligsten entwickelt, ist die Textilindustrie. Von den 8 Mill. Contos, die den Wert der gesamten brasilianischen Produktion ausmachen, entfallen mindestens 1,1 Mill. auf Textilgewebe und etwa 500 000 auf andere Textilf abrikate. Brasilien ist praktisch unabhängig von der Einfuhr von Textilprodukten. Ein kennzeichnendes Bild von der Blüte der Textilindustrie gibt eine Bilanzstatistik von Textilbetrieben des Staates Säo Paulo. 1935 arbeiteten 26 statistisch erfaßte Betriebe mit 121 000 Contos Kapital und 218 000 Contos anderen Betriebsmitteln und offenen Reserven. 24 von diesen Betrieben wiesen einen Reingewinn (von insgesamt 15 500 Contos) und zwei einen Verlust (von insgesamt 400 Contos) auf. 13 200 Contos gingen in ein „Garantiedepot für eingefrorene Kredite". 13 Betriebe zahlten Dividenden zwischen 5 und 24 % aus. 1934 warfen sogar 14 Betriebe Dividenden zwischen 7 und 120 0o aus; dabei war die Dividendenzahlung noch zugunsten von Reserven beschränkt! Durchschnittlich ergab sich 1934/35 ein Reingewinn von 10 bis 14% des Kapitals. Gegenwärtig wird in den meisten Textilfabriken in zwei Schichten gearbeitet. Unter den brasilianischen Textilbetrieben nehmen die der Baumwollverarbeitung einen besonderen Platz ein. Sie genießen alle Vorteile, die eine gute heimische Rohstoffbasis zu bieten vermag. 1935 verarbeiteten sie rund 165 000 Tonnen Baumwolle. Es bestehen gegenwärtig etwa 340 Baumwollspinnereien und -Webereien mit 2,6 Millionen Spindeln und 81 200 Webstühlen. Die vielseitigen Erzeugnisse der Baumwollindustrie halten auch höheren Ansprüchen stand. Die Seidenindustrie war bisher noch auf Einfuhr von hochwertigen Garnen und Rohseide angewiesen. Da jedoch die Seidenraupenzucht im Staate Säo Paulo (wo 82 Seidenfabriken bestehen) stark ausgedehnt wird, rechnet man mit baldigem Aufhören der Einfuhr. Die Qualität der Erzeugnisse ist mit der ausländischer Produkte nicht zu vergleichen; lediglich die von Waschseide und Seidenstrümpfen (über 3,5 Mill. Paar werden jährlich produziert) ist erstklassig. Einen großen Aufschwung dürfte in nächster Zeit che Kunstseidenerzeugung Brasiliens nehmen. Ein unter nordamerikanischem Einfluß stehendes Konsortium hat beschlossen, eine nordamerikanische Großfabrik nach Säo Paulo zu verlegen, die dort zur größten Kunstseidenfabrik Südamerikas werden wird. Sie wird Nitro-Zellulose verarbeiten und jährlich 3 Millionen Kilogramm Kunstseide produzieren. Das bedeutet eine Steigerung der paulistaner Produktion auf das Dreifache der Erzeugung von 1934. In diesem Jahr produzierten die beiden in Säo Paulo bestehenden Kunstseidenfabriken 1,55 Millionen Kilogramm, was schon mehr als 80 o/o des brasilianischen Bedarfs deckte. Der Wert der Kunstseidenproduktion betrug 62 000 Contos. Von anderen Textilindustrien sind noch die W o 11 - und Jutefabriken von Bedeutung. Die Juteindustrie (5 Betriebe in Säo Paulo) verarbeitet vorwiegend importierte Jute und produziert etwa 51 Mill. Meter Sackleinwand jährlich, die für den Kaffeetransport Verwendung findet. Wie die Kunstseidenindustrie, so baut auch teilweise die Papierindustrie ihre Erzeugung auf brasilianischer Zellulose auf. Die Regierungen der Einzelstaaten regen den Verbrauch heimischer Pflanzenfasern an Stelle ausländischer Rohstoffe in jeder Weise an. Gegenwärtig bestehen in Brasilien 27 größere Papierfabriken mit 20 000 Arbeitern, die 100 000 t Papier und Papierwaren, vor allem Pack-, Druckpapier und Kartonagen, jährlich produzieren. Die brasilianische Schuhindustrie, die 7 993 Betriebe zählt (worunter freilich auch größere Reparaturwerkstätten einbegriffen sind), produziert jährlich etwa 35 Mill. Paar Schuhe. Da Lederschuhe fast ausschließlich von der Stadtbevölkerung (nur etwa 12 Millionen Menschen) getragen werden, befindet sich die brasilianische Schuhindustrie gegenwärtig in einer Uebererzeugungskrise. Die Vertreter der Schuhindustrie haben sich mit einer Eingabe um Steuerermäßigung an die Regierung gewandt. Sehr unterschiedlich sind die einzelnen Zweige der chemisch-pharmazeutischen Industrie entwickelt. In Seifen und Parfümerien versorgt sich Brasilien selbst; die F a r b e n herstellung dagegen soll noch nicht einmal ein Viertel des jährlichen Einfuhrbedarfes decken. Auch die Herstellung von Chemikalien ist noch gering entwickelt. — Die 44 Gummifabriken, deren Erzeugung auf 35 000 Contos jährlich geschätzt wird, können auch nur einen Bruchteil des Bedarfs befriedigen. Durch die gegenwärtige Bauhausse befindet sich die Zement Industrie in großem Aufschwung. Die Zementerzeugung betrug schon 1934 310 000 t (gegen 88 000 t im Jahre 1928); die Zementeinfuhr ging in dieser Zeit um vier Fünftel zurück. — Da inzwischen einige neue Zementfabriken eröffnet wurden, dürfte die Zementeinfuhr bald aufhören. Fast einfuhrunabhängig ist Brasilien auch auf dem Gebiet der industriell verarbeiteten Nahrungs- und Genußmittel. Hier sind vor allem Brauereien, Tabak- und Zigarettenfabriken, Großbäckereien, Likördestillerien und Mineralwasserfabriken, Fleisch- und Gemüsekonservenfabriken usw. zu nennen. Aus einer Gesamtbetrachtung der brasilianischen Industrie ergibt sich, daß gerade auf dem Gebiet der Klein- und Mittelindustrie große Möglichkeiten für den Einwanderer vorhanden sind. Mit dem nach deutschen Begriffen verhältnismäßig geringen Kapital von etwa 30 bis 60 Contos, zuweilen mit noch weniger, ist der Einwanderer häufig in der Lage, einen kleineren Industriebetrieb zu begründen, der durch seine geringen Produktionskosten jeder ausländischen Konkurrenz überlegen ist, da deren Preis nicht nur durch das höhere Währungsniveau des Exportlandes, sondern auch durch Fracht, Zollzuschlag usw. wesentlich verteuert wird. 4. Währung Die brasilianische Währungseinheit ist der Milreis. 1 Milreis besteht aus 1000 Reis. (Die Einzahl heißt: „Real".) 1000 Milreis heißen 1 Conto de Reis. Die Schreibung von Summen in brasilianischer Währung bereitet einige Schwierigkeiten. Man präge sich folgende Tabelle ein: $001 ein Real $100 hundert Reis 1*000 ein Milreis 100*000 hundert Milreis 1:000$000 ein Conto de Reis 1.000:000$000 tausend Contos de Reis Die die Reisbeträge anzeigenden 0-Stellen werden häufig fortgelassen, so daß die Summen häufig mit dem Milreis- Zeichen $ aufhören. Der ganzen Summe wird zumeist die Abkürzung Rs. vorangesetzt. Beispiele: Rs. $600 ist zu lesen: 600 Reis, Rs. 73$000 ist zu lesen: 73 Milreis (häufig auch nur 73* gescbrieben), Rs. 3:3851500 ist zu lesen: 3 Contos, 385 Milreis, 500 Reis. 53

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