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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 50

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 50 (sequence 52)
Language
German
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nehmer, ging dabei Mark zurück. In der Hauptsache war aber die Ausfuhirerhöhung nicht auf den Rückgang des Inlandverbrauches, sondern darauf zurückzuführen, daß das Jahr 1934 35 eine Rekordernte brachte. Ein großer Teil der Zuckerernte soll der Alkoholer zeugung zugeführt werden. Eine Reihe großer Destillationsfabriken stellt vor der Eröffnung. Bei der großen Umstellung der Zuckerproduktion heteiligte sich auch ein staatliches Institut führend: das Staatliche Zucker- und Ukoholinstitut in Säo Paulo. Das brasilianische Obst ist von guter Qualität und bildet ein Exportprodukt von ständig wachsender Bedeutung. Der Orangenanbau wird besonders ausgedehnt, seit man sieh durch Einteilung der Früchte in Größenklassen, durch moderne Verpackungsmethoden und Transport in Kühlschiffen europäische .Märkte eroberte. Als Orange n produzent wurde Brasilien 1934 (1,2 Mill. Tonnen) nur noch von U. S. A. (1,7 Mill. Tonnen) übertroffen. Die brasilianischen Orangen sind sehr süß und von großem Wohlgeschmack, aber häutig unansehnlich, ein Fehler, der jetzt durch geeignete Zuchtwahl behoben wird. Etwa; i der brasilianischen Orangenausfuhr ging nach Großbritannien. Neben Orangen und anderen Zitrusfrüchten (vor allem Mandarinen und Grapefruits) werden Banane n, Ananas und Nüsse exportiert, und andere Obstsorten, darunter Wein und einige in Europa unbekannte Fruchtarten, für den heimischen Bedarf gezogen. Zu den an Exportbedeutung zunehmenden Agrarprodukten zählen auch O e 1 f r ü c h t e, unter ihnen vor allem Rizinuss a a t. Die Ausfuhrmenge der Oelfrüchte stieg von 1934 auf 1935 um zirka 50 "o. — Eine ausgesprochene Industriepflanze ist die Carnauba- P a 1 m e, deren Blätter einen wachsartigen Stoff ausscheiden. Das Carnaubawachs wird zur Produktion von Schreibmaschinen- Farbbändern, Kohlepapier, Schuhputzmitteln, Bohnerwachs, Schallplatten u. a. verwandt. Vorwiegend für den heimischen Bedarf wird Reis angebaut (Ernte etwa 1,2 Mill. Tonnen jährlich). Ein kleiner Leberschuß wird exportiert. Fast ausschließlich für den heimischen Konsum werden schwarze Bohnen geerntet (durchschnittlich 12 Mill. Sack zu 60 kg jährlich), die neben M andi okain e h 1 und Reis zu den Hauptnahrungsmitteln des brasilianischen Volkes gehören. - Mais und Weizen (144000 Tonnen jährliche Ernte) werden ausschließlich für den heimischen Bedarf angebaut. Eine gewisse Weizenmenge muß sogar noch zur Ergänzung des Bedarfs importiert werden. — Brasilien zählt zu den größten Maisproduzenten der Welt; die jährliche Produktion beträgt 5,5 Mill. Tonnen. Das brasilianische ebenso wie das argentinische Nationalgetränk ist der Mate-Tee, der aus den Blättern der Herva Mate (der spanische Name ist: Yerba Mate) zubereitet wird. Die Matebäume wachsen wild auf den großen Hochebenen des Südens und Südostens des Landes. Brasilien, das etwa 75 o/o der ganzen südamerikanischen Mateproduktion erzeugt, exportiert diesen Tee nach Argentinien und Uruguay und ist bereits auf dem europäischen Markte gut eingeführt. (Näheres über die Yerba Mate im Kapitel „Paraguay".) Brasilien ist außerordentlich reich an Drogenu n d M e d i z i n a 1 p f 1 a n z e n. Es sind gegenwärtig Bestrebungen im Gange, diese Pflanzen durch systematische Kultivierung auszunutzen. Die brasilianische Gummi gewinnung, der Wildkautschuk, im Gegensatz zum Plantagenkautschuk, der anderen gummierzeugenden Ländern zur Verfügung steht, war im letzten Jahre einer schweren Absatzkrise ausgesetzt. Erstens war der Plantagenkautschuk hilliger als der Wildkautschuk geworden, und zweitens war, trotz der großen Steigerung des Gummibedarfs der Industrie, die Produktion der Plantagen größer geworden als der Bedarf des Marktes. — Gegenwärtig wird die brasilianische Gummierzeugung mit Hilfe staatlicher Mittel und nordamerikanischen Kapitals neu gestützt. Henry Ford verwirklicht einen großen Plan zur industriellen Verwertung des Rohgummis im Staate Parä. Man hofft, durch Förderung der nationalen Gummi-Industrie die Kautschukkrise weiter zu beheben. Die Kaffeeplantagen im Staate Säo Paulo betreiben als eine Nebenerzeugung neuerdings die Seiden- 50 raupen ZU cht. Das Klima ist für Maulbeerbäume günstig und mit der Seidenraupenzucht sind viele italienische Immigranten vertraut. Einen guten Absatzmarkt bilden die brasilianischen Textilfabriken. Schon im Jahre 1934 betrug die Rohseidenproduktion allein im Staate Säo Paulo 55 000 kg. Die gewaltigen Wälder des brasilianischen Binnenlandes stellen ein unerschöpftes und, wegen der Verkehrsverhältnisse, zum Teil auch kaum erschöpfbares Reservoir von Hölzern dar. Die brasilianischen Holzsorten sind von so verschiedener Art, daß mau Holz für nahezu sämtliche Verwendungszwecke findet. Zwei große Gruppen lassen sieh unterscheiden, die Bau- und die Farbhölzer. Die Bauhölzer werden zum großen Teil in Brasilien selbst im Hoch- und Möbelbau verwandt. Von den Farbhölzern ist das berühmteste das sogenannte Brasil r holz, zum Rotfärben; daneben gibt es sogenanntes Blau- und Gelbholz. Zur Schwarzfärbung wird das Holz des Herva-Mate- Baumes verwandt. Ein Teil der brasilianischen Holzproduktion wird von Parä aus exportiert. Während die Viehzucht in Argentinien, dem größten Weideland der Welt, dem Ackerbau an Bedeutung mindestens gleichkommt, tritt sie in Brasilien hinter diesem weit zurück. Dies heißt aber nicht etwa, daß die brasilianische Viehzucht unerheblich sei. Das Gegenteil ist der Fall. Die Hochebenen des Innern und des Südens bieten ein vorzügliches Gelände für Viehzucht. Nach einer Zählung des Jahres 1932 gab es in Brasilien 24,5 Mill. Stück Rindvieh, 21,6 Mill. Schweine, 10,7 Mill. Schafe, 5,2 Mill. Ziegen, 6,6 Mill. Pferde und 2,7 Mill. Esel und Maultiere. Die Ausfuhr von Viehprodukten ist im Zunehmen begriffen. Vor allem werden Schmalz, Talg, Gefrier", Kühl-, Dörr- und Konservenfleisch, Häute und Felle exportiert. Die Häuteausfuhr zeigte im letzten Jahre einen leichten Rückgang, da die Gerhindustrie des Landes sich in dieser Zeit in einem besonders starken Aufschwung befand und einen größeren Teil der Häuteproduktion für den brasilianischen Eigen bedarf \ erarbeitete. Der Export von Fleischprodukten stieg, da Italien seine Fleischeinfuhr zur Versorgung der afrikanischen Truppen zum großen Teil aus Brasilien bezog. 2. Bodenschätze und Montanindustrie Brasilien ist reich an Bodenschätzen, die, wie Eisen- und Manganerze, die Grundlage einer weitgehenden Industrialisierung bilden können. Zugleich aber besteht in diesem Lande ein Mangel an den zur Verarbeitung nötigen Kraftquellen, vor allem an Kohle, und ein unglückliches Lageverhältnis der vorhandenen Kohlenfelder zu den Erzvorkommen. Die wichtigsten Kohlenabbaugebiete sind die Staaten Rio Grande do Sul und Santa Catharina; die wichtigsten Eisenfundstätten befinden sich in Minas Geraes, und das Zentrum der industriellen Verarbeitung ist Säo Paulo. Infolge der Transportkosten ist der Kohlenpreis in den Verkaufsgebieten rund dreimal so hoch wie in den Abbaugebieten. Bis zum Krisenausbruch betrug die Einfuhr von Kohle rund das Vierfache der heimischen Produktion. Aber die Wirtschaftskrise, vor allem die Entwertung des Milreis, zwang Brasilien zur stärkeren Ausnutzung seiner auf 5 Milliarden Tonnen geschätzten Kohlenlager, die allerdings eine Kohle von schlechter Qualität (mit großen Verbrennungsrückständen!) liefern. Die Kohlenförderung wurde von jährlich durchschnittlich 350 000 Tonnen in den 20er Jahren auf 612 000 Tonnen im Jahre 1934 heraufgetrieben und dürfte seitdem etwa 450 000 Tonnen jährlich betragen. Diese Steigerung der brasilianischen Kohlenförderung ist zum großen Teil der staatlichen Initiative zu verdanken, die u. a. die Zollfreiheit für ausländische Kohle aufhob und die Kohlenimporteure zwang, für je 10 Teile importierte Kohle ein Teil einheimische Kohle zu kaufen. Im Gegensatz zur brasilianischen Kohle sind die Eisenerzlager dieses Landes sehr ergiebig und die Erze selbst von guter Qualität. V o n d e n g e s a m l e n E i s e nerzvorkommen der Erde sollen sich mehr als 23% in Brasilien befinden. Allein in Minas Geraes — der Name weist schon auf den Erzreicht um hin schätzt man ihren Bestand auf 2,7 Milliarden Tonnen, im ganzen Lande soll er 7 Milliarden Tonnen betragen.

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