Jüdische Auswanderung
- Journal
- Jüdische Auswanderung
- Volume
- 1936. Bestand LBI
- Issue
- September 1936
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Fragt man nach den Wirkungen dieser Verringerung der Weltwanderungsbewegung oder, richtiger gesagt, der europäischen Auswanderung nach Uebersee (denn in der farbigen Welt fanden und finden Wanderungen größten Stils statt, wie vor allem die chinesische Masseneinwanderung nach der Mandschurei) — so steht man vor einer Fülle von Zusammenhängen, von denen wir hier nur die wichtigsten hervorheben können. Zunächst kann es heute kaum einem Zweifel unterliegen, daß die Schaffung neuer und die stoßweise Erweiterung schon bestehender Märkte, wie sie vor dem Kriege durch die Masseneinwanderung nach überseeischen Ländern stattfand, in der Nachkriegszeit mit dem Umfang der Wanderungsbewegung selbst abgenommen hat, und daß gerade diese mangelnde Entstehung neuer Märkte zu einer Hauptursache für die chronische Absatzkrise vieler europäischer Industrien geworden ist. Eine andere, nicht minder bedenkliche Wirkung der Verringerung der Wanderungsbewegungen besteht darin, daß der Arbeitsmarkt großer europäischer Auswanderungsländer nicht mehr in dem früheren Umfang durch Auswanderung erleichtert wurde, und diese Tatsache war um so bedenklicher, als in einer Reihe europäischer Länder nach dem Kriege aus besonderen demographischen Gründen eine ungewöhnlich starke Zunahme der im erwerbstätigen Alter Stehenden zu verzeichnen, also die natürliche Belastung des Arbeitsmarktes ganz besonders groß war. Von zwei Seiten also hat die Verringerung der Auswanderung auf die europäische Arbeitslosigkeit eingewirkt: einerseits durch die Vermehrung der Arbeitsuchenden, andererseits durch den verringerten Absatz europäischer Industrieprodukte, also die verringerte Nachfrage nach industriellen Arbeitskräften. Eine weitere mittelbare Wirkung der Verringerung der überseeischen Auswanderung dürfte in einer Beschleunigung des europäischen Geburtenrückganges liegen. Wenn auch auf diesem Gebiete der Nachweis eines ursächlichen Zusammenhanges zwischen zwei Erscheinungen nie genau zu führen ist, so dürfte es doch mehr als wahrscheinlich sein, daß der in fast allen europäischen Staaten nach dem Kriege nachweisbare Geburtenrückgang zum Teil auf die Verringerung der Auswanderungsmöglichkeiten zurückzuführen ist. Gerade bei uns Juden wird dieser Zusammenhang ganz besonders deutlich, wenn man sich vor Augen stellt, daß die gewaltige ostjüdische Auswanderung nach den Vereinigten Staaten und anderen überseeischen Ländern vor dem Kriege ohne jede nennenswerte Verringerung der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa vonstatten ging, da der natürliche Zuwachs immer wieder die durch die Auswanderung entstehenden Lücken ausfüllte; jetzt dagegen ist der Mangel an Auswanderungsmöglichkeiten, und die damit in Ländern wie Polen für einen großen Teil der jüdischen Bevölkerung verbundene Aussichtslosigkeit und Trostlosigkeit des Daseins zweifellos einer der Hauptgründe für den festzustellenden Geburtenrückgang. Es ist sehr wahrscheinlich, daß derartige Zusammenhänge auch bei anderen Völkern wirksam sind. Tragen aber die Einwanderungsbeschränkungen in den übervölkerten Ländern wahrscheinlich zu einer Beschleunigung des Geburtenrückganges bei, so ist es um so bemerkenswerter, daß auch in den Einwanderungsländern die Verringerung der Einwanderung nicht nur zu einer Verlangsamung des Wachstums der Gesamtbevölkerung führt (was selbstverständlich ist), sondern daß auch die Geburtenziffern in diesen Ländern durch die Einwanderungsbeschränkungen ungünstig beeinflußt werden. Während amerikanische Theoretiker vorausgesagt hatten, daß eine Unterbindung des Zustromes von schlecht bezahlten und kulturell tiefstehenden Arbeitskräften aus Europa zu einer Erhöhung der Geburtenfreudigkeit bei der einheimischen amerikanischen Bevölkerung führen werde, ist nichts dergleichen eingetreten; dagegen macht sich die Tatsache geltend, daß gerade die neu Eingewanderten, die, meist aus Süd- und Osteuropa stammend, verhältnismäßig hohe Geburtenzahlen hatten, jetzt keine Rolle mehr im Rahmen der amerikanischen Gesamtbevölkerung spielen, so daß Unsere Auslands-Abteilung: beiaßt sich in Zusammenarbeit mit den zentralen jüdischen Körperschaften mit Grundstückstausch / Geschäftstausch / Erwerb von Auslandsbesitz durch Zahlung in Reichsmark / Nachweis von Niederlassungsmöglichkeiten und Beteiligungen in den verschiedensten Ländern / Erstattung von Gutachten über Auslandsobjekte Korrespondenten und Vertrauensleute in fast allen Ländern der Welt Die laufende Veröffentlichung vorgeprüfter Objekte erfolgt durch unsere F.W.I. - BERICHTE Unkostenbeitrag bei zweimaligem Erscheinen im Monat RM 6.50. Bei Vierteljahresbezug RM 6,— monatl. Bestellung durch Benutzung der beiliegenden Karte T*¥iJW Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von in |* WV Deutschland wohnhaften oder wohnhaft gewesenen Juden m. b. H. * ™ * Bcrlin W 15» Kurfürstendamm 214 . Fernsprecher: J 1 Bismarck 3788/89