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Jüdische Auswanderung · 1936-09-01 · September 1936 · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Auswanderung
Volume
1936. Bestand LBI
Issue
September 1936
Date
1936-09-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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meinden möglichst bald anzuschließen und sie mit seiner Mitarbeit, seinen Kenntnissen und Erfahrungen zu stärken. Mit Recht ist es den jüdischen Auswanderern aus Deutschland häufig verdacht worden, daß sie sich der jüdischen Gemeinden und sonstigen Organisationen erst erinnerten, wenn sie in Not geraten waren und Hilfe brauchten. Der Jude aus Deutschland, der im Einwanderungslande sofort jüdischen Gemeinsinn und jüdisches Zusammengehörigkeitsbewußtsein zeigt, sich den Arbeiten der Gemeinden und der Wohlfahrtsorganisationen willig zur Verfügung stellt, wirbt zugleich Achtung und Sympathie für die anderen, die nach ihm kommen wollen, und legt lebendiges Zeugnis ab von der Verbundenheit unserer Menschen mit den Juden des Auslandes, denen wir heute so vieles zu verdanken haben. Angesichts der unermüdlichen Hilfe, die heute fast das gesamte ausländische Judentum für die Juden in Deutschland durch seine großen Organisationen leistet, angesichts der oft aufopferndsten Bemühungen vieler Tausender von einzelnen Juden zugunsten ihrer deutschen Glaubensbrüder, ist es die Pflicht jedes Einzelnen, der heute hinausgeht, auch seinerseits zur Stärkung der jüdischen Gemeinschaft beizutragen und, sobald es ihm seine materielle Lage auch nur einigermaßen gestattet, auch an der Aufbringung der Lasten für Neueinwanderer sich zu beteiligen. Vor allem soll sich aber der Einwanderer, der aus Deutschland kommt, immer dessen bewußt sein, daß er, auch ohne wirtschaftliche Mittel, nicht nur als Nehmender kommt, sondern daß das oft besonders hohe Bildungsniveau der Juden aus Deutschland, ihre Kenntnisse und Erfahrungen und organisatorischen Fälligkeiten, sie häufig zu einem bedeutenden Beitrag zum jüdischen Gemeinschaftsleben in den neuen Ländern berufen. Auf der anderen Seite darf freilich das Bewußtsein einer besonderen, wertvollen historischen Eigenart des Juden aus Deutschland keinesfalls zu einer hochmütigen Zurückhaltung gegenüber den aus anderen Ländern, insbesondere aus Osteuropa, stammenden Juden führen, sondern der Jude aus Deutschland muß sich bewußt sein, daß gerade in diesen Menschen die jüdische Substanz noch viel ungebrochener und lebendiger ist als in den meistens so weitgehend assimilierten Juden aus Deutschland, und daß in der Regel der Jude aus Deutschland von den ausländischen Juden mindestens ebensoviel zu lernen hat, wie er sie lehren kann. Wird diese Pflicht des Einwanderers gegen seine neue jüdische Gemeinschaft wirklich ernst genommen und erfüllt, so kann die Auswanderung aus Deutschland vielfach statt zum Verlust Tausender von wertvollen Menschen, zu einer Stärkung und Bereicherung des jüdischen Gemeinschaftslebens in den Einwanderungsländern führen. 3. Drücken die beiden genannten Forderungen nur allgemeine Ansprüche der jüdischen Gemeinschaft an den einzelnen Juden aus, so will der Hilfsverein endlich auch eine eigene Forderung an die Menschen, die mit seiner Hilfe ausgewandert sind, erheben. Der Hilfsverein kann selbst nur helfen, wenn ihm immer wieder geholfen wird; und die wichtigsten Helfer sind die früheren Auswanderer mit ihren neu erworbenen Kenntnissen und Erfahrungen. Der Hilfsverein bittet deshalb hiermit auf das eindringlichste alle Auswanderer, besonders aber diejenigen, die in bisher weniger bekannte Länder gehen, ausführlich über ihre Erfahrungen und Eindrücke zu berichten, und zwar nicht nur in den ersten Wochen und Monaten ihrer Einwanderung — wo ihre Berichterstattung naturgemäß wenig Wert besitzt — sondern vor allem auch nach längerer Ansässigkeit im Lande, wenn sie die Unterlagen zu einem begründeten Urteil gewonnen haben. Darüber hinaus ist es vor allem auch wichtig, daß sich der jüdische Einwanderer aus Deutschland möglichst bald, d. h. sogleich nachdem er selbst keiner Hilfe mehr bedarf, auch der Bildung von Einwanderer-Hilfskomitees annimmt, oder den sich schon existierenden ehrenamtlich zur Verfügung stellt. Jedem einzelnen Juden muß zum Bewußtsein kommen, daß er helfen muß, wie ihm geholfen wurde, und daß er sich nur so als ein Glied in der lebendigen Kette der jüdischen Gemeinschaft bewähren kann. Hl iwiuiiiiiiiiniuuii III Ulli III IIB Ausrüstung für Palästina und Ubersee Bekleidung, Hausrat, Einrichtungsgegenstände Schriftliche Anfragen an die Übersee-Abteilung Telefonische Verabredungen unter E 2 0011 m | J erlangen Sie beim Einkauf die r besonders geschulten Verkaufskräfte für Uebersee-Ausrüstungen Auskunft bei den Empfangs-Herren an den Eingangen m m ■ ■ hJMIII W w w x±v. — - Hl III III! 1111111111111111 luininiininniuuiniinnniiiniiininiii llllllllllllllllfl BERLIN C 2 SPANDAUER STRASSE KÖNIGSTRASSE GEGR. 1815 6

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