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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 98

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 98 (sequence 100)
Language
German
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Der Eintritt in die höhere Schule erfolgt nach Absolvierung der Grundschule (4 Jahre). Es gibt 6 Klassen und eine Oberklasse, die sich teilt in die classe de Philosophie (mehr geisteswissenschaftlich) und die classe des Mathématiques (naturwissenschaftlich). Bis dahin ist der Unterricht in vielen Fächern gemeinsam. Doch gibt es von vornherein die Section A (mit Latein) und Section B (real). A spaltet sich von der 4. Klasse ah in A (mit Latein und Griechisch) und A 1 (latin-langues vivantes). Meist sind Deutsch und Englisch Lehrfach. Im Süden ist oft Spanisch, im Südosten Italienisch zweite Fremdsprache. Großer Wert wird auf intellektuelle Schulung und Einprägung von Kentnissen gelegt. Die sogenannten technischen Fächer (Singen, Turnen, Zeichnen) treten zurück. Die Methode ist oft noch der reine Vortrag des Lehrers, in den Fremdsprachen aber mehr die direkte Methode, d. h. ausschließlicher Gebrauch der Fremdsprache. Es gibt viele Mittelschulen (écoles primaires supérieures). Sie sind stellenweise mit Berufsschulen verbunden. Auch sie haben vielfach Internate. Voraussetzung für den Eintritt in die Mittelschule ist die Absolvierung einer Volksschule (école primaire). Der Lehrgang dauert 3 Jahre. (Höchstalter für die Aufnahme: 18 Jahre). Diese Schulen verleihen das Brévet d'enseignement primaire supérieur. Es berechtigt zum Eintritt in eine Anzahl mittlerer Laufbahnen. Auch die Mittelschule lehrt oft Fremdsprachen. Für Mädchen hat sie Kurse in Haushaltungskunde, Säuglingspflege und Nähen. Die unterste Stufe der Berufsschulen sind die Ecoles pratiques de commerce et d'industrie. Sie nehmen nach einer Prüfung Schüler und Schülerinnen im Mindestalter von 12 Jahren auf, die sich auf ein Handwerk vorbereiten. Lehrgang: 3 Jahre. Die ersten 2 Jahre dienen der Vertiefung der allgemeinen Bildung, das 3. Jahr ist Berufsvorbildung. Mehr Spezialberufsschulen sind die Ecoles nationales professionelles mit einem 4jährigen Lehrgang. Mindestalter für die Aufnahme ist 12, Höchstalter 15 Jahre. Des weiteren seien die folgenden israelitischen Schulen angeführt. Von der Alliance Israelite: Ecole Normale de Jeunes, Gens in Auteuil und die Ecole Normale de Jeunes Filles in Versailles. Bei jüdischen Gemeinden bestehen écoles primaires. Im Rang unserer Technika stehen die Ecoles nationales des arts et métiers (Industrie- und Gewerbeschulen) in Aix en Provence, Angers, Châlons-sur-Marne, Lille, Cluny und Paris. Eintretende müssen mindestens 16 und dürfen nicht älter als 19 Jahre sein. Mittel- oder Fachschulbildung ist Voraussetzung. Studiendauer: 3 Jahre. Den Ecoles nationales des arts et métiers entsprechen auf der Handelsseite die Ecoles supérieures de commerce. Schulpflicht besteht in Frankreich für die Zeit vom 6. bis 13. Lebensjahr. Vielerorts gibt es Kindergärten (Maternelles) und Vorklassen für Kinder von 2—7 Jahren. Das öffentliche Bildungswesen in Frankreich ist religiös neutral. Sehr entwickelt ist das System der Stipendien (bourses) und sonstigen Unterstützungen. Ausländische Schüler und Schülerinnen werden fast überall aufgenommen. Schulreformerische Bestrebungen spielen in Frankreich nur eine geringe Rolle. Von den wenigen Reformschulen ist die bekannteste die Exole des Roches bei Verneuil (Eure) in der Normandie. Das landwirtschaftliche Berufsschulwesen untersteht dem Landwirtschaftsministerium. Es gliedert sich ähnlich wie das Berufsschulwesen. Den Ecoles nationales des arts et métiers entsprechen die Ecoles nationales d'agriculture in Grignon, Montpellier und Rennes und die beiden großen Landwirtschaftsschulen in Algier (Maison Carrée) und Tunis, die mehr die koloniale Landwirtschaft lehren. U e b e r diesen Schulen stehen die landwirtschaftlichen Institute mit Hochschulchaiakter; unter ihnen eine große Anzahl landwirtschaftlicher Schulen für Knaben und Mädchen, die etwa Bürgerschulcharakter haben und für deren Besuch im allgemeinen nur Volksschulbildung vorausgesetzt wird. Um einen akademischen Beruf auszuüben, muß man, wie gesagt, Franzose sein. Die Zulassung zur Anwaltschaft ist neuerdings sogar erst möglich, wenn man bereits 10 Jahre Franzose ist (Gesetz vom 19. Juli 1934). Institut national d'agronomie (Hochschule), Paris, H) rue Claude Bernard. Zweck: Ausbildung leitender Agronomen: Große Laboratorien, großes Versuchsgut. Heiden Geschlechtern zugänglich. Wettbewerbsprüfung vor Eintritt. Mindesteintrittsalter 17 Jahre. Externat. Nimmt Studenten und Hörer auf. Studiendauer 2 Jahre. Schulgeld: 800 1res, für Studierende, .'500 1res, für Hörer pro Jahr. Für ausländische Vollstudenten Spezialabteilung mit Aufnahmeprüfung ohne französischen Aufsatz. Institut national d'agronomie coloniale, Nogent sur Marne (Seine), (Hochschulcharakter), nimmt junge Leute auf, die schon eine wissenschaftliche, speziell landwirtschaftliche Vorbildung haben und befähigt werden sollen, leitende landwirtschaftliche Stellen in den Kolonien einzunehmen. Es werden Vollstudenten Hörer und sogenannte Ausländer-Schüler aufgenommen. Diese können eintreten, wenn sie nachweisen können, daß sie, sei es in Frankreich, sei es im Auslande, die entsprechende Vorbildung erworben haben. Studiendauer 1 Jahr. Schulgeld 500 Frcs. Externat. Die Ecole nationale d'horticulture (Gartenbau) in Versailles (Seine-et-Oise) (Hochschulcharakter) bildet leitende Gärtner und Gärtnerinnen aus (auch für die Kolonien); nimmt Vollstudenten und Hörer auf. Abitur gewährt Vorteil bei der Aufnahme, die für Vollstudenten durch einen Concours erfolgt. Studiendauer 3 Jahre. Ausländer zugelassen. Ecoles nationales d'agriculture in Grignon (Seine-et-Oise), Montpellier (Südfrankreich) und in Rennes in der Bretagne. Mittlere Schulen für junge Männer (auch Ausländer). Eintritt durch Concours-Prüfung. Mindestaltcr 17 Jahre. Internat. (In Rennes nur Externat)). Ausländer nur als Externe zugelassen. Studiendauer 2 Jahre. Preis für Externe 600 frcs. pro Studienjahr. Hörer zahlen nur 300 frcs pro Jahr. Schüler, die die Ecoles nationales mit Erfolg absolviert haben, können sich in den entsprechenden Abteilungen des Institut agronomique weiter spezialisieren. Ecole d'agriculture et de viticulture (Weinbau) in Philippville (Algerien), Mittelschule. Umfaßt alle Zweige der Landwirtschaft und insbesondere der kolonialen Zulassung durch Wettbewerbsprüfung für Weiße und Eingeborene. Voraussetzung: Volksschulbildung. Mindestalter: 14 Jahre. Studiendauer 3 Jahre. Gesamtstudienkosten pro Jahr für die Internen 1200 frcs. einschließlich Unterbringung und Verpflegung. Ecole ménagère agricole au jardin d'essai du Hamma in Algier, (Kolonial-) landwirtschaftliche Haushaltungsschule für junge Mädchen; Mindestalter 15 Jahre. Voraussetzung: Volksschulbildung. Ausbildungsdauer 1 Jahr. Internat. Großer Wert wird auf Geflügelzucht gelegt. Ecole nationale supérieure des Mines, 60 Bd. St. Michel, Paris (Hochschulcharakter). Nimmt Studenten (auch Ausländer) auf, die gute höhere technische Allgemeinbildung nachweisen. Mindestalter 17 Jahre. Höchstalter für Ausländer nicht begrenzt. Läßt auch Hörer zu. Studiendauer: 3 Jahre. Externat. Schulgeld 1800 frcs. pro Jahr. Ecole nationale supérieure du pétrole et des combustibles liquides, 2, rue Goethe, Straßbourg (Hochschulcharakter). Nimmt auch Ausländer mit entsprechender Vorbildung auf. Abteilung Geologie: 1 Jahr Studiendauer. Abteilung Chemie: 2 oder 1 Jahr je nach Vorbildung. Externat. Studiengeld 1000 frcs. pro Jahr. Institut d'optique théorique et appliquée, 140, boulevard du Montparnasse, Paris. Umfaßt: le) Oeffentliche Berufsschule (Ecole professionelle) für künftige Gehilfen und Werkmeister. 2e) Höhere Fachschule (Ecole supérieure d'Optique) mit dem Charakter eines, Technikums. Bildet für die mittlere Laufbahn aus. Studiendauer: I Jahr. Vorbildung: gute mathematische Kenntnisse erforderlich. Ecole professionelle d'horlogerie (Uhrmacherfachschule), 30 rue Manin, Paris. Städtische Schule. Studiendauer 3 Jahre. Externat. Doch kann Mittagessen für 3,75 frcs. in der Schule gewährt werden. Ecole française de tannerie (Höhere Gewerbeschule). Lyon. Nimmt Vollstudenten und Hörer auf. Studiendauer 2 Jahre. Schulgeld für Ausländer 1650 frcs. pro Jahr. Gute chemische Vorbildung erforderlich. Ecole française de papeterie (Höhere Papierschule), Grenoble; hat eine vorbereitende Abteilung, (Section élémentaire, 1 Jahr) und eine Section supérieure (2 Jahre). Ausländer werden angenommen. Mindestalter 16 Jahre. Bei Nachweis genügender Bildung kein Aufnahmeexamen. Schulgeld: 750 frcs. das erste, 870 frcs. das zweite Jahr. Ecole des Arts appliqués à l'industrie (Kunstgewerbeschule), II rue Dupetit-Thonars, Paris 3. Städtische Schule. Bildet Möbel- Zeichner, Dekorateure, Keramiker, Holzschnitzer, Plakatzeichner, Gold- und Silberschmiede, Dekorationsmaler, Musterzeichner usw. aus. Studiendauer: 4 Jahre. Voraussetzung: Gute Volksschulbildung. Aufnahmealter 13—17 Jahre. Neben den eigentlichen Schülern auch Hörer von 17—30 Jahren in Sonderkursen. Schüler zahlen kein Schulgeld, wenn die Eltern in Paris wohnen. Wohnen die 98

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