Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 88 (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
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1)1 in Groß-Britannien: The Official Secretary, Australia House, Strand. London. England, c) in den Vereinigten Staaten von Amerika: The Official Secretary. Commissioner for Australia in the United States of America, „Cunard Building", 25 Broadway, New York City, USA. In einer Sitzung der British Empire Service League vom November 1934. in der Wanderungsfragen diskutiert wurden, erklärte der Unterstaatssekretär für die Dominions, Malcohn Mac Donald, die Regierungen sollten die Ruhepause in der Wanderung als eine Periode benutzen, Pläne für die Zeit zu entwickeln, wo die Wanderung wieder aufgenommen werden würde. Viele Leute im Heimatland betrachteten die Frage gänzlich von dem Standpunkt, daß die Dominions Gioß- Britanniens Ueberschuß-Bevölkerung aufnehmen sollten. Die Dominions dürften jedoch nicht als Plätze betrachtet werden, an die Groß-Britannien Arbeitslose senden könnte. Wanderung sollte nur wieder aufgenommen werden, wenn die Dominions der Märkte für ihre Erzeugnisse sicher wären, und wenn es gewiß wäre, daß die Wanderung nicht Australier und andere ihrer Arbeit beraubt. Viele bevorzugten Gruppenniederlassungen, aber er sei gewiß, daß dieses ein großer Irrtum wäre, es sollte individuelle Wanderung nach schon bestehenden Gemeinden stattlinden. Vertreter verschiedener Dominions schlössen sich dieser Ansicht an. Ein Vertreter von Südafrika bemerkte, daß Britannien sich von der Idee befreien müsse, daß das Land die Zuflucht der Hilflosen sei. Ein Delegierter aus Kanada hielt gleichfalls Gruppenwanderung für erfolglos. -- Der neue Gouverneur von Neu-Süd-Wales (Sir Alexander Hore-Ruthven) erklärte im März 1935, daß Einwanderung nach Australien gegenwärtig unmöglich sei, aber daß, wenn die Arbeitslosenzahl herabginge, die Einwanderung automatisch heraufgehen würde. Es wäre zwecklos, die Arbeitslosigkeit von einem Teile des Reiches zu übertragen, bloß, um Arbeitslosigkeit in einem andern Teil anschwellen zu lassen. Märkte wären das Problem der ganzen Lage. „Wenn wir gebeten worden sind", sagte er, ,.unsere Exporte gewisser Güter zu beschränken, so ist es nutzlos, darum gebeten zu werden, Leute herzusenden, die solche Güter produzieren." Lebens - und Lohn Verhältnisse in Sydney Die nachstehend aufgeführten Preis- und Lohnsätze — sämtlich in sh und Pence angegeben — wurden Ende August 1934 in Sydney aufgestellt. Der damalige Kurs betrug 1 austr. Pfund 10,05 RM, 1 sh 0,50 RM, 1 Pence (d) 0,04 RM. Die niedrigen Zahlen gelten für bescheidenste, die höheren für mittlere Ansprüche. Wohnung und Verpflegung: Unterkunft ohne \ erptlegung im Gasthaus für eine Person täglich 4—7 sh, mit Verpflegung 7—15 sh; ein möbliertes Zimmer ohne Verpflegung wöchentlich 15—30 sh, mit Verpflegung 40—84 sh. Eine leere Wohnung von zwei Zimmern kostet wöchentlich 15 bis 25 sh, von vier Zimmern 30—35 sh bis 40—50 sh; eine möblierte Wohnung von zwei Zimmern wöchentlich 30—40 sh, von vier Zimmern 60—80 sh. Wohnungen sind zu haben. 1 KW elektrischer Strom kostet 5 d, 100 Kubikfuß Gas kosten 5 sh 9 d. Es kostet täglich Morgenkost 1 sh 3d — 2 sh, Mittagessen 1 sh 6 d — 3 sh, Abendessen 1 sh 3d — 2 sh. Lebensmittel: Es kostet je 2 lb (= 906 g) Mehl 4 d, Brot 4V2 d, Butter 2 sh 8 d, Margarine 2 sh, Fett 2 sh, Räucherspeck 2 sh, Schweinefleisch 2 sh, Rindfleisch 1 sh — 2 sh 6 d, Hammelfleisch 10 d — 1 sh 8 d, Geflügel 2 sh 6 d — 6 sh das Stück, je 2 lb Zucker 9 d, Reis 6 d, Hülsenfrüchte 5 d — 1 sh, Nudeln 1 sh 4 d, Kartoffeln 4 d; 1 1 Milch 7 d, 1 Ei \lU d. Bekleidung: Es kostet ein Männeranzug (Konfektion) 60 — 168 sh, ein Männerhemd 6 sh 6 d — 30 sh, ein Paar Männerstiefel (Arbeitsstiefel) von 15 sh an, bessere 25 — 80 sh, ein Frauenkleid (Hauskleid) von 16 sh an, bessere bis 200 sh. Ortsüblicher Wochenbedarf (einschließlich Unterhaltung von Kleidung, Wäsche und Haushalt) : lediger Handwerker 70—100 sh, verheirateter Handwerker ohne Kinder 90—140 sh, Handwerkerfamilie von vier Köpfen 110 bis 180 sh, lediger Angestellter ohne Kinder 100—160 sh, Angestelltenfamilie von vier Köpfen 120—200 sh. Ortsübliche Lohn- und Gehaltssätze: Der durchschnittliche Wochenmindestlohn für ungelernte A r bei t e r in den 6 australischen Hauptstädten beträgt nach dem Stande vom 1. November 1933: 3 £ 8 sh. Handwerker erhalten Zuschläge. Landarbeiter erhalten bei freier Station einen Wochen lohn von 10—40 sh. das wöchentliche Gehalt für Handelsangestellte beträgt 70—200 sh, für Techniker 120—300 sh. Barlohn für ein Dienstmädchen — also außer Kost und Wohnung — wöchentlich 10—40 sh. Das Klima ist für den Mitteleuropäer auf die Dauer zuträglich. Es gibt keine Sozialversicherung. Die Gewährung von Arbeitslosenunterstützung wird im allgemeinen von der Beteiligung an Notstandsarbeiten abhängig gemacht. Neuseeland. Neuseeland wird als Aufenthaltsstätte außerordentlich gerühmt. Ein früherer Premier-Minister von Neuseeland schildert es als „Gottes eigenes Land". Nach fünfjährigem Aufenthalt daselbst bezeichnete der Minister, der das ganze Dominion und seine Einwohner kannte, es als des „Menschen irdisches Paradies". Abgesehen von seiner Lieblichkeit, seinem unvergleichlichen Klima, seinem fruchtbaren Boden und ausgezeichneten Sport, sei es in hervorragendem Maße „a country of Nature's gentlefolk". Nirgends in der Welt, wenn alle Klassen und beide Rassen berücksichtigt werden, sei der Standard der Erziehung, der Feinheit und Kultur so hoch, nirgends seien mehr warmherzige, gastliche oder liebenswürdige Leute zu finden. Einwanderungsbesti m m u n g e n Nach den bei der Vertretung von Neuseeland in England erteilten Auskünften sind die Einwanderungsbestimmungen für Neuseeland wie folgt: Jeder Einwanderer muß seinen Antrag auf Einwanderungsgenehmigung von dem Lande, wo er geboren ist, oder zumindest während eines Jahres gelebt hat, an The Ministry of Customs, Wellington, New Zealand direkt stellen. Das Londoner Bureau ist nicht berechtigt, Einreisebewerbungen zu bewilligen. Die Bewerbung muß in einer bestimmten Form eingereicht werden, ihr müssen 2 Fotografien, ein ärztliches Zeugnis, eine behördliche Bestätigung, daß der Einwanderer sich nicht politisch betätigt hat, und daß er keine Wohlfahrtsunterstützung bezog, beigefügt werden. Die Einreisegenehmigung wird individuell für jeden Fall erteilt. Die Aussichten, dort Einlaß zu finden, hängen also ganz von dem persönlichen Fall und wohl auch von den finanziellen und beruflichen Verhältnissen ab. — Die Gesamtzahl der Bewohner betrug nach einer Schätzung von 1933 1 546 000, davon 71 000 Maori. Gemäß dem Zensus vom 20. April 1926 lebten im ganzen 2 591 Juden in dem Dominion Neuseeland, die 0,19% der ganzen Bevölkerung ausmachten. Jüdische Gemeinden gibt es jetzt in Wellington, Christchurch, Auckland und Dunedin. Nach Mitteilung eines englischen Komitees vom Ende vorigen Jahres war der Arbeitsmarkt überfüllt. Aussichten für Einwanderer In einer Ansprache zum Empfange von Malcolm Mac Donald, Parlamentarischem Unterstaatssekretär für die Dominions in Wellington, wurde vom Minister of Lands bemerkt, daß Neuseeland eine Bevölkerung von 5 000 000 aufnehmen könne, aber daß dazu Entwicklung nötig wäre. Wenn diese sich vollziehen würde in Rohstofferzeugnis und verarbeitender Produktion, so würde das kleinere Importe von englischen Fabrikanten mit sich bringen. Ein gesicherter Markt wäre nötig, um die Rohstoff-Produktion so zu entwickeln, daß der natürliche Zuwachs der Bevölkerung wie britischer Immigranten absorbiert würde. Neuseeland könnte die Einschränkung der Produktion nicht in Betracht ziehen und müßte Märkte für seine Produktion finden. 88