Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 89 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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B e r h f s a u s s î c h 1 e n. Nachstehend geben wir den Bericht eines Arztes aus Neuseeland vom September 1934 wieder, der uns übermittelt wurde: Daß hier sehr große Einwanderungsschwierigkeiten bestehen, werden Sie wissen. Nach den Erfahrungen, die ich gemacht habe, und nach den verschiedenen Zeitungsartikeln halte ich es so gut wie ausgeschlossen, daß für Akademiker Einreisebewilligungen erteilt werden. Nicht nur nach meiner Auffassung, sondern nach Auffassung aller, die ich gefragt habe, sowohl für Aerzte, als auch für Zahnärzte ist keine Möglichkeit zum Unterkommen gegeben. Dagegen erscheint mir evtl. das Feld für Tierärzte günstig. Auch für Apotheker müßte ein Fortkommen möglich sein. In Bezug auf technische Berufe glaube ich an keine Verdienstmöglichkeit, da zu wenig technische Betriebe hier sind und, um von Architekten zu reden, zu wenig gebaut wird. Die Depression hat sich besonders in diesem Punkt ausgewirkt. Auch für Handwerker halte icli die Situation wegen der großen Zahl der Arbeitslosen nicht für gut. Die einzige Möglichkeit wäre vielleicht für gut ausgebildete landwirtschaftliche Kräfte gegeben, ebenso wie ich auch den Betrieb einer Farm — trotz der augenblicklich niedrigen Preise — für gut halte. Ungünstig stehen die Aussichten für Kaufleute, da überall ein Ueberangebot vorhanden ist und die Bezahlungen dadurch sehr schlecht sind. Leute mit Kapital finden hier Möglichkeiten zum Arbeiten. Es gibt hier so viele Artikel, die importiert werden müssen, daß manche lohnende Fabrikation eingerichtet werden könnte. Samoa. Mandai des Völkerbundes, Verwaltung durch Neuseeland, ehemalig Deutsch-Samoa (West-Samoa). 3263 qkm mit 1931 45 535 Einwohnern, meist Polynesier, 2800 Weiße. Hauptort: Apia 1400 Einwohner. Für die Einreise genügt ein deutscher Einreisepaß ohne Visum. Teil I der Einwanderungsverordnung für Neuseeland vom Jahre 1920 ist auch für Samoa eingeführt mit der Maßgabe, daß an Stelle des Zollministers für Neuseeland der Administrator für Samoa zuständig ist. Danach muß jede Person nicht britischer Staatsangehörigkeit, die sich in Samoa dauernd niederzulassen wünscht, vor der Einreise die Erlaubnis des Administrators einholen. Dem Antragsteller wird ein Fragebogen zugesandt, der nach Ausfüllung zurückzusenden ist, worauf entsprechender Bescheid erfolgt. Wer nur vorübergehend nach Samoa reisen will, benötigt keinen Erlaubnisschein. Es wird ihm, wenn er die allgemeinen Bedingungen erfüllt, bei Ankunft ein auf 6 Monate gültiger Erlaubnisschein (temporary permit) ausgestellt, der gegebenenfalls ver längert werden kann. Ueber die Verhältnisse in Samoa orientiert folgender Auszug aus einem Schreiben vom Ende Oktober 1934. Vorerst möchte ich betonen, daß wie in den meisten Einwanderungsländern der Welt, auch in der Südsee mit spärlicher europäischer und zahlreicher eingeborener bezw. asiatischer Bevölkerung, für ganz Mittellose fast gar keine Aussichten bestehen. Die Südseeinseln haben außerdem, außer in Honolulu auf Hawaii, keine jüdischen Gemeinden an die sich Einwanderer anlehnen könnten. Nur in Fiji gibt es einige jüdische Ansiedler und Geschäfte, auf Samoa, Tahiti, Neukaledonien, Neu-Guinea, den Salomons Inseln usw. dagegen nur ganz vereinzelte jüdische Einwohner. In den meisten Inselgebieten müssen Einwanderer ein D e po t (auf Samoa £ 50) bei Einwanderung hinterlegen. Landwirtschaftlicher Betätigung stände der Weg der Erwerbung kleiner Kokospalmen- oder Kakao-, bezw. Bananenpflanzungen offen, die bei den heutigen niedrigen Preisen für solche Produkte evtl. billig gekauft oder gepachtet werden könnten. Ich halte jedoch für Einwanderer, außer den Herreisekosten, ein Kapital von mindestens 3000—5000 Mark jährlich für erforderlich. In Honolulu sind auch für kaufmännische oder handwerkliche Betätigung die Aussichten besser durch den lebhaften Touristenverkehr und die große amerikanische Garnison, doch ist hier die japanische Konkurrenz zu beachten. Kleine und größere Pflanzungen sind billig zu kaufen oder zu pachten, Lebenskosten und Arbeiter sind billig. 89