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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 86

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 86 (sequence 88)
Language
German
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Von den im Jahre 1933 über See abgereisten 694 Personen gaben 138 ihren Wohnsitz auf, 509 verließen nur vorübergehend das Land und 47 waren rückreisende Besucher. Der Bericht bringt auch die Zahlen der über Land, einschließlich der auf dem Luftwege einbezw. ausreisenden Personen, jedoch ohne Trennung der Ein- und Auswanderer von den sonstigen Reisenden. Die geschätzte europäische Bevölkerung des Landes betrug am 30. Juni 1932 und am 30. Juni 1933: 1932 1933 männlich 17 700 17 600 weiblich 14 300 14 000 zusammen 32 000 31 600 Es lagen verschiedene Angebote bezüglich südwestafrikanischer Farmen vor. Wir haben in unserem Korrespendenzblatt vom August 1934 sehr ausführlich über Südwestafrika berichtet, über Klima, Wirtschaftslage, Berufsmöglichkeiten, Farmwesen usw. Wir sehen jetzt davon ab, des näheren auf die zurückliegenden Farmangelegenheiten einzugehen. Wir möchten bloß darauf hinweisen, daß eine kompetente Persönlichkeit dazu generell Stellung genommen hat. Es wurde erklärt, daß kein Einwanderungswilliger eine Farm dort kaufen sollte, ohne sie zuerst zu sehen, und daß niemand nach Südwestafrika geben sollte, der nicht mindestens im Besitze von 2000 £ wäre. Tanganyika. Bevölkerung 1933: Europäer...... 8.304 Britisch Indier. Goanesen, Araber usw....... 30.126 Eingeborene...... 5.000.160. Bis zum Dezember 1930 sind 912.288 acres britischen Untertanen überlassen worden und zwar anderen als Indiern, 327.189 an britische Indier, 750.620 an Fremde. Die Zahlen für die Immigranten für die Jahre 1929—33 waren: Briten: 422, 321, 256, 249, 226. Deutsche: 283, 279, 200, 244, 248. Griechen: 142, 74, 25, 20, 18. Andere Europäer: 149, 131, 96, 66, 114. Das Recht zu freiem Eintritt von Deutschen wurde vom Januar 1925 an bewilligt. Zwischen diesem Datum und dem Ende von 1933 siedelten sich 2396 in dem Territorium an. Das Einwanderungsgesetz wurde 1930 verschärft. Ein Visum zur Einreise ist nicht erforderlich, es genügt der gültige deutsche Paß. Die Einreise zur See ist nur über die amtlich festgesetzten Häfen mit Zustimmung des Einwanderungsbeamten und Amtsarztes gestattet. Der Nachweis einer gesicherten Existenz ist zu erbringen, sei es durch den Besitz eines hinreichenden Barvermögens oder eines im Tanganyika-Gebiet beglaubigten Anstellungsvertrags oder die Bürgschaft einer angesehenen Firma oder Einzelperson. Das bei der Landung zu hinterlegende Depot beträgt 100 £ Papier. Bei Familien zahlt das Haupt der Familie 100 £, für jede weitere Person sind je 50 £ zu entrichten. Das Depot wird nicht verzinst, die Rückzahlung ist an keine Zeit gebunden und erfolgt frühestens nach einem Jahre, nach dessen Ablauf erst die Dauererlaubnis zum Aufenthalt gegeben werden kann. Während des zunächst auf ein Jahr begrenzten Aufenthalts haben sich alle Ausländer alle 28 Tage schriftlich auf der Borna (Bezirksamt) zu melden und alle Aufenthaltsänderungen anzuzeigen. Auf eine Anfrage im englischen Unterhaus, wieviele Deutsche und Briten in den letzten 5 Jahren in das Mandatsgebiet eingewandert seien und welche Schritte getan wären, um eine weitere britische Einwanderung nach dem genannten Gebiet sicherzustellen, gab der Staatssekretär für die Kolonien die Zahlen an und erklärte, daß die Mandatsverwaltung nicht in der Lage sei, Einwanderern einer bestimmten Staatsangehörigkeit besondere Förderung angedeihen zu lassen. Klimatisch besteht wenig Unterschied zwischen dem Südwesten von Tanganyika, Nord-Rhodesien und Nyasaland. Die Jahreszeiten sind ausgeprägt wie im Süden, sie sind nicht in zwei Regenzeiten geteilt wie in Kenya und Nord-Tanganyika. Pflanzenwelt und Baumarten sind wie in Rhodesien. Die Eingeborenen sind gleich in Rasse und Sprache. Dieser Teil von Afrika wurde von Farmern erst vor 9 Jahren besiedelt, wo das Land zuerst europäischer Entwicklung sich eröffnete. Der Gouverneur von Tanganyika hielt in der East African Group der Overseas League in London eine Ansprache über Entwicklungsprojekte in dem Territorium. Er bemerkte, daß Tanganyika ein Land mit großen landwirtschaftlichen Möglichkeiten sei, aber mit wenigen Mitteln, seine Produkte nach den Häfen zu bringen. Vier Erzeugnisse haben einen Exportwert von über Vt Million Pfund Sterling: Kaffee, Sisal, Baumwolle, Gold. Nach Pressemitteilungen vom März 1935 fand in Arusha eine ,,Closer Union Conference'" statt, die sich im Prinzip für die vollständige Union zwischen Tanganyika und Kenya aussprach. Auch Vertreter von Uganda wurden für die Frage interessiert. Tanganyika und Uganda sind Ende 1934 durch eine englische parlamentarische Delegation auf Veranlassung der Empire Parliamentary Association besucht worden. In einer Ansprache wurde auf Entwicklungsmöglichkeiten Ostafrikas hingewiesen. Man sei zu geneigt, die Vorstellung von Ostafrika mit Dschungel, Wüste und Hochwild zu verbinden. Alles dies wäre da. aber auch unbegrenzter Mineralreichtum. Die Entwicklung seiner natürlichen Hilfsquellen würde den Kauf britischen Materials bedeuten, die Herstellung von Straßen und Eisenbahnen, die Lichtung von Wäldern und den Bau von Städten . . . Von Seiten der Delegation wurde betont, daß die Mitglieder einen tiefen Eindruck von den ungeheuren Entwicklungsmöglichkeiten in Ostafrika gewonnen hätten. Unter die Probleme, mit denen in nicht zu langer Zeit sich das Parlament werde befassen müssen, gehöre die Frage nach dem besten Wege, die Interessen von Uganda und anderen Territorien zu koordinieren. Aussichten für Zahnärzte. Von sachkundiger Seite erfährt die Reichsstelle für das Auswanderungswesen über die Niederlassungsmöglichkeiten für Zahnärzte folgendes: Bei einer Niederlassung für Zahnärzte im Tanganyika-Gebiet ist nicht ohne weiteres darauf zu rechnen, eine lohnende Praxis vorzufinden oder bald eine Existenz aufzubauen. In den größeren Städten mit zahlreicher europäischer Bevölkerung wie z. B. Daressalam und Tanga sind englische Regierungszahnärzte, denen ohne weiteres die zahnärztliche Versorgung der zahlreichen Regierungsbeamten zufällt. Außerdem sind noch Privat-Zahnärzte ansässig. Es bestehen im Tanganyika-Gebiet verschiedene Niederlassungszentren, z. B. die Bezirke Arusha, Moshi, Oldeani im Norden, Iringa im südwestlichen Hochland. In diesen Ansiedlungsgebieten herrscht das deutsche Element durchaus vor. Die meisten Ansiedler sind jedoch infolge der andauernden Wirtschaftskrise in sehr bedrängter finanzieller Lage, und es würde nicht mit Sicherheit darauf zu rechnen sein, aus der Behandlung der aus diesen Kreisen zu erwartenden Patienten nennenswerte Eingänge zu erzielen. Günstiger lägen die Verhältnisse, wenn die zahnärztliche Praxis im Nebenamt betrieben würde, wenn z. B. die eigentliche Existenz auf dem Betrieb einer kleinen Pflanzung oder Farm gegründet würde. Medikamente, Instrumentarium, Materialien sowie Einrichtungsgegenstände müßten mitgebracht werden, da sie nicht, wie z. B. in Südafrika, von einem Dental- Depot bezogen werden könnten. Für die Zulassung von Zahnärzten ist ein Vordruck auszufüllen, der von dem Director of Medical and Sanitary Services in Daressalam bezogen werden kann. Der Fragebogen wäre mit dem Antrag auf Zulassung an die genannte Dienststelle des Tanganyika-Gouvernements einzureichen. Tunesien. Keine neuen Arbeitserlaubnisse für Ausländer. Nach den neuesten Bestimmungen dürfen in Tunesien wegen ständig steigender Arbeitslosigkeit keine neuen Arbeitserlaubnisse erteilt werden. Früher erteilte werden schon z. T. nicht mehr erneuert. Die Arbeitsaufnahme in Tunesien ist daher für Ausländer bis auf weiteres nicht möglich. (Publikation der Reichsstelle vom März 1935.) 85

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