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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 85

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 85 (sequence 87)
Language
German
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niedrig bczahll starten. Das Leben isi liier natürlich sehr verschieden von dem in I)., aber wenn man sieh gewöhnt hat, gelingt es, viele gute Seiten herauszufinden. - 15 r i e f a u s .1 o h a n n e s 1> u r g. .1 uni 1 9 .'5 5. Die größte Schwierigkeit besteht m. I". darin, daß einerseits das Gros der Eingewanderten allgemein w e n i g A n s landserfahrung besitzt und nicht die nötige Einpassungsfähigkeit in fremde Verhältnisse, besonders die hiesigen, die von Europa doch grundverschieden sind. Hieraus folgt, daß niemandem damit gedient ist, wenn unerfahrene Angehörige kommerzieller Berufe — das Land ist durchaus overtraded und Akademiker hier hei auskommen. Aussichten weiterzukommen bestehen nur für Angehörige wirklich gelernter (nicht durch oberflächliche Umstellung gewonnene Kenntnisse] praktischer, am besten handwerklicher Berufe. Das gilt für beide Geschlechter. Frauen sollten beachten, daß der Lady-typc durchaus unangebracht ist. Es ist überhaupt zu beobachten, daß der Verstädterte hier als Importartikel nicht gut getan hat, während man umgekehrt von manchen Einwanderern aus ländlichen und mittelstädtischen Verhältnissen nicht sagen kann, daß sie nicht bescheiden, aber ausreichend ihren Weg machen. Für eine bedachte, vorsichtig ausgewogene Einwanderung junger Menschen ist hier immer Platz. Das kann aber nicht von heute auf morgen geschehen, sondern muß systematisch auf lange Hand schon von Deutschland aus vorhereilet werden, indem die Jugend, die für solche Auswanderung in Frage kommt, erst in Deutschland vorbereitet und handwerklich geschult wird. Der älteren Generation sollte man überhaupt nicht zur Auswanderung raten, wenn nicht ganz konkrete, finanziell fundierte Pläne, deren Ausführbarkeit vorher genau hier geprüft ist, vorliegen. Aber auch die Menschen, die unter die wenigen, oben als aussichtsreich befundenen Kategorien passen, müssen unbedingt über die Mittel verfügen, die notwendig sind, damit sie nicht gleich der hiesigen Caritas zufallen, d. h. Rückreisedepot und nach meinem Dafürhalten ca. 100 £. Darin dürfte alles enthalten sein, um den Einwanderungsbehörden zu genügen und eine Notreserve zu besitzen. Der südafrikanische G e s a n d t e l) r. G i e ii ber d i e Aussicht e n i n S ii d a f r i k a. In einem Interview mit «h in südafrikanischen Gesandten Dr. Gie, das die „Deutsche Allgemeine Zeitung"' Anfang Mai veröffentlichte, hat derselbe sich über die Prosperität der Südafrikanischen Union seit dem Jahre 1933 folgendermaßen ausgesprochen: „Infolge der Verbundenheit unserer Wirtschaft mit der Weltwirtschaft haben auch wir unter der Weltkrise schwer gelitten. Seit 1933 hat sich aber bei uns ein außerordentlicher Aufschwung bemerkbar gemacht, der begründet ist in der gesteigerten Prosperität des Goldbergbaiies und der Abwertung des südafrikanischen £, das im Inland seine Kaufkraft behielt. Der Aufschwung macht sich z. B. bemerkbar im Bauwesen. 1932 wurden für 3 Millionen £ neue Hauten in Johannesburg errichtet, 1934 dagegen für 9 Millionen £. Der ganze Bezirk des Wiiwaterrandes von Krügersdorp über Johannesburg bis Springs gleicht immer mehr einer einzigen Stadt, vergleichbar mit dem Ruhrgebiet. Im Diamantenbergbau macht sich eine leise Besserung bemerkbar, analog der Besserung der Weltwirtschaft. Die Entwicklung der übrigen Industriezweige hat mit der Entfaltung des Goldbergbaues nicht ganz Schritt gehalten, zeigt aber doch bedeutende Ansätze zur Besserung. Auch in der Landwirtschaft ist ein Anstieg feststellbar. Nebst Gold haben wir eine steigende Ausfuhr folgender landwirtschaftlicher Erzeugnisse: Wolle. Mais. Zucker, Häute, Felle, Obst und Wein." Ueber das „poor-white-man-Problem" die verarmten Weißen — bemerkte er, daß dasselbe von der Regierung, die zu diesem Zweck eine besondere Kommission eingesetzt hat, ernstlich bearbeitet wird; denn es könnte aus ihm eine politische Gefahr für den Staat entstehen. Man ist bemüht, an geeigneten Stellen, z. B. in der Nähe von Staudämmen, die erfolgreiche Bewässerung garantieren, bäuerliche Kleinsiedlungen zu schaffen und an die pom-white-man abzugeben. Die Erfolge sind sehr vielversprechend. Auch bestimmte Arbeitsmöglichkeiten hat man für den poor-white-man reserviert." Wir haben über den Stand des „poor white man-Problems" in dem Korrespondenzblatt vom August 1934 näheres mitgeteilt. In Südafrika wird, wie in anderen Teilen des afrikanischen Kontinents, der Eingeborenenfrage große Aufmerksamkeit zugewandt. Betreffs der Lösung der Eingeborenenfrage, wo es sich darum handelt, den Rechten und Interessen der Weißen und Schwarzen in gleicher Weise gerecht zu werden, sprach der Gesandte sich dahin aus: „Nicht Weiß oder Schwarz ist die Idee, die den Maßnahmen unserer Regierung in bezug auf dies Problem zugrunde liegt, sondern Weiß u n d Schwarz. Der Weg zur sicheren Lösung des Problems ist schwer, aber er muß gefunden werden, wenn nicht die Zukunft Afrikas gefährdet sein soll." — In der Jahresversammlung der 1820 Memorial Settiers' Association vom Juli 1935 wurde auf die Notwendigkeit der Vermehrung der britischen Bevölkerung in Südafrika hingewiesen. Der Nettozuwachs der europäischen Bevölkerung während der letzten sechs Monate des Jahres 1934 betrug 1698, von denen 640 Europäer britischer Abstammung waren und 1005 Europäer anderer Staatsangehörigkeit. Hervorgehoben wurde, daß die Politik der Gesellschaft die Siedlung von Individuen sei im Gegensatz zu irgendeiner Form von Gruppensiedlung. Es wurde darauf hingewiesen, daß Südafrika sich in wirtschaftlichem und politischem Aufschwung befinde, dessen Steigerung noch zu erwarten sei. Eine Bedingung für die Entwicklung und Zivilisierung sei die Führerschaft der Weißen. Nur eine Zivilisation von Weißen, die fest mit dem Kontinent von Afrika selbst verwurzelt sei, könne denselben auf die Dauer halten. — Südwestafrika. Einreisebestim m u ng e n Für das z. Zt. unter südafrikanischem Mandat stehende Gebiet von Südwestafrika gelten im großen und ganzen dieselben Einwanderungsbedingungen wie für die Südafrikanische Union, jedoch berechtigt die Zulassung in die Union nicht ohne weiteres zur Einreise in Südwestafrika bezw. umgekehrt. Die Quota-Einreisevorschriften gelten in gleicher Weise für Südwestafrika wie für die Union von Südafrika. Personen, die in Südwestafrika geboren sind, dürfen ohne weiteres Landungserlaubnis erhalten. Reisende, die in Südwestafrika ansässig sind, auch wenn sie einen südwestafrikanischen Paß besitzen, erhalten nicht ohne weiteres Landungserlaubnis, wenn sie länger als ein Jahr aus dem Lande fortgewesen sind. Reisende mit Hin- und Rückfahrschein müssen sich darauf einrichten, daß von ihnen die Hinterlegung eines Depots gefordert wird, wenn der Wert des Fahrscheinanteils für die Rückreise nicht mindestens 40 £ ausmacht. Von Reisenden, die nicht einen südwestafrikanischen Paß in Händen haben, wird auf jeden Fall die Hinterlegung einer Barsumme von 40 £ für einen Erwachsenen und 25 £ für ein Kind unter zwölf Jahren gefordert. Dieses Depot wird bereits bei Lösung der SchifFskarte in bar eingezogen. Es ist nicht möglich, daß in Südwestafrika Ansässige zu Gunsten ihrer Verwandten und Freunde, die sie von Europa herauskommen lassen, der Einwanderungsbehörde Bürgschaft (Form of undertaking) leisten, sondern es wird stets die Zahlung des Rückreisedepots in bar verlangt. Die Reederei übergibt das Depot der Einwanderungsbehörde im Landungshafcn, die es zu gegebener Zeit zurückvergütet. Das Depot gilt als Teil der „ausreichenden Mittel zum Unterhalt", deren Nachweis von den Behörden verlangt wird. Ein Betrag für den Begriff „ausreichende Mittel" wird nicht angegeben; jedoch ist anzunehmen, daß 100 £ für die Person als genügend erachtet werden.-- Die gesetzgebende Versammlung hat einen Antrag, der fordert, daß Südwestafrika als fünfte Provinz der Südafrikanischen Union unter Vorbehalt der Bestimmung des Völkerbundes verwaltet werde, mit 12 gegen 6 Stimmen angenommen. Einwanderungsstatistik für 1 9 3 3 (aus einer Publikation der Reichsstelle vom November 1934) Nach dem „Bericht der Südafrikanischen Regierung an den Völkerbund betreffend die Verwaltung von Südwestafrika im Jahre 1933" sind in diesem Jahre in Südwestafrika über See 540 Europäer eingetroffen. Hiervon waren 108 Neueinwanderer, 282 vorübergehend abwesend gewesene Personen und 150 Besucher. 85

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