Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 82 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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durch weiße ersetzt worden seien, habe es nicht genügt, um die Abwanderung zu absorbieren. Zum Schluß wies der Redner darauf hin, daß Südafrika in einer günstigeren Lage als die übrige "Well sei. Es hänge aber letzten Endes von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Nachdem er noch kurz die Zustände in den wichtigsten Ländern gestreift hatte, machte er darauf aufmerksam, welche Bedeutung eine allgemeine Rückkehr zur Goldwährung für Südafrika haben müsse. — Wir führen noch eine kurze Pressemeldung von linde Oktober 1934 an: ..Seit dem Aufgeben des Goldstandards Ende 1932 hat die Wirtschaft einen großen Aufschwung genommen. Den größten Vorteil aus der neuen Lage hat der Goldbeigbau gezogen, da der Goldpreis beträchtlich gestiegen ist. Dies hat zur Gründung neuer Gesellschaften geführt, eine Belebung der Bautätigkeit und eine Nachfrage nach Arbeitern aller Kategorien nach sich gezogen. Auch die Fertigwarenindustrie hat aus der Währungsabwertung Vorteile gehabt. Was die Landwirtschaft betrifft, so hat sich das Aufgeben des Goldstandards insofern günstig ausgewirkt, als die Farmer, die für die Ausfuhr erzeugen, für Produkte wie Wolle, Häute. Felle usw. his zu 60% mehr erhalten, wie bisher. Außerdem konnte der Staat infolge der hohen Steuereingänge den Farmern eine ausgiebige Hilfe in Form von Ausfuhrprämien usw. angedeihen lassen. Trotzdem herrscht in den landwirtschaftlichen Kreisen noch vielfach eine gewisse Notlage, die auf eine starke Ueberschuldung, auf Dürre. Heuschrecken und andere Erscheinungen zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist dabei, daß die innere Kaufkraft des südafrikanischen Pfunds seit der Abwertung nicht wesentlich zurückgegangen ist. Lebens- und Lohn Verhältnisse in Johannesburg Die nachstehend aufgeführten Preis- und Lohnsätze — sämtlich in sh und d angegeben — wurden am 1. Oktober 1934 in Johannesburg aufgestellt. Der damalige Kurs bei rug 1 sh. 0,63 RM, Id — rund 5 Rpf. Die niedrigen Zahlen gelten für bescheidenste, die höheren für mittlere Ansprüche. W o h n u n g und Verpflegung: Unterkunft ohne Verpflegung im Gasthaus für eine Person täglich 5 sh 6d — 8 sh 6 d, mit Verpflegung 10—15 sh, ein möbliertes Zimmer ohne Verpflegung monatlich 46—66 sh, mit Verpflegung 140—180 sh. Eine leere Wohnung von 2 Zimmern kostet im Monat 60—100 sh, von 4 Zimmern 100—120 bis 140—180 sh, eine möblierte Wohnung von 2 Zimmern monatlich 100—140 bis 140—180 sh, von 4 Zimmern 180—220 sh. Wohnungen sind zu haben. Es kostet täglich Morgenkost 9 d bis 1 sh, Mittagessen 1 sh 6 d—2 sh 6 d, Abendessen 2 sh—3 sh 6 d. Für Verpflegung und Wohnung im Boardinghouse sind monatlich 140—200 sh zu rechnen. Lebensmittel: Es kostet je 1 lb ( 453 g) Mehl 4 d, Brot 3d, Butter (first grade) 1 sh 7 d, Margarine 1 sh 3d, Pflanzenfett (memco) 9 d, Speck (bacon) 2 sh, Schweinefleisch 1 sh, Rindfleisch 8 d, Hammelfleisch 1 sh, Geflügel (Stück) 2—4 sh, je 1 lb Zucker 4 d, Reis (Mittelsorte) 5 d, Hülsenfrüchte 6 d, Nudeln 4 d, 8 lb Kartoffeln 1 sh, 1 Liter Milch 6 d, 12 Eier 1 sh 9 d. Bekleidung: Es kostet 1 Männeranzug (Konfektion) Tuch 100 sh, Waschstoff" 30 sh; (Maßanfertigung): Tuch 140—160 sh, Waschstoff 40 sh; ein Männerhemd (einfach) 8 sh, (besser) 10 bis 12 sh; ein Paar Männerstiefel (Arbeitsstiefel) 15 sh, (besser) 25 sh; ein Frauenkleid (Hauskleid) 20 sh, (besser) 42 sh. Ortsüblicher Monatsbedarf (einschließlich Unterhaltung von Kleidung, Wäsche und Haushalt) : lediger deutscher Handwerker oder Angestellter 340—440 sh, verheirateter deutscher Handwerker oder Angestellter ohne Kinder 500—640 sh, deutsche Handwerker- oder Angestelltenfamilie von 4 Köpfen 600—700 sh. Ortsübliche Lohn- und Gehaltssätze: Tagelohn für ungelernte deutsche Arbeiter 6 sh, für angelernte Minenarbeiter 10 sh, nach 6 Monaten 16 sh, Minenarbeiter nach Prüfung 20 sh, Wochenlohn für Handwerker 120—240 sh, Monatsgehalt für deutsche Handelsangestellte 300—500 sh. Von der Annahme von Landarbeiterstellen ist abzuraten. - Barlohn für eine Haushaltsgehilfin neben Kost und Wohnung — monatlich 80—140 sh. Farbige männliche Diener erhalten neben Kost und Wohnung monatlich 40 bis 80 sh, farbige Hausmädchen 40—60 sh. Das K 1 i m a ist für den Mitteleuropäer auf die Dauer zuträglich, besondere Gelähren bestehen für die Gesundheit nicht. In den Bergwerken kommt die Minenkrankheit (Phthisis — eine Lungenkrankheit) vor. Lehens- und Lohnverhältnisse in Kapstadt Die nachstehend aufgeführten Preis- und Lohnsätze — sämtlich in sh und d angegeben — wurden am 12. Januar 1935 in Kapstadt aufgestellt. Der damalige Kurs betrug 1 sh 0,61 RM, I d 5 Rpf. Die niedrigen Zahlen gelten für bescheidenste, die höheren für mittlere Ansprüche. Wohnung und Verpflegung: Unterkunft ohne Verpflegung im Gasthaus für eine Person täglich 3 sh (in Hotels im allgemeinen nicht erhältlich), mit Verpflegung 6 sh 6 d bis 9 sh 6 d — 12 sh 6 d, ein möbliertes Zimmer ohne Verpflegung monatlich 30—40 sh bis 60—80 sh, mit Verpflegung 100—120 sh his 160—200 sh. Eine leere Wohnung von zwei Zimmern kostet im Monat 80—100 sh bis 120 bis 140 sh. von vier Zimmern 140-180 sh bis 200—240 sh, eine möblierte Wohnung von zwei Zimmern monatlich 120—140 sh bis 160—200 sh, von vier Zimmern 200—240 sh his 240—280 sh. Heizung ist bei einzelnen Zimmern im Mietpreis enthalten. Beleuchtung: Elektrischer Strom 1 sh (id für jedes Zimmer plus Va d je KW Stunde. Wohnungen sind zu haben. Ks kostet täglich Morgenkost 1—2 sh, Mittagessen 2—3 sh, Abendessen 2—3 sh. Für Verpflegung allein sind monatlich zu rechnen 60—80 sh bis 100 — 120 sli. Lebensmittel: Es kostet je 1 lb (= 453 g) Mehl 372 d, Brot 3Va— 4 d, Butter 1 sh 4 d — 1 sh 8 d, Rinderf ett 6—9 d, Schmalz 1 sh—1 sh 2 d, Fleisch: (Schweine) 10 d—1 sh, (Rind) 6 d—1 sh, 1 Hammel) 6 d—1 sh, Speck 1 sh 2 d—1 sh 8 d, Geflügel 1 sh 2d bis 1 sh 6 d je engl. Pfund; je 1 lb Zucker 3—3Va d, Reis 3—5 d, Nudeln 9 d, Hülsenfrüchte 4—8 d, Kartoffeln 1 bis lVad; 1 Pint (0,57 1) Milch 2V2—3 d, 1 Dutzend Eier 1 sh 3 d—1 sh 9 d, 1 lb Fisch 3—5 d. Ortsübliche r Monatsbedarf (einschließlich Unterhaltung von Kleidung, Wäsche und Haushalt): lediger Handwerker 200—240 bis 240—300 sh, verheirateter Handwerker ohne Kinder 320—360 sh his 360 sh—400 sh, Handwerkerfamilie von vier Köpfen 400—440 sh his 440—480 sh, lediger Angestellter 240—300 sh bis 320—360 sh, verheirateter Angestellter ohne Kinder 500—600 sh bis 600—700 sh, Angestelltenfamilie von vier Köpfen 600—700 sh bis 700—800 sh. Ortsübliche Lohn- und Gehaltssätze: Tagelohn für ungelernte deutsche und einheimische Arbeiter 3 sh bis 3 sh 6 d, Monatslohn für Landarbeiter 40 bis 60 sh bei freier Station, Wochenlohn für deutsche Handwerker 88 bis 124 sh, und zwar: Maler 88 sh (44 Stunden), Maurer und Zimmerleute 117 sh 4d (44 Stunden), Mechaniker 124 sh (48 Stunden), Möbelindustrie 108 sh (48 Stunden), Monatsgehalt für deutsche Handelsangestellte 360 bis 800 sh, Techniker 400 bis 600 sh, Ingenieure, Architekten, Chemiker und sonstige höhere Berufe, für die Deutsche etwa in Frage kommen, 500 bis 1000 sh. Barlohn für ein europäisches Dienstmädchen — also außer Kost und Wohnung — monatlich 40—60 sh bis 100 sh [Köchin). Auf dem Lande, wo die Lebenshaltungskosten im allgemeinen nicht so hoch sind, sind die Löhne etwas niedriger. Klima: Das Klima ist für den Mitteleuropäer auf die Dauer zuträglich. Besondere Gefahren, für die Gesundheit bestehen nicht. Steuern: Einkommen bis zu 400 £ (8000 sh) jährlich sind steuerfrei. Bei Verheirateten findet hei der Steuerveranlagung im Falle von Einkommen von mehr als 400 £ ein Abzug vom Einkommen in Höhe von 75 £ für jedes Kind statt. Bekleidung: Es kostet ein Männeranzug: (Konfektion) Tuch 80—120 sh, Waschstoff 40—60 sh; (Maßanfertigung) Tuch 120 bis 160 sh, Waschstoff 80—100 sh, ein Männerhemd (einfach) 5—6 sh, (besser) 8—10 sh, ein Paar Männerstiefel (Arbeitsstiefel) 15 sh, (besser) 25 sh, ein Frauenkleid (Hauskleid) 25 sh, (besser) 60—80 sh. Briefe von Komitees und Privatpersonen Wir lassen Mitteilungen von Komitees und Privatpersonen folgen, aus denen ersichtlich ist, daß die Einwanderung nach Südafrika sich nur in starker Begrenzung auf bestimmte Kategorien von Einwanderern vollziehen kann, trotz besten Willens der Komitees. Namentlich ist schon des Klimas wegen ein Haupterfordernis: jugendliches Alter. Ferner sind, wie überall, Sprachkenntnisse von Wichtigkeit. Als erschwerendes Moment kommen hinzu, die teure Ueberseereise und Forderung eines Vorzeigegeldes von durchschnittlich 100 Pfund. Wir führen zunächst aus der ersten Hälfte Dezember einen Bericht des Kapstädter Komitees an: Die Lage hat sich gegenüber dem Vorjahr insofern verändert, als inzwischen eine große Anzahl Einwanderer, sowohl mit Hilfe von Komitees als auch auf eigene Faust, ins Land gekommen ist. Praktisch hat das Komitee mehr oder weniger für alle diese Leute zu sorgen, entweder direkt mit geldlicher Unterstützung oder mit der Beschaffung von Stellungen. Sie werden sich denken können, daß es immer schwerer wird, die Neuankömmlinge unterzubringen, und der Zustrom von Verwandten von bereits hier untergebrachten Einwanderern ist natürlich auch sehr stark. Unsere Maßnahmen sollen nun nicht etwa bedeuten, daß wir die Einwanderung überhaupt stoppen wollen. Wir versichern Ihnen, daß wir auch weiterhin bemüht sein werden, im Rahmen unserer Möglichkeiten den Auswanderern behilflich zu sein. Für hand- 82