Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 80 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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Einwanderer, die nicht den Nachweis der Beschäftigung erbringen können, aber £ 100 besitzen, können glatt landen, wenn sie einen guten Eindruck machen und den Anschein erwecken, sofort dort Arbeit zu linden; sonst dürfen sie das Land nur mit einer zeitweisen Erlaubnis und einer Bardeponierung von £ 50 und £ 1 Taxe betreten, die von Zeit zu Zeit verlängert wird, bis die Behörden davon überzeugt sind, daß der Einwanderer keine öffentliche Last wird. Musiker müssen auf jeden Fall £ 250 und £ 1 Taxe in bar hinterlegen. Es wird noch bemerkt, daß die £ 100 in den meisten Fällen sofort zurückerstattet werden, und daß es nur selten vorkam, daß die Behörden die Hinterlegung von £ 50 verlangten, die sofort zurückgegeben werden, wenn der Betreffende dauernde Beschäftigung gefunden hat. Einwanderung 1934 Im Kalenderjahre 1934 wanderten 4702 Europäer in die Südafrikanische Union ein und 1767 Personen aus, der Einwanderungsüberschuß betrug also 2935 Europäer (1629 männlich und 1306 weiblich) gegen 1302 im Vorjahre. Nach der Staatsangehörigkeit wurden gezählt: Einwanderer : Auswanderer : Briten 2392 1500 Deutsche 1012 87 Oesterreicher 45 1 Schweizer 35 8 Niederländer 99 29 Schweden, Norweger, Dünen Finnländer 66 15 Belgier 21 52 Franzosen 29 8 Tschechen, Serben, Ungarn 31 6 Osteuropäer 572 9 Südeuropäer 291 33 Palästinenser 1 1 Nordamerikaner 100 18 Südamerikaner 4 — Sonstige Europäer 4 — 4702 1767 Die Einwanderung von Beichsdeutschen ist 1934 gegenüber den Vorjahren stark gestiegen. Die Zahlen der letzten 5 Jahre sind folgende: Einwanderer Auswanderer 1930 481 94 1931 400 67 1932 479 56 1933 653 76 1934 1012 87 Die Steigerung der Einwanderung von Reichsdeutschen setzte mit dem 4. Vierteljahre 1933 ein, die Vierteljahresziffern für 1934 zeigen nur geringe Schwankungen. Einwanderer Auswanderer Januar—März 1934 339 32 April—Juni 1934 236 23 Juli—September 1934 204 16 Oktober—Dezember 1934 233 16 Kalenderjahr 1934 1012 87 Von den gesamten Einwanderern waren 4006 in quotenfreien Ländern geboren (davon 1026 in Deutschland, 109 in Südwestafrika), während 696 in Ländern geboren waren, aus denen nur eine beschränkte Zahl von Einwanderern zugelassen ist. Ueber Beschäftigung und Geschlecht gibt nachstehende Uebersicht Auskunft: Einwanderer Auswanderer männl. weibl. männl. weibl Landwirtschaft 197 1 57 — Bergbau 25 — 35 — Industrie u. Handwerk 695 76 220 9 Transport und Verkehr 37 2 37 1 Handel 529 87 156 41 Beamte u. freie Berufe 399 361 92 88 Häuslicher Dienst 56 143 14 23 Unabhängig 25 81 48 83 Sonstige und ohne Angabe 52 171 62 75 Familienmitglieder 531 1234 196 530 Zusammen 2546 2156 917 850 Nach dem Alter und Familienstand verteilen sich die Einwanderer wie folgt: Verwit w. Alter L< 'dig Verheiratet u. ges chieden Zusammen Jahre männl. weibl. männl. weibl. männl weibl. männl weibl. insges. unter 15 43Ï- 426 — — — — ~43T 426 857 15-19 153 128 — 3 — — 153 131 284 20 — 29 869 466 129 217 3 1 1001 684 1685 30 — 39 273 211 300 281 10 16 583 508 1091 40 — 49 42 57 188 170 6 23 226 250 476 50 - 59 17 20 76 51 5 27 108 98 206 60 u. mehr 5 4 31 18 8 37 44 59 103 Zusammen 1790 1312 724 740 32 104 2546 2156 4702 Von den 1767 Auswanderern waren 300 unter 15 Jahre alt, 99 waren 15—19 Jahre, im Alter von 20—29 Jahren waren 452, 30—39 Jahre 362, 40—49 Jahre 238, 50—59 Jahre 180 und über 60 Jahre 136 Personen. Es reisten über See über Land und durch Luft Zusammen: Einwanderer: 4470 232 4702 Auswanderer 1124 643 1767 Mithin Gewinn + 3346 + 2935 Mithin Verlust —411 Von den 643 aus der Südafrikanischen Union über Land oder auf dem Luftwege Ausgewanderten gingen 440 nach Rhodesia, 171 nach Südwestafrika und 32 in andere Länder. Unter den 1326 Handels- und Geschäftsreisenden waren 95 Reichsdeutsche, unter den 9038 als Besucher (Vergnügungsreisende) nach Südafrika gereisten Personen waren 339 Reichsdeutsche. Wir führen aus einem Informationszirkular des . Konsulats der Südafrikanischen Union nachstehendes an: Es gibt in der Union von Südafrika keine Kurierfreiheit. A e r z t e und Zahnärzte bedürfen einer amtlichen Zulassungserlaubnis, für deren Ausstellung — neben anderen Bedingungen — das Bestehen der Staatsprüfung Voraussetzung ist. Wegen mangelnder Gegenseitigkeit wird die deutsche Staatsprüfung nicht anerkannt, sie muß also in Südafrika oder England wiederholt werden. Daß dabei auch die vollkommene Beherrschung der englischen Sprache nötig ist, versteht sich von selbst. In welchem Umfange ein deutsches Abiturium und ein Studium auf deutschen Universitäten angerechnet wird, kann nur von Fall zu Fall entschieden werden. Die zuständige Behörde für alle diese Fragen ist der „South African Medical Board", Post Office Box 205, Pretoria, Südafrika, an den man sich gegebenenfalls — in Afrikaans oder Englisch — wenden kann. Für Rechtsanwälte liegen die Dinge ähnlich. Attorneys oder Solicitors sind Anwälte bei der niederen Gerichtsbarkeit. Sie müssen eine bestimmte Zahl von Jahren bei einem Attorney gelernt und dann eine Prüfung bestanden haben. Anwälte bei den höheren Gerichten sind Advocates oder Barristers. Die für sie vorgeschriebene Vorbildung ähnelt derjenigen der deutschen Rechtsanwälte. Inwieweit eine deutsche Vorbildung, jedenfalls teilweise, anerkannt wird, kann gleichfalls nur von Fall zu Fall entschieden werden. Nach den bisherigen Erfahrungen sind hierbei die Aussichten gering. Vollkommene Sprachbeherrschung ist auch hier die selbstverständliche Voraussetzung. Exakte Fragen von ernsthaften Interessenten mögen — in afrikanischer oder englischer Sprache — gerichtet werden an das „Department of Justice", Palace of Justice, Pretoria, Südafrika. Für andere akademische Berufe liegt kaum ein Bedarf vor. Das Angebot eigener Kräfte pflegt mehr als ausreichend zu sein. — Es gibt in der Union neun Universitäten bezw. Colleges. Wegen eines Lehrauftrages wende man sich gegebenenfalls an das Department of the Interior, Public Health and Education, Government Buildings, Pretoria, Südafrika. Die Aussichten, zu einer Anstellung zu gelangen, sind aber auch hier außerordentlich gering. Wohnungsmieten Im Oktober 1934 wurden die durchschnittlichen Mieten von Häusern mit 3 bis 6 Zimmern in den neun wichtigsten Städten der Südafrikanischen Union festgestellt. Die Durchschnittsmieten für Häuser betrugen: 80