Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 72 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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indianische Element völlig verdrängte. Uruguay ist das einzige Land Mittel- und Südamerikas ohne Farbige. Es hat eine rein europäische, wenn auch aus verschiedenen Elementen gemischte Bevölkerung. Das erleichtert unter Umständen das Einleben in die dortigen Verhältnisse. Uruguay hat technische und landwirtschaftliche Schulen, und in Montevideo, das heute fast 700 000 Einwohner hat, besteht eine Universität mit 3 Fakultäten. Uruguay hat als erster Staat in Südamerika Zivilehe und Ehescheidung eingeführt. Es herrscht völlige Bekenntnisfreiheit. Religionsunterricht wird in den öffentlichen Schulen nicht erteilt. U r u g u a y. Bevölkerung: 2 037 000, Montevideo: 700 000 Personen. Im Jahre 1928 hatte Uruguay eine jüdische Bevölkerung von 12 000 Seelen, davon 90 °/o in der Hauptstadt Montevideo. 1932 lebten in Montevideo allein 17 000. Währung: 1 Goldpeso gleich 1,00 RM., Goldparität 4,34 RM. Klima. Das Klima ist eines der besten und gesundesten in der Welt. Epidemische Krankheiten sind selten, und die atlantischen Winde mäßigen die Hitze in wundervoller Weise. Die niedrigste Temperatur ist 35 ° F. 225 Tage im Jahr sind normalerweise sonnig. Die Frühlingsmonate sind Oktober und November, Sommer: Dezember bis März, Herbst: April und Mai, Winter: Juni bis September. Das Gesetz vom 19. Juli 1932, wodurch die Einwanderung nach Uruguay gesperrt wurde, ist verlängert worden (vgl. unser Korrespondenzblatt vom Februar 1933). Es muß die Einreisegenehmigung der Einwanderungsdirektion in Montevideo eingeholt werden. Es muß sowohl für deutsche Staatsangehörige als auch für Staatsangehörige anderer Länder, für jeden, welcher nach Uruguay reist, ein Reisezeugnis von einem Uruguayschen Konsulat ausgestellt werden. Hierzu muß jeder Reisende 5 Paßbilder mitbringen —- die Reisenden müssen persönlich vorstellig werden. Ein die letzten 3 Jahre deckendes Führungszeugnis ist vorzulegen. Das Reisezeugnis (Certificado de viaje) wird direkt von dem Konsulat nach dem Einschiffungshafen, an die Polizeidirektion und die Einwanderungsdirektion in Montevideo gesandt. — Eine Abstempelung der Reisepapiere durch das Konsulat ist erforderlich. Passagiere erster Klasse gelten nicht als Einwanderer. Von allen Einreisenden wird der Nachweis verlangt, daß sie über 600 Goldpesos pro Person verfügen. Die Aussichten für einwandernde Ingenieure, Architekten, Bauhandwerker sind schlecht. In Uruguay ist der Ingenieurberuf überfüllt. Zudem bedarf es der Ablegung des uruguayischen Examens, um als Ingenieur tätig sein zu können. Maschinenfabriken irgend welcher Art gibt es dort nicht, so daß also auch für einen Maschinenbauer kein Tätigkeitsfeld vorhanden ist. Stellungen werden nur nach persönlicher Vorstellung vergeben, wobei die Kenntnis der spanischen Sprache natürlich Voraussetzung ist. Architekten und Bauhandwerkern ist die Einwanderung nach Uruguay gleichfalls zu widerraten. Das Geschäft in Uruguay 1934 war still, besonders im Exporthandel, doch erhöht gegen den Umsatz im Vorjahre. Schwierigkeiten werden hervorgerufen durch die Spannweite zwischen den Kursraten auf dem offiziellen und freien Markte. Lebenshaltungskosten und Löhne. Einer amtlichen spanischen Quelle werden folgende Preisangaben (in uruguayischen Pesos) entnommen: Lebenshaltungskosten: Es kosten eingeführte Ware: je 1 kg Reis 0,24, Zucker 0,20, Mandiokamehl 0,12, feines Salz 0,10, grobes Salz 0,04, Yerba Mate 0,28, 1 Liter Olivenöl 0,75. Lebensmittel einheimischer Erzeugung: Je 1 kg Bohnen 0,22, Aipini 0,08 Nudeln 0,20, Zwieback 0,16, Weizenmehl 0,12, Maismehl 0,12, Weizenbrot 0,17, Grieß 0,20, Kartoffeln 0,12, tierische Fette 0,25, Schweinefleisch 0,55, Rindfleisch 0,26, Hammelfleisch 0,24, 1 Dlz. Eier 0,28, 1 Liter Milch 0,12, Essig 0,25. Andere Waren: 1 Liter Branntwein 1,80, Brennsprit 0,26, Petroleum 0,16; 1 kg Holzkohle 0,20, zerkleinertes Brennholz 0,05, Waschseife 0,16, 1 Dutzend Schachteln Streichhölzer 0,22. L ö Ii il c : Angestellte und Facharbeiter erhalten monatlich im Durchschnitt 52 Pesos, sonstige Handarbeiter täglich 1,40—2,—, Maurer 2,70—3,—, Tischler 3—3,50, Schlosser 3,50—3,80, Schneider je nach Fertigkeiten 2,80—5,—, Typographen und Linotypisten 3—5; Staat und Gemeinden zahlen an ihre Beamten und Arbeiter mindestens 70 monatlich an Tagelöhner 2,50 täglich. Die Arbeitszeit beträgt 8 Stunden täglich. Nachtarbeit ist verboten (mit gewissen Ausnahmen.) Sonntagsruhe ist vorgeschrieben. Arbeiter über 60 Jahre und körperlich Unfähige beziehen Rente; diese beträgt 10 Pesos im Monat für Einheimische und 8 Pesos für Fremde, soweit sie einen Anspruch an den Staat haben. Es bestehen Unfallverhütungs- und Entschädigungsgesetze. Für Landarbeiter ist ein Mindestlohn vorgeschrieben Aus Briefen: Sommer 1934. Landärzte verdienen nur wenig. Um eigene Praxis zu eröffnen, benötigen Sie mindestens 1 Jahr um Prüfung abzulegen, dann die nötigen Geldmittel, um weiter aushalten zu können, bis Sie sich im Laufe der Zeit Klienten geschaffen haben (wTas ohne Beziehungen heute sehr schwer sein dürfte). In den letzten Jahren ist die Anzahl Uruguayer, die in Europa studiert haben, sehr gewachsen. Von deutsch-jüdischen Aerzten sind 2 oder 3 hier seit langen Jahren ansässig, die sich durch ihren guten Namen große Praxis geschaffen haben. Juden leben in Uruguay ca. 30.000 (Russen, Polen usw. zusammen). Deutsche Juden sind nur wenige da. Bemerkt muß werden, was die mittel- und südamerikanischen Staaten anbetrifft, daß die Aussichten für Aerzte sehr ungünstig sind. Montevideo, Februar 1935. Wie Sie aus obiger Ortsbezeichnung (Montevideo) schon ersehen, habe ich in Uruguay stop gemacht und bin nicht nach Paraguay weitergefahren. Man riet mir im allgemeinen ab, weil die klimatischen Verhältnisse im Gegensatz zu hier in Paraguay ungesund sind und ganz speziell in hygienischer Hinsicht dort viel zu wünschen übrig bleibt. Dagegen sei in geschäftlicher Hinsicht in Paraguay mehr zu erreichen als hier. ,,Ich habe es vorgezogen, meine Familie von Deutschland nach hier herkommen zu lassen. Wir bewohnen ein sehr hübsches Häuschen, vier Zimmer, Garage, Bad, Küche, Garten vor und hinter dem Hause, jedoch eine halbe Stunde Omnibusfahrt vom Zentrum der Stadt entfernt, zum Mietpreise von Peso 30 pr. Mt. £ 2V2. Der Lebensunterhalt ist hier billig, man kommt gut mit 75—100 Pesos bei einer Familie von vier Köpfen aus —- auch mit weniger kann man noch anständig leben —- aber eine lukrative geschäftliche Betätigung ist auch hier recht schwer zu finden. Uruguay leidet ebenfalls unter der Weltdepression. Das Leben ist hier vollkommen europäisch, man braucht nicht das Allergeringste zu entbehren, wenn man beispielsweise £ 2.000—3.000 besitzt. Montevideo hat einen Badestrand, in einer Länge von 250 Kilometer, an welchem nicht nur gebadet, sondern alle nur denkbaren Arten von Sport von Jung und Alt, und zwar von allen Rassen, sowohl den Weißen wie den Gelben als auch den Schwarzen, getrieben werden. Die Bevölkerung ist angenehm, höflich und sympathisch und sehr demokratisch. Das wären so in kurzen Zügen die Eindrücke, die ich bis jetzt gewonnen habe." Venezuela. Einwanderungsbesti m 111 11 n g e n : Es sind notwendig: Reisepaß, Geburtsschein, Amtsärztliches Zeugnis, woraus hervorgeht, daß der Reisende nicht an Lepra, Trachom, Geisteskrankheit, epileptischen Anfällen oder irgend einer anderen Krankheit leidet, welche den öffentlichen Gesundheitszustand gefährdet. Polizeiliches Führungszeugnis über die letzten 10 Jahre. 8 Lichtbilder (4 Vorderbilder, 4 Seitenbilder). Amtsärztliches Zeugnis über Pockenimpfung, die nicht länger als 5 Jahre zurückliegen darf. Eine ausführliche Erklärung über den Zweck der Reise mit genauer Adressenangabe der Personen, zu denen der Antragsteller reist. 72