Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 70 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Deutschen sind in den Städten im Händel tätig, und zwar selbständig oder im Angestelltenverhältnis, auf dem Lande durchweg als kleine Bauern oder Kolonisten. Der Chaco-Streit hat sich überall ungünstig für die in Paraguay lebenden Deutschen ausgewirkt. Besonders sind die deutschen Angestellten dadurch betroffen worden, die in Landeswährung verdienen, deren Kaufkraft durch den starken Valutarückgang wesentlich geschwächt ist. Auf dem Lande schlagen sich die Kolonisten, soweit sie finanziell nicht etwas besser gestellt sind, schlecht und recht durch. Sie müssen ein recht kärgliches Dasein fristen und auf dem Lande herrscht viel Elend. (Publikation d. Beichsstelle vom Jan. 1935). Nach Angabe des Komitees in Asuncion kann eine Person dort ihren Lebensunterhalt mit frs. 150 monatlich bestreiten. Wie uns von Hicem mitgeteilt wurde, ist entsprechend der Mission, mit der betraut ein Delegierter der Jewish Colonization Association sich nach Paraguay begeben hatte, dort ein Fürsorge-Komitee durch die Hicem geschaffen worden. Nach Meldung der Deutsch-Südamerikanischen Bank vom März 1935 besuchte eine japanische Mission von Sachverständigen die verschiedenen Gegenden des Landes. Die Regierung kam dieser Kommission wohlwollend entgegen, und ließ sie von Staatsbeamten und prominenten Persönlichkeiten auf der Reise begleiten. — Ende Juli gingen uns von einer Seite unverbindlich wiedergegebene Nachrichten zu, daß für die Auswanderung nach Paraguay jetzt nur in Betracht kommen sollten: Qualifizierte Techniker und tüchtige Handwerker unter Ausschluß aller andern Arten von Emigranten. Gleichzeitig wurde andererseits über die Intentionen der paraguayischen Regierung mitgeteilt, daß sie in Zukunft die Einwanderung von Angehörigen der freien oder handeltreibenden Berufsklassen und von Anstellung als Lohnempfänger suchenden Arbeitern zu unterbinden wünschte. Es kämen danach nur Personen in Frage, die landwirtschaftlichen Beruf ausüben oder ein Gewerbe betreiben. Es soll fortan von jedem Emigranten ein Berufszeugnis und ein Fingerabdruck verlangt werden. Diese Limitierung hinge sicherlich damit zusammen, daß für den Fall der definitiven Beendigung des Krieges, die in Aussicht steht, eine Neuorganisation des paraguayischen Wirtschaftslebens notwendig wird, da die bisherigen Kämpfer in dasselbe eingeordnet werden müssen. Peru. Einwanderungsbestimmungen Für die Erteilung von Visa wird verlangt (Auskunft des Konsulats vom Febr. 35) : 1. Ein gültiger Reisepaß. 2. Ein polizeiliches Führungszeugnis. 3. Ein Gesundheitsattest (vom Kreisarzt). 4. Ein Impfschein, nicht älter als zwei Jahre. Ferner muß der betreffende Auswanderer beim Landen 2000 Soles vorzeigen. Staatenlose erhalten kein Visum. Für ein Visum wird die Summe von RM 21,— erhoben. Am 30. Mai 35 wurden neue Bestimmungen erlassen. Einer Mitteilung des Deutschen Wirtschaftsverbandes für Süd- und Mittelamerika vom Juli 1935 entnehmen wir noch folgendes. Es ist die Erklärung eines anerkannten Bank¬ oder Handelshauses beizubringen, daß der Antragsteller genügende Mittel besitzt, um sich und seine Familie zu erhalten. Reisende 2. und 3. Schiffsklasse, die nach Peru kommen, um sich dort dauernd niederzulassen oder für mehr als 60 Tage aufzuhalten, müssen den Besitz von mindestens 2000 Soles Gold nachweisen oder einen Engagementsvertrag mit einer in Peru ansässigen Firma vorlegen. Diesen Bestimmungen unterliegen nicht: wissenschaftliche Kommissionen, Studierende, Mitglieder religiöser Orden, Touristen und in Peru ansässige Ausländer, die mehr als ein Jahr außerhalb der Republik lebten. — Aus einem Pressebericht aus Lima: Der wirtschaftliche Fortschritt in Peru dauert an. Eine Wolke am Horizont ist noch die Krisis in der Zuckerindustrie, die in den vergangenen Jahren ganz außerordentlich befriedigende Ergebnisse zu verzeichnen hatte, aber jetzt in ernster Bedrängnis ist, wie in anderen Zucker produzierenden Ländern. Peru hat viele Millionen Kapital in der Industrie investiert. Die Lage bezüglich der äußeren Schuld bleibt, wie sie seil dem Ende von 1933 war, der Präsident hat erklärt, daß Peru besorgt sei, seine Verpflichtungen zu erfüllen, aber, daß es das Recht habe, eine Revision der Zahlungsfristen zu erwarten. Diese Anleihe wäre auf nationale Hilfscjuellen basiert worden, hauptsächlich Importprodukte, für die jetzt nur ein sehr eingeschränkter Markt vorhanden ist wegen der protektionistischen Politik der Vereinigten Staaten, die ernste Depression in dem Handel von Peru hervorgerufen habe. — Eine Persönlichkeit, die mit den Verhältnissen in Peru sehr genau vertraut ist und eine Stellung in einer peruanischen Behörde einnimmt, gab uns Ende Februar 1935 folgende Informationen über die Betätigungsmöglichkeiten für Ausländer in Peru: Auf dem Gebiete der Kolonisation beständen kaum Möglichkeiten, dagegen auf dem Gebiete des Handels. Die Peruaner seien freundlich und gastfrei. Europäer könnten aber mit eingeborenen Arbeitskräften nicht konkurrieren. Die fruchtbaren Gebiete sind auf der Seite der Kordilleren, wo keine Absatzmöglichkeiten vorhanden sind und außerdem das Klima sehr schlecht ist. Mit tüchtigen Rechtsanwälten ist das Land genügend versehen, Aerzten, die ihr Examen resp. Nachexamina im Lande gemacht hätten, böten sich ev. Chancen. Aussichten haben qualifizierte Handwerker und Techniker, Maschinen-Ingenieure und Geologen. Wenn jemand drüben etwas kann, fleißig ist und keine zu großen Ansprüche stellt, könne er vorwärts kommen. Er kann klein anfangen. Die südamerikanischen Länder hätten den Vorteil, daß alles noch unkomplizierter ist, daß auch ein einfacher Mann als Handwerker oder Kaufmann reüssieren kann. Das ganze europäische Leben sei dagegen schon durch die Menge von Gesetzen viel komplizierter. Die Währung von Peru war früher sehr hoch, so daß es eines der teuersten Länder war. Dann ist die Währung zurückgegangen. Früher war ein Sol. gleich 1,80 M heute ist 1,80 gleich 3— 3V2 Sol. Trotz des Zurückgehens der Währung ist das Leben nicht teurer geworden, sondern billiger. Die Leute haben nicht mehr Geld genug, hohe Mieten zu bezahlen. Die Regierung ist bemüht, die innere schwebende Schuld irgendwie zu konsolidieren, was umso leichter wird, da zurzeit die Hauptexportartikel, Baumwolle und Erze, wiederum gestiegen sind. Peru sei in einer besonders glücklichen Lage, da es mehr exportiert als importiert. Die Zuckerpflanzungen seien nicht mehr konkurrenzfähig und deshalb sehr zurückgegangen. An Transportmöglichkeiten beständen einige Querbahnen, die ins Innere hineingehen. Längsverbindungen erfolgten mit Dampfer und Flugzeug. Das eigentliche Peru, der größere Teil, der östlich der Kordilleren liegt, ist noch ziemlich unerschlossen. — Ende Juni 1 9 3 5. Infolge besserer Baumwollpreise und steigender Ausbeutungsmöglichkeiten von Gold und Silber hat sich die Kaufkraft der Bevölkerung im Laufe von 1934 gehoben, wenn auch die wichtigsten Zuckerpreise noch schlecht sind. Die Wirtschaft befindet sich in aufsteigender Entwicklung. Die Staatsfinanzen haben sich noch nicht wesentlich gebessert, doch gehen Zahlung von Gehältern und innerer Schuldendienst glatt. Die Frage der Bezahlung der kurzfristigen ausländischen Forderungen ist noch offen. Die Währung ist stabil geblieben, sie hält sich in der Parität unter dem Dollar und wirkt als Einfuhrschutz und Exportprämie. (Deutscher Wirtschaftsverband für Süd- und Mittelamerika.) Aus einem Briefe aus Lima vom Januar führen wir an: Die wirtschaftliche und finanzielle Lage Perus ist z. Zt. ziemlich zufriedenstellend, da das Land eine Anzahl wichtiger Rohstoffe produziert, die infolge der langsamen Erholung des Weltmarktes guten Absatz finden. Es handelt sich hauptsächlich um Petroleum, Rohbaumwolle, Schaf- und Alpaccawolle, Erze, Häute, Rohkaffee usw. Peru ist trotz der internationalen Wirtschaftskrise bisher ohne jegliche Devisenkontrolle ausgekommen und gehört zu den Ländern, die bei weiterer Besserung der Rohstoffpreisc sehr rasch sich erholen werden und eine günstige Zukunft vor Augen haben. Das augenblickliche Verhältnis der peruanischen Währung zu den hauptsächlichen Weltmarktdevisen ist für den Ex- und Import des Landes günstig; hinzu kommt eine vorsichtige Devisenpolitik der peruanischen Zentralbank. Durch öffentlichen Bau von Straßen, die von der Küste ins Innere führen, schreitet der Aufschluß des Landes gut vorwärts. 70