Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 68 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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es aus seinem Schlafe aufzuwecken, und es wird wohl noch einige 20 Jahre dauern, bis man von einer wirklichen Entwickelung sprechen kann. Um wieder auf meine eigenen Verhältnisse zurückzukommen, so muß ich Ihnen mitteilen, daß es mir bisher trotz größter Anstrengungen noch nicht gelungen ist, ein Zimmer eu finden, das meinen Verhältnissen entspricht. Eine Familie nahm mich vorübergehend bei sich in der Pension auf, wo ich mit den Kindern zusammen schlafe, das ist aber auch nur eine vorübergehende Lösung, aber es ist zu schwer, für billiges Geld etwas zu finden. Herr H. hat sich in dieser Beziehung für mich bemüht, bisher aber leider auch erfolglos. Sie können sich denken, daß mit den geringen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, ich ganz besonders darauf sehen muß, ein billiges Zimmer zu finden, was hier so ziemlich unmöglich ist. Ich hoffe, durch die Bemühungen des Herrn H. in allernächster Zeit Arbeit zu finden, und habe auch schon verschiedenes angeknüpft, allerdings ohne einstweiligen finanziellen Erfolg. Allerdings soll es auch nicht heißen, daß es hier aussichtslos ist. Auf jeden Fall ist hier mehr Aussicht als in Europa, und ich glaube, daß es mir schon gelingen wird, in absehbarer Zeit wenigstens eine bescheidene Position aufzubauen. Oktober 1934 wurden Mitteilungen über die Aussichten für Ingenieure gemacht, sie wurden als schlecht bezeichnet, dagegen eröffneten sich durch die Bautätigkeit Chancen. „ . . . Als Ingenieur ist die Aussicht, einen Posten von dort aus nach hier zu bekommen, sehr, sehr gering, denn hier geht das Anstreben nach Ausschaltung der ausländischen Ingenieure immer stärker vorwärts, dies deshalb, weil eine ganze Masse hiesiger Ingenieure ohne Stellung ist. Andererseits wird gerade hier in Bogota sehr viel gebaut, und fast sämtliche Installationsgeschäfte sind dadurch sehr gut beschäftigt. In diesem Beruf ist allenfalls Aussicht, sich selbständig zu machen, besonders auch außerhalb Bogotas, in anderen Teilen des Landes." Paraguay 1933—34. Von einem gelegentlichen Mitarbeiter. Paraguay ist die zweitkleinste unter den Bepubliken Südamerikas. Es ist aber immerhin noch 21 mal so groß wie Belgien. Seine Wirtschaft ist verhältnismäßig zurückgeblieben. Paraguay hat keine Meeresküste. Es betreibt seinen Export und Import nach und von Uebersee durch Uruguay und ganz besonders über Argentinien (Buenos Aires), mit dem es verkehrsmäßig durch den Paraguay- und Paranafluß in Verbindung steht. Diese Verhältnisse bedingen auch eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit Paraguays von Argentinien, soweit der Außenhandel in Frage kommt. Der paraguayische Peso ist auf den argentinischen abgestimmt. Grundlage der Wirtschaft Paraguays ist die einheimische Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Viehzucht. Alle drei werden im allgemeinen noch auf primitiver Stufe betrieben. Da bei den vielfach sehr schlechten Verbindungen die geschlossene Hauswirtschaft vorherrscht, genügen Einzelwirtschaft und Land in vielem sich selbst. Der Krieg mit Bolivien im Chaco, der seit August 1932 angedauert hat, fügte der Wirtschaft Paraguays natürlich viel Schaden zu. So sank der paraguayische Peso von 7. 2. pf. im Juli 1931 auf 3 pf. im Januar 1935. Es setzte eine schleichende Inflation ein. Der Krieg hat zur Folge gehabt, daß er die paraguayische Wirtschaft zwang, sich stark auf sich selbst zu besinnen und neue Hilfsquellen auch dort zu erschließen, wo sie bisher noch nicht flössen. Es würde auf diese Weise ein Entwicklung fortgesetzt werden, deren Anfänge sich schon vor dem Kriege zeigten. Kürzlich wurde in Paraguay ein eigenes Wirtschaftsministerium ins Leben gerufen. Es hat unter anderem die Aufgabe, schon jetzt Sorge für den Aufbau der Nachkriegswirtschaft zu tragen. Auch mit einer Belebung des Außenhandels ist nach dem Kriege zu rechnen. Unter den Kunden und Lieferanten Paraguays war bis in die letzte Zeit auch Deutschland. Paraguay hat ein Klima, das im allgemeinen, von Teilen des Chaco abgesehen, gesund ist und den Subtropen entspricht. Es gedeihen alle Citrusfrüchte (Apfelsinen, Mandarinen und Grapefruit) und Obstsorten, ferner Wein, Zuckerrohr, Tabak, Baumwolle, Mandioka, Mais, Beis, Yerba-Maté, und selbst Bananen. Versuche mit Weizen, die unlängst angestellt wurden, glückten. Für den Export kommen Baumwolle, Tabak und Citrusfrüchte in Betracht. Tabak wird aber nur in den schweren Sorten erzeugt, die dem Geschmack des europäischen Bauchers nicht immer entsprechen. Einen guten Binnenabsatz fand in den letzten Jahren der paraguayische Wein, da Weine aus Chile und Argentinien infolge Valutaschwierigkeiten nicht eingeführt werden konnten. Von den Produkten, die aus den ausgedehnten Urwäldern des Landes gewonnen werden, sind die Harthölzer und unter ihnen das sogenannte Quebracho, sowie der aus diesem gewonnene Gerbeextrakt, das Tannin, für den Export wichtig. Die Harthölzer dienen hauptsächlich als Schwellen für den Bahnbau. Da auch sonst Holz im Ueberfluß vorhanden ist, kann der eigene Verbrauch gedeckt werden. Die meisten Möbel werden im Lande selbst erzeugt. An tierischen Produkten werden Fleisch und Fleischkonserven erzeugt und zum Teil auch ausgeführt und daneben Häute. Fertiges Leder wird jedoch importiert. Das Siedlungswesen wird von der Regierung gefördert. Die Siedlerarbeit in Paraguay ist hart. Diejenigen sind ihr nur gewachsen, die selbst aus kleinbäuerlichen Kreisen stammen. Der Siedler, der ganz von vorne anfängt, muß damit rechnen, daß er auf 2 bis 3 Jahre Kapital zusetzen muß. Auch dem bescheidensten Kolonisten entstehen in dieser Zeit unvermeidliche Kosten. So kann er das Roden des Urwalds auf seinem Grundstück kaum allein besorgen. Auch zum Hausbau braucht er Arbeitskräfte. Milchwirtschaft kann nach 2 Jahren schon Erträge abwerfen. Gut läßt sich in den Siedlungen auch die Bienenzucht an. Mandioka und Mais werden für den eigenen Gebrauch als Nahrung und auch als Viehfutter verwendet. Die Industrie Paraguays ist schwach entwickelt. Sie beschränkt sich meist auf die Verarbeitung der einheimischen landwirtschaftlichen Produkte. Es gibt Mühlen, Fleischkonservenfabriken, eine Brauerei, Zigarren- und Zigarettenfabrik, Sägewerke, Möbeltischlereien und eine Streichholzfabrik, sowie Papier- und Kerzenfabrikation, schließlich Schuhindustrie. Paraguay. Wir geben den Text einer uns im Februar 1935 als Erklärung aus offizieller Quelle übermittelten Nachricht über die Bedingungen der Einwanderung nach Paraguay nachstehend wieder: Die Emigranten, die die Absicht haben, sich nach Paraguay zu begeben, aus den Bestimmungen des Einwanderungsgesetzes Nutzen ziehend, müssen vor ihrer Abreise aus Europa mit den folgenden Papieren versehen sein: 1. Identitäts-Karte mit Photographie und Fingerabdrücken, die das Siegel des Amtes trägt, das das Dokument ausgegeben hat, und legalisiert durch das paraguayische Konsulat des Herkunftsortes oder, wenn kein Konsulat an dem Orte existiert, durch das nächste paraguayische Konsulat. 2. Zeugnis guter Führung, ausgestellt durch die Gerichts¬ oder Polizei-Behörde des Ortes, woher der Emigrant kommt, das bezeugt, daß die in Frage stehende Person einen guten Ruf genießt, daß sie im Laufe der letzten 5 Jahre keine Verurteilung für ein Delikt erlitten hat, das gegen die öffentliche Ordnung verstößt und eine entehrende Strafe nach sich zieht, und außerdem, daß sie sich nicht der Bettelei ergeben hat. 3. Ein Zeugnis — ausgestellt durch die Gerichts- oder Gemeinde-Behörden des Herkunftsortes des Emigranten auf der Grundlage der Erklärungen zweier geeigneter Nachbarn — das besonders bezeugt, daß der Emigrant ein Ackerbauer oder ein Handwerker ist. 4. Ein ärztliches Zeugnis, das bestätigt, daß der Auswanderer nicht von einer ansteckenden Krankheit befallen, noch erblich belastet ist (legalisiert durch die lokalen Behörden). Die Taubstummen, Blinden, Invaliden, die einen oder beide Arme verloren haben, ein oder beide Beine, Paralytiker, Epileptiker, Personen, die schwachsinnig oder geistesgestört sind; alleinstehende Frauen, die Kinder von weniger als 10 Jahren haben, Personen von mehr als 50 Jahren, die nicht Familienhäupter sind, können 68