Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 67 (sequence 69)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492417-9587701-10032093--566-9587770
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Kolumbien. E i il w a n d e r h ii g s b e s t i m m u n g e h Es ist ein Führungszeugnis, ärztliches Attest und Impfschein erforderlich. Das Visum kostet auf 1 Monat einen halben Dollar, auf 6 Monate zwei Dollar. Es ist ein Landungsgeld für Deutsche und Nicht-Deutsche von Kolumbianischen $ 100,— erforderlich. Von der Beibringung des Landungsdepots sind bestimmte Kategorien befreit, u. a. Passagiere, die im Besitz eines von einem kolumbianischen Konsulat beglaubigten Arbeits- oder Anstellungsvertrages sind, Touristen, Durchreisende, Handelsvertreter. Staatenlose werden nach Auskunft des Konsulats nicht aufgenommen. Durch ein Dekret vom 28. Januar 1935 beschränkte die Kolumbische Regierung die Einwanderung gewisser Staatsangehöriger. Für 1935 setzt das Dekret die Zahl der Immigranten folgender Nationalitäten auf 5 fest: Armenier, Bulgaren, Chinesen, Aegypter, Estländer, Inder, Lettländer, Marokkaner, Palästinenser, Perser und Türken. Die Quote ist festgesetzt auf 10 für: Griechen, Libanesen, Rumänen, Russen und Syrier und für Polen auf 20. Einwanderer dieser Nationalitäten müssen bei ihrem Eintritt in Kolumbien im Besitze eines speziellen Visums vom Minister für auswärtige Angelegenheiten sein und müssen auch 200,— Pesos hinterlegen, die ihnen zurückgegeben werden, wenn sie Kolumbien verlassen oder nach zweijährigem Wohnsitz im Lande. Das Dekret sieht jedoch vor, daß die folgenden Klassen solcher Immigranten nichts zu hinterlegen brauchen: Diejenigen, welche, nachdem sie ihren Wohnsitz in Kolumbien aufgeschlagen und dort über fünf Jahre gewohnt haben, nach einer Abwesenheit von nicht mehr als 3 Jahren zurückkehren; diejenigen, die gleicherweise ihr Domizil aufgeschlagen haben, aber in Kolumbien nur 3 Jahre gewohnt haben und nicht länger als 1 Jahr abwesend waren, und die Gatten oder Frauen und Kinder unter 18 Jahren von Einwanderern, die in Kolumbien über 1 Jahr gewohnt haben. — Wir haben über Kolumbien im vorigen Korrespondenzblatt sehr ausführlich berichtet. Wir beschränken uns darauf, einige Ergänzungen zu geben. Die Fortschritte, die das Land macht, sind aus folgenden Mitteilungen des Deutschen Wirtschaftsverbandes für Süd- und Mittelamerika vom September 1934 und März 1935 ersichtlich: Erwähnung verdient die in den letzten Jahren durchgeführte Fertigstellung von zirka 1700 km Landstraßen, die Beendigung wichtiger Eisenbahnlinien, der Ausbau der Häfen von Buenaventura und Cartagena, der Bau zahlreicher öffentlicher Gebäude, die Inangriffnahme der neuen Wasserleitung von Bogota und die Fortsetzung der Arbeiten zur Vertiefung der Magdalena-Mündung, um großen Seeschiffen das direkte Anlaufen von ßarranquilla zu ermöglichen. Diese Arbeiten haben nicht nur der Wirtschaft eine Belebung gebracht, sondern sind auch für die künftige Entwicklung des Landes von größter Bedeutung.-- Das Inlandsgeschäft hat seit Beginn des Jahres 1933, vorallem aber nach Einsetzen der Pesoentwertung, einen überraschenden Aufschwung genommen. Die Erhöhung des Geldumlaufes ermutigte wieder zu neuen Geschäften, und das langsam wieder einkehrende geschäftliche Vertrauen förderte vor allem die Kreditwilligkeit der Geldinstitute, die im Hinblick auf die wieder einsetzende Rentabilität alter und neuer Unternehmungen der nach Betriebsmitteln hungernden Wirtschaft die benötigten Kredite zur Verfügung stellten. Nicht nur die Industrie, sondern auch die Landwirtschaft und der Handel im allgemeinen konnten sich dank den ihnen zufließenden Geldern aufs neue entfalten und mit Gewinn arbeiten, bei allem darf aber nicht vergessen werden, daß dieser Wirtschaftsaufstieg in erster Linie eine Folge der Geldentwertung ist und eine dauerhafte, auch den Außenhandel begünstigende Besserung der Gesamtlage nur dann zu erwarten ist, wenn es gelingt, nicht nur in entwerteten Papierpesos, sondern vor allem in Gold, bezw. in Devisen erhöhte Einnahmen zu erzielen. Erste Voraussetzung hierfür ist die Erhöhung der Kaffeepreise. — Die allgemeine Geschäftslage steht laut Mitteilung der Deutschen Antioquia Bank auch weiterhin im Zeichen der schon seit längerer Zeit vorherrschenden Lustlosigkeit, die ihre Ursache in der auf den niedrigen Kaffeepreis zurückzuführenden und vor allem das Importgeschäft hemmenden Devisenknappheit hat. Lebenshaltungskosten und Löhne (August 193 4.) Reichsstelle. Einer spanischen amtlichen Veröffentlichung werden folgende Angaben in kolumbischen Pesos (Goldpeso 1,35 M.) entnommen: Lebenshaltungskosten: Wohnung 10 Pesos, Kostgeld für einen Arbeiter 15 im Monat. Lebensmittel: Es kostet 1 Blechdose Oel 2, je 1 Pfund Reis, 0,12, Zucker 0,08, Nudeln 0,54, Kartoffeln 0,07, Mehl 0,10, Brot 0,10, Bohnen 0,12, Fleisch 0,15, Fisch 0,50, 12 Eier 0,25—0,35, eine Flasche Milch 0,06,Kohlen (1 Tonne) 12, Seife 0,32. Bekleidung: Es kostet 1 Anzug 30, Arbeitsanzug 15, Hut 5, Mütze 2, Schuhe 3, Pantoffeln 1, Alpargatas (landesüblicher Schuh aus Strohsohle mit Segeltuch) 0,50, Hemd 1, Unterhosen 0,50, Socken 0,30. Gehälter und Löhne bei 8stündiger Arbeitszeit: Angestellte 80 im Monat, Hausangestellte 5, Tagelohn für Handwerker 2, Minenarbeiter 1—2, Landarbeiter 0,30. In allen Berufen ist es schwierig, Arbeit zu finden. Briefe aus Kolumbien Im Oktober 1934 wurde in einem Schreiben an uns erneut auf Möglichkeiten in Kolumbien für landwirtschaftliche Betätigung hingewiesen: „ . . . Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß es sich der Mühe lohnen würde, hier von irgendeiner Seite den Anfang zu machen, denn gerade für die Leute, die zur Gründung einer Landwirtschaft ans Auswandern denken, ist hier ein eminent großes Feld geboten. Es werden vielleicht auch Ihrerseits meine Berichte als zu optimistisch angesehen. Es ist ganz natürlich, daß die Einordnung in fremde Länder und deren Sitten eine sehr schwierige ist, und ich habe deshalb immer wieder betont, daß nur absolut umstellungs- und anpassungsfähige Menschen ans Auswandern denken sollen . . ." Ende Februar 1935 sprach der Schreiber vorstehenden Briefes sich folgendermaßen aus: Gerade in letzter Zeit hatte ich auf verschiedenen Beisen ins Innere des Landes wiederholte Gelegenheit, die für die Anpflanzung von Getreide besonders geeigneten Gegenden zu besuchen. Das Klima in diesen Gegenden ist für Europäer durchschnittlich sehr gut, weil die Höhenlage meist zwischen 1500 und 1800 basiert. Der Absatz von Getreide ist ein außerordentlich guter in diesem Lande, weil verhältnismäßig noch sehr wenig gepflanzt, und noch eine sehr große Menge vom Ausland eingeführt wird, es wird bis jetzt alles, was geerntet wird, ohne jede Mühe abgesetzt, d. h. die Mühlen reißen sich um die Ernten. Um Ihnen eine kleine Andeutung zu geben, wie gut die Aussichten sind: Es wird z. B. auf einem kleinen Lot zirka 50 aroba Getreide gesät, das ist ungefähr 1 Zentner, die Ernten sind durchschnittlich bei dieser Quantität zirka 1000 Aroba oder 20 Zentner. Ein solches Lot ist zu kaufen für 500—1000 Pesos oder etwas mehr, je nach Lage und Bearbeitung. Das Wichtigste dabei ist, daß die Erde so reich ist, daß die Leute weder ackern, noch düngen, d. h. es wird einfach gesät und geerntet! In 2 Jahren rechnet man durchschnittlich mit 3 Ernten. Könnten sich nun mehrere Familien zusammentun und eine Ansiedlung gründen, so könnten sie von drüben gleichzeitig die Maschinen mitbringen und ihren Absatz ohne Zwischenhand finden d. h. ohne die Mühlen. Dazu kommt, daß in derselben Gegend noch sehr viel Freiland ist, das bis heute allerdings noch Urwald, aber nach und nach sehr leicht mitzubearbeiten ist. Bogota, Mai 193 5. Ich bin nun glücklich seit rund einer Woche hier in Bogota und will Ihnen schreiben, wie es mir bisher ergangen ist. Einreiseschwierigkeiten habe ich absolut keine gehabt und bin schon im Besitze der Aufenthaltsgenehmigung für 3 Jahre. Das ist aber auch das einzige Positive, was ich bis jetzt erreicht habe. Hier liegen die Verhältnisse besser als in Brasilien, weil hier nicht so viele Personen bisher angekommen sind, dafür sind aber sehr, sehr wenig Deutsche hier, die im Stande sind, für die Einwanderer zu "sorgen, sodaß es sehr schwierig ist, eine Position zu finden. Die Wirtschaftslage Columbiens hat sich während des letzten halben Jahres ganz bedeutend verschlechtert, und die Aufnahmefähigkeit des Landes scheint wohl erschöpft zu sein. Da Bogota viel zu klein ist, um noch mehr Einwanderern Brot und Arbeit zu geben, ist es bestimmt nicht zu empfehlen, noch mehr Leute nach hier zu schicken, denn wie gesagt, Bogota ist, wenn man von dem Eingeborenenviertel absieht, nicht größer als Haarlem, und Columbien selbst ist noch nicht aufgeschlossen. Das Land ist fast ein Paradies und besitzt alles, um eine große Kultur zu entwickeln, aber keiner hat hier ein Interesse daran, 67

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.