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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 66

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 66 (sequence 68)
Language
German
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welche jetzt größtenteils in den Salpeterwerken, Kupferminen, LanÄwirschaft momentan zur Ernte untergebracht sind, außerdem herrscht im Bauwesen vorübergehend rege Arbeit. Ergänzend teilte derselbe Korrespondent im April 1935 mit: Ich möchte nochmals wiederholen, daß ganz entschieden von einer Einwanderung nach Chile abzuraten ist, wenn nicht mindestens dem Auswanderer etwa am. $ 150,— bis 200,— bei der Landung hier zur Verfügung stehen, eine bescheidene Pension kostet für einen jungen Menschen etwa $ (Pesos) 250,—■ incl. Wäsche und Bad also etwa BM 30,— monatlich. Momentan sind seit einiger Zeit keine Stellen zu beschaffen und einige Herren leider ohne Arbeit. — Santiago, Juni 193 5. Die einzige Chance, die noch geblieben ist, ist für Handwerker, Mechaniker mit etwas Kapital. Akademische Grade sind fast nicht zu erlangen. Allgemein gesprochen, ist die Billigkeit in Chile, von der ich hörte, bevor ich herkam, ein wenig überschätzt. Es ist wahr, daß unter Zugrundelegung von Pfunden oder Dollars das Leben hier billig erscheint, denn das, was man in London für eine Woche braucht, genügt fast, um hier einen Monat zu leben. Aber wenn man Pesos verdient, ist es eine andere Sache, abgesehen von den importierten Gütern, die einen Preis in fremder Währung erhalten und ebenso verzollt werden. Eine gewisse Chance sehe ich in der Errichtung von Industrien hier. Der nationalen Industrie geht es gut. Es sind noch viele Industriezweige offen, jedoch ist dazu Kapital nötig, und man muß immer bedenken, daß Chile nur 4 000 000 Einwohner hat. Ecuador. Einwanderungsbestimmungen Es ist ein ärztliches Attest, worin auch Impfung bescheinigt wird, sowie ein polizeiliches Führungszeugnis über die letzten 5 Jahre nötig. Es sind Vorschriften erlassen worden, daß zunächst 3/i ansässiger Personen angestellt werden; infolgedessen ist es für einen Einwanderer schwer möglich, eine Anstellung zu finden, wenn nicht spezielle Berufe von ihm ausgeübt werden, in denen man ihn benötigt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben durch den Sturz der Währung gelitten. Die Regierung Ecuadors hat das Abkommen über die gegenseitige Aufhebung des Sichtvermerkzwanges mit Wirkung vom 1. Juni 1935 ab gekündigt. Angehörige aller Länder benötigen jetzt für die Einreise nach Ecuador ein Visum. Die Gebühren hierfür betragen 3 $ RM 7.50 zuzüglich RM 1 für Stempelgebühren (polizeiliches Führungszeugnis, Gesundheits- und Impfbescheinigung je RM 0.50). Wirtschaftslage Ende 1934 Veröffentlichung des Statistischen Reichsamts: Weitere Besserungen der Wirtschaftslage infolge günstiger Ernteergebnisse und steigender Ausfuhr. Umsatzbelebung im Innern geringer als in der Küstenzone. Verbrauchsgüterindustrien im allgemeinen gut beschäftigt; Ersatz bisher vom Ausland bezogener industrieller Fertigwaren jedoch vor allem qualitativ noch unzureichend. Infolge höherer Ernteergebnisse (Kakao, Kaffee, Mais) und gebesserter Preise Kaufkraft gestiegen. Allmähliche Ueberwindung der Krisenfolgen. Ausfuhr der wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse (Kakao, Kaffee, Bananen, Reis) gegenüber Vorjahr stark erhöht. Auch übrige Ausfuhr bedeutend gestiegen. Einfuhr zunehmend und über Vorjahrsumfang. Preise für Kakao und Kaffee trotz Abschwächung noch über Vorjahrsstand; inneres Preisniveau weiter gestiegen. Aus einer Schrift des englischen Geschäftsträgers und Generalkonsuls in Quito ist Nachfolgendes wiedergegeben: Ecuador zeigt noch keine Zeichen der Erholung von der wirtschaftlichen und finanziellen Depression, die seit 1932 geherrscht hat, und neuerdings ist durch eine ernste Währungskrise die Lage noch mehr verschlimmert worden. Ecuadors hauptsächliche Schwierigkeiten entstehen aus dem Rückgang seiner landwirtschaftlichen Erzeugung, und alle anderen Symptome, wie das Darniederliegen privater Tätigkeit, ungünstige Handels-Bilanzen, Entwertung der Währung, erhöhte Lebenskosten und die Knappheit der Staatsfinanzen, sind nur Folgen der Reduktion der exportfähigen Erzeugung des Landes um mehr als 70 %>. Trotz der vielen ungünstigen Faktoren ist die allgemeine Lage keineswegs so ernst wie in gewissen anderen Ländern. Bisher lag keine Notwendigkeit vor, die Ecuadorianer mit bedrückender Steuer zu belasten, und die Arbeitslosigkeit ist ohne Bedeutung. Tatsache ist, daß Arbeitslosigkeit in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes in Ecuador nicht existiert. Die Arbeitslosigkeit betrifft nicht die landwirtschaftlichen oder industriellen Arbeiter, sondern Arbeiter von einem gänzlich verschiedenen Typ. Das ist die Mittelklasse, Kommis, Buchhalter usw. Die Landwirte klagen beständig über den Mangel an Menschen und gewisse Farmen müssen Arbeiter von entfernten Gebieten mit beträchtlicher Mühe und Kosten hinüberholen, um zur Erntezeit mitzuhelfen. Was die Fabriken anbetrifft, wenigstens in Quito und Nachbarschaft, so ist es oft der Fall, daß Orders aus Mangel an Arbeitern abgewiesen werden müssen, und die Bau- Industrie mußte die Löhne von Zinimerleuten, Maurern, Malern, usw. erhöhen, und selbst dann hat die Arbeit bei einer Anzahl von Bauten aufgeschoben werden müssen wegen Mangel an Arbeitskräften. Einer Veröffentlichung des Deutschen Wirtschaftsverbandes für Süd- und Mittelamerika vom Januar 1935 ist folgendes entnommen: Die Wirtschaft des Landes leidet seit geraumer Zeit unter den niedrigen Preisen, die für die Haupterzeugnisse Kakao und Kaffee — die großen Petroleumvorkommcn werden ziemlich isoliert von der Nationalwirtschaft ausgebeutet — erzielt werden. Die Eiträge aus diesen Produkten reichen nicht aus, um die hohe Belastung durch den Dienst der auf den meisten Fincas ruhenden Schulden aufzubringen. Die von den Großgrundbesitzern durchgesetzte liberale Kreditgewährung hat gewisse inflatorische Wirkungen ausgelöst. Die endgültige Sanierung wird umso größere Schwierigkeiten machen, als die Beziehungen zu den Auslandsgläubigern seit Jahren ruhen. Im umfangreichen Schwarzhandel mit Devisen wird der heutige Dollar mit 12 Sucres und darüber bezahlt. Laut einer Meldung vom Februar 1935 soll von der Regierung und der Studienkommission eines Pariser Komitees ein Kolonisationsvertrag abgeschlossen worden sein. Die für den Zweck zur Verfügung gestellten Ländereien sollen in verschiedenen Regionen des Landes liegen und ein Gebiet von insgesamt 485 000 ha. umfassen. Gegen ein solches Unternehmen wurden von erfahrener Seite erhebliche Bedenken geäußert im Hinblick darauf, daß bisher unternommene Siedlungen aus verschiedenen Gründen gescheitert sind. Dieselben waren nicht genügend vorbereitet, und es fehlten vor allem die Verbindungen zu den Siedlungs-Gebieten, deren Durchführung beträchtliches Kapital erfordert. Nach neueren uns zugegangenen Informationen ist die Nachricht vom Abschluß eines Vertrages nicht bestätigt. Aus einem Schreiben aus Guayaquil vom Juni 1 93 5. Die Möglichkeiten für Akademiker sind fast gleich Null, es sei denn für Ingenieure, die hier noch Stellungen finden könnten. Für Mediziner sind kaum Avissichten vorhanden. Ich halte es nach meinen Erfahrungen für so gut wie ausgeschlossen, daß etwaige noch kommende Aerzte Examina machen könnten. Soweit die Akademikerfrage. — Möglichkeiten für Kaufleute gibt es noch, ganz besonders, wenn die Betreffenden mit neuen guten Ideen kommen. Es ist m. E. dabei nicht einmal erhebliches Geldmaterial nötig. Technisch-kaufmännische Berufe haben m. E. noch bessere Aussicht, als alles andere. — Einreise ist für Deutsche ohne jede Schwierigkeit, und Visumerteilung war bis zum 1. Juni sogar kostenlos — ab 1. Juni kostenpflichtig. Stellung einer Kaution nicht erforderlich. Niederlassungsschwierigkeiten entstehen nicht, die Behörden, soweit sie überhaupt für Niederlassungen in Frage kommen, sind außerordentlich entgegenkommend. Das Klima ist ausgesprochenes Tropenklima, jetzt beginnender Sommer mit 30 ° im Schatten Durchschnittstemperatur, früh und abends Abkühlung, Winter sehr heiß (etwa 35 °), tropischer Regen, aber für jüngere Europäer in gesunder Verfassung durchaus erträglich. — Mit der Landwirtschaft ist es hier so, daß es fast ausschließlich nur große Hacienden und Fundos (Güter) gibt, auf denen Peone, Indios (Tagelöhner) unter klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen arbeiten, die kein Europäer auch bei bescheidensten Ansprüchen aushalten würde. Der Boden ist außerordentlich schwer zu bearbeiten und nur für wenige Dinge besonders ertragreich. Außerdem sind landwirtschaftliche Produkte außerordentlich billig, so daß sich nur ganz große Güter rentieren. — 66

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