Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 64 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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Europa resp. im Auslände engagierte Arbeitskraft nicht durch eine chilenische ersetzt werden kann (z.B. Monteure neuer Maschinen usw.). Ausnahmen: Es wird unter Umständen die Einwanderung gestattet, wenn ein Kapitalnachweis erbracht wird in Höhe von mindestens RM 10 000. - und glaubwürdig nachgewiesen wird, daß mit diesem Vermögen eine neue Industrie gegründet wird. Eine weitere Ausnahme wird bei entsprechendem Kapitalnachweis für Landwirte gemacht, welche imstande sind, sich drüben ein landwirtschaftliches Gut zu kaufen und schon dadurch in der Lage sind, weiteren Chilenen Arbeit zu geben. Dies ist, in groben Zügen, ein Auszug aus den neuesten Bestimmungen, die Neueinwanderung nach Chile bei reifend. Vorstehenden Angaben stehen Mitteihmgen gegenüber, die von einem anderen chilenischen Konsulat gemacht worden sind. Danach wurde die Höhe des Kapitalnachweises auf RM 5000,— beziffert, im Zweifelsfalle habe das Konsulat die Anweisung, sich per Kabel an die Regierung zu wenden. Wirtschaftslage Aus den Publikationen des „Deutschen Wirtschaftsverbandes für Süd- und Mittelamerika", Sept. 1934 bis März 1935: Der Inlandsverbrauch hat durch die allmählichen Lohnerhöhungen und durch Abnahme der Arbeitslosigkeit einen Auttrieb erhalten. Die Verkäufe in den Warenhäusern Santiagos erhöhten sich wert- und mengenmäßig um über 20 °/o. Die Erzeugung in der nationalen Fertigwaren-Industrie ist stetig. Mit wesentlich gesteigerter Produktion arbeitet eine Reihe von Industrien: Zement, Koks, Teer, Seife, Strickwolle, Tuche, Papier, Zucker, Gas und Elektrizität. Unter normal liegt noch die Erzeugung bei der Glas-, Karton-, Schuh-, Bier- und Tabakindustrie. Die Bergwerksproduktion im Oktober 1934 war genau doppelt so groß wie die des gleichen Monats 1933 und dreimal so groß wie 1932. Die Kupferproduktion hat sich von 16 000 t im Januar 1934 auf 24 000 t im September erhöht. Die Eisenproduktion belief sich in den ersten 9 Monaten 1934 auf 8t3 000 l gegen 342 000 t im Vorjahr. Die Kohlenförderung stellte sich in der gleichen Zeit auf 1 237 000 t gegen 1 129 000 t im Vorjahr. An Gold wurden in dieser Zeit 5076 kg erzeugt gegen 3057 kg im Vorjahr, an Silber 6651 kg gegen 3076 kg. Ueber die Salpeterproduktion liegen keine Angaben vor; ausgeführt wurden während der neun Monate 959 000 t gegen 319 000 t im Vorjahr, an Jod 324 t gegen 32 t. Die Erzeugung in den nationalen Industrien ist weiterhin steigend. Besonders erwähnenswert ist die Steigerung in der Zementindustrie, der Glas-, Papier-, Seifen-, Tabakindustrie und den Brauereien. Bemerkenswert ist auch der Anstieg im Baugewerbe; die Voranschläge für Neubauten, die von neun Stadlverwallungen genehmigt worden sind, beziffern sich auf 105 Miß. g gegen 39 Miß. $ im Vorjahr. Die starke Zunahme der Bautätigkeit und die erhöhte Beschäftigung in Industrie und Bergbau brachte einen wesentlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit mit sich; linde September wurden noch 23 300 Arbeitslose gezählt gegen 64 200 Ende September 1933. In den ersten 10 Monaten von 1934 wurden an Löhnen etwa 20 °/o mehr gezahlt als in der gleichen Zeit von 1933, und da in der Lohnhöhe inzwischen keine nennenswerte Aenderung eingetreten ist, darf man aus dieser Zunahme der gezahlten Löhne schließen, daß ein beträchtlicher Teil der in 1933 Arbeitslosen inzwischen Beschäftigung gefunden hat. Die Produktion fast aller Fabrikbetriebe ist im Steigen begriffen, der Bergbau ist gut beschäftigt. Die Salpeterausfuhr des letzten Halbjahres übertraf die vorjährige um rund 70%. Die Bautätigkeit nimmt einen bemerkenswerten Aufschwung; in den ersten 9 Monaten machte der Wert der erteilten Bauerlaubnisse 105 Mill. Pesos aus, d.h. 168% mehr als in der gleichen Zeit 1933. (Januar 1935). Die Controlaria General de la Republica hat den Abschluß des chilenischen Staatshaushaltes für das Jahr 1934 veröffentlicht. Danach betragen die Gesamteinnahmen 1043 Mill. Pesos, die Gesamtausgaben 975 Mill. Pesos; es ergibt sich demnach ein üeberschuß von 68 Mill. Pesos, der dazu benutzt werden soll, um die 25 %ige Gehaltserhöhung für die Staatsangestellten, das Heer, die Polizei und die Marine zu finanzieren. Die Mehrausgaben auf Grund dieser Gehaltserhöhung werden auf etwa 65 Mill. Pesos veranschlagt. Die Eingänge des Jahres 1934 übertrafen diejenigen des Jahres 1933 um rund 97 Mill. Pesos. (März 1935). Deutscher Wirtschaftsverband für Süd- und Mittelamerika Juni 193 5. Wirtschaftlicher E ortschritt. Ueber die wirtschaftlichen Fortschritte Chiles im letzten Jahre äußerte sich der hiesige chilenische Generalkonsul Cruchaga Ossa folgendermaßen: Nach einer schweren Wirtschaftsdepression, die 1929-—1932 ihren Gipfelpunkt erreichte, erlangt Chile wieder seine Arbeits- und Produktionstätigkeit zurück und geht einer neuen Blütezeit entgegen. Die letzten chilenischen Statistiken zeigen in klarer Sprache diese Erholung. Das Problem der Arbeitslosigkeit ist gelöst, sodaß in Kürze die Arbeitslosenhilfe ein gestellt werden kann. Dieser Erfolg ist vor allem den öffentlichen Arbeiten. Wege- und Eisenbahnbauten usw. zu verdanken, sowie dein (leset/, vom Dezeinher 1933, durch das die bis Ende 1935 ausgeführten Bauler. von allen Abgaben befreit sind; hierdurch erhielt die Bautätigkeit, namentlich in Santiago, Valparaiso und Vina del Mal einen starken Auftrieb. Auch der Bergbau entwickelte sich günstig. In 1934 wurden in Chile 7427 kg Gold produziert 67% mehr als 1933; an Kupier 247 720 t 58% mehr; an Kohlen 1 807 000 t, eine noch nie erreichte Menge. Auch die Salpeterproduktion hat zugenommen. Die Nationalindustrie steigert ihre Erzeugung um 9%. In 1934 wertete die Ausfuhr 486 Mill. $ (Pesos) Gold (i. V. 344 Mill.) und die Einfuhr 214 Mill. Gold (182 Mill.). Die Exportsteigerung betraf besonders landwirtschaftliche und Viehzucht-Produkte (Zunahme 37%). die Importsteigerung Webwaren, industrielle Maschinen und Geräte, während die Einfuhr von chemischen Erzeugnissen und Nahrungsmitteln zurückging. Industriearbeiter-Löhne (Febr. 1935). Aus Publikationen der Reichsstelle. Nach Angabe des chilenischen Arbeilsamtes werden nachstehende Tagelöhne gezahlt: Schuhfabriken von 3,50 bis 22,— Pesos, Möbelfabriken von 4,— bis 20,— Pesos, Metallindustrie von 6,— bis 23,— Pesos, Lederindustrie von 6,— bis 14,— Pesos, Tabakindustrie von 4.50 bis 26,— Pesos, Kerzenfabrikation von 6,— bis 14,— Pesos, Seifenfabrikation von 4,— bis 24,— Pesos, Parfümeriefabrikation von 2,50 bis 19,— Pesos, Chemische Industrie von 4,— his 30,— Pesos, Keks und Konfitüren von 6,— bis 22,— Pesos, Druckereien von 0,60 bis 4,— Pesos (Stundenlohn). Lage der deutschen Arbeiter und Angestellten (Ende 1934) Tüchtige und unternehmende Handwerker haben es im allgemeinen bald zu einem selbständigen Geschäft gebracht, so z. B. die zahlreichen deutschen Schlächterläden und Wurstmachereien, die deutschen Installationsgeschäfte, deutsche Schuhmacher. Sattler. Schneider, Mechaniker usw. Soweit die Handwerker sich nicht selbständig gemacht haben, befinden sie sich in Stellungen innerhalb der chilenischen nationalen Industrie als Vorarbeiter, Meister usw. Immerhin liegt der Lebensstandard der deutschen Handwerker durchweg unter dem der mittleren deutschen Angestellten. Eine Besserung kann der einzelne nur erreichen, indem er sich selbständig macht und durch Tüchtigkeit und besonderen Fleiß sich durchsetzt. Stellungslose deutsche Angestellte gibt es augenblicklich kaum noch. Die wirtschaftliche Lage des großen Durchschnitts ist allerdings, im Vergleich zu den Vorkriegsjahren, gedrückt, weil die Gehälter trotz des Währungsverfalles nicht gestiegen sind. Die Sonderstellung, die der deutsche Angestellte, wie überhaupt der Ausländer, in Chile einnimmt, macht es nötig, für Wohnung und Kleidung einen verhältnismäßig hohen Anteil des Gehaltes auszugeben. Die Möglichkeiten des Vorwärtskommens sind wegen des Stagnierens der deutschen Handelsfirmen in Chile nur sehr gering. Allgemein steht man hier unter dem Eindruck, daß der Nachschub aus Deutschland abgestoppt ist, weil nur noch wenige deutsche Firmen Angestellte von Deutschland bringen können, wegen der damit verbundenen hohen Kosten, und weil die schlechte chilenische Währung für junge Leute in Deutschland kein Anreiz ist. Viele Firmen gehen seit einiger Zeit dazu über, in Chile geborene deutschstämmige junge Leute aufzunehmen, um sich den nötigen Nachwuchs zu schaffen. Geringe Aussichten für technische Akademiker Bericht eines technischen Akademikers vom Herbst 1934. „Durch seine langgestreckte Lage von Norden nach Süden auf 4000km und die dadurch bedingte Mannigfaltigkeit in Klima und Bodenformation besitzt Chile so gut wie alles, teils in natürlichem Vorkommen (wie Salpeter, Erze, Kohle, Zement-Erde, Petroleum usw.), teils in den Möglichkeiten der Landwirtschaft (Wein, Weizen, Oelsaaten, Viehzucht, Zuckerrüben). Außer an Salpeter ist aber in allem nicht ein solcher Ueberfluß vorhanden, wie z. B. in Bolivien an Erzen, in Argentinien an Viehzucht. Abgesehen von bestehenden größeren Fabriken (Textil, Bier, Zucker usw.! wirkt sich die fortschreitende Industrialisierung in Kleinbetrieben aus. Dafür herrscht aber das Bestreben, jedem größeren 64