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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 57

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 57 (sequence 59)
Language
German
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Examen de Ingreso (das Aufnahmeexamen zum Universitätsstudium) ganz oder teilweise erlassen würde. Dieses Aufnahmeexamen, das in spanischer Sprache abzulegen ist, bezieht sich auf argentinisches öffentliches Recht, argentinische Geschichte, Weltgeschichte, argentinische und spanische Literaturgeschichte und Philosophie. Die Anforderungen, die in diesem Aufnahmeexamen gestellt werden, sind sehr hoch, da der Andrang von Argentiniern zum juristischen Studium sehr groß ist und eingeschränkt werden muß. Die Aussichten für Juristen können in Anbetracht des großen Anwachsens der einheimischen Bewerber nicht als günstig bezeichnet werden. Naturalisation ist nicht Voraussetzung für Ablegung der Examina und auch nicht für die Ausübung der Anwaltspraxis. Der naturalisierte Argentinier ist dem gebürtigen völlig, auch tatsächlich, gleichgestellt. Die Kosten des Studiums und der Examina belaufen sich auf etwa § 3000,— (Pesos). Das sind die reinen Kol].- und Examenskosten; dazu kommen natürlich noch Anschaffungskosten für die notwendige Literatur usw. Keine Besserung des Arbeitsmarktes November 19 3 4 „Im Augenblick übersteigen in allen Berufen die Arbeitskräfte noch die Nachfrage. Wie sieh nun aber die Lage am Arbeitsmarkt weiter gestaltet, hängt von der Zukunft und insbesondere davon ab, ob die gegenwärtig auf ausländischen Waren liegenden hohen Zölle bestehen bleiben. Wir können nach bestem Wissen niemand raten, in der gegenwärtigen Zeit nach hier auszuwandern, zumal der junge Kiiiwanderer, der die Sprache nicht beherrscht und des Landes unkundig ist, nur die Zahl der Arbeitslosen vermehren würde: er läuft Gefahr, moralisch zu Grunde zu gehen. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, hat auch die argentinische Begierung die Einwanderung stark beschränkt, bezw. sozusagen unterbunden. Diese Mitteilung widerlegt die Annahme, daß sich die in letzter Zeit eingetretene leichte Besserung der wirtschaftlichen Lage in Argentinien alsbald auf den Arbeitsmarkt auswirken werde." Aussichten für Kaufleute. Dezember 1 934. Die Aussichten für Kaufleute sind im allgemeinen sehr ungünstig. Wenn es bisher gelungen ist, den Einen oder Anderen in einer kaufmännischen Stellung unterzubringen, so waren es stets ganz junge Leute, die sich mit dem kleinsten Posten bei ganz bescheidenem Einkommen zufrieden gaben. Es war aber bisher noch nicht möglich, auch nur einem Kaufmann über 30 Jahre eine Stellung zu verschallen, weil keine Firma einen Mann in diesem Alter ohne Kenntnis der Verhältnisse und Sprache des Landes seinen Vorkenntnissen und Erfahrungen entsprechend beschäftigen und entlohnen kann. Das Jewish Refugees Committee in London machte bezüglich der Berufskategorien, die seinen Informationen nach die meisten Aussichten in Argentinien haben, im Februar 1935 folgende Angaben: Mechaniker, Textil-Spezialisten, Weber, Uhrmacher, Zimmerleute, Lackierer, Schlosser, Gerber, Spezialisten in der Herstellung von Glas- und Chinawaren, Böttcher, Photo-Gravenre. Brief vom März aus Buenos Aires. Auch das, was jeden, der in Europa emigriert, bedrückt, nämlich die Ausnahmegesetzgebung der einzelnen Länder, betr. Verrichtung von Arbeit durch Fremde, fällt hier ganz weg, da der größte Teil der Bevölkerung von Buenos Aires sich aus Ausländern zusammensetzt. Dieses Völkergemiseh linde ich sehr interessant, vor allem ist es hier ein leichtes, sämtliche Sprachen der Welt zu lernen, was ich mir zwar nicht vorgenommen habe, aber wenn es meine Zeit einmal erlaubt, werde ich doch noch die eine oder andere Sprache dazulernen. In der Pension, in der ich bin, sind außer mir z. B. noch ein Franzose, mehrere Engländer, ein Spanier und ein Argentinier. — Ich gewöhne mich ziemlich schnell an die Sprache, verstehe 90 °/o, spreche aber erst 50 0/0. Aber das wird schon kommen, davor habe ich die wenigste Sorge. Wie ich hier in der Zeitung las, bat die Arbeitslosigkeit in Holland nicht abgenommen, sondern ist eher gestiegen. Dagegen ist hier die Wirtschaftslage, wenn auch nicht gerade rosig, so doch in aufsteigender Linie begriffen. Das bewirkt einen ziemlich starken Zustrom von Emigranten aus allen Ländern Europas, vor allem aber aus Deutschland direkt, der nicht ganz absorbiert werden kann. Immerhin habe ich bisher festgestellt, daß jeder, der arbeilen will, dazu Gelegenheit hat, sei es, daß er auch mal 2 Monate auf Arbeit warten muß. Ich denke, daß Sie das, im Hinblick auf einen oder anderen Huer Bekannten, interessieren könnte, denn die Aussichten im alten Europa beschaue ich gleich Null. — In einem Schreiben vom Juni 1935 wird aus Argentinien mitgeteilt, daß es in den Städten Argentiniens soviel Arbeitslose -übe wie in Europa. Es sei davor zu warnen, ohne gute Beziehungen oder Kapital dorthin zu kommen. wurde uns freund- Juni 1935 Kenntnis Entre Bios von der Von einem holländischen Komitee liehst von folgendem Brief von Mitte gegeben, der von einer in der Provinz Ica angesiedelten Familie stammt. Wir möchten Ihnen unsere Ankunft in Argentinien mitteilen und melden, daß wir hier in der Provinz Entre-Rios (500 km von Buenos-Aires) von der Ica angesiedelt wurden. Wir erhalten fürs Erste eine ..Quinte", aus Stein und Wellblechdach, dazu gehören 8 ha Land. Man wird uns, sobald das Futter dafür gewachsen ist — ca. 2—3 Kühe und 2 Pferde geben, damit wir durch die Milch tägliche Einnahmen erzielen können. Die Kühe geben hier durchschnittlich 5 Liter Milch täglich bei einmaligem Melken. Die Milch kostet 10 centavos i4 holl. cents) per Liter, aber eine Kuh nur 50 Pesos (20 11.). Wir können Ihnen kaum schreiben mit welch rührender Liebe man uns hier entgegenkommt. In der Hauptsache befinden sich hier russische Emigranten von 1892, 1905 und 1917, die alle mit einer „Quinte" begonnen haben und heute Eigentümer von 150—300 ha Land sind und „Peone" (Eingeborene) auf dem Kamp haben. Wir bemühen uns, möglichst schnell die Landessprache zu erlernen, und haben bereits mit dem hiesigen Lehrer Stunden vereinbart. — Die Kinder finden schnell. Lebensmittel die eingeführt werden, unerschwinglich sind, tere Qualitäten. Wir es herrlich, sie akklimatisieren sich G. s. D. sind hier sehr billig, während alle Dinge, wie Haushaltgeräte, Textilien, Möbel, fast Dreifache holländische Preise für schlechbedauern sehr, nicht die nötigsten Dinge, wie Bettwäsche, Handtücher. Wolldecken etc. mitgebracht zu haben. Unser Gepäck wurde nicht gewogen und hätte man auf dem Schiff ruhig das öfache mitnehmen können. Aus Argentinien liegt uns noch folgende Information vom Januar 1935 vor: „Das Ueberangebot an Pharmazeuten und Bakteriologe n ist in Argentinien sehr groß, und die Gehälter, die in diesen Berufszweigen gezahlt werden, sind so gering, daß kaum eine Existenzmöglichkeit gegeben ist. Eine andere Betätigungsmöglichkeit als die in einer Fabrik oder in einem Laboratorium scheidet sowieso aus, da der im Auslande erworbene Titel nicht zur Ausübung einer medizinischen Tätigkeit berechtigt." Landwirtschaftliche Ausbildung. In dem Bestreben, eine konstruktive Tätigkeit zu entfalten, hat sich auf Anregung des Hilfsvereins deutschsprechender Juden in Buenos Aires eine Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht unter dem Namen „Fomento Agricola Adolf Hirsch" gebildet und in Choele Choel im Bio Negro-Territorium Land erworben. Der Rio Negro teilt sich oberhalb von Choele Choel in zwei Arme, die ein großes Stück Land — eben die Insel Choele Choel — einschließen; beide Flußarme vereinigen sich wieder unterhalb der Insel. Im Gegensatz zum bewässerten Teile des Rio Negro-Tales ist die Insel Choele Choel bis jetzt noch wenig kultiviert. Die Gesellschaft hat auf Choele Choel ein Terrain käuflich erworben, erbaut darauf ein Haus, beschafft die notwendigen Ackerbaugeräte, sowie das Vieh und stellt die so geschaffene Chacra dem obigen Hilfsverein zum Zweck, Landwirte darauf anzulernen, zur Verfügung, vorerst auf die Dauer von 2 Jahren. Die Lehrlinge werden instruiert und erhalten fachmännische Ausbildung für eine zukünftige landwirtschaftliche Tätigkeit, aber gleichzeitig arbeiten sie an der Verbesserung des Besitztums, das dadurch an Wert gewinnt: Sie ebnen den Boden und präparieren ihn, sie entfernen das Unkraut, ziehen Wassergräben, sorgen für die Entwässerung, pflügen, säen, pflanzen Bäume und halten das Terrain in Ordnung. Bolivien« Ende 1934 wird die Lage von Bolivien in der Publikation des Statistischen Reichsamtes, Wirtschaft und Statistik. Wir geben: beschränken uns darauf, einen Auszug wiederzu- 57

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