Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 48 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gesamtdurchschniti der Gehälter und Löhne von Arbeitern und Angestellten im Staate New York ist seil 1929 ständig gefallen, um erst wieder im Jahre 1934 langsam anzusteigen. Die Zahlen für die betreffenden Jahre sind: 1929: $ 29.99, 1930: $ 28.81, 1931: $ 26.42 1932- $ 22.73, 1933: $ 21.83, 1934 (9 Monate): $ 23.17 Oktober 1934: $ 23.02. Aus einem Bericht vom Dezember 1 9 3 4 und weiteren Informationen führen wir folgendes an: Der Staal New York isl der einzige Staat, der Approbationen eingewanderter Aerzte anerkennt und nur ein englisches Sprachexamen fordert, unter der Voraussetzung, daß der Arzt in seinem eigenen Lande fünf oder mehr Jahre praktizierl hat. Diese An erkennung der Approbation gilt aber nicht in den anderen Finzelstaaten, die mit dem Staate New York Reciprocitätsverträge abgeschlossen haben: wenn ein Arzt in New York jedoch die State Board-Prüfungen macht, hat er das Vorrecht, auf Grund von Gegenseitigkeit in etwa 17 anderen Staaten zu praktizieren. In allen anderen Einzelstaaten muß die betreffende Staatsprüfung nachgeholt werden. Wie weiter mitgeteilt wird, hat sich die überwiegende Zahl der eingewanderten Aerzte im Staat New York niedergelassen. Vor weiterem Zuzug nach New York wird dringend gewarnt. Dagegen sollen in den westlichen Staaten noch immer Niederlassungsmöglichkeiten vorhanden sein. Es ist die allgemeine Regel, daß von ausländischen zahnärztlichen Fakultäten Approbierte, die um Zulassung zur zahnärztlichen Praxis in USA nachsuchen, zuerst aufgefordert werden, sowohl ihre akademischen wie ihre beruflichen Beglaubigungsschreiben (Diplome) dem Board of Dental Examiners in dem Staate zur Prüfung vorzulegen, in dem sie zu praktizieren wünschen. Dem Bewerber wird dann gesagt, welche Vergünstigung ihm gewähr! wird für Zulassung zu einem fortgeschrittenen Rang (Kurs) an einer anerkannten Dental School, von welcher er promoviert werden muß, um in dem betreffenden Staat zur Praxis zugelassen zu werden. Ein Diplom von einer American College ist absolut notwendig, wenn der Betreffende für die entsprechenden Examina zugelassen wird. — Anwälte können ihren Beruf in den Vereinigten Staaten nicht ausüben und müssen bereit sein, andere Art von Arbeit anzunehmen, die für sie gefunden werden kann. Wenn sie Geld bei sich haben, so ist es für sie möglich, Kurse zu nehmen, um sich für eine andere Arbeit vorzubereiten, für Buchhaltung usw. Musiker: Das Feld ist in der Tat hier sehr beschränkt. Stipendien: Es sind viele Gerüchte im Auslande im Umlauf, daß unser Komitee viel Geld aufgebracht hat, und daß Fonds für Stipendien verfügbar sein werden. Das ist nicht zutreffend. Wir werden unser möglichstes tun, für Individuen auf Grundlage einer Arbeit von Fall zu Fall Pläne durchzuführen, aber bis jetzt ist noch kein Geld für Stipendien beiseite gelegt. Wir machen auf das nachfolgende Buch aufmerksam, das über die Ausübung der ärztlichen Praxis in den verschiedenen Staaten der Welt informiert: Laws (abstract) and Board Rulings Regulating the Practice of Medicine in the United Stales of America and Abroad. (Forty second Edition.) Compiled by the Council on Medical Education and Hospitals of the American Association. Press of the American Medical Association. North 535 Dearborn Street. Chicago 1933. Bericht vom März 1935. Eine mit sozialen Fragen wohlvertraute Persönlichkeit, die Gelegenheit zur Bearbeitung von Berufsfragen hatte, faßt ihre dabei gewonnenen Eindrücke kurz zusammen: „Eine Stellung darf dem Einwanderer vor seiner Landung in den Vereinigten Staaten weder versprochen noch in Aussicht gestellt werden. Während 1934 jeder Einwanderer, der arbeitswillig war, irgendeine Beschäftigung als Laufbote, Fahrstuhlführer oder dergl. finden konnte, um das Existenzminimum zu verdienen, begegnet man jetzt einer großen Anzahl gutausgebildeter junger Leute, die seit Monaten vergeblich irgendeine Arbeit suchen. Dieses ist um so bemerkenswerter, als die Zahl der aus Deutschland eingewanderten Juden — es sind in den letzten Jahren etwa 5000 Personen aus Deutschland eingewandert _ gemessen an der jüdischen Bevölkerungsziffer in den Vereinigten Staaten von 4 300 000 ganz unbedeutend ist. Der Grund für diese Situation scheint darin zu liegen, daß der größte Teil der Einwanderer in New York bleibt, wo die interessierten Kreise wegen der Fülle der Anwärter sich um Einzelfälle schon nicht mehr kümmern. Die Organisationen interessieren sich hauptsächlich für Unterstützungsbedürftige; in einigen hallen werden Stellungen vermittelt, die aber kaum in den erlernten Berufen zu finden sind, und das Interesse geht weniger dahin, dem betreffenden Einwanderer in seinem Beruf Möglichkeiten zu verschaffen, als vielmehr ihm Gelegenheit zu gehen, seinen Lehensunterhalt überhaupt zu verdienen, bzw. ihn zu unterstützen. Auch in normalen Zeiten ist es schon einem Einwanderer in den Vereinigten Staaten selten möglich, eine Stellung in seinem F a c h zu finden. An einer neuen Zuwanderung sind die hiesigen Kreise im allgemeinen nicht mehr interessiert. In den Staaten westlich von New York sind die Möglichkeiten, Stellungen zu finden, noch besser. Für Akademiker liegen die Verhältnisse besonders ungünstig. Juristen haben hier keine Möglichkeiten mehr, da das Gebiet für deut s c h e Anwälte natürlich begrenzt ist, es sei denn, daß die Möglichkeiten zum Studium gegeben wären. Bauingenieure dürften noch Niederlassungsmöglichkeiten finden, sofern dieselben gleichzeitig Architekten sind. Diese beiden Berufe sind hier vereinigt, und für reine Architekten bestehen deshalb keine Möglichkeiten. Für Literaten, Bibliothekare, Journalisten ist USA nicht das geeignete Aufnahmeland, da der Bedarf an diesen Berufen — von besonders interessanten Ausnahmefällen abgesehen — gedeckt ist und sich auch Europäern in diesen Berufen hier kaum ernsthafte Möglichkeiten bieten dürften. Alle kaufmännisch ausgebildeten Einwanderer müssen sich darüber klar sein, daß sie entweder sich zu irgendeiner körperlichen Arbeit oder zum YTertreterberuf entschließen müssen. Bürostellungen oder auch Verkäuferstellungen sind als Anfangspositionen für Einwanderer hier nicht zu erlangen. Im allgemeinen ist heute nur noch solchen jungen Leuten zu raten, nach USA auszuwandern, die hier Verwandte oder gute Freunde haben, da man damit rechnen muß, daß man mehrere Monate beschäftigungslos ist. Landarbeiter sind gesucht. Kräftige Leute können hier untergebracht werden. Junge Mädchen und Frauen können leichter eine Beschäftigung finden als ein junger Mann, wenn dieselben im Haushalt arbeiten wollen. Gänzlich von der Auswanderung nach USA abzuraten ist älteren Leuten, insbesondere Kaufleuten, weil das Einleben inhiesige Verhältnisse für solche Leute zu schwierig ist. Man kann hier nur Fuß fassen, wenn man völlig mit der Vergangenheit bricht und zunächst sich nur nach ganz untergeordneten Stellungen umsieht. Ich möchte erwähnen, daß Kontrakte hier nicht üblich sind, und daß oft gutbezahlte Stellungen von Tag zu Tag gekündigt werden können. — Bill, 6.0 00.00 0 Ausländer zu deportieren. Von dem Mitglied des Repräsentantenhauses Dies liegt dem House Immigration Committee eine Bill vor, 6.000.000 aus den Vereinigten Staaten zu deportieren, zur Teillösung des Arbeitslosenproblems. Es soll ein Drive zu Gunsten dieser Bill veranstaltet werden, die vorsieht, daß kein Ausländer eine Stellung innehaben soll, die von einem Bürger ausgefüllt werden kann. Neuerdings wurde eine Bill zur Amendierung des Gesetzes hezgl. der Deportation von Ausländern — insbesondere zur Vermeidung von Härten eingebracht. In einem Bericht des Commissioner of Immigration and Naturalisation wird die Gesamtzahl der Ausländer auf 4 922 000 geschätzt. Mittel - Amerika. Costa Rica. E i n r e i s e b e s t i m m u n g e n Zur Einreise bezw. Durchreise ist ein Visum erforderlich. Persönliches Erscheinen des Antragstellers ist nicht notwendig. Das Durchreisevisum wird Reisenden, die sich nicht länger als 30 Tage in Costa Rica aufhalten, sofort erteilt und ist ein Jahr vom Jage der Ausstellung an gültig. Einwanderer, d. h. Personen, die sich länger als 30 J'age im Lande aufhalten wollen, benötigen zur Ausstellung des Dauervisums eine besondere Einreisegenehmigung, die von der Secretaria de Gobernacion 48