Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 41 (sequence 43)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492417-9587701-10032093--540-9587744
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Iran (Persien). Von der Kaiserlich Persischen Gesandtschaft erhielten wir folgende Information : Zur Erteilung der Aufenthaltserlaubnis in Persien muß von selbständigen Unternehmern nachgewiesen werden, daß sie genügend Geld für Hin- und Rückreise sowie für einen 6-monatigen Aufenthall in Persien besitzen. Angestellten und Arbeitern wird die Erlaubnis nur erleilt, wenn sie einen festen Arbeitsvertrag vorlegen können. Das Einreisevisum kostet KM 8.— und wird erteilt, nachdem 2 Fragebogen ausgefüllt und mit 2 Bildern versehen der Kanzlei der Gesandtschaft wieder vorgelegt worden sind. — Wir berichteten in unserem Korrespondenzblatl vom August vorigen Jahres auf Grund von Mitteilungen der Persischen Gesandtschaft, daß die Regierung wissenschaftliche Kräfte und Fachleute, die zum Aufbau des Landes wertvolle Dienste leisten könnten, aufzunehmen und eventuell zu engagieren bereit sei. Auch in diesem Jahre haben sich noch Aussichten für einige Spezialisten auf bestimmten Gebieten geboten bzw. bieten sich solche, von der Regierung angestellt zu werden. Tierärzte wurden zuletzt verlangt. Aerzten wird im Hinblick auf ungünstige Nachrichten aus Persien von der Niederlassung daselbst abgeraten. Lebensbedingungen in Teheran Wir geben nachstehend Informationen vom Mai 1935 wil der, die uns die Hicem übermittelte. Im allgemeinen ist das Leben in Teheran ziemlich angenehm, aber monoton. Drei Zeitungen, zwei in französisch und die andere in persisch und französisch, erscheinen hier, die kurze Nachrichten aus dem Ausland bringen. Daß das Leben in Teheran teuer ist, macht sich mehr und mehr fühlbar, wo die Preise der Artikel ausländischer Produktion sehr hoch sind. Mit Miete in einem bescheidenen Mause muß man mehr als 200.— Tornau monatliche Kosten für eine Familie von 3 oder 4 Personen rechnen (1000 fres. sind zurzeit 71 bis 72 Tomans wert). Es existieren ziemlich gute Pensionen für Leute, die sich nicht festsetzen wollen. Ein Zimmer ohne Beköstigung kostet 30—35 Tomans monatlich. Für Wäsche und Beköstigung muß man 60.— T. monatlich rechnen, das macht für die Kosten des Unterhalts für eine Person ein Minimum von 100.— T. aus. Die Neben- und Fahrgeldkosten sind dabei nicht berechnet. Das Klima von Teheran ist im Winter, im Herbst und Frühling erträglich, im Sommer ist es sehr heiß, und die Sommerfrische empfiehlt sich. Für die, die in der Stadt arbeiten, ist Schimran, ca. 20 km. von der Hauptstadt entfernt, die in Frage kommende Sommerfrische. Regelmäßige Autobusdienste verbinden es mit der Hauptstadt. Die Häuser in Schimran wurden gewöhnlich zu einem sehr hohen Preise vermietet; aber die Krisis hat zu einer erheblichen Preissenkung geführt, und es ist möglich, ein kleines Haus für 200.— bis 220.— Tomans für die Saison zu mieten; aber man muß das ganze Mobiliar und Geschirr mit sich nehmen, die für das tägliche Leben unerläßlich sind. Denn diese Häuser werden leer vermietet, d. h. ohne Mobiliar und ohne Teppich, der von absoluter Notwendigkeit in Persien ist, da die Fußböden nur aus gestampfter Erde bestehen. Aus Mangel an Kanalisation ist es erforderlich, um bestimmte Krankheiten zu vermeiden, mit Eintritt der Hitze das zum Getränk bestimmte Wasser kochen zu lassen. Briefe a us P e r s i en Tu nachstehend auszugsweise angeführtem Schreiben aus Täbris vom Sommer 1934 wird ein pessimistisches Urteil über die Möglichkeiten gefällt, die Persien für Einwanderer bietet: „Im allgemeinen sind die Aussichten glänzenden. Aerzte kommen für Persien mehr in Frage, iia die bereits ansässigen liehen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. für Auswanderer keine wohl überhaupl nicht Aerzte schon mit ziem- Neuankommende Aerzte müssen sich — soviel mir bekannt — einem Nachexamen unter ziehen und in kleinen Provinzorten niederlassen. Auch für Kaufleute sind — wenigstens am Platz - die Chancen nicht groß. Die meisten Aussichten haben wohl Kleinindustriellc, die Maschinenartikel für den täglichen Gebrauch in einfacher Konstruktion herstellen". Speziell über die Verhältnisse in Mesched unterrichteten die folgenden Angaben, die einem Brief von Ende November 1934 entstammen: „Mesched ist eine Stadt von ca. 130.000 Einwohnern mit sehr großem Pilgerverkehr, der jährlich auf 100—150.000 Köpfe geschätzt wird. Das Klima ist nach meinem Empfinden nicht schlecht, (her angenehmer als Teheran, wo es im Sommer sehr warm wird. Der Winter ist manchmal last so kalt wie in Deutschland, aber er dauert nicht so lange, und dafür haben wir, abgesehen von den Hundstagen, fast das ganze übrige Jahr sehr schönes und beständiges Wetter. Das Leben ist, wenn man sich in Persien erst einmal eingewöhnt hat, auch für Europäer ganz erträglich. Abgesehen von zwei Tonfilmkinos gibt es allerdings hier keine Zerstreuungen im europäischen Sinne. Die Kosten der Lebenshaltung liegen für denjenigen, der sich den hiesigen Lebensgewohnheiten anzupassen versteht, bedeutend unter denen in Deutschland, und ein Junggeselle kann, wenn er keine übertriebenen Ansprüche stellt, mit ca. Ris. 1 000.— im Monat (rund M. 150.—) für Wohnung, Essen, Diener und Wäsche gut auskommen. Die hiesige europäische Kolonie besteht aus ungefähr 30 Erwachsenen (darunter ein deutscher Professor, der Leiter eines Krankenhauses ist); ferner gibt es eine größere armenische Kolonie, eine Anzahl Weißrussen und vor allem eine ganze Anzahl reicher persischer Familien. Nach meiner langjährigen, persönlichen Erfahrung ist es rieht schwer, mit den im allgemeinen sehr höflichen und zuvorkommenden Persern gut auszukommen, wenn man sie richtig behandelt und auf ihre Eigenart eingeht. Wichtig ist, eine Fremdsprache gut zu beherrschen, d. h. französisch und auch ein wenig englisch. Das Persische ist natürlich auch zu erlernen, doch darf man nicht verschweigen, daß diese Sprache große Schwierigkeiten macht, und ist es deshalb schon von großer Wichtigkeit, daß man noch die geistige Spannkraft mitbringt, um all diesen an und für sich zu überwindenden Schwierigkeiten leichler zu begegnen. Ich verbrauche, ohne mich sonderlich einzuschränken, monatlich noch nicht 100 Toman, man kann aber zunächst mit 60 bei demselben Unkostenetat, wie ich ihn habe, auskommen. Meine Wohnung, die selbst nach europäischen Begriffen als nett eingerichtet bezeichnet werden darf, besteht aus 4 Zimmern. 2 Wartezimmern (Frauen und Männer getrennt), einem Sprechzimmer und einem Zimmer für mich selbst. Es ließe sich aber mit Leichtigkeit ein limites Zimmer herstellen, da das eine sehr groß, für mich viel zu groß, ist. Außerdem gibt es hier eine ganze Menge neuerbauter Häuser, die alle diese Schwierigkeiten überwinden lassen.'" A us eine m Brief vom April 1 9 3 5: Die ganze Universität, die noch nicht im Rohbau vollendet ist. wird ziemlich klein sein, und in der Hauptsache werden Dozenten persischer Staatsangehörigkeit berufen werden, die in Europa studiert haben, und von denen es eine große Anzahl gibt. Jeden Monat kommen persische Studenten aus Europa zurück, die dort auf Staatskosten studiert haben. Aul gut Glück mit ein paar noch so guten Empfehlungen hierherzukommen, ist für einen Arzt außerordentlich riskant. Die hergekommenen deutschen Aerzte haben nach Mühe, Not und viel Geld endlich die Niederlassungserlaubnis bekommen, zum Teil in tiefster Provinz. Alle quälen sich ziemlich An sich lebt man nicht schlecht im Iran, wenn man verdient. Ungünstige Aussichten für Ingenieure« Dem Brief eines in Persien arbeitenden deutschen Ingenieurs wird folgendes entnommen: Die guten Zeiten sind seit 3- 4 Jahren vorbei. Wir sind mal zu spät gekommen. Wir leben gut, aber für Ersparnisse reicht es nicht. Bearbeite Isfahan und Koum, Hoch- und Tiefbau, Entwurf und Ausführung, ohne technische Hilfe, also Mädchen für alles. Den jungen Ingenieuren aus Deutschland fehlt die Erfahrung und Vielseitigkeit. Ich schlage mich noch allein durch. Als Schiedsrichter und Sachverständiger bin ich schon oft angefordert worden. Es gibt in Teheran genug stellenlose Ingenieure, sie bieten sich für 100 Toman 160 RM den Monat an. Unter 200 Toman darf ein Lediger keinen Vertrag abschließen. Verheiratete nicht unter 300 Toman. Junge Leute sollen ohne Frau nicht nach dem Orient gehen. Trinker werden verachtet. (Aus einer Publikation der Reichsstelle vom März 1935). 41

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.