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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 38

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 38 (sequence 40)
Language
German
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Es wurde darauf hingewiesen, daß das ganze ökonomische System Japans durch die Armut des Landes an natürlichen Hilfsquellen, seine Uebervölkerung und die Restriktionen gegenüber japanischer Einwanderung seitens fast aller Länder erklärt werden kann. Die einzig möglichen Lösungen für das Problem der Uebervölkerung wären entweder Auswanderung oder Industrialisierung. Von fremden Ländern für Rohstoffe abhängig muß Japan die technischen Methoden verbessern, um die Erträge zu vermehren und die Produktionskosten zu vermindern, damit es für die Rohmaterialien vom Ausland bezahlen und sein Land instand setzen kann, im Weltmarkte unter gleichen Bedingungen zu konkurrieren. Es werde behaupet, daß — soweit die Herabsetzung des Yen nicht von einer Preiserhöhung heimerzeugter Produkte auf dem inneren Markt begleitet ist, — und die Japaner leben fast gänzlich von Heimprodukten — die realen Löhne in Japan viel weniger von Löhnen in Westländern unterschieden sind als nominelle Löhne. Vielmehr ist der Erfolg des japanischen Exporthandels technischer Reorganisation zuzuschreiben. Die japanische Regierung protestiert gegen die Politik hoher Tarife, durch die Japan mehr leidet, wie behauptet wird, als irgendein anderes Land. Berufsaussichten (Aus einem Brief aus Tokio vom Mai 1935) Handwerker und Aerzte haben keine Aussichten. Dagegen haben die wenigen europäisch geleiteten Modesalons guten Zuspruch. Vielleicht würde sich in Yokohama ein jüdisch geleitetes Restaurant, Café oder dergl. rentieren. In zunehmender Anzahl lassen sich prominente jüdische Musiker als Lehrer nieder, es ist aber zu berücksichtigen, daß außer Piano und Geige noch sehr wenig europäische Instrumente gespielt werden. Aussichten dürfte noch ferner für gute Fachleute die Parfümerieindustrie bieten, desgleichen die Schokoladenindustrie. Malaiische Staaten. Malakka. Einwanderungsbeschränkung Am 19. Mai 1934 wurde im Bundesrat der Verbündeten Malaienstaaten ein Gesetz „Aliens Immigration (Restriction) Enactment" verabschiedet. Der Oberkommissar hat. auf Grund der ihm darin gegebenen Vollmachten mit Verordnung vom 15. Juni 1934 Ausländern, die nicht aus der Kronkolonie Straits Settlements oder einem Malaienstaat, kommen, das Landen in den Häfen der Verbündeten Malaienstaaten verboten. Die Verordnung des Gouverneurs der Straits Settlements auf Grund der Straits Settlements Aliens Ordinance setzt die Zahl der zur Einwanderung zugelassenen Ausländer auf 25 Personen je Nationalität fest. Die Kontrolle soll demnach für ganz Britisch-Malaia ausschließlich in den Häfen der Kolonie ausgeübt werden. — Mitte Juni schrieb man uns aus Charbin: Es ist Ihnen sicherlich bekannt, daß Singapore ein englischer Kriegshafen ist, und um in Singapore einwandern zu können, bedarf es einer Erlaubnis der britischen Regierung. Eine solche Erlaubnis wird aber nur dann gegeben, wenn der Betreffende akzeptiert wird und von der Gemeinde einen Einladungsbrief, amtlich bestätigt in Singapore, erhält. Dies trifft auch für Hongkong zu. Nach vorliegenden Nachrichten vom Januar 1935 waren in Singapore insbesondere für gewisse Spezialitäten — natürlich kämen nur einzelne Personen in Frage — Verwendungsmöglichkeiten, so für Musiker (Musiklehrer, Pianist und Hotelmusiker), Reklamezeichner, ein hebräischer Lehrer, der der englischen Sprache mächtig ist und sehr begabt ist und soziale Interessen hat. Es kommen nur erstklassige Spezialisten mit guter Kenntnis des Englischen in Frage. Vorbedingung ist wegen des tropischen Klimas widerstandsfähige Gesundheit. In Singapore gibt es russische Juden, Juden aus dem Osten, in geringer Zahl englische, französische, holländische und amerikanische Juden. Mandschukuo. V i s a g e b ü h r e n Wir erhielten im November 1931 folgende Mitteilungen: Die Zulassungsvisen für Mandschukuo für Passagiere, die von Europa via U. S. S. R. reisen, werden vom Vertreter des auswärtigen Ministeriums von Mandschukuo in der Grenzstation Manchuli bewilligt. Das Mandschukuo-Visum kostet 10 lokale $, was in amerikanischer Währung etwa 3 amerik. $ (U. S. $ 3,—) gleich ist. Vor einiger Zeit kam ein Lall bezüglich eines Einwanderers vor. der nicht die nötigen U. S. -S .'î für ein Mandschukuo-Visum hatte. Die Mandschukuo-Behörden gaben ihm ein entsprechendes Visum und erlaubten ihm, nach Charbin zu kommen. Aber sein Paß wurde zurückbehalten und an den polnischen Konsul in Charbin gesandt (der Emigrant war ein polnischer Untertan) zur Tragung der Kosten des Visums. — Vom 1. November 1934 an sind die Tarife für die Transitreisen von Europa nach dem F e r n en Ost e n via U. S. S. R. um 35% ermäßigt worden. Es kostete ein Hille! 2. Klasse (in einem Wagen mit weichen Sitzen) von der Station Negoreloje, der ersten Grenzstation zwischen Polen und der U. S. S. R. nach der Station Manchuli 191 Gobi (das sind etwa 65 amerikanische Dollar) statt der früheren 298 Gobi (100 amerikanische Dollar). (Mitteilung aus Charbin vom November 1934). Aus einem Schreiben von Anfang Februar 1935 wird aus Charbin Folgendes mitgeteilt: Das Mandschurische Visum wird o. w. an der Grenzstation Mandschuria erteilt. Der Weg über Moskau dauert 12—43 Tage. Lebensmittel sind in Charbin billig. Das Leben hat einen europäischen Charakter. Die jüdische Bevölkerung in Charbin ist größer als in anderen Orten des Fernen Ostens. Die Juden setzen sich zusammen aus Personen, die aus Rußland, Polen und Litauen angekommen sind. Es besteht kein Luftdienst zwischen Europa und Mandschukuo oder China. So erreichen das Charbiner Komitee die wichtigsten per Luftpost von Europa gesandten Briefe (von verschiedenen Organisationen sowohl wie von Privatpersonen) erst in 2H—30 Tagen, statt der 12 13 Tage, die die gewöhnliche Post, express via U. S. S. R. gesandt, in Anspruch nimmt. — Die Bildung des Staates Mandschukuo ist von hoher Bedeutung für den fernen Osten und dadurch für die ganze Weltwirtschaft. Sehr interessant ist das Urteil über die zukünftige Entwicklung des Landes, das von der englischen Industriellen Kommission gefällt wird, die eine Informationsreise nach dem fernen Osten unternommen hatte: Hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage in Mandschukuo führten die Nachforschungen zu dem Schluß, daß es schwierig sei, die Wichtigkeit der Rolle zu überschätzen, die die Ostchinabahn spielt. Dieselbe könne am besten mit der Canadian-Pacific-Railway in der ersten Zeit Canadas und der Chartered Comp, in Rhodesien verglichen werden. Mandschukuo sei ein agrikulturelles Land, und es wird angenommen, daß Ackerbau noch eine lange Zeit in seiner Art fortdauern werde, was man die traditionelle chinesische Linie nennen könne. Einführung landwirtschaftlicher Maschinen kommt trotz bestehender Aussichten in nennenswertem Maße erst in Betracht, wenn durch eine Erhöhung der Verkaufspreise für Ernten vermehrte Kaufskraft geschaffen werde. Dazu kommen die Schwierigkeiten, die die Frage der Anerkennung Mandschukuos und der Verkauf und Wiederaufbau der ostchinesischen Bahn mit sich bringt. — Von anderer Seite wird mitgeteilt, daß man beachten müsse, daß in Verbindung mit dem Verkauf der ostchinesischen Bahn die ökonomische Situation und Zahlungsfähigkeit der lokalen europäischen Bevölkerung jeden Tag schlechter werde. Eine Anzahl von Aerzten habe sich bereits in Charbin installiert. Im Hinblick auf die vorhandene Notlage wird bemerkt, daß Mittel der lokalen jüdischen Gemeinde für Unterstützung nicht mehr zur Verfügung stehen. Nach Berichten aus Mandschukuo ist die Aufnahmefähigkeit für Aerzte erschöpft, abgesehen von bestimmten erstklassigen Spezialisten. Immer wieder wird darauf hingewiesen, daß die Beherrschung der russischen Sprache 38

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