Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Irak (Mesopotamien). 370.977 qkm. mit 2.849.282 Bewohnern nach Zählung von 1920; nach Schätzung von 1931 3.300.000, Bagdad 287.000 Einwohner. E i n w a n (1 c r u n g s b e s t i m m n n g e n : Touristen und Geschäftsreisende können das Visum hei jedem britischen Konsulat oder Passport Control Office beantragen. Anträge werden nur von Fall zu Fall erledigt, und dabei ist möglichst persönliches Erscheinen mit Unterlagen erforderlich. Antragsteller müssen im Besitze eines gültigen Nationalpasses sein. Antragsteller müssen beweisen, daß sie für ihre Aufenthaltsdauer in Irak und für ihre Rückreise ausreichende Geldmittel besitzen. Ein Antragsteller, der sich um die Einreisegenehmigung zum Zwecke des Antritts einer Stellung bemüht, muß seinen Arbeitskontrakt vorlegen. Von dein Konsulat wurde darauf hingewiesen, daß der Irak kein Einwanderungsland sei. Nach dem Irak ist eine geringe Anzahl von Personen gefahren. Wir geben noch nachfolgende Mitteilungen wieder: Das Land ist ein halbtropisches, und es kommen nur junge Leute mit ausgezeichneter Gesundheit in Betracht. Es könne sich überhaupt nur um eine ganz beschränkte individuelle Einwanderung handeln. Von großer Wichtigkeit ist die Kenntnis der englischen oder französischen Sprache. Die Auswanderer müßten über einige Mittel verfügen, um während der ersten Zeit ihrer Ankunft ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. In gewissem Umfange bieten sich evtl. Möglichkeiten, Partner mit Kapital zu finden. Für Personen nachfolgend aufgeführter Berufe bestanden nach vorliegenden Angaben Aussichten: Masseure, Spezialisten für Schönheitspflege, Geiger und Klavierspieler, Schneider. Barbiere und Friseure. — Aerzte oder Dentisten müssen die Erlaubnis zum Praktizieren erhalten, die sehr schwer zu erlangen ist und ev. nur für kleine Provinzstädte erteilt wird, wo es praktisch keine Existenzmöglichkeit für einen europäischen Arzt gibt. Eine Praxis ohne feste Anstellung am Krankenhaus wird als wenig aussichtsreich erachtet. Für Schwestern bestehen keine Beschränkungen. Sie können bei Aerzten und als Hebammen Beschäftigung finden — auch bei arabischen Familien. Für das .Jüdische Krankenhaus in Bagdad wurde noch in jüngster Zeit eine Oberschwester und eine Hebammenschwester gesucht. Japan. Die Bevölkerung Japans und seiner Besitzungen betrug 1933: 92 722 163, wovon 67 238 600 auf Japan seihst ohne die Territorien kamen. Trotz der Industrialisierung ist Japan heute noch vorwiegend ein Agrarland. 14,2 Millionen Arbeiter sind in der Landwirtschaft beschäftigt, 5,3 Millionen in der Industrie. Die arbeitslosen Industrie-Arbeiter geben immer wieder aufs Land zurück, weil es keine Sozial-Yersicherung gibt. — Nachstehend geben wir einen interessanten Artikel über den Verlauf und Charakter der japanischen Auswanderung wieder. Nach zweihundert jähriger Absperrung vom Ausland, während der auf Auswanderung die Todesstrafe stand, wurden 1858 die Grenzen Japans geöffnet. Aus den jahrzehntelangen Nachwirkungen dieses Verbots ergab es sich, daß Japan an die großen Auswanderungsbewegungen des 19. Jahrhunderts keinen Anschluß fand. Die Zahl der Ausland- und Kolonialjapaner erreicht gegenwärtig höchstens zwei Millionen. Im Vergleich zum bestehenden Bevölkerungsdruck und zur politischen Bedeutung, die der japanischen Einwanderung beigemessen wird, ist diese Zahl sehr gering, gibt es doch gegenüber 10 Millionen Auslandschinesen nur 600 000 Auslandsjapaner. Im 20. Jahrhundert stieß die japanische Auswanderung im Westen überall auf politische Widerstände, während sie im Osten mit dem noch stärkeren Wanderungsdruck der Chinesen und Koreaner konkurrieren mußte. Auf Grund der verschiedenen amtlichen Angaben Japans und der Einwanderungsländer gibt der „Eildienst" für Ende 1934 die nachfolgende Schätzung: Die Zahl der ausgewanderten Japaner in 1000. Auslandsjapaner räumlich Japaner der Koloin geschlossenen gestreut ni en u. verbündeten Siedlungen Länder insgesamt . . 462 insgesamt . . 93 insgesamt . . 1480 davon in: U. S. A. . Hawaii . Brasilien 102 139 160 davon in: China Niederl. Indien 53 davon in: Korea . Formosa 530 250 Mandschurei und Kwantung 380 Südsachalin 300 Kanada . . 20 Peru ... 21 auf den Philippinen . 20 Auffallend gering ist die japanische Einwanderung nach der Mandschurei, die neben der chinesischen Zuwanderung fast verschwindet. Ueberhaupt wird die Zahl der japanischen Auswanderer im allgemeinen weit überschätzt, weil weder die Bückwanderung noch die sogenannte Ausbildungswanderung gebührend berücksichtigt werden. In der Auswanderung sind zwei Hauptströmungen zu beobachten: aus dem ostpazifischen Baum (U. S. A., Canada, Hawaii) geht eine dauernde A b - wander u n g vor sich, während nach dem asiatischen Kontinent (Korea, Mandschurei, Ostsibirien) ein stetiger Zustrom stattfindet. Teilweise handelt es sich um eine „schiebende" Wanderung: Japaner gehen über das Gelbe Meer in die Küstengebiete und drücken von dort Koreaner in die Mandschurei und nach Sibirien ab. Auf Grund des höheren Lebensstandards drängt jeder japanische Zuwanderer mehrere Koreaner ab. In letzter Zeit bevorzugte die japanische Auswanderung besonders Südsachalin Ein weiterer Wanderungsstrom lichtet sich über Formosa nach den Philippinen, der aber auf starke Widerstände stößt. Neu ist die japanische Auswanderung nach Brasilien, die ursprünglich durch Arbeitermangel auf den Kaffeepflanzungen veranlaßt wurde. Als die Vereinigten Staaten 1924 die endgültige Aussperrung der japanischen Einwanderer durchführten, richtete sich der Strom nach Südamerika. Geplant ist jetzt, die Auswanderung mit japanischem Kapitalexport zu verbinden. Der japanische Auswanderer soll in Zukunft Baumwolle und wahrscheinlich auch Gummi mit japanischem Kapital für die japanische Industrie erzeugen, sofern nicht der politische Widerstand der Südamerikaner und besonders der Brasilianer auch diese Pläne unterbindet. — Ein Vertreter der japanischen Regierung hat gegenüber den Hinweisen auf Unterbezahlung der japanischen Arbeiter hervorgehoben, daß. während die Löhne in Europa eineinhalb und zwei Mal so hoch seien wie in den Vorkriegszeiten, sie in Japan jetzt drei Mal so hoch seien, wie vor dem Kriege. Der Lebensstandard der Arbeiter sei gehoben worden, um Schritt mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu halten. Es sei wegen des großen Unterschiedes der Lebensart sehr schwierig, den Standard von Japan und den westlichen Ländern zu vergleichen. Fernand Mauretie, stellvertretender Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, hat Japan zur Information über Lebens- und Arbeitsbedingungen besucht und hat darüber berichtet und ein Buch verfaßt: „Die soziale Seite der industriellen Entwicklung Japans". In dem Bericht ist erwähnt, daß nach Zensus von 1930 5 291 000 Personen in industriellen Betrieben arbeiten. Die großen Massen der Bevölkerung sind noch Landarbeiter. Eine außerordentlich einfache Lebensart ist charakteristisch für die ganze Nation und nicht bloß für die Arbeiter. Diese einfache Lebensart ist der Organisation der Industrie auf Familien-Basis angepaßt, die immer in Japan vorgeherrscht hat. Es bestand bin Verständnis zwischen Regierung, Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezüglich der Bedingungen japanischer Arbeit und überall großes Interesse, die Klagen über sozialen Dumping in ausländischen Märkten zu widerlegen. 37