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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 36

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 36 (sequence 38)
Language
German
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113 811 gegenüber 47 107 in den entsprechenden Monaten 1933/34. Der Ueberschuß der Todesfälle von 66 704 ist Malaria und anderen abnormen Ursachen zuzuschreiben. und Calcutta. Für einen alleinstehenden Europäer müssen indessen auch dort bei bescheidenen Ansprüchen immerhin 20—30 Rupies je Tag als das Mindeste angesehen werden, (Stand der Rupie im Juli 1935 0.93 RM (Goldparität l..">32 RM.) Indien. Im englischen Parlament wurde im Februar dieses Jahres folgendes über Indiens Bevölkerung, die Verhältnisse, unter denen sie lebt, und ihre Entwicklung bemerkt: Die Rate des Wachstums der indischen Bevölkerung sei sehr groß gewesen. Während der letzten zwei Jahrhunderte hat sie sich jede hundert Jahre fast verdoppelt. Diejenigen, die Indien regierten, hatten mit dem wachsenden Bevölkerungsdruck auf die Subsistenzmittel zu rechnen. Die einzigen beiden Hilfsmittel dazu wären Einigration und Industrialisierung: aber für Emigration sei fast jeder Zugang für Indien während der letzten Jahre geschlossen worden. Industrialisierung, wenn erforderlich, hinter einem Wall von Schutzzöllen, wäre Indien heute so notwendig, wie es England in frühen Tagen der industriellen Entwicklung war. — Indien ist eines der an Bevölkerung reichsten Länder der Erde. ,,Es werden in Indien 222 verschiedene Sprachen gesprochen. Es gibt Millionen Menschen, die weder lesen noch schreiben können. L eber 53 Millionen Inder sind Parias, mit denen niemand etwas zu tun haben will. Es gibt über 600 Fürsten, die über 72 Millionen Inder herrschen. Es gibt viele Religionen in Indien, deren Anhänger sich bekämpfen. 216 Millionen Hindus, 70 Millionen Mohammedaner, 7 Millionen Buddhisten und viele Sekten Götzen- und Feueranbeter". Die jüdische Bevölkerung Indiens betrug nach Angaben von 1931 24.141 Personen. Einreisebestimmungen. Für die Einreise nach Britisch Indien genügt der deutsche Paß, der ein Visum der zuständigen britischen Konsularbehörde in Deutschland enthalten muß Eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis ist für Indien nicht notwendig. Nachstehende Informationen sind einer Publikation der Reichsstelle vom August 1934 entnommen. Lebensverhältnisse in Bombay Bombay hat ein feuchtheißes Klima. Die Monate März! bis Mai sind sehr heiß, im Juni setzt die Regenzeit ein, die bis etwa Ende September dauert. Der Oktober ist wohl der heißeste Monat. Die kühlere Zeit reicht von November bis Ende Februar. Die Höchst (Schatten) Temperatur in Bombay beträgt etwa 35—37,7 ° C., der Feuchtigkeitsgehalt der Luft zuweilen 90—95 °/o. Wenn das Klima von Bombay demnach auch nicht als gut angesehen werden kann, so ist es doch auch bei längerem Aufenthalt zu ertragen, vorausgesetzt, daß man gesund und Uopentauglich ist und genügend Anpassungsfähigkeit an die veränderten Lebensbedingungen besitzt. Hotels und europäische Privatpensionen sind in Bombay genügend vorhanden; die Preise schwanken zwischen 250 und 400 Rs je Monat und Person. Für Ausrüstungsgegenstände sollte von dem Arbeitgeber ein Zuschuß von 7—800 Rupies verlangt werden, die vor der Ausreise zahlbar sind. Autozuschüsse: Monatlich 100 Rs für Fahrten im inneren Stadtverkehr. Bei häufigen Geschäftsbesuchen von Werken außerhalb der Stadt oder weit entfernten Vororten ist ein höherer Betrag erforderlich. Elektrische Bahnen können von Europäern nicht benutzt werden, höchstens Autobusse, im allgemeinen werden nur Autos benutzt. V e r s i c h e r u n g : Es ist erforderlich, daß die Firma die Kosten für eine Versicherung gegen "accidents and specified diseasesübernimmt. Im Falle einer Erkrankung, die l ine Weiterarbeit unmöglich macht, volle Gehaltszahlung für 3 Monate, anschließend Option oder Kündigung für beide Teile innerhalb einer bestimmten Kündigungsfrist. Nach Ausspruch der Kündigung wäre zu versuchen, eine weitere Zahlung am besten für volle 3 Monate während der Kündigungsfrist zu erwirken. Der Anspruch auf Erstattung der Rückreisekosten bleibt davon unberührt. Im Innern sind die Lebensverhältnisse im allgemeinen etwas billiger als in den großen Hafenstädten wie Bombay B ri e fe un s c r e r Korrespondent en Als Einwanderungsland in irgendwie nennenswertem Sinne kommt Britisch-Indien einer Mitteilung unseres Korrespondenten vom Dezember 1934 zufolge nicht in Betracht: Es wird sich stets nur um besonders gelagerte Einzelfälle handeln können. Das wirtschaftliche Leben hat. wie überall in der Welt, stark unter der Weltwirtschaftkrise gelitten, wozu noch eine sich infolge der räumlichen Näfee stark auswirkende japanische Konkurrenz kommt. Grundsätzlich sollte niemand ohne eine vertraglich festgelegte Stellung hierher kommen. Es empfiehlt sich auch, vorher über die betreffende Firma Erkundigungen einzuziehen. Handelt es sich um eine Position in einem sogenannten Native-Staat, dann ist unter Umständen besondere Vorsicht am Platze. In solch einem Falle wird es wichtig sein, sich eingehend nach den dortigen Verhältnissen zu erkundigen. Für technische Spezialgebiete kann hier und da unter den oben erwähnten Bedingungen eine günstige Gelegenheit vorhanden sein. Es kommt sogar auch dit' Fabrikation auf solch einem Spezialgebiel in Betracht. Für Aerzte ist Britisch-Indien kein Einwanderungsgebiet. Es kann sich auch hier nur um ganz vereinzelte Möglichkeiten außerhalb von Bombay handeln. Dort sind einige deutschjüdische Aerzte niedergelassen, wodurch dieser Platz infolge Ueberfüllung völlig ausscheide. Auch in anderen Städten setzt eine solche Tätigkeit Entsagungen auf mancherlei Gebieten voraus. Jeder Interessent wird gut tun, stets vorher Erkundigungen durch den Hilfsverein einzuziehen. Bezüglich der Lage von Aerzten. die bereits in Bombay sind, äußert sich ein englischer Korrespondent in Indien in abweichender Weise, und zwar um vieles günstiger. In nachstehender Auskunft handelt es sich um einen Augenspezialisten. „Ich möchte Sie informieren, daß es den deutsch-jüdischen Aerzten. die sich zur Ausübung der Praxis in Bombay niedergelassen haben, gut geht. Soweit ich sehe, hat der Arzt, vorausgesetzt, daß er eine fähige Person ist, gute Chancen. Wenn er nach Indien kommen will, sollte er genügende Mittel haben, um sich mindestens sechs Monate zu unterhalten. Er sollte auch Mittel haben, ein modernes Konsultationszimmer auszustatten. Ein britischer Grad ist sehr nützlich." Es ist zu bemerken, daß von einer Zuwanderung von Aerzten, die nicht im Besitz einer englischen bezw. indischen Approbation sind, dringend abzuraten ist. Auch aus anderen Zuschriften geht hervor, daß von Auswanderungswilligen in Rücksicht auf die Verhältnisse, die sich von europäischen viel stärker unterscheiden als bei anderen überseeischen Ländern, mit besonderer Vorsicht verfahren werden muß. und besonders eingehende Erkundigungen von Fall zu Fall eingezogen werden müssen. Hingewiesen wird auch noch darauf, daß Indien ein Land ist. in das sich europäische Frauen sehr häufig physisch und psychisch schwer eingewöhnen. Des ferneren wird hervorgehoben, daß bei Sozietätsverhältnissen man sich klar darüber sein müßte, daß das Wesen von Indern und Europäern von außerordentlicher Verschiedenheit sei. Bei einem Angebot von Stellen für Fachleute verschiedener Branchen wurde folgendes bemerkt: Iis kommen Bewerber in Frage, die das Englische in Wort und Schrift fließend beherrschen, tropenfähig und gewillt sind, unter indischen Arbeitgebern an kleinen Plätzen zu arbeiten. Als Norm gelten im allgemeinen folgende Bedingungen: Mehrjähriger Vertrag, Hin- und Rückreise ist von hier aus zu bezahlen, kleines Gehalt, aber Stellung eines Bungalows, Dienstauto oder allowance für eigenen Wagen sowie Gewinnbeteiligung, deren Größe von der sehr erwünschten Kapitalbeteiligung abhängig ist; die hiesigen Interessenten sind über die Schwierigkeiten dieses Punktes informiert und wären auch mit Sacheinlagen einverstanden; am besten eignen sich wegen der schwierigen Lebensbedingungen up country Junggesellen für die Posten. 36

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