Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Basis zur Entwicklung von Leichtindustrien'. Die Hügel im Westen von Biro Bidschan sind überreichlich mit wertvollen Hölzern bedeckt: Zedern. Fichten, Lärchen, Eschen, Schwarz- und Weißbirken u. s. w. Diese Bäume werden den Autbau einer Holzindustrie gestatten, gleichzeitig einen bedeutenden Holzexport. Umfangreiche Lager von Kalk und eines Tons, der zur Herstellung von Baumaterial. Ziegeln und Töpferwaren besonders geeignet ist. linden sieb gleichfalls in Biro Bidschan und zwar in leicht zugänglichen Formen. Außerdem gibt es umfangreiche Schieferlager, die ausreichend Stoff zur Bedachung wie zur Herstellung einer großen Anzahl von Handelsartikeln liefern. 4. Basis für landwirtschaftliche Entwicklung. Der westliche Teil des Gebiets ist gebirgig. Hier befindet sich die Gebirgskette der ,,Little Hingen ". Ks ist dies also keine für Ackerbau geeignete Gegend. Dafür ist das Land im Osten flach und der Boden, ohne schwer zu sein, reich an Humus: drainiert und gut bearbeitet wird dieser Boden gemischte Ernten hervorbringen. Es können alle Frühjahrsprodukte, Weizen, Boggen, Mais, Sojabohnen, auch alle Arten von Gemüse angebaut werden. Sogar Beis hat gute Resultate ergeben. Die Entwicklung des Ackerbaus bietet allerdings wegen der Vorbereitung der Böden erhebliche Schwierigkeiten. Der größte Teil des anbaufähigen Bodens ist zu feucht und muß vorher drainiert werden. Diese Drainage ist aus zwei Gründen mühevoll: a) es ist fast kein natürliches Gefälle des Bodens vorhanden, auch ist das Gelände zu flach, um leicht Entwässerung zu gestatten; b) der Untergrund besteht aus kompaktem Ton, der kein Wasser durchläßt. Dennoch sind die Schwierigkeiten nicht unüberwindbar. Schon beginnt die Regierung mit der Ausführung verschiedener Entwässerungsprojekte, und die einmal ausgetrockneten Böden geben sehr befriedigende Besultate. Die klimatischen Bedingungen sind im allgemeinen für die Frühjahrsaber nicht für die Winterpflanzungen günstig. Das Klima ist durchschnittlich gesund. Der Winter ist kalt, aber trocken und nicht stürmisch. Während der Begenzeit, die gewöhnlich in die Monate Juli und August fällt, werden die Erntearbeiten beträchtlich gestört. Aber auch das wird sich durch geeignete Maßnahmen überwinden lassen. Die Viehzucht hängt ebenfalls von einer ausreichenden Entwässerung ab, denn vor der Drainage sind die Weiden nur mit einem harten Gras von geringem Nährwert bewachsen. Hernach aber kommen die wertvollen Gräserarten zur Blüte. 5. Die Verbindungswege. Gegenwärtig durchzieht eine einzige Bahnlinie das Gebiet in der Bichtung von Westen nach Osten, die transsibirische Linie Moskau-Wladiwostok. Die Schnellzüge halten auf dem Bahnhof der Stadt Biro Bidschan. dem gegenwärtigen Hauptort des Gebiets. Die Arbeiten sind im Gange, die Strecke mit einem zweiten Geleise auszustatten. Die Zahl der jüdischen Arbeiter in den Beparaturwerkstätten und den Depots der übrigen Stationen ist sehr hoch. Außerhalb dieser Hauptlinie ziehen sich die Verbindungswege längs der Flüsse hin. Nur eine kurz vor der Vollendung stehende Straße ist vorhanden, sie führt in 130 km Länge von der Station Biro Bidschan nach Süden bis zum Amur. Andere 100 km Wege befinden sich im Bau und sollen im Frühjahr fertiggestellt sein. Diese Wegebauten und Entwässerungsarbeiten werden für Bechnung der Regierung ausgeführt, die nicht beabsichtigt, die künftigen Siedler mit diesen Kosten zu belasten. Das ist übrigens auch anderen Regierungen nicht immer möglich und beweist, daß bedeutende Bewässerungs- oder Entwässerungsanlagen nur selten auf Kosten der Siedler verwirklicht werden können, vielmehr vom Wirtschaftskörper und Budget des Gesamtstaates getragen werden müssen. Die Zahl der Siedler, die das Gebiet aufnehmen kann, wird auf drei Millionen geschätzt. Augenblicklich belauft sich die Einwohnerzahl auf 50.000 Seelen, davon sind ungefähr 12.000 Juden, der Best setzt sich aus Russen, Amurkosaken, Ukrainern und Mongolen lokaler Stämme (Tungusen und Golds) zusammen. Ich habe Grund zur Annahme, daß, wenn eine kompetente jüdische Organisation, die im Besitz genügender Mittel ist und die, was noch viel wichtiger sein würde, über genügende technische Erfahrung verfügt, zur Ansiedlung jüdischer Arbeiter aus den Nachbarländern Bußlands in Biro Bidschan bereit wäre, die Sowjetregierung beträchtlichen Kontingenten solcher Einwanderer sehr günstige Bedingungen gewähren würde. Gegenwärtig ist noch keine Entscheidung über die neuerliche Zulassung nichtrussischer Einwanderer getroffen. China. Das Einreisevisum nach China wird erteilt auf Grund eines Empfehlungsschreibens des Deutschen Auswärligen Amtes oder der Empfehlung eines Unternehmens, das den Betreffenden nach China hinüberschickt. Von einem chinesischen Konsulatsbeamten wurden folgende Informationen gegeben: Für Arbeiter und technisches Personal ist es gut, sich wegen eines Vertrages mit Firmen in China in Verbindung zu setzen. Von besonderer Bedeutung, auch für das Fortkommen, ist die Kenntnis der englischen Sprache. Da, wenn nicht ein Vertrag vorliegt, niemand damit reebnen kann, daß er innerhalb weniger Wochen und Monate sich eine ausreichende Existenz aufbauen kann, muß man eine geraume Zeit von seinem Gelde leben können. Wenn dem Eingewanderten Bekannte und Freunde drüben mit Bat und Tat zur Seite stehen können, ist es natürlich von großem Wert. Ehe sich Menschen akklimatisieren, die das erste Mal nach China herübergehen, daure es wenigstens ein halbes Jahr. Das Klima ist in dem Reiche von ungeheurer Ausdehnung sehr verschieden. Es gibt in Südchina ausgesprochenes Tropenklima. Wenn man nach Südchina geht, ist es notwendig, sich erst untersuchen zu lassen. Das innere China kommt für Aufbau einer Existenz kaum in Frage, hauptsächlich nur die größeren Küstenstädte. An Berufen, die Aussichten haben, wurden genannt: Fachärzte, Kaufleute mit Kapital und studierte Techniker jeder Art. Arbeiter gäbe es in China in Hülle und Fülle, die sich kaum ernähren können. Was die Inanspruchnahme europäischer Aerzte durch die chinesische Bevölkerung anbetrifft, so ist ein wichtiger Faktor der Umstand, daß die chinesische Heilkunde auf anderer Grundlage beruht und die Volkspsyche entsprechend eingestellt ist. Aus der „Grünen Post" (Sonderbericht vom 23. Juni 1935) entnehmen wir folgendes: In China leben drei Viertel aller Familien, etwa 330 Millionen Menschen, auf dem Lande und unmittelbar vom Lande. Jedes Stückchen chinesischen Bodens ist heute besetzt. Die Bedürfnisse des chinesischen Bauern sind heute so unwahrscheinlich gering, daß mit Becht (ine weitere Senkung für unmöglich gehalten wird. Nach verläßlichen Untersuchungen beträgt der Geldwert sämtlicher Güter, die ein nordchinesischer männlicher erwachsener Bauer im Jahr verbraucht (mag er sie gegen bar kaufen oder auf seinem Grund und Boden ernten) nur etwa 41,— chinesische Dollars (1 Dollar entspricht etwa einer Mark). Der chinesische Bauer hat aus seit Jahrhunderten angesammelten Erfahrungen gelernt, aus einem Morgen Ackerland größere Erträge an Beis. Hirse, Weizen und Bohnen herauszuholen, als irgend ein anderer Landmann der Welt. Viehzucht in unserm Sinn kennt der chinesische Bauer kaum — es fehlt das Land, um Viehfutter darauf zu ziehen. Die Schweine und Hühner, die der Bauer hält, laufen frei und müssen für ihr Futter im wesentlichen allein sorgen; Zugtiere, sei es ein Wasserbüffel oder Esel, besitzen nur wenige — da der Ackerbau ähnlich unserer Gartenwirtschaft betrieben wird, sind sie auch nicht notwendig. 33