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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 32

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 32 (sequence 34)
Language
German
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Stallmist und künstlicher Dünger wird nur in geringem Umfang angewendet. Die Erträge sind gering, ca. 150 bis 200 kg W eizen und Gerste pro Dunam. Die Viehzucht Cyperns ist zum Teil gut entwickelt. Dieses gdt für die Schafzucht und Ziegenzucht, für die Esel- und Maultierzucht. Schaf- und Ziegenherden gibt es in großen Mengen, die auf dem Brachland, auf den Stoppelflächen und im Gebirge an den Bergabhängen genügend Nahrung finden. Esel und Maultiere werden in größeren Mengen aus Cypern exportiert, namentlich nach Palästina. Die Milchviehwirtschaft ist jedoch vollkommen unentwickelt. Es gibt einige wenige Viehställe, in denen durchschnittlich ca. 800 Liter Milch pro Kuh und Jahr gewonnen werden. Im allgemeinen werden die Kühe in Cypern noch gar nicht gemolken und bleiben trocken stehen, nachdem das Kalb von der Kuh weg ist. Eine ordentliche Hühnerzucht ist nur ganz gering vorhanden. Seidenraupenzucht ist entwickelt. Der Orangenbau ist lokalisiert auf einige vom Wasser begünstigte Stellen, wie Famagusta und Lefka. In Famagusta wird die übliche Jaffaorange gezogen, während in Lefka eine späte Orange üblich ist. An Obstbäumen sind hauptsächlich vertreten in der Ebene Feigen, Johannisbeerbrot, Oliven, Aprikosen, im Gebirge die europäischen Obstarten u. a. Aprikosen, Kirschen, Pflaumen. Im Gemüsebau Anbau von Gurken, Tomaten, Kartoffeln und Zwiebeln. Die Märkte Cyperns werden mit Gemüse genügend beschickt, doch in sehr beschränktem Umfange ist für Qualitätsware in vernünftiger Aufmachung ein Markt vorhanden. Die dort stationierten Beamten und Europäer würden das Qualitätsgemüse sicher lieber nehmen, als das nicht marktmäßig bearbeitete Gemüse der Cyprioten. Auch der Fremdenverkehr dürfte als Abnehmer, wenn auch in beschränktem Umfange, iii Frage kommen. Im allgemeinen ist der Binnenmarkt Cyperns jedoch zu klein. Es wird deshalb der Anbau für den Export hinzutreten müssen. Ich halte als Siedlung eine Form für angebracht, die auf der einen Seite es ermöglicht, daß der Siedlungsbetrieb möglichst autark leben kann, daß mit Ausnahme des Getreides die Lebenshaltung des Siedlers vollkommen versorgt wird, daß darüber hinaus ein Anbau für den Export erfolgt, der den Siedlerfamilien das nötige Geld bringt. An Ausfuhrartikeln kommen neben Orangen und Tafeltrauben in der Hauptsache in Frage: Zwiebeln, Tomaten, Kartoffeln. Die letzteren können so angebaut werden, daß sie einerseits als Frühkartoffeln im Mai, andererseits als frische Winterkartoffeln im Dezember auf den Markt gebracht werden können. Der Absatz wäre hier zu regeln, wenn auch im letzten Jahre hier Absatzschwierigkeiten waren. Vom rein wirtschaftlichen Standpunkt halte ich eine jüdische landwirtschaftliche Siedlung in Cypern für unbedingt möglich. Es werden zwar dort für die Siedler keine Konjunkturgewinne zu erwrarten sein, jedoch dürfte es auch nach der negativen Seite keine wesentlichen Ueberraschungen geben, vorausgesetzt, daß bei der Auswahl des jeweiligen Siedlungsgeländes sachgemäß vorgegangen wird, und die Anbau- und Absatzfragen einheitlich organisiert werden. Die Spekulation, die sehr leicht die erfolgreiche Arbeit in Cypern gefährden könnte, muß vermieden werden. Wenn die Siedlungen in Cypern bestehen sollen, wird eine genügende Größe derselben nötig sein, damit sich die Siedlungen erhalten können, und auch die Absatzorganisation möglich wird. Zurzeit sind ca. 36 000 Dunam im jüdischen Besitz. Von diesem Lande wird nur ein Teil besiedelbar sein, weil nur ein Teil des Landes von den Besitzern zu diesem Zweck abgegeben wird, und davon nur ein Teil siedlungsfähig sein wird, weil sowohl Boden wie Wasserfragen an den verschiedenen Stellen noch geprüft werden müssen. Wenngleich es nicht möglich ist, eine genaue Zahl von Siedlern anzugeben, für die Siedlungsmöglichkeit besteht, weil erstens auf den verschiedenen Stellen die Wasserfrage zu klären ist, und weil zweitens nicht zu übersehen ist, in welchem Umfange cypriotische Besitzer im Lande verkaufen wollen, so kann doch damit gerechnet werden, daß mehrere 100 Familien in Cypern angesiedelt werden können. Es ist müssig, eine genaue Zahl zu nennen, da die Faktoren Wasser und Verkaufswilligkeit im Augenblick gar nicht zu übersehen sind. Außer den landwirtschaftlichen Möglichkeiten wird Cypern wenig Möglichkeiten für jüdische Existenzen geben. Aerzte erhalten im allgemeinen keine Zulassung. Als Advokaten sind fast nur englische Advokaten vorhanden. Als Arbeitnehmer wird im allgemeinen die Unterbringung schwer sein, weil der cypriotische Arbeiter sehr anspruchslos ist. Die Löhne sind gering, sodaß bei diesen Löhnen das Arbeiten für Europäer nicht gut möglich ist. Lediglich für leitende Fachleute werden in geringem Umfang Existenzmöglichkeiten sein. Als Handwerker ist die Existenz in Cypern ebenfalls schwierig, da Cypern im allgemeinen gute Handwerker hat, die infolge ihrer Bescheidenheit sehr billig arbeiten können, und neben denen deshalb der jüdische Handwerker sehr schwer aufkommen würde. Für kleingewerbliche Unternehmen mit etwas Kapital könnten kleine Möglichkeiten gegeben sein. Im Handel ist eine wesentliche Existenzmöglichkeit nicht vorhanden, da mit dem griechischen Kaufmann sehr schwer zu konkurrieren ist. Die Industrie in Cypern ist gering. Mit Ausnahme von Asbest und etwas Kupfer hat Cypern keine Rohstoffe. Es könnte sich lediglich eine kleine Industrie entwickeln, die auf dem Vorhandensein von Rohstoffen fußt, die sich mit der Verwertung und Verarbeitung von Flachs, Seide und Baumwolle, der Herstellung von Obst- und Gemüsekonserven, der Herstellung von Trockenobst etc. befaßt. Das Gleiche gilt im beschränkten Rahmen für Hilfseinrichtungen beim Absatz der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Produkte und Absatz von Vieherzeugnissen, Verkaufseinrichtungen, Kühlhallen, etc. Grundlage hierfür wird die landwirtschaftliche Siedlung sein. Im Rahmen dieser Siedlung werden sich'Möglichkeiten für andere Berufszweige ergeben. Die vorhandene cypriotische landwirtschaftliche Produktion wird hierbei natürlich auch mit in die Wagschale fallen. Biro Bidschan. Einem Artikel des Direktors des Amerikanischen Agro- Joint für Ost-Europa, Joseph A. Rosen, „Biro Bidschan, autonomes jüdisches Gebiet in USSR," entnehmen wir folgende fachmännischen Mitteilungen über die in diesem Lande bestehenden Entwicklungsmöglichkeiten : Die nachstehenden fundamentalen Voraussetzungen sind gegeben: 1. Eine beachtliche Energiebasis. 2. Eine Basis für die Entwicklung von Schwerindustrien. 3. Eine Basis für die Entwicklung von Leichtindustrien. 4. Eine Basis für landwirtschaftliche Entwicklung. 5. Eine Basis zur Entwicklung der Verkehrsmittel. Allerdings, eine Bedingung ist vorauszusetzen: die an der Erschließung interessierte Regierung muß zur Investierung von Kapital und zu sehr umfangreichen Arbeiten, zum Bau von Wegen, zur Entsumpfung und Bewässerung bereit sein, ohne daß sie erwartet, von den künftigen Siedlern die Kosten zurückvergütet zu erhalten. Diese müssen vielmehr im Interesse der höheren Entwicklung des Landes abgeschrieben werden. 1. Die Energiebasis. Die Entwicklungsmöglichkeiten der Ausnutzung von Wasserkraft für Elektrizitätszwecke sind erstaunlich. Die Stromschnellen des Amur sowie einiger weniger bedeutender Flüsse können Wasserkräfte erzeugen, die den Bedarf des jüdischen Rayons übersteigen. Zur Zeit sind nur einige kleine Kraftstationen im Betrieb, aber die potentiellen Möglichkeiten zur Schaffung bedeutender Wasserkraftstationen sind vorhanden. 2. Die Basis für die Entwicklung von Schwerindustrien. Es bestehen beträchtliche Vorkommen von Eisenerz, während Kohle unter der Oberfläche der unmittelbar benachbarten Gegend liegt. Man kann mit Sicherheit sagen, daß die Sowjetregierung, wenn nötig, diese Kohlengebiete dem Territorium von Biro Bidschan einverleiben wird. Quantität wie Qualität der Erz- und Kohlenlager sind noch unbekannt. Ihre geologische Erforschung ist im Gange, aber schon was heute bekannt ist, läßt den Schluß zu, daß hier eine sehr solide Grundlage für die Entwicklung lokaler Schwerindustrien besteht. Im gleichen Sektor befinden sich Goldlager, deren Ausbeutung bereits seit längerer Zeit im Gange ist. 32

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