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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 26

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 26 (sequence 28)
Language
German
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titular de este passaporte se comprofnete a no aceptar trabajo algiino renumerado en Espana". Wenn jemand erklärt, daß or nach Spanien gehen wolle, um dort Arbeit zu finden, wird die Visenerteilung abgelehnt. Wird dagegen dem Konsulat ein regelrecht unterschriebener und von der spanischen Behörde abgestempelter Vortrag vorgelegt, wird das Visum erteilt. Auch bezieht sich die Arbeitsklausel nicht auf Artisten und Künstler, die einen Vortrag auf eine bestimmte Zeit vorlegen. Niehl verboten ist, in Spanien ein Unternehmen zu gründen, wenn die lokalen Vorschriften in Spanien erfüllt sind. Spanische Kolonien. Das Auswärtige Amt in Madrid erläßt die Vorschriften für Kolonien. Es gelten da dieselben Bedingungen wie für das Mutterland, daß niemand auf Arbeitssuche gehen, sondern daß er die Kolonien nur als Tourist besuchen kann. Für Spanisch-Marokko bestehen besondere Vorschriften, die wir bei diesem Lande anführen. Die Wirtschaftslage Spaniens im Jahre 1934 Die für das Jahr 1934 erhoffte Besserung der spanischen Wirtschaftslage ist nicht eingetreten. Der auf fast allen Gebieten zu beobachtende Rückgang der Umsätze und die dadurch bedingte Einschränkung der Produktion haben zu einem weiteren Anschwellen der Arbeitslosenzahl geführt, die nach den letzten Schätzungen sich nunmehr auf rund 610 000 (worunter sich allerdings nur ."'•88 700 vollständig Arbeitslose befinden) belaufen soll, so daß sich gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung um ungefähr 15 000 ergibt. Wenn auch zahlreiche Pläne zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit autgetaucht sind, insbesondere große Bewässerungs- und Aufforstungsarbeiten angekündigt wurden, so ist es doch bisher zu ihrer Ausführung nicht gekommen. Die im Lande herrschenden sozialen Gegensätze wurden durch zahlreiche Streikbewegungen verschärft. Besonders gefährlich drohte der zu Beginn des Sommers angekündigte Landarbeiterstreik zu werden. Es gelang jedoch der Regierung, durch scharfe Maßnahmen die Einbringung der Ernte zu sichern. Zu den durch die allgemeine Lage gegebenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten traten politische Unruhen, die im Oktober zu blutigen Auseinandersetzungen führten und auch wirtschaftliche Rückschläge mit sich brachten. In weiterer Durchführung des Agrarreformgesetzes vom September 1932 waren bis zum Juni 1934 insgesamt 86 513 ha Bodenfiäche enteignet und zur Errichtung von 8904 landwirtschaftlichen Siedlungen verwendet worden. Die in Katalonien im Gesetz über die landwirtschaftlichen Pachtverträge angestrebte Reform ist durch den Sturz der katatonischen Regierung hinfällig geworden. Die Ernteergebnisse des Jahres 1934 sind im allgemeinen sehr befriedigend. Die Lage der spanischen Industrie bat sich im vergangenen Jahr weiterhin verschlechtert, wobei, wie im Vorjahre, die Streikbewegungen eine beträchtliche Rolle spielten. Die Schwerindustrie bat bisher Staatsaufträge nicht in dem erwarteten Umfange erhalten. Im Zusammenhang mit der gedrückten Lage des Baumarktes arbeiten die Zementfabriken nur mit einem Bruchteil ihrer Leistungsfähigkeit. Die Lagerbestände der Textilindustrie haben sich bei mangelnden Absatzmöglichkeiten weiterhin vergrößert. Die Kraftwagenindustrie hat mit dem immer mehr zunehmenden ausländischen Wettbewerb zu kämpfen. Gut war, wie im Vorjahre, die Lage der Papierindustrie. Der Kohlenbergbau hatte unter Absatzmangel und den durch die Sozialgesetzgebung bedingten Lasten zu leiden. Trotz verschiedener Regierungsmaßnahmen, die den Verbrauch von Kohle in der einheimischen Industrie heben sollten, ist es nicht gelungen, die Absatzschwierigkeiten zu beseitigen. Die Eisenerzminen fanden besseren Absatz für ihre Produkte durch die größere Aufnahmefähigkeit des englischen Marktes. Auch bei den Schwefelkies- und Quecksilbergruben ist gegenüber dem Vorjahr eine weitere Besserung festzustellen. — Die Kaliförderung hat zugenommen; neue Bohrungen lassen einen weiteren Ausbau dieser für Spanien immer wichtiger werdenden Ausfuhrmöglichkeit erwarten. Nachstehend folgen Mitteilungen aus Barcelona und Madrid über Zulassungs-, Aufenthalts- und Arbeits-Bedingungen. Bemerkt sei, daß wir in unseren Korrespondenzblältern vom Februar und Oktober 1933 die Bestimmungen für ausländische Arbeitnehmer ausführlich wiedergegeben haben. Aus B a r c o 1 o n a e r s t e II;'i l f t e Dez e m b o r 1 9 3 4 : ..Die Aufenthaltserlaubnis wird Ausländern in Spanien auf ein .Jahr erleilt, wenn sie einen gültigen Paß haben; bei Deutschen und den Angehörigen der meisten anderen Staaten ist außerdem das Visum eines spanischen Konsuls erforderlich. Staatenlose müssen zwei Bürgen beibringen, welche angesehene und bemittelte spanische Bürger sein müssen. Es findet seit einiger Zeit eine systematische und genaue Nachprüfung nach solchen Ausländern statt, welche nicht nachweisen können, woher sie die Mittel zu ihrem Lebensunterhalt haben, und nach solchen, welche ohne die gesotzlich vorgeschriebene Erlaubnis arbeiten. Alle diese werden selbst dann verhaftet und ausgewiesen, wenn ihre Papiere sonst in Ordnung sind. Die Arbeitsbewilligung wird nur noch in seltenen Fällen erteilt, und zwar nur dann, wenn der ausländische Arbeitnehmer bereits von früher her die Identitätskarte besitzt. Neue Identitätskarton werden, da die Frist zur Stellung der entsprechenden Anträge abgelaufen ist, nur ausgestellt, wenn bereits ein Arbeitsvertrag vorgelegt wird. Die Ausstellung dauert über ein Jahr und wird meistens abgelehnt. Für die Ausübung eines Berufes als selbständiger Unternehmer worden dem Ausländer im allgemeinen von den Behörden keine Schwierigkeiten gemacht. Niederlassungsmöglichkeiten bestehen daher in Spanion nur für diejenigen, welche die Mittel haben, sich in irgend einem Erwerbszweig selbständig zu machen. Eine Anzahl von Schneidern insbesondere hat in letzter Zeit hier ein Auskommen gefunden. Die Zeit der Eingewöhnung, bis man mit den Verhältnissen des Landes vertraut ist, muß in Spanien bedeutend länger bemessen werden als anderswo, da die Verhältnisse und Gebräuche in vieler Beziehung anders sind. Infolgedessen müssen auch die Mittel entsprechend bemessen sein, um längere Zeit aushalten zu können; denn es dauert gewöhnlich lange, bis der Einwanderer so weit vertraut mit allen Dingen ist, daß er seinen Ervverb linden kann. Barcelona Ende D e z e m b e r 1 9 3 4. Die Erlaubnis zur Anstellung von Ausländern wird nur in seltenen Ausnahmefällen und nach monate- oder jahrelangem Warten erleilt. Vor allem besieh! aber deshalb schon von vornherein ein allgemeiner Widerstand gegen die Anstellung von Ausländern, da im Falle von Schwarzarbeit dem Arbeitgeber die schwersten Geldstrafen drohen. Sich irgendwie selbständig zu machen, mit einer Vertretung oder dergl., ist auch so lange außerordentlich schwierig, als man nicht vollkommen die Landessprache beherrscht, was natürlich nicht in ein paar Wochen zu erreichen ist. Man muß schon ganz besondere Fähigkeiten oder ganz außergewöhnliches Glück oder beides haben, um hier im Verlaufe von wenigen Monaten bereits seinen Lebensunterhalt vordienen zu können. liier in Barcelona lebten schon vor der neuen Einwanderung etwa 20 000 Deutsche. Die Zahl der Juden dürfte auf etwa 3500 zu schätzen sein: die türkischen Juden nicht mitgerechnet. Aus M a d r i d schrieb man uns gleichfalls im D e - z o m bor 1 9 3 4 : Es gelten nach wie vor noch die bisherigen allgemeinen Ausländergesetze. Allordings geht die Regierung in der letzten Zeit schärfer gegen Ausländer vor, die nicht nachweisen können, wovon sie ihren Lebensunterhalt bestreiten, oder deren Papiere nicht in Ordnung sind; dieses ist aber nur eine Folge der hiesigen schwierigen polilischen Verhältnisse. Außerdem erwartet man eine Siebung der Stellungen, die durch Ausländer besetzt sind, aber gut durch Spanier ausgefüllt werden können. Alles dieses sind keine außergewöhnlichen Maßnahmen, sondern nur Folgeerscheinungen der spanischen wirtschaftlichen Lage. Ausländer mit Geld dürften bei der Einreise mit keinerlei Schwierigkeiten zu rechnen haben. Auch die Möglichkeil einer Niederlassung von Kaufleuten ist nach wie vor die gleiche, dasselbe gilt von der Unmöglichkeil derjenigen der Aerzte, Juristen usw. In der zweiton Hälfte Dezember 1934 wurde uns mitgeteilt: In Spanien gibt es keine Flugzeugfabrik und nur eine Automobilfabrik. Arbeitsbewilligungen werden nur in Ausnahmefällen noch Spezialarbeitern erteilt, sonst aber fast durchweg abgelehnt. Wir beurteilen die Existenzmöglichkeil als Schlosser äußerst ungünstig, wenn ihm hier nicht größere Mittel zur Verfügung stehen. 26

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