Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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"'i' an. werden u. a. Angaben gemacht über Ceylon, Cypern, Kenya, Malaya, Nyasaland, Palästina, Tanganyika, Uganda. Wir bringen nachstehend eine kurze Zusammenfassung von Hinreise- Aufenthalts- und Arbeitsbestimmungen, die uns aus England zugegangen ist. Ausländer mit Ausnahme der nachstehend aufgeführten Nationalitäten benötigen ein Visum zur Einreise nach England. Oesterreich, Belgien, Tschechoslowakei, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Holland, Italien, Portugal, Spanien, Schweden, Schwei/. Infolgedessen müssen alle Angehörige anderer als der oben aufgezählten Staaten, vor der Einreise nach England, beim britischen Konsul ihres Landes ein Einreisevisum beantragen. Dies gilt auch für Staatenlose. Arbeitnehmer. — Ausländern, die in England Arbeit annehmen wollen, wird ein Visum nur dann genehmigt, wenn der Arbeitgeber in England zuvor eine Bewilligung der zuständigen Behörden eingeholt hat. S tudenten. — Um ein Visum für Studienzwecke zu erhallen, müssen dem Konsul Belege beigebracht werden, wie Diplome usw., aus denen hervorgeht, daß der Betreffende wirklich Student ist und entweder selbst in der Lage ist, für seinen Unterhalt während der Studienzeit aufzukommen, oder aber Verwandte oder Freunde besitzt, die sich verpflichten, während seines Studiums in England für seine Studien- und Unterhaltskosten aufzukommen. Nur unter dieser Bedingung würde der Konsul ein Visum für Studienzwecke gewähren, und zwar gewöhnlich nur unter der Voraussetzung, daß der Student, nach Beendigung seines Studiums, England wieder verläßt. Ausländer, die vorhaben, sich in England niederzulassen, ohne dort Arbeit anzunehmen oder sich irgendwie geschäftlich zu betätigen, müssen dem Konsul den Nachweis erbringen, daß sie über genügend Mittel verfügen, um sich lange in England ernähren zu können. Falls jemand nicht ein Minimumkapital von etwa £ 3000 nachweisen kann, wird der Konsul die Einreise als ,,Person of independent means" kaum gestatten. Um sich in England geschäftlich zu etablieren, muß dem Konsul sowie dem Innenministerium der Nachweis erbracht werden, daß ein solcher Betrieb in England benötigt wird und nicht den schon in England bestehenden — und besonders nicht bereits überfüllten Branchen - Konkurrenz machen würde. Die besten Aussichten für Ausländer, die Genehmigung der englischen Behörden zm Eröffnung eines Betriebes zu erhalten, bestehen für Fabrikanten, die in ihrem Unternehmen einen möglichst großen Teil englischer Arbeitsloser beschäftigen würden. Alle obenstehenden Angaben beziehen sich auf diejenigen Ausländer, die ein Einreisevisum beim Britischen Konsul beantragen müssen. Angehörige der vorstehend aufgezählten Nationalitäten haben die gleichen Bedingungen zu erfüllen, nur daß, statt des Konsuls, der Immigration Officer am Landungshafen darüber bestimmt, ob sie England betreten dürfen oder zurückzufallreu haben, je nachdem, ob die Angaben, die sie ihm bei der Ankunft gemacht haben, ihn befriedigt haben oder nicht. Es ist daher von größter Wichtigkeit für alle Einreisenden, d< in Immigration Officer unter allen Umständen wahrheitsgetreue Angaben zu machen. Falls ein Ausländer später beim Innenministerium um Verlängerung seiner Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigung nachsucht, würde irgendeine falsche Angabe dem Immigration Officer gegenüber die Behörden zu einer sofortigen Ablehnung seines Gesuchs veranlassen. Aus einer Besprechung des Jahresberichts des englischen Industrieverbandes entnehmen wir folgende Argumentation desselben. Die Expansion nach außen durch Auswanderung und Kapitalanlage in Uebersee sei in ihr Gegenteil verkehrt worden. Die Einwanderung nach England sei größer als seine Auswanderung, und das ausländische Kapital suche Sicherheit durch Anlage in englischen Papieren. Spreche man daher von neuem Handel und neuen Anlagen, so spreche man nicht notwendigerweise von solchen die Expansion des Handels wirklich fördernden Dingen. Wenn man auch noch keine endgültige Ansicht äußern könne, so dürfe man doch eines nicht leugnen, und das sei die bemerkenswerte Schnelligkeit in dei Schaffung verarbeitender Industrien in den Dominien in Uebersee und iii den Landwirtschaftsländern. Ueberall zeige sich das Bestreben bei Handelsabkommen und Einfuhrkontrolle, die Einfuhr nicht nur zu regeln, sondern gleichzeitig die neuen Industrien zu fördern. Das seien recht bedeutsame Symptome. Die frühere Energiequelle des Außenhandels, nämlich die Ausbeutung unerschlossener Territorien bei gleichzeitiger Verwendung der Bevölkerungsüberschüsse und Eabrikatvorräte der alien Länder sei versiegt. Die neuen Länder scluilen sich eigene Industrien und die Bevölkerung der alten Länder drohe abzunehmen. Die Rückwanderung nach England in den Jahren 1931/33 belief sich auf 119 000 Personen. Ein großer Teil der Rückwanderung wurde von Vertretern der Urproduktion gestellt. Gleichzeitig nehme die Industrialisierung zu: Diejenige Australiens habe sich seit 20 Jahren verdoppelt, in Südafrika versechsfacht. Indien erzeuge den größten Teil seines Bedarfs an Eisen, Stahl und Zement selber. Die Erzeugung von Baumwolltextilien in Indien sei seit 1913 auf das fünfzehnfache gewachsen. Das sei symptomatisch für die allgemeine Entwicklungstendenz in der Welt. Englands Auswande rungs- und Siedlungspolitik Infolge der gewaltigen Größe des Britischen Empire sind Emigrations-Probleme für dasselbe von besonderer Bedeutung. Aus dem Official Handbook, Dominion Bureau of Statistics für Canada sind nachstehend die räumliche Ausdehnung und Bevölkerungszahl nach dem Zensus von 1931 bezw. Schätzungen wiedergegeben. Fläche und Bevölkerung des Britischen Reiche s Fläche in Bevölk.-Census Bevölk.-Census Qu -Meilen von 1921 von 1931 Britisches Reich . 13 355 42b 449 583 000 494 082 000 Vereinigtes Königreich von Großbritannien und N. Irland .... 94 200 44 151 196 46 041 485 England .... 50 900 35 230 225 37 354 917 Wales..... 7 400 2 656 474 2 593 014 Schottland 30 500 4 882 497 4 842 554 Nord Irland 5 400 4 354 000 1 251 000 Irischer Freistaat . 27 137 2 957 000 Canada .... 3 692 864 8 787 949 10 376 786 Union von Süd- Africa . 471 917 6 928 580 8 192 000 Australien 2 974 581 5 435 734 6 621 477 Neu Seeland 104 751 1 218 913 1 513 416 Neufundland unci Labrador . 162 734 262 938 281 549 Indien ... 1 805 332 318 942 480 352 837 778 Wanderungspolitik In dem lieport to the Secretary of State for Dominion Affairs of the Inter-Departemental Committee on Migration Policy, London 1934, von dem die Reichstelle für Auswande rung einen Auszug gemacht hat, sind sehr interessante Ausführungen über Wa^derungsmöglichkeiten und prinzipielle Betrachtungen über Tendenzen der Wanderung und Ansiedlung enthalten. Wir geben die Ausführungen verkürzt wieder und bemerken, daß die Regierung den Bericht an die Dominionregierungen und die Staatsregierungen in Australien gesandt und sie um Mitteilung ihrer Beobachtungen ersucht hat. Das Inter-Departmental Committee on Migration-Policy in London hat eine Denkschrift *) über die englische Auswanderungs- und Siedlungspolitik verfaßt, die im August 1934 dem englischen Parlament vorgelegt worden ist. Sie enthält sehr bemerkenswerte Erfahrungen und Vorschläge für die amtliche Behandlung des ganzen Fragenkomplexes der Auswanderung und Ueberseesiedlung. Aus dem umfangreichen Bericht sind nachstehend einige interessante Aeußerungen wiedergegeben, die sich im wesentlichen auf die Kolonisationspolitik und -technik beziehen: Grundsätzlich wird empfohlen, die Auswanderung von England nach den überseeischen Teilen des britischen Reiches zu fördern, um eine zweckmäßige Verteilung der weißen Bevölkerung herbeizuführen. Hierfür kommen in erster Linie Canada, Australien und Neu-Seeland in Frage. Der einzelne Auswanderer sucht eine Verbesserung seiner Lebenshaltung, Arbeitsmöglichkeiten oder eine bessere und gesichertere Beschäftigung für sich und zum wenigsten für seine Kin- *) Report to the Secretary of Stale lor Dominion Affairs of the Inter-Departmental Committee on Migration Policy, London 1934, U. M. Stationery Office, Kennziffer Cmd. 4089, 93 S. Preis 1 s, (kl. //