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Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen · 1935-09-01 · September 1935 · p. Seite 7

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Journal
Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
Volume
1935. Bestand LBI
Issue
September 1935
Date
1935-09-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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das sich Auswanderer zwecks Beratung über überseeische Auswanderung wenden können. Dies ging in gewissem Umfange auf Erwägungen bezüglich der Gruppenauswanderung zurück. Das Comité, dessen Bericht die Grundlage für die Maßnahme bildete, hatte sehr gründlich die Emigrationsmöglichkeiten studiert. Der Bericht wies nachdrücklich auf das unheilvolle Aufhören individueller Emigration hin. Er sprach sich gegen Kollektivauswanderung in großem Maßstabe aus und empfahl sorgfältig vorbereitete und organisierte Gruppenemigration in kleinem Maße. Das Comité erklärte jedoch, daß die vorgeschlagene Emigration auf Begierungsvereinbarungen basiert sein müsse, und ihr Erkundigungen bezüglich des Klimas, der Absatzmöglichkeiten, Transportbedingungen, Administration usw. in den Immigrationsländern vorausgehen müßten. Der Bericht schloß mit der Empfehlung der Entsendung einer Delegation zur Erforschung der Sachlage. Diese Gesichtspunkte fanden die Zustimmung des Parlaments. Nach vorangegangenen Erkundigungen und Verhandlungen mit den Regierungen von Argentinien, Brasilien und Chile, die mit dem dänischen Plan sympathisierten, ist eine Delegation entsandt worden. In einem Interview mit dem Minister für soziale Angelegenheiten erwiderte derselbe auf die Frage, ob die Idee organisierter Erweiterung wegen der Ausdehnung der Arbeitslosigkeit gefaßt worden wäre, daß dies in gewissem Umfange der Fall wäre, daß aber die Siedlungspläne nicht für mehr als 7000 bis 8000 Personen in Betracht kommen würden. In erster Linie würden Personen mit landwirtschaftlicher Erfahrung geeignetes Land für Kultivierung erwerben. Danach würden auch Möglichkeiten für andere Handarbeiter bestehen. Die Delegation sollte sich über 6 wohl vorbereitete Pläne informieren. Einen an der patagonischen Küste und den anderen am Coloradoriver in Argentinien. In Brasilien ist ein Kolonisationsplan im Staate Sao Paulo durch die Begierung entworfen worden. Desgleichen in Chile. Pläne zur Siedlung in Columbien und Venezuela wurden aufgegeben. Die dänische Begierimg sollte die vorbereitenden Arbeiten übernehmen und Verhandlungen mit den Regierungen führen. Ein finanzieller Beitrag soll von ihr nicht geleistet werden. Die Finanzierung soll durch eine Privatgesellschaft erfolgen. Die Kosten für den einzelnen Emigranten werden auf 5000 Kronen geschätzt. Zum Schluß bemerkte der Minister, daß viele Schwierigkeiten mit der Gruppen-Organisation verbunden wären, und daß man von dem Plan nicht zu viel erwarten solle. Andererseits wären zweifellos viele und mannigfaltige Aussichten in Südamerika und angesichts der Lage in Dänemark, wo die Einwanderung die Auswanderung übertreffe und Arbeitslosigkeit weit verbreitet sei, selbst in Kategorien, die hauptsächlich für kolonisatorische Pläne in Betracht kämen, gäbe es keine Rechtfertigung, sich nicht nach den Aussichten zu erkundigen, besonders da die betreffenden Länder Interesse für den Vorschlag zeigten. Er fügte hinzu, daß es nicht unmöglich sei, daß eine Zusammenarbeit mit anderen skandinavischen Ländern in Betracht gezogen werden könnte. Aehnliche Pläne seien bereits in Schweden diskutiert worden. — Einem Konsulatsbescheid zufolge ist das Becht für Ausländer zwecks Ausübung der Aerzte-Tätigkeit in Dänemark davon abhängig, daß der Betreffende das ärztlich-wissenschaftliche Staatsexamen bei der Kopenhagener Universität mit sehr gut bestanden hat. Des weiteren werde die Aufenthaltserlaubnis für Ausländer zur Ausübung ihres Berufs oder zum Aufenthalt über 6 Monate hinaus verlangt. — Der Fortschritt im ökonomischen Leben von Dänemark, der im Jahre 1933 herrschte, setzte sich in allen Gew^erbezweigen während des Jahres 1934 fort. Geschützt durch Import-Restriktionen prosperierte die Heimindustrie, und viele Artikel, die früher importiert wurden, werden jetzt in dem Lande hergestellt. Der Prozentsalz der Arbeitslosen betrug 1932 31,7%, 1933 28,8% und 1934 annähernd 22%. Der Index der Heimerzeugnisse hob sich von 105 im Jahre 1933 auf 115 im Dezember 1934 hauptsächlich als Resultat vermehrter Bautätigkeit. In nachfolgender Veröffentlichung der Reichsstelle für das Auswanderungswesen vom März 1935 werden Einzelheiten bezgl. der Entwicklung der Industrie im Jahre 1934 gegeben: Für die Industrie war das vergangene Jahr sowohl produktionsmäßig als auch beschäftigungsmäßig gesehen, recht günstig. Sehr stark beschäftigt waren die mil der starken Bautätigkeil zusammenhängenden Gewerbe, aber auch die übrigen Betriebe hatten von einem größeren allgemeinen Verbrauch und verhältnismäßig günstigen Arbeitslöhnen (auf Gold gerechnet) Vorteil. Für die einzelnen Erwerbszweige gibt nachstehende Uebersicht über die Produktionsindexzahlen (1931 100) ein allgemeines Bild: 1932 1933 1934 Nahrungsmittelindustrie .... 102 108 115 109 128 145 Bekleidungsindustrie..... 102 127 130 123 158 159 77 91 110 Stein-, Ton- und Glasindustrie . . 71 105 114 Eisen- und Metallindustrie . . . 74 84 9fi Graphische- und chemisch-tech- 98 108 109 Insgesamt 91 105 112 Die Arbeitslosigkeit ist im letzten Sommer verhältnismäßig stark gesunken, auf ungefähr 70 000 versicherte Personen. Wenn im Winter bei Aufhören der Bautätigkeit eine verhältnismäßig starke Steigerung auf 133 000 erfolgte, ist zu berücksichtigen, daß die Zahl der beschäftigten Mitglieder der Arbeitslosenklassen von 242 500 auf etwa 290 000 gestiegen ist. Deutschland. Ueberseeische Auswanderung und Einreise im Jahre 19 34 Im Jahre 1934 sind 13 853 Reichsdeutsche, das sind 987 oder 7,7 % mehr als im Jahre 1933 nach Uebersee ausgewandert, und zwar 5620 männlichen und 8233 weiblichen Geschlechtes. Bei der Erteilung von Einreiseerlaubnissen durch die Auslandskonsulate wurden auch im Berichtsjahr Frauen bevorzugt, die ihren früher ausgewanderten Männern nachreisten. Insgesamt reisten 1931 92 596 Deutsche und Ausländer über reichsdeutsche Häfen aus, 15,3 % mehr als im Vorjahre. Zum ersten Mal seit dem Jahre 1930 und wie stets in frühe ren Jahren überwogen im Berichtsjahre im Ausreiseverkehr wieder die Beichsdeutschen gegenüber den Ausländern. Die Zahl der reichsdeutschen Einreisenden ist gestiegen um 8,6% auf 45 810, während die Zahl der Ausländer (43 177) weiter um 7 % abgenommen hat. (Aus „Wirtschaft und Statistik" März 1935). Estland. Bevölkerung: 1 126 410 (0.4 % Juden) Tallin (Beval): 136 451. Währung: 100 Kr. 69 BM., Goldparität 112.50 RM. 1931 1932 1933 Auswanderer 644 328 453 Im April 1935 ist ein Dekret des Präsidenten von Estland erlassen worden, das die Zulassung von ausländischen Arbeitern für Arbeiter wie Arbeitgeber regelt. Gebühren für Estland (Ende Juni 1933). Für Staatsangehörige von: Einreise: Durchreise: Amerika, Verein. Reisende : Staaten (Jahresvisa für wiederholte Reisen) —- gratis; für Auswanderer: RM 42,— (Kr. 37,50) Belgien Transitvisum ohne Aufenthalt — Ekr. 1,25 Einreisevisum mit 2tägigem Aufenthalt — Ekr. 4,20 Für wiederholte Reisen für 1 monatl. Aufenthalt in Estland Ekr. 6,30 in Estland mit 3 monatl. Aufenth. Ekr. 12,60 in Estland mit 1 jährigem Aufenth. Ekr. 25.20 Deutschland A u f g eh o b e n. Visa nur für Sammelpässe, u. diese sind gebührenfrei. Dänemark Aufgehoben. Finnland Auf gehoh e n. Visa nur für Sammelpässe, u. diese sind gebührenfrei. Für die Einreise Sondervorschriften (keine Auslandspässe erforderlich). 7

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