Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Journal
- Korrespondenzblatt über Auswanderungs- und Siedlungswesen
- Volume
- 1935. Bestand LBI
- Issue
- September 1935
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492417-9587701-10032093--502-9587706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
denen Wirtschaftsschwierigkeiten und der Fremdheit der Zivilisation des Ostens gegenüber der europäischen vorläufig nicht als Einwanderungsländer anzusehen. Aber es ist doch von hoher Bedeutung, daß sich ihre Tore geöffnet haben, und daß Einzelne als Pioniere dorthin gehen konnten. Biro Bidschan im Fernen Osten hat den Gegenstand fachmännischer Untersuchungen gebildet, und es ist ein günstiges Urleil über sich bietende Existenzmöglichkeiten gefällt worden. Nach bisherigen Informationen ist es für nicht-russische Einwanderer allerdings noch nicht zugänglich. Syrien und Cypern erschließen sich evtl. als neue Einwanderungsgebiete. Der Hilfsverein hat Fachleute zur Einziehung von Informationen an Ort und Stelle nach Cypern entsandt. Soweit deren Urteil günstig lautet, würde eine Anzahl von Familien, die mit Landarbeit vertraut sind, dorthin übersiedeln können. Ks sind in letzter Zeit Delegationen und einzelne Persönlichkeiten nach Südamerika zur Erforschung von Einwanderungs- und Kolonisationsmöglichkeiten gegangen. \rbeitslosigkeit Einvv Statistik des Internationalen Arbeitsamtes von Ende Juni gemäß ergab sich bezüglich der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Staaten folgendes: Arbeitslosigkeit ist seit Juni 1934 vermehrt in Bulgarien. Frankreich, Ungarn, dem Irischen Freistaat, den Niederlanden, Polen, Spanien, Schweiz und Jugoslawien. Ungarn und die Schweiz sind erst in den letzten 3 Monaten zu dieser Gruppe gekommen. Die Beschäftigungsziffer zeigt ein allgemeines Anwachsen verglichen mit dem Stand vor einem Jahr. Aber in Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz war eine Abnahme zu verzeichnen. In Bulgarien, Ungarn, Polen und Jugoslawien zeigen die Zahlen betreffs der Arbeit und der Arbeitslosigkeit gleichermaßen eine Steigerung. In den Vereinigten Staaten ist der Beschäftigungs-Index derselbe wie im Juni 1934. England hat eine Zunahme von 139 000 beschäftigten Personen und eine Abnahme von 73 788 versicherten Arbeitslosen zwischen Juni 1934 und Juni 1935. Die Zahlen für britische Dominions sind: Australien (trade union statistics) 79 400 Arbeitslose im März 1935 gegenüber 92 297 im März 1934. Kanada (trade union statistics) 27 540 Arbeitslose im Mai 1935 gegenüber 28 725 im Mai 1934. Neuseeland 44 672 Unbeschäftigte im Mai 1935 gegenüber 45 652 im Mai 1934. Die Vereinigten Staaten hatten 11 500 000 Arbeitslose im April 1935 gegenüber 10 905 000 im April 1934. Der Irische Freistaat 124 920 Arbeitslose im Juni 1935 gegenüber 94 420 im Juni 1934. Vorbilduu nd Wir bringen in den Abschnitten über die Einwanderungsländer Mitteilungen über Be- °r Beruf! 1,11 rufsaussichten. Es ist schwer, allgemeine Richtlinien aufzustellen und die aussichtsreichen Berufskategorien zu klassifizieren, da Konjunktur und die Zuwanderung jeweils Aenderungen hervorrufen. Wir beschränken uns hier auf Angaben, die die Ueberseeländer betreffen. Kaufleute und kaufmännische Angestellte ohne Kapital und Angehörige freier Berufe haben im allgemeinen keine oder geringe Chancen. Eine Ausnahmestellung nehmen in gewissem Umfange Aerzte ein, deren Beruf nur unter gewissen Voraussetzungen ausgeübt wTerden kann. Wir sind bei verschiedenen Ländern auch auf die Einwanderungsbedingungen und Niederlassungsaussichten für Aerzte eingegangen. Wir möchten ganz allgemein bemerken, daß jedem Arzt dringend davon abgeraten werden muß, ohne vorhergehende sorgfältige Erkundigung und Nachprüfung der Verhältnisse eine endgültige Entscheidung zu treffen. Qualifizierte Arbeiter, Handwerker und Techniker mit etwas Kapital, um für eine Wartezeit gerüstet zu sein und Installierungsmöglichkeiten ausnutzen zu können, sowie geschulte Landarbeiter, Landwirte mit Kapital haben Aussichten in den größeren Einwanderungsländern und auch in kleineren Ländern mit nicht allzu prohibitiver Einwanderungsvorschrift und einer aufsteigenden wirtschaftlichen Konjunktur. Unter die vorgenannten Kategorien fallen auch weibliche Fachkräfte wie: Krankenschwestern, Pflegerinnen, Erzieherinnen, Schneiderinnen, Modistinnen und Friseusen. Haupterfordernisse sind: Berufstüchtigkeit, jugendliches Alter (für die Südafrikanische Union wird z. B. eine Altersgrenze von 25 bis höchstens 30 Jahren angegeben), Kenntnis der Landessprache bezw. der Landessprachen, Anpassungsfähigkeit und vor allem Ausdauer. Es ist aber immer letzten Endes die Persönlichkeit, die zu Erfolgen führt, und der sich evtl. bei besonderen Fähigkeiten und besonderer Initiative auch ausnahmsweise eine Chance eröffnen kann, wo vorstehend angegebene Vorbedingungen teilweise fehlen. Es muß jedoch stets wieder darauf hingewiesen werden, daß jede Auswanderung ein Risiko bedeutet. Die Komitees in den einzelnen Ländern können bei aller Hilfsbereitschaft, für die ihnen gedankt werden muß, nicht vorher Stellungen verschaffen. Eventuelle Arbeitgeber pflegen nicht vorher zu engagieren, sondern wollen den Kandidaten vor dem Engagement erst einmal sehen und sprechen. Die Entscheidungen werden an Ort und Stelle getroffen. Auf Grund gemeldeter Mißerfolge muß davor gewarnt werden, daß Personen, die sich zwar umgestellt haben, aber ungenügend ausgebildet sind, versuchen, Arbeit anzunehmen, für die hochqualifizierte Kräfte verlangt werden. Es sind, wie berichtet wird, Fälle vorgekommen, wo die Entlassung schon am ersten Tage oder nach wenigen Tagen erfolgt ist. Es darf nicht vergessen werden, daß im Einwanderungslande selbst ein Angebot von Kräften, zum Teil hochqualifizierten, vorhanden ist, besonders in Zeiten der Arbeitslosigkeit. Es muß wieder bemerkt werden, daß die von uns im „Korrespondenzblatt" gemachten Angaben in Bezug auf Einwanderungsbestimmungen, Gebühren, Landes- und Arbeitsverhältnisse, Lebenshaltungskosten etc. schnellen Wandlungen mannigfacher Art unterworfen sind. Bei der unvermeidlich längeren Dauer der Zusammenstellung eines Korrespondenzblattes enthält dasselbe Angaben, die sich auf eine geraume Zeit erstrecken. Quellen und Infor- Bei der großen Zahl von Staaten, die in diesem Blatt behandelt werden, haben wir aus mationen. sehr vielen Quellen Material genommen. In erster Reihe haben wir häufig die ungemein reichhaltigen Berichte der Reichsstelle für das Auswanderungswesen wiedergegeben, wozu ihre Freundliche Genehmigung stets erteilt wird. Den Konsulaten schulden wir für ihre Auskünfte Dank. Weiteres Material boten uns die Publikationen des Overseas Department, des Deutschen Wirtschaftsverbandes für Süd- und Mittelamerika, der Industrie- und Handelskammer in Stuttgart und des Archivs für Wanderfürsorge. Wir haben ferner aus Korrespondenzen, aus Mitteilungen des Reichswirtschaftsministeriums, des Internationalen Arbeitsamtes, aus Zeitungsberichten, die wertvolles Tatsachenmaterial enthalten, viel gebracht. 3